Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 31 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 204 JÜDISCHE PRESSE Nr. 31 Diese Klagen lassen sich bis in die Anfangsstadien der Agudas-Jisroel-Bewegung in Deutschland zurückver: folgen. Agudas Jisroel erstrebt nach ihrem Programm die Lösung sämtlicher Gegenwartsaufgaben im Geiste der Thauro und hat damit eigentlich alle •Aufgaben übernommen, welche der Stärkung der Gesetzestreue in Lehre• und Leben, in der Gesamtheit, in Gemeinde und Haus dienen. Wie• grossartig die Erfüllung dieses Programms z. .B. in Polen in Angriff genommen ist, wie dort tatsächlich ein Aufbau der Gemeinde, eine Organisation der Jereim verwirklicht wird, darüber braucht kein Wort verloren zu -werden. (Bei uns in Deutschland bestanden und .bestehen neben der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel Vereinigungen, die aus historischen, sachliehen und zum Teil auch aus politischen Gründen nicht von der Agudas Jisroel aufgesogen werden können. Diese selbst müssen aber wenigstens die klare Arbeitsabgrenzung mit der Agudas-Jisroel-Landesorganisation und -ihren Unterorganisation sowie mit anderen ähnliche oder gleiche Ziele verfolgenden Organisationen herbeiführen. Schon vor der Halberstädter Tagung hatten .sehr aussichtsvolle schriftliche Verhandlungen ,zwischen 'dem Preussisehen!Landesverband gesetze!streuer iSynagogengemeinden und dem iLandesdirektorium des Keren Hathora In Hamburg über eine Arbeitsteilung, be!zw. -Zusammenarbeit dieser beiden Organisationen stattgefunden. Die schriftliehen Verhandlungen wunden durch Aussprache bestätigt, Und auch zwischen allen ,in Halberstadt vertretenen Orgariisationen ist erfreulicherweise nunmehr das. erwünschte?ie.l der Zusammenarbeit in der -Hauptsache erreicht. Die Durchführung" des ganzen Programms und -die Ausarbeitung von Einzelheiten werden Aufgabe •der •jetzt damit betrauten Führer der Organisationen sein. c Die jüdische Oeffentlichkeit hat aber ein Interesse daran, bei dieser Gelegenheit über die Bestrebungen der selbständigen -gesetzestreuen Organisationen ׳Näheres zu erfahren ׳und auch darüber, wie -in .Zukunft die Arbeiteteilung gedacht ׳ist. Schon seit der Begründung des!Halberstädter Preus'sischen .Landesverbandes gesetzestreuer .Synagogengemeinden (.für das Reich bezeichnet er sich Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands) steht dieser in engster Fühlung mit der Freien Vereinigung ׳in Frankfurt,!wobei seitens -der Freien Vereinigung In!klarer- Erkenntnis der Bedeutung des Landesverbandes für die Erhaltung des religiösen Lebens 5n den Gemeinden die Bereitschaf't, .mit dem Verband Hand in -Hand zu arbeiten, unzweideutig zum Ausdruck •gebracht wurde. Bei -der zurzeit speziell in Preussen gemeindepolitisch herrschenden Konstellation ist -ein Erstarken des Verbandes ,für die Wahrung der Stellung der Orthodoxie von einer kaum genug zu betonenden Wichtigkeit. Es darf mit Genugtuung ausgesprochen werden, dass die Vertreter der Regierung .den Bestrebungen des Verbandes,-d. ־In dem Bestreben der ,Selbständigkeit und des Selbstbehauptens der selbständig organisierten Ortho- •doxie, vom ersten Augenblick an das grösste Verständnis und das grösste Entgegenkommen •bewiesen haben.. Da in manchen Kreisen der Judenheit selbst aber dieses Verständnis nicht immer •in. genügendem Masse vorhanden ist, so ist •der •gesetzestreue Landesverband gezwungen, ■in eine! ■Art von Defensive seine Stellung gegenüber ׳ihm!feindliehen Tendenzen immer wieder zu betonen, und .dazu ,bedarf •er des engsten Zusammenschlusses mit gleichgesinnten Organisationen und -anderseits der engsten Zus'amme’nschliessung aller gesetzestreu geleiteten Gemeinden. :Neben dieser .mehr politischen Tätigkeit ist es die Hauptpflicht des Gemeindeverbandes,!in allen Gemeinden, $e ihm angeschlossen .sind oder •der Gesinnung ■nach nahestehen, positive .Aufbauarbeit;zu :leisten. Er muss für die Erhaltung und den Aufbau der religiösen Institutionen innerhalb der Gemeinden .und für die Erhaltung von Anstalten, welche Beamten für diese!Gemeinden ausbilden sollen, sorgen. Bekannt ist die Not der Kleingemeinden, Landflucht 'und wirtschaftliche Krise der :letzten Jahre haben sie ,ins. •Ungeheure gesteigert. Aber wäre -die Gemeinde noch so ,klein, die Orthodoxie und damit •der für sie arbeitende Verband (Bund) -muss, solange noch danach verlangende Juden• ,in den Gemeinden leben, sich bemühen, die •Institutionen und die Beamten zu erhalten. Für diese Herren', Kna&ea־' nnd Kinderkleider fertig Und ttacii Mas* Massabteilutig bis su den feinsten englischen Stoffen. Erstklassige Zn• Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von DtSVft wird genaueste» geachtet. J. STERN, Wien, II., aioökengaase 25. T. 46913. Beachtet Sie dfg Hausnummer. ין‘ י Erhaltung der Kleingemeinden, für Unterstützung der gesetzestreuen Bildungsanstalten sind gerade in unserer Zeit grosse Mittel notwendig. Dafür stehen •ihm die Jahresbeitrage der ihm angeschlossenen Gemeinden und die' Spenden eifriger Freunde zur Verfügung, dazu erwartet er -die Beihilfen des Staates und nach den neuen geführten Verhandlungen auch die Beihilfen von anderen gesetzestreuen Organisationen. Die Freie Vereinigung, welche seit ihrer Begründung durch Samson Raphael Hirsch in erfolgreichster Weise in Stadt ■und Land!zerstreut wohnende Gese.tzestr.eue gesammelt und erzogen hat, erstrebt, das wurde auf der Tagung'ausgeführt, neben der notwendigen Aufklärung als wichtigste praktische Aufgabe;die Fürsorge für Ritualien aller •Art und die Beschaffung* derselben zu erschwingliehen Preisen. Die ländliche Fürsorge der Freien Vereinigung, d. h. die Versorgung der lehrerlosen Gemeinden und Ortschaften mit Religionsunterricht für die Jugend und der Unterweisung auch für die Erwachsenen, gehört im -eigentlichen Sinne zum Arbeitsgebiet des Keren Hathora. ,Hier trifft sie sich ,aber auch mit der Agudas- Jisroel-Jugendorganisatiort, die während der letzten Ja'hre mit nicht genug anzuerkennendem Eifer und mit sichtlichem •Erfolge durch :ihre Bezirksorganisationen viel erreicht hat. ■Ein engeres Zusammenarbeiten ist auch hier angebahnt worden. Der Keren Hathora selbst hat .in rühriger Aufklärungsarbeit verstanden, ■in den Massen das Bewusstsein zu wecken und zu stärken, dass ohne intensiv dauerndes Lernen ein iKehilloleben •im wahren Sinne des Wortes nicht ־erblühen kann. •Er ist mit Freuden bereit, das Schwergewicht seiner Tätigkeit noch mehr als bisher aut Deutschland zu konzentrieren und erhofft hier von selbst eine Erleichterung für seine nicht geringen finanziellen Sorgen. Bekanntlich ist in dem von der Kenessio Gedaulo in Wien beschlossenen Statut •des Keren Hathora vorgesehen, dass die Hälfte aller in dem betreffenden Lande gesammelten Gelder für allgemeine Thaurozw-ecke, .d. h. in erster Linie für -die grossen Jeschiwos des Ostens, der Zentrale Wien zu •überweisen sind, -während •die restlichen 50 Prozent für. die ,eigenen Zwecke im Lande zurückbehalten werden sollen. Nun wurden aber durch die seitens der Jeschiwos in grosser Zahl ■nach Deutschland entsandten Boten grosse ,Beiträge absorbiert und naturgemäss wird dadurch die Sammeltätigkeit des Keren Hathora in Deutschlan-d beträchtlich gestört.!Es würde dem Sinne der Initiatoren der Keren-Häthora-Idee sicherlich nicht entsprechen, wollte man ,durch das Radikalmittel der Sperr.ung'.für alle ,Jesch'iwosendböten einen Ausweg aus dem Dilemma schaffen. Dagegen erscheint der. Vorschlag, der in; Halberstadt gemacht .wurde,;•dass;unbedingt von ■der Zentrale!des Keren '׳Hathorar mit •Rücksicht auf ‘ die ungünstige wirtschaftliche Lage bei uns selbst die Zuweisung einer erhöhten Quote für die innerdeutschen Zwecke, etwa 75 Prozent, beansprucht werden müssten, •durchaus gang- Spezialhaus für ־^ Spezereiu, Kolonialwaren | bar und es steht zu hoffen, dass dieser Antrag die Genehmigüng des Landesdirektoriums des Keren Hathora findet.*) Der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel bleibt es in diesem Zusammenhang als wichtige Aufgabe, als Führerin und ,Beraterin der ihr angeschlossenen Unterverbände, •diese in ihrer Arbeit und ihren Geldmitteln zu stärken;und dabei die Zusammenarbeit mit den anderen gesetzestreuen Organisationen in den nunmehr abgegrenzten Tätigkeitsgebieten immer besser zu gestalten. Die an Anregungen und praktischen Vorschlägen reiche, durch die lange Aussprache ,schon erfolgreiche Verhandlung hat sämtliche Teilnehmer befriedigt und es ist zu •hoffen, dass die in Halberstadt gefassten Beschlüsse sich recht bald letauwas Hakelall auswirken mögen. * Herr Dr. Moses Auerbach bittet uns, festzustellen, dass er in seinen Ausführungen auf der Halberstädter Konferenz nicht, wie berichtet, vom Rabbinerseminar, sondern von Rabbiner-BildungsanstaUen überhaupt gesprochen hat. Vom Tage. 1■ Wien, 11,, Krnmbamngasse 6, Telephgn 47-263־ Filiale: Baden, N8u8tiftga388 11, Telephon 1072/IV Täglich frische Butter, Käse, Topfen, hergestellt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Ehrenfeld, Mattersburg. Die Krim-Kolonisation. Die ״Jüdische!Presse“ •hat bereits einige Maie zum Problem der Krim-Kolonisation Stellung •genommen,!wobei •unsere iHauptsorge •war, •ab ,die freie iReligionsübung, ob die Gewissensfreiheit in den Sowjetstaaten bei Durchführung des Projektes gesichert werden kann. Da die Krim-Kolonisten ohne Hilfe der amerikanischen,: Judenheit nicht denkbar ist, so war unser Bestreben, es zu erreichen, dass Agro-Joint, das Organ ■der amerik anisolnj üdi schen .Finanzhilfe, ,als «Bedingung der •Mitarbeit die Sicherung •der!freien Religionsübung verlange. Nun ,beginnt auch die zionistische Organisation sich um die Krim-Kolonisation zu kümmern. Der Beschluss, 15 Millionen Dollar ,für Zwecke der Krim-Kolonisation aufzubringen, erfüllt die zionistischen Führer mit grosser Sorge!um •ihre Spenden in Amerika. •Dr. Weitzmann liess vorige ■Woche einen autentisohen Kommentar zu seinem angeblichen Ehrenwort, mit welchem er die Neutralität ,der zionistischen Organisation gegonübcn• der 15 Mill-ionen-Spende garantiert hätte, durch, •die Jüdische Telegraphenagentur verbreiten, aus der zu ersehen «st, dass er selbst mit grosser Sorge diese projektierte. Sammlung betrachtet. ׳Seither ist ,es nun bekannt geworden, •dass Weitzmann. Louis Marschal'l, anlässlich Ihrer!Pariser Zusammenkunft, gewarnt hätte, sich mit der ,Krim-Kolonisation ■nicht abzugeben. •iMarschaH soll ihm aber ein kaltes ,Nein entgegengesetzt haben. Ob dieses kalte Nein die Bildung ■von der Jewish Agency irgendwie beeinflussen wird, •ist einstweilen nicht feststellbar. Weitzmann hat.aber schon seine unangenehmen Erfahrungen mit den Amerikanern. Einmal war •Brandeis’ gefliessentliches Interesse für!das Wetter der Grund des;Zerfalles der zionistischen Organisation in Amerika. ,Ein ,anderes Mal :könnte das kalte ׳Nein Marsch,alls wiederum die zionistische Geldsammlung!in Amerika ernst- ]!ich behindern. Die K0nierenzgemeinsclia׳ft ,der radikalen Zionisten fr’öhlöckthse'Ib.stv'erständ'.lioh über ein Zerwürfnis Weitzmann-Mar schall, (weil sie -hiedurch das Zerstören des Weiitzmannsch-en Systems in bezug auf ,die Erweiterung . der ״Jüdischen Agency“ erblicken. Uns interessieren die Interna der zionistischen Organisation nur in geringem Masse. Wir bedauern aber sehr, •dass die Frage der Krim: Kolonisation •aus der objektiven Sphäre einer, für ,die jüdisehen Massen, die in Russland verelenden, lebenswichtigen Möglichkeit in das Bereich der kleinlichen Part-eizänke gezerrt wurde. Solche Methoden können wohl der ■Krim- Kolonisation schaden, aber der zionistischen Anbeit durchaus' nicht ■nützen. j Palästina, die eifersüchtige Braut. Sejmdeputat Jizchok Grünbaum aus Warschau, ,ist unseren •Lesern ja׳• als der verbissenste Feind der Orthodoxie übel genug bekannt. ,Nebst der ,Sarge, der •Orthodoxie den Todesstoss zu versetzen, hat er .,nun noch eine Aufgabe: Von der *) Ein •solcher ,Beschluss könnte niemals vom Landesdirektorium, sondern nur von der Keren-Häthora- Zentrale gefasst-werden. Red. ־ ־ . ■ 11H11H1annmBTWWMm1«aaEBB« Unter Rennenkamps Fahnen. Von S. Schachnowitz. (Nach Aufzeichnungen eines russisch-jüdischen Soldaten.) (Fortsetzung.) Wer hätte das ,geglaubt? Simson Peitin, der ,Badchen aus Smärgon, Ist ein Held, -ein richtiger Held, u׳nd ist als ־solche: öffentlich vor versammelter Mannschaft gefeiert worden. •Ihm •und mir wurde das Geargiew-Kreuz an die Brust geheftet. Aber ich muss, innerlich ,alle mir gewordene Ehrung an ihn zurückverwelisen. Er war ,die Seele und die treibende Kraft!bei all ,dem, was uns heute ,in aller Augen zu Helden stempelt. Wir •hatten vom Waldhügel her Granatfeuer bekommen. Nur wenige!Minuten, aber es genügte, um ganze ■Scharen wegzumähen. Man!liess ,uns den Platz •räumen und Deckung in geschützter •Stellung suchen. Auf ,dem Bauche kriechend veniiessen wir ,den Graben. Da!packte mich Simson am Arm. Er •glühte vor!Erregung und rang nach Luft. ״Nicht so ängstlich, Peitin“, versuchte ich ihn zu ,beruhigen. ״Angst?“ gab ,er zurück, ״nicht das. Aber dort am Hange :liegt unser Jossel Berger, der Habotkaer Bocher, tot •oder verwundet. Wir müssen ihn mitnehmen!“ ״•Ihr seid wohl von Sinnen,“ sagte ich, ״die Stelle ,wird von feindlichen Granaten besät, die ,Sanität wagt sich! nicht hin.“ ״Sanität!hin, Sanität ,her“, machte Simson. ״Wir sind : keine Sanität, wir sind Juden ,und üben; Gemilus Ghessed, \ ,Wir können ihn *doch nicht!hier •liegen!lassen.“ Und ehe ioh •mich *dessen versah, hatte ׳er mich mit hineingezogen in den ,dichtesten Feuerregen, in ,den Leichen- - knäuel und in das grauenhafte Wimmern! sterbender. Menschen. Da lag auch! Jossel י mit :blutendem ׳Munde, herausQuellenden, halbgdbrochenen Augen,, ■|m Fieber lieb- ־ liehe Lentmelo-dien und allerlei fremde Talmudworte lallend, ' s’iörr4^ttm¥'?Äte§!!i’l&äf‘K1eTOr!l sich aber etwas krampfhaft an unsere Pässe ,und. liess uns nicht vom Flecke. Es: war •eine blutende Menschenhand und eine!heisere Menschenstinjme flehte zu uns hinauf: ׳״Helfet mir auf-, Brüder, ich muss weiter, habe eine wichtige Meldüng, sie darf nicht in die Hand •der Feinde fallen. Bin verwundet und kann nicht •auf. ■Helfet!“ . ׳ ״ •Jossel ,ist verloren,“ sagte ich, ״helfen wir diesem, so haben wir wenigstens den gefährlichen Weg nicht unnütz gemacht.“ ״Keiner!ist verloren,“ wies Simson zurecht, ״solange Gottes Odem sein Herz bewegt. Aber wiir helfen beiden.“ ■So •taten wir auch. •Wir trugen zuerst •den Unter- Offizier hinauf, dann ging es noch einmal in •die Schrecken der Hölle. Und nun war auch der ,bewusstlose Jossel hinaufgeschafft. Auf •einem Bauernwagen, der zuerst mit Soldaten des Weges kam, wurden ■beide ,ins Lazarett gebracht, Jossel!indes als -r Leiche. Auch Simson musste vorerst im Lazarett bleiben. Er hatte bei ■der ״Arbeit“ einen Schuss ■ins rechte Bein erhalten und es gar nicht merken;wolien. Er ,hat nun ,einen Verband und meint, ,es sei nicht von ,Bedeutung. Er wollte ihierbleiben und ,dafür sorgen, dass Jossel •im •nächsten Dorfe zu ״Kewer Jisroel“'komme. . - Heute besuchte ich ,ihn!im Feldlazarett. Er hatte starken Blutverlust .und leidet furchtbare ■Schmerzen, ist aber dabei, ■wie!immer, heiteren Mutes und spottet seiner ,!eigenen Leiden. Als •ich von der Auszeichnung sprach, lächelte er geringschätzig: ״Hat sich was. Verleiht!jedem Jüden •eine Medaille ,für jede Chessedtäf... . . So viel Gold •für Medaillen!hat!die Welt •nicht“ . . . ״Die Auszeichnung ,danken wir ■dem anderen, ,dem!mit der!Meldung,“ »bemerkte ich. , , . ,jBine׳ :Medaille ,^ür .Me?s miz:voh“ ,bejiarrte ,Simson;und lachte •in ,den :heftigsten!Schmerzen. ■;יי.';, ■ Gestern waren idh .und noch ,.einige, Julien aus ׳der Kompagnie, in dem nur •wenige Kilometer hinter der für •den •toten •Freund fast erzwungen. Er selbst kann sich aber •noch nicht fortbewegen. Wie sieht da alles ■im Städtchen so finster und öde aus! Nicht mehr wie sonst, grau •in grau, sondern schwarz ,in schwarz. Wie ausgestorben liegen die krummen, engen Gässchen, die Kramladen sind teils geschlossen, teils weit geöffnet, aber aller ■Ware •bar. •Alle paar Schritte der ,kohlschwarze ,Grund ,eines ausgebrannten Hauses, •eiine •dach- und ■fensterlose Ruine. Nur auf •dem schmutzigen!Markt herrscht •reges Leben. •Dort haben durchziehende ,Soldaten eine Art Feldküche errichtet und •das ,prasselnde Feuer ist •der einzige heitere Punkt ,inmitten dieses schwarzen, wie!in Trauer erstarrten Häuserhaufens. . Wir stellten •die Bahre am Eingang des Städtchens ab und •klopften •beim ersten Juden an. Es •regte sich etwas, ein kleiner Spalt tat sich auf. Die Türe schloss sich aber schleunigst, als gelte •es, dem Tode •den •Einzug zu versperren, sobald man der!Uniform gewahrte. Da •rief lieh laut ein paar ,hebräische Worte hinein. Das war ein Zaubersc'hlüssel, ein Sesamöffnedich. Nicht •nur die eine, alle anderen Türen der •Strasse waren bald weit geöffnet. Die Männer ,des ,Heiligen Vereines“ waren sofort am Platze upd von allen Seifen •kamen; wie aus •der schwarzen Erde gekrochen, die Menschen, die!in •ungeordneter, dunkler Masse •unserem Toten das Geleite gaben. Frauen ,und Kinder weinten und schrien bitterlich, ׳ und als von einem Soldaten am!Grabe das Kaddischgebet angestimmt ward, schluchzten auch die Männer ganz laut wie die Kinder.!Ich;begriff zuerst ,nicht, woher all ,die :heissen Tränen um einen Mann, den sie nicht gekannt, nie gesehen haben. •Dann ging mir aber ein Licht auf: Sie weinten gar nicht pm den Toten; es waren die Ströme ungeweinter Tränen über •eigenes!Leid, die sich hier gewaltsam Bahn brachen.. Alle waren sie hart vom'Schicksal getroffen, ,durften aber * all die Zeit ihr Unglück nicht •laut hinausweraen. Die Träne isrOemonsträtion . . . Jetzt durften sie es für ,eine Weile ... ' Ich benutzte die Gelegenheit, einen Tag abseits der •r ■r am tun er ־־jnaerr״z1r״ore10׳e’n;1 ‘׳;u w:1 ru man ׳ ־auvr v ■u n *