Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 21-22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21 /22__ Erweiterung des jüdischen Bildungsdepar tem׳ents bei der lettländischen Regierung. In der letzten Sitzung des1 lettländischen Sejm wurde der Antrag des Deputierten Dubin,' dem Chef des jüdischen Bildungsdepartements zwei Gehilfen beizegeben, angenommen. Für den Antrag stimmten die Vertreter der nationalen Minderheiten, des Bauernbundes und die linken Sozialisten, dagegen das Zentrum, die Deputierten aus Letgallen. 34׳.* Am 29. Mai Revision des Prozesses des standrecht•• lieh erschossenen Rabbi Schapiro aus Plozk. Das Oberste1 Militärgericht hat bekanntlich das Urteil des Plozker Feldgerichtes, welches im Jahre 1920 den Rabbiner Schapiro wegen Einverständnis mit dem Feinde zum Tode ver-, urteilte und ^rschiessen liess, kassiert und eine neuerliche: Verhandlung angeordnet.■ Die Verhandlung wird am 29. Mai in Warschau stattfinden. י 1 ״Vereinigte Komitees“ als Ersatz für jüdische G(emeinden in Litauen. In» einer Beratung, hn welcher die jüdischen Sejmmitglieder, Vertreter der Kreisstädte un,d} der zentralen politischen und wirtschaftlichen Organ!־ sationen teilgenommen haben, wurde beschlossen, überall sogenannte ״Vereinigte Komitees“ zu schaffen, welche die Funktionen der jüdischen Gemeinden übernehmen sollen. Es wurde festgestellt, dass das vom Sejm angenommene' Gemeindegesetz die Kompetenz der jüdischen Gemeinden so einengt, dass?5 diesen unmöglich geworden ist, die notwendigen Funktionen durchzuführen. Die Grosse Synagoge in Poltawa beschlagnahmt.' Auf Ersuchen der jüdischen kommunistischen Arbeiter!־ schaft verfügten die Behörden die Beschlagnahme der ] JÜDISCHE PRESSE_ Grossen Synagoge in Poltawa, die nunmehr in ein ״Volks:־ haus“ umgewandelt werden soll. Die Synagoge wird als Konferenz- und Versammlungsort der Arbeiterschaft dienen. Mlawa. Vor Jahresfrist wurde hier die erste Agudo- Mädchengruppe in Polen gegründet. Dank der aufopfern־ den Arbeit von Fräulein S. Mondray besteht die Organisation heute aus vielen Gruppen, die den Namen ״Esro“ tragen. Staatsbeitrag für die jüdischen Synagogen in Lett־!!and. Auf Vorschlag des Pastors Bailit beschloss der lettländische Sejm, i.m Rahmen des Budgets für die Kirchen! eine Million Rubel den jüdischen Synagogen zuzuwenden. Für eine unpolitische jüdisch-arabische Konferenz. Der bekannte arabische Führer Musa Abdin aus Ramleh fordert die jüdischen Kolonisten in einem offenen Schreiben׳ auf, sich mit Vertretern des Arabertums zu einer Konferenz) zu vereinigen. Die Konferenz soll alle Fragen der Politik von der Erörterung ausschliessen und sich nur Fragen der Wirtschaft, insbesondere mit Bezug auf die Verbesserung der Landwirtschaft im Lande, widmen. Musa Abdin, der behauptet, von weiten arabischen Kreisen ermächtigt zu, sein, schlägt die Bildung eines Komitees aus Arabern und Juden vor, welches die Konferenz vorbereiten solle, .,die ihrerseits ein ständiges Komitee, das sich mit der Verbesserung der Wirtschaftsbedingungen in Palästina zu befassen haben wird, einsetzen soll. Christliche Araber Palästinas erbitten Spaniens in-1 tervention. Eine Abordnung der christlich-arabischen Bevölkerung von Bethlehem besuchte am 18. Mai den Kar- Seite 149 dinäl Casanova, der jetzt in Bethlehem als Führer einer spanischen Pilgergruppe weilt, und ersuchte ihn, die spanische Regierung dazu zu bewegen, dass Spanien did Angelegenheiten der Araber Palästinas und ihren Ein- Spruch gegen die Politik des jüdischen Nationalheims gegenüber dem Völkerbund vertreten soll. Kardinal Casa■; nova gab der Abordnung das Versprechen, dass er das spanische Volk und die spanische Regierung über die Gefahr, die das jüdische Nationalheim für die Christenheit bedeutet, aufklären wird. Einweihung des Bikur Cholin-Spitals. Am 13. April fand die Weihe des ״Bikur Cholin“-Krankenliauses, des grössten jüdischen Gebäudes in Jerusalem, statt. Die erste Ansprache hielt der Oberkommissar von Palästina, Sir Herbert Samuel, der betonte, die Entwicklung dieser neuen Institution sei ein Symbol des grossen Fort- Schrittes der jüdischen Siedlung in Palästina. Hernach hielten Ansprachen: Oberrabbiner Kook, der Führer der Agudas Jiisroel!in!Palästina!Rabbi Sonnen,feld und Oberrabbiner Jakob Meir. Die Tatsache, dass die drei jüdischen Dr. Benö Kohn, I., Neuthorgasse 8, ordiniert während der Sommermonate als Badearzt in Bad-Tatzmannsdo,rf (Burgenland), Mühlenhof. Wir ersuchen unsere p. t. Leser im Auslande, die 1 SCHILUNG-SPENDE-AKTION der Wiener Talmud-Thora-Schule gefl. zu beachten und nach Kräften zu unterstützen. Die Postsparkassen-Konti des ״Jüdischen Verlages“ stehen zu diesem Zwecke zur Verfügung. w 1 TT seim ® c Im o 1. o ־ww sä, k « i S Sechshunderttausend Mann, die ganze Gemeinschaft Israels, Männer, Frauen und Kinder, standen um den glühenden Sinai, als G־tt seinem befreiten Volke ein Gesetz gab, seinheiligesGesetz. Eben erst geworden, frei geworden zum selbständigen Volke — und schon dröhnt ihm der Befehl seines Schöpfers entgegen: ״Du sollst . . ״Du sollst nicht .. .“ Die Welt erbebt in ihren Grundfesten. Die gesamte Schöpfung hält den Atem an. Eine Ahnung geht ihr auf von dem Urgrund ihres Daseins, von der causa movens, ihres ״Anfangs“; — Israel, Thor.a . . . Sieh’, in jener Glut, die sich von den Höhen auf den Sinai herniederliess, wird eine Einheit geschmiedet, erstmals eine Einheit für die Ewigkeit. Des E r- 1 ö s e r s heiliger Wille ,bindet . . . . Ein Volk entsteht, das V 0 1 k Gottes tritt in die Geschichte, in das Weltgeschehen ein . . . Des Schöpfers sichtbares Wahrzeichen gräbt sich mit Feuersglut in seines Volkes Schicksal ein: ״Wer, wie dein Volk Israel, ist eine.Nation, eine Einheit auf Erden?“ Eine Einheit über Weltenweiten, von Weltendauer . . . Einem Manne gleich, eines Herzens stehet ihr heute da, diesem rauchumhüllten EJerge gegenüber. Der Schofar ruft . . . G-ttes Stimme hallt durch die Welten: Geh’ hin, Moscheh, und leg’ es ihnen nahe, auf dass sie’s wissen und begreifen allesamt: ״Der Pharaonen willenlose Diener' in Mizrajim wäret ihr. I c h erhob euch zur Freiheit empor und brachte euch nahe an mich heran.“ ״So höret denn!“ ״Bewahret Treue meinem Bündnis. Aus der Mitte der Völkermenge heraus werdet ihr für mich geeignet.“ ״Mir gehört die ganze Erde.“ ״Ihr aber seiet ein ' Gemeinschaftsgebilde m e inen Zwecken dienstbar, eine Nation der höchsten Tugend beflissen.“ ״Erfasset den Sinn dieser Worte sehr genau. Sie sind die Grundpfeiler meines Bündnisses mit euch.“ נעשה ונשמע; das Volk ist bereit . . Und das jüdische Volk wird geboren. Die Voraussetzungen seines Daseins werden geschaffen. G-tt selber offenbart die Rechtsregeln seines Lebens. Das jüdische Volk erhält seine Be s t i mm u n g : es wird zum Volke der Religion. Und alle die Generationen, die clurch die Jahrtausende der jüdischen Bestimmung lebten, alle die Millionen jüdischer Männer und jüdischer Frauen, die seit der Schliessung des ״Bündnisses von Sinai“ ihm treublieben, sind für alle Zeiten Zeugen vor der Menschheit, dass es ein jüdisches Volk nur gibt, solange dem G-ttesgesetz Verpflichtungskraft für die ganze jüdische Gemeinschaft innewohnt. נעשה ונשמע verpflichtet unlösbar bis an das Ende der Zeiten. געשח ונשמע Wird zur ״E i g e n a r t“, zum historisehen Merkmal des jüdischen Volkes, der in Freiheit Ihrem Schöpfer und Gesetzgeber verpflichteten jüdischen Gemeinschaft. Kein Zweifel mehr über Lebensgründ und Lebens- Inhalt des jüdischen Volkes: Religion! G-tt zugewandte jüdische Tat, G-ttes W'illen unterordnete Lebensbetätigung. Aufstieg und Niedergang in der jüdischen Geschichte kennzeichnet fortan die Religion alle in, die j ii d isehe Religion des נעשה ונשמע Darob vergehen Jahrtausende, schwere, priifungsreiche Jahrtausende. ' Nur ein ״Grosser“ versuchte, mit grossem Zuge, mit starkem Griffe diese ״Eigenart“ des jüdischen Volkes abzustreifen, das נעשה ונשמע in. die überwundenen Entwicklungsstadien einzureihen: Ach’ab, König in Israel. Das ״jüdische Volk“ sollte ruhmreich und mächtig dastehen — ohne נעשה ונשמע £ Eine ״Religiosität“ sollte die Gemüter beseelen, ohne jüdische Tat, ohne auf G-tt und s e in Gesetz verpflichtendes נעשה ונשמע Das Erlebnis vom Sinai, vom Bündnis zwischen G-tt und den Nachkommen Abrahams, der glühende Berg, die G־ttesnähe, der Schofarruf, G-ttesstimme sollte vergessen und in das Reich der Legende verwiesen werden. Jüdisches Volk, — j a, G-ttes Thora, — nein! ״Jüdisches Volk“, losgelöst von ״Religiosität“ und ״jüdische Religiosität“ losgelöst von געשה ונשמע. Kein ״Du sollst“ mehr und kein ״Du sollst nicht“. Das ist — Achabis m ü s! Der Geist Achabs unterlag? Eli ja hu der Prophet wusste, was seine Sendüng ist. Auf dem Karmelberge wurde abermals die Treue zum Sinai-Bündnis besiegelt. Und wieder vergingen darob Jahrtausende, schwere, prüfungsreiche Jahrtausende ... Nach Jahrtausenden. Ist’s nicht abermals derselbe Geist, der das Haupt erhebt? Hören wir nicht wieder dieselben Schlagwörter,’dieselben Parolen, dieselben Programme für das abermals ״befreit“ geglaubte jüdische Volk? Ist die scharfe Unterscheidung zwischen der n a t i 0־ n a 1 e n Zugehörigkeit zum jüdischen Volke und dem Bekenntnis zum G-ttesgesetz etwa nicht programmatische Lossagung von dem Sinai-Bündnis? Ist’s nicht Achabismus? uwnmHWWinmm■■ Telephon Nr. 64. Gegründet 1872. BETRAT Pf^ElSZ & 5öhne Presov (Eperjes) Spirituostn-Weingrossiiandlung, Rumu. Likörfabrik empfehlen erstklassige Liköre eigenen Fabrikats in jeder Qualität. כשף Weine von 40 Lt. aufwärts Slibowitz und Treber* ־כשר Versand in Gebinden Demijohns und elegant adjustierten Flaschen zu billigen Preisen. Prompte Bedienung. Verlangen Sie Offerte. Ueber die Verlässlichkeit können Referenzen beim orthodoxen Rabbinat in Presov eingeholt werden. HsxiviRiwuuillUinnuniiaMmiitwsKnsis Uns Juden in der Tschechoslowakei geht diese Frage seit einiger Zeit sehr nahe. Uns nimmt man es übel, dass wir jener' Unterscheldüng jede Berechtigung absprechen und dem Geist des Achabismus unsere Tür verschliessen. ■ Uns versucht man den von der Thora losgelösten Natiomilismus in allen Tonarten anzuloben. Hier veröffentlicht der Neologen-Rabbiner von Nove Zamky und Professor für jüdische Wissenschaft an der neueröffneten zionistischen Universität in Jerusalem,!Doktor Samuel Klein, begeisterte Hymnen über die Frömm i g k e i t der jugendlichen Nationalisten (Chaluzim), der ״Natürlichkeit“ ihrer Religiosität, obgleich er nicht verschweigt, dass diese ״natürliche“ Religiosität die Biridun- ‘gen des im ״Galuth“ zur Blüte gelangten Gesetzes nicht in ihrer Ganzheit anerkenne (siehe ״Jüd. Volksztg.“ Nr. 1510־ und Nr. 17).' Hier wird ein Panegyrikus gesungen der ״Chaluzistisehen Religiosität“, während zugleich autoritativ berichtet wird, dass־ diese neue Religiosität die historische jüdische Religion in allen Belangen programmatisch ablehnt (siehe ״Selbstwehr“ Nr. 16 den besonders empfehlend eingeführten Leitartikel von Dr. Elieser R i e g e r)• ' Die Wiederkehr jenes Tages, da wir alle am Sinai געשה ונשמע zum Lebensprogramm des jüdischen Volkes deklariert haben, sollte uns eine Mahnung sein zum äussersten Widerstand gegen den modernen — Achabismus. J. J. B. Installation des Oberrabbiners von Nove Mesto n. V. Sonntag den l.Siwan fand!bei der orthodoxen Gemeinde in Nove .Mesto n. V. (Wagneustadt) die Installation des neugewä'hlten Oberrabbiners Herrn M. Z. Donath aus Toipolcany in feierlicher Weise statt. Die Feier gestaltete sich zu einem imposanten Fest des nil/tn כבוד/ an dem ausser der Gemeinde und 'zahlreichen Freunden des neuen Oberrabbiners aus •Nah und Fern auch •eine Anzahl von Nachbargemeinden, die politischen Behörden ündj die evangelische Ortsgemeinde deputativ vertreten waren. Aus P r •e s 9 b u r g reisten Verwandte, Freunde und sonstige א דה כ י תורה in grosser Zahl zur Installation. In Leopoldo-v schlossen sich ihnen die Festtdilhehmer aus Topolcany und anderen Gemeinden an. Man bemerkte Gäste aus Bratislava, Piestany, Topolcany, Trnava, Csejte, Bosaca, Kosice, Kostolany,״ Hrädek, Szered, Becsbeo, Mor. Lesleava, Galanta u. a. Stark vertreten war ׳besonders die Jugend. Die Agudas J-isroel-Jugendgruppe war durch die Herren!Paul Link und Eugen Schlesinger vertreten. Auch die Neologengemeinde von Nove Mesto entsandte eine Deputation. An der Bahnstation angelangt, führte eine lange; Wagenreljie die Gäste!zum dichtgefüllten Tempel. Dort richtete der Vizepräses Herr Stricker eine herzliche Ansprache an den Oberrabbiner -und brachte die Wünsche, der Gemeinde und die ׳Hoffnungen, die an sein Wirken geknüpft werden, zum Ausdruck.!Hierauf bestieg Oberrabbiner Donath die Kanzel und hielt eine inhaltlich und formell gleich ׳vollendete Droschoh, -die von allen Anwesenden mit aufrichtigem Beifall aufgenommen wurde. Der Installationsfeier -im Tempel folgte ein Bankett, an dem auch die auswärtigen Gäste teilnahmen und -schöne דברי תורה gesprochen wutden. Als erster Redner ergriff der Vater des installierten Oberrabbiners, Herr Rabbiner Samuel Donath aus Bratislava das Wort und fesselte Stärket die Thora, am Feste der Thora, durch Zuwendungen an den Heren )(atbora!