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Jüdische Presse · 1925-06-05 · 23 (5.6.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
23 (5.6.1925)
Date
1925-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 23 EINLADUNG zu der am Sonntag den 15. Siwan 5685 (7. Juni 1925) um 10 Uhr vormittags im Turnsaale der Schule, II., Malzgasse 16, stattfindenden ordentlichen Generalversammlung des WIENER TALMUD-THOR A-Schul- Vereines TAGESORDNUNG: 1. ׳ Eröffnung 2. Gedenkrede nach dem verstorbenen Vorstandsmitgtiede Hofrat Dr. JULIUS SCHLAG (gehalten von Dr. J. B 0 n d i) 3. Gedenkrede nach dem verstorbenen Lehrer ADOLF FRIED (gehalten von Oberlehrer Jakob Eohn) 4. 25jähriges Jubiläum des Präsidenten MARKUS BONDI (gewürdigt von Dr. Pinchas Kohn) 6. Jüdische Erziehungsideale einst und jetzt (Vortrag: Dr. L. Deutschländer) 6. Rechenschaftsbericht des Vorstandes 7. Kassabericht 8. Neuwahlen ist geeignet, wenn auch keine Linderung in der Gegenwart, so doch immerhin eine Besserung in Hinkunft erwarten zu lassen. Dieses Negativum ist das Schicksal der Talmud- Thora-Schulen. Würden auch sie in diesem finsteren Entwürfe, der in wenigen Tagen Gesetz wird, reglementiert, wären sie gewiss gerichtet. Die Anforderungen in puncto Lehrgebäude, innere Einrichtung, Prüfungsnachweis der Lehrer, Stundenzahlmaximalisierung, Schultaxeßhormierung, Unterrichtssprachefixierung böten so viele Handhaben, die T׳almud-Thora־Anstalten und die Chadorim fast ausnahmslos an ,einem Tage zu sperren. Nun, da sie in dem ominösen Gesetze nicht expressis verbis genannt sind, darf man sich vielleicht der angenehmen Hoffnung, deren Vater allerdings auch nur der Wunsch ist, hingeben, dass die unsere höchsten Anliegen bedeutenden Thoralehranstalten nicht auf das Prokrustesbett des Schulgesetzes gespannt, sondern wie bis heute behandelt werden würden. Denn wenn sie auch vielen Schikanen und Vexationen von seiten der Unterbehörden: Schulrevisorate und ihrer Vollzugsorgane ausgesetzt waren, wenn auch fast wöchentlich hier oder dort ein Cheder gesperrt, ein anderes gemassregelt, ein drittes in seinen Unterrichtsstunden peinlich eingeschränkt wurde» so ist dieser beklagenswerte Umstand ״dieser Schrecken ohne Ende",!um mit Birnbaum zu sprechen, vorzuziehen ״einem Ende mit Schrecken“. So lange nämlich die Knebelung der Pflanzstätten der Thora nicht gesetzlich geregelt wird, ihnen also kein Ende mit Schrecken bereitet wird, so müssen wir wohl täglich um den Bestand und die Erhaltung der das Fundament unseres Seins bildenden Schulen zittern und einen Schrecken ohne Ende ertragen, aber wir hegen die unerschütterliche Zuversicht, dass unsere Talmudlehranstalten auch diese über ihrem ehrfurchtgebietenden, altersgrauen Haupte sich zusammenballenden gewitterschweren Wolken glücklich vorüberziehen sehen und nur mit kleinen, leicht reparierbaren Schäden davonkommen werden Allein zu einer Auseinandersetzung über diese Frage wird es noch jedenfalls kommen, wenn die gegenwärtige Regierung und mit ihr Anghelescu noch längere Zeit am Platze bleibt. Wohl hat unsere orthodoxe Zentrale schon vor Jahr und Tag, dem Wunsche dieses energischen Ministers entsprechend, die statistischen Daten sämtlicher ihr unterstehenden Talmud-Thora-Institute, die Bildungsgang und Befähigung der Melamdim bescheinigenden Zeugnisse gesammelt und unterbreitet, aber die unbehelligte und ausgesprochene Autonomie, wie sie diese Schulen früher hatten und die wir als Ergebnis der Unterbreitung jenes einverlangten weitschweifigen statistischen Materials erwarteten, blieb aus. Die Aussichten hiezu sind bedauerlicherweise sehr trübe, denn aus einem Punkte des Schulgesetzes geht ganz deutlich das Bestreben Anghelescus hervor, die Aufsicht über die Schulen und ihre innere Verwaltung der Kompetenz der schulerhaltenden Kirchenbehörden zu entziehen, uni sämtliche Kulfurinstitute unmittelbar seinem Ministerium ziu unterstellen. So erklärte er •auch unserer Zentralleitung ganz offen, dass er trotz aller bezüglich der Talmud-Thora- Schulen erhaltenen Daten noch nicht in der Lage sei, diese Anstalten ohne weiteres der Ingerenz der jüdischen Kultusgemeinden zu überlassen, er wünsche vielmehr mit allen jenen Instituten in einem engeren Kontakt zu stehen, um die nötige Kontrolle gewissenhaft ausüben zu können. Nach dieser Aeusserung stand zu befürchten, dass er im Rahmen des Schulgesetzes auch über jene Anstalten als unerbitt-; licher Richter streng zu Gericht sitzen werde. Als er nun die Enquete einberief und keinen Vertreter des Judentumes einlud, da konnte man schon merken, dass im Entwürfe nichts über Schulen echtjüdischer Spezies (Talmud- Thora, Chadorim, Jeschiwoth) enthalten ist. Diese Vermutung wurde nun durch die Bekanntwerdupg des Gesetzes zur erfreulichen Gewissheit. Die Orthodoxie ist einstweilen dem Herrn Unterrichtsminister zu Danke verpflichtet für die absichtliche oder bloss aus menschlichen Zufälligkeitsgründen entstandene Ausschaltung der wahrhaft und ureigentlichen jüdischen Schultypen aus dem ganz originellen; Schulgesetze., (Fortsetzung folgt.) _JÜDISCHE PRESSE _ Seite 155 Das Oeffentlichkeitsrecht der Bürgerschule der Talmud Thora. Stimmen ans dem Leserkreis. , ־; Die Begrüssung der Adas Jisroel. Wien, 1den 2. Juni 1925. Verehrlicher Vorstand! Die Erteilung des Oeffentlichkeitsrechtes an die Bürgerschule der Talmud Thora ist eine laute, ehrende Anerkennung sowohl der Tüchtigkeit und des Pflichteifers des Lehrkörpers als auch der zielsicheren Arbeit der Schulverwaltung. Es ist damit ausgesprochen, dass diese einzige jüdische Schule Wiens allen gesetzlichen und gesellschaftlichen Aufgaben vollkommen entspricht, und dabei gleichzeitig der hohen Aufgabe gerecht •wird, die ihr anvertrauten Kinder im Geiste des überlieferten Judentumes und im Geiste der Thora zu erziehen. Durch Erfüllung dieser Aufgabe fördert sie im hervorragendsten Masse unser Streben, das jüdischreligiöse Leben in der Wiener Judenschaft zu vertiefen und zu festigen. Wir und ׳m'it uns alle!jüdisch Denkenden sagen Ihnen herzlichst Dank und haben den Wunsch, dass Ihre Schule sich erweitere und festige, und dass die Erfassung ihrer Bedeutung alle Kreise der Wiener Judenschaft durchdringe. Wir begrüssen Sie mit den Worten des Psaimisten צלח ורכב על דבר אמת Der Vorstand der Adas Jisroel: Siegmund Bondi m. p., Dr. 1R ■einig er irt. p., Obmanns teil- ׳Vertreter, Wolf P ap p e!n ׳h eim .m. p., Obmannstell־ Vertreter, Jakob S te r n ■m. p., iKassaverwalter, Moritz L e i t n e r, Schriftführer. Die Mädchenschule der Talmud Thora. Es war im Jahre 1921. In Sauerbrunn war es, bei einem Waldspaziergange, als ich das erste Mal von der Idee hörte, in Wien eine jüdische Mädchenschule zu gründen. In einer Zeit, wo die Wunden, die uns der Weltkrieg geschlagen, auch im iLehrerimangel sich fühlbar machten, wo es fast unmöglich schien, der ׳finanziell schwer überbürdeten Talmud Thora-Schule noch neue Lasten zuzumuten. Ich hatte für die Sache nur ein paar pessimistisehe Unkenrufe übrig, ein mitleidiges Achselzucken für diese weltfremde Träumerei. ״Und wenn ihr, jüdische Frauen, uns nicht dabei helfen wollt, -לso machen wir sie eben selber“, sagte mir entschlossen der Fürsprecher dieser Idee. Und heute, nach vier Jahren, wenn ich hier die Früchte geniesse, die damals auf jenem Fleckchen Waldeserde des erntereichen Elurgenlandes in Aussicht gestellt würden, so 'gedenke ich auch ׳jener Männer, die uns die Mädchenschule gegeben, gegen unser Wollen und gegen unsere!Einsicht —eine!Handvoll jüdischer, zielbewusster Männer, sie haben es geschaffen. Eine jüdische, vom jüdischen Geiste geleitete Mädchenschule, wo es unserer. Tochter nimmer widerfahren kann, von einer alten Handarbeitslehrerin, die als sichtbares Zeichen ihrer christlichen Nächstenliebe,: ein grosses Kreuz am lialse trägt, mit dem Spitznamen ״Konfessionsrätin“ belegt zu werden, nur deshalb, weil sie an dem Handarbeitsunterricht am Sabbat nicht teilnehmen! kann, wo ein jüdisches Kind nicht Höllenqual erdulden muss, weil ein Lehrer ihm am Samstag ein Geldstück in die Hand drückt, dass es ihm eine Semmel holen soll. — G־tte oder die Gesellschaft, Vaterhaus oder Schule, dass dieser Konflikt die reine Seele unseres Kindes nimmer besudeln kann, dafür sei G-tt gedankt und jenen tüchtigen Männern, die diese Schule geschaffen haben. '׳ Ich habe einige Kinder an׳ dieser Lehranstalt und ich bin stets, wieder aufs Neue überrascht, wie nicht ein Markstein am Wege unserer jüdisch-religiösen Lebensbahn unbeachtet bleibt,- wie nicht ein •Jom Tow, ein Festtag ausgeht, ohne dass er nicht gründlieh besprochen würde, in der Schule, in Gemeinschaft mit den Kolleginnen und Freundinnen — und es ist mir des öfteren passiert, dass die Kinder zu mir kommen, dass sie mir erklärt haben, was der Jom Tow zu bedeuten hat, was man da tun und was man lassen müsse — und ich muss offen gestehen, als ich so viel wusste, wie meine Kinder in der zweiten und vierten Klasse der Talmud Thora-Mädchenschule, war ich längst, längst der Schule entwachsen. Und wenn ich heute zurückdenke an jene Zeit meiner Sklavenketten, da ich Schülerin einer Elementarschule war,' ist es mir unfassbar, dass wir jüdische Mütter nicht täglich und stündlich die Schaffung einer Mädchenschule mit allen uns zu-Gebote stehenden Mitteln, augestrebt4 haben. Einer Schule, wo unsere Kinder sich nicht beugen und hucken müssen vor fremden Sitten und fremden Religionsgebräuchen, sondern, wo sie frei und stolz sich ihres Judentums freuen können. 6 Und da wir• sie nun haben, unsere so schwer entbehrte Mädchenschule, sind wir verpflichtet, auch die grössten Opfer zu bringen, sie zu erhalten, dass unsere Kinder auch fernerhin ihrer Segnungen teilhaftig werden, dass sie einst als jüdische Frauen und jüdische Mütter ihrer gedenken. In Liebe und Treue. Henny Schreiber. Unsere jüdische Schale. ׳ Von der Talmud-Thora-Schaile will ich hier feprächen, und von ihrer segensreichen Tätigkeit. Icfe .häbe einen Jungen und!zwei kleine Mädchen, die!diese ßcliule •besuchen, und die dort gut aufgehoben sind. Unter jgjrj: aufgehoben verstehe ich, dass sich!die Kinder an dieser Schule in einem jüdischen Milieu bewegen, und dass $3s Fremd- und Anderssein, worunter unsere. Kinder In dep übrigen Schulen •naturgemäss leiden müssen, hier voll,- ständig fehlt. Und dankbar ■und ungemein dankbar bin iph unserer jüdischen Schule! In dieser schweren Zeit, jyo fast jedes jüdische Haus, das eine mehr, das andere wem* ger, izu kämpfen hat, wo der Vater mit versorgter Miene umhergeht und die überbürdete Mutter ׳ihre Ladblingp nicht unterweisen und lehren kann, wie sie es, ach.-k» gerne!möchte,!haben die Eltern doch den Trost, dass ihre Kinder all das, was sie ׳ihnen •daheim nicht geben können, in der Talmud-Thora-Schule in reichem Masse erhalten. Die gute, echt jüdische Talmud-Thora-Schule öffnet weit ihre •Pforten, nimmt Knaben und :Mädchen liebevoll huf und lehrt und unterweist,!und sät Samenkörner •echt 'jüdischen Geistes in die so empfänglichen reinen Kinderseelen. Ja dankbar, ungemein dankbar muss ich und mit mir ׳viele andere Mütter unserer •jüdischen Schule sein, Und wenn ich oftmals den Erzählungen meiner Kinder lausche, empfinde ich, welch reichen Schatz •an ■jüdischem Wissen die Kinder an dieser Schule empfangen,!und wie reich feesegnet sie dank diesem Wissen im Lebenskämpfe stefteh werden. Eine jüdische Mutter. Zielbewusste Schulpolitik. Die diesjährige Generalversammlung des ner Talmud Thora-Schulverejnes findet Sonntag, den 15. ׳Sivan — 7. Juni — statt. •Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes, der bereits in der Schewuoth-Nummer der ״Jüdischen •Presse“ veröffentlieht , war,!gibt ein inst'ruktives Bild über •die Tätigkeit dieses verdienstvollen Vereines. Wir wollen an dieser Stelle nicht auf das überaus komplizierte ׳Schulproblem der Wiener thoratreuen Juden-!heit eingehen. Bloss einen Satz möchten wir aus äerft Rechenschaftsbericht hier wiedergeben, nämlich ״dass Sie ׳ breiten’ Schichten «der Wiener Judenheit, insbesondere aber der religiöse Teil •derselben, bis zum heutigen Tage seine Pflicht gegenüber dem ältesten und ■grössten jüdischen Schul werke nijEht erfüllt hat“. Der Vorstand des Schulveremes,!der nach dem angeführten Rechenschaftsbericht!in den letzten zwei Jaihren aus 11 Mitgliedern bestand, hat für ein jahresbudget von 600 MillionenKronen zu sorgen. Da das• letzte Jahr ein schweres Krisenjahr war, so ist die •Klage des Vorstandes üben-die mangelnde Unterstützung der breiten, jüdischen ()Öffentlichkeit, besonders aber •des thoratreuen ־ Teiles derselben, leicht begreiflich. Soll die!Existenz einer jüdischen ׳Schule von Umfang und Bedeutung der Wiener Talmud Thora-Schule nicht •bloss von Zufällen abhängen, worunter wir auch die zufällige!Mitarbeit dieses oder jenes tüchtigen Mannes ׳im Vorstände verstehen, so muss für •die Erhaltung und für den Bestand derselben instit u t i 0 n e .1!1 ׳gesorgt werden. Die israelitische Kultusgemeinde hat diese Pflicht bereits erkannt und ׳mit einer erhöhten Subvention zur Sicherung der Schule 1beigetragen. In «den grossen ׳jüdischen Zentren Mittel- und Westeuropas sorgen die Kultursgemeinden aus eigenen Etats für die Erhaltung einer jüdischen Schule. Die Wiener Kultusgemeinde begnügt sich hier, wie auch auf manch ׳anderen *Gebiete wichtiger kultureller Aufgaben mit einer kleineren oder grösseren Subventionierung. Die «dadurch entstehende Lücke wird durch!die Arbeit von Privat-;: vereinen ausgefüllt, «die in Wien aus diesem Grunde ieihe sehr wichtige Aufgabe im ׳jüdischen öffentlichen Leben erfüllen. Diese Privatvereine, •darunter die orthodoxen Bethausvereine *in Wien, h׳aben ebenfalls ein eminentes interesse an dem Bestand einer im traditi0neill-religüösen Geiste geführten Talmud T h 0 r a - S c h u 1 e, die durch die Angliederung einer Mädchen-Volks- und einer K n a b en-BJü rg e r s ch ul e / mritj öef f e'njt'lich-i keitsrecht an die bereits seit 58 Jahren bestehende Volksschule nunmehr den!jüdischen Eltern die Möglichkeit bietet, ihre Kinder beiderlei Geschlechtes bis z׳um 14. Lebensjahr ausschliesslich an einer jüdischen Schule zu erziehen. Die Leistung der wenigen Männer, die die׳ Geschicke des Talmud Thora-Schulvereines in den Jüngsten Jahren gelenkt haben, ist überaus zufriedenstellend, nicht: nur durch den erzielten Erfolg; sondern durch die Auf- Weisung der Tatsache, dass in Wien trotz äter Wirtschaftskrise noch unendlich viel «11! leisten möglich ist, falls man eine •fetote; Sache zi elb e w u•ss t, e׳ner gisch und mit Ali«- dauer verfolgt. Möge dieses!Beispiel der Wenigen die verantwortlichen Führer der Wiener ihoratreüen'Öet* hausvereine und ihre Verbandsleitung anspornen, endlich'• eine zielbewusste jüdische Schulpolitik in Wien zu machen.׳ Ein ElternrM. Herrengarderoben nach Mas* Weldler & Fürst, Wien, II., Hollandstrasse!6' Lager feinster orig. engl. Stoffe. Anfertigung auch In 34 Stunden,!

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