Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 21-22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 148 Nr. 21/22 JÜDISCHE PRESSE NACHRICHTEN. Die Religionsbekenntnisse in Wien. 1,518.330 Katho- ׳liken, 201.513 Juden. Die ״Statistischen Naqhrichten“ veröffentlichen eine Zusammenstellung über die Religions(• bekenntnisse der Wiener Bevölkerung. Von in •der letzten Volkszählung festges׳tellten 1,865.780 Einwohnern! Wiens sind 1,518.330 oder 81,4 Prozent römisch-katholisch,' 201.513 gehörten der israelitischen Religion an, 89.132' waren evangelisch. Sehr dünn gesät sind die Konfessionslosen mit bloss 33.087 oder 1,8 Prozent der Bevölkerung. Ziemlich grosse Kontingente stellen die Juden in d*en Gemeindebezirken Leopoldstadt mit 59.722, das sind 38,5 Prozent, am Alsergrund mit 23.746, das sind 25,1 Prozent!, in der Inneren Stadt, mit 10.462, das sind 24,3 Prozent, in der Brigittenau mit 17.572, das sind 18 Prozent, in Maria,־ hilf mit 8941, das sind 16,4 Prozent, am Neubau mit *9838, das sind 15,6 Prozent, in der Josefstadt mit 6932, das sind 13,8 Prozent, in Döbling mit 5665, das sind 10,2 Prozent, auf der Landstrasse mit 14.204, das sind 9,83 Prozent und auf der Wieden mit 5570, das sind 9,66 Prozent. In ded übrigen Bezirken stellen die Juden1 .!hur ganz bescheidene Kontingente. Der Prozentsatz der katholischen Bevölkejrung, der im Jahre 1910 86,80 Prozent betrug, ist aiuf 81,38 Prozent, also ganz unbedutend, zurückgegangen. Hingegen hat der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung1 von 8,63 auf 10,80 Prozent, •das ist!um rund 15. Prozent,' zugenommen. Ebenso hoch ist auch 'die Steigerung der Prozentziffern der Evangelischen. 4 י Hochzeit im Hause Dr, Reiniger. Jüngsten Sonntag fand die Hochzeit des Fräuleins Martha Reiniger mit Herrn Leopold Steiner aus Szombathely statt. Die grosse Beliebtheit und Hochachtung, deren sich der Vater der Braut, Herr Dr. Isidor Reiniger, erster Obmannstell.־ Vertreter der Adas Jisroel, Vorstandsmitglied zahlreicher anderer Vereine und allgemein ,bekannt durch seine beson'dere Fürsorge für seine unbemittelten Patienten, erfreut, drückte sich in der Anwesenheit der zahlreichen' Festgäste aus. Unter denselben befanden sich der Präsident der Kultusgemeinde, Prof. Dr. Adolf Pick, Kultus- Vorsteher Dr. Ticho und Dr. Deutsch, Prof. Dr. Zappert,; Medizinalrat Bezirksrat Dr. Hanse, der Gesamtvorstand ,der Adas Jisroel, der Agudas Jisroel. (Herzlichen Masel;־ tow! (Die Red.) Keren Hafhora-Versammlung im 9. Bezirk. Am 1. Siwan — 24. Mai׳ — fand im Bethause!Adas Jeschurun IX., Pfluggasse 5, eine ,Propagandaversammlung für Keren Hathora statt. Der Vorsteher, Chaim Krämer, begriisste die Versammlung, nachher sprachen Rabbiner Dr. Joel Po llak und Moses Blech über die Bedeujtung und Aufgaben des Keren Hathora für die thoratreue Judenheit. Die holländische Königin im Amsterdamer Judenviertel. Königin Wilhelmine stattete dieser Tage in Begleitung des Prinzgemahls und der Kronprinzessin: JuÜiana der Stadt Amsterdam den jährlichen traditionellen (Besuch ab. Im Gegensatz zu früheren Jahre!n. wurde das׳ Programm der Besuche und der Rundfahrten dprch die Stadt nicht mehr so streng׳ eiingehaljten; der traditionelle Besuch im Judenviertel wurde aber nicht versäumt. Die königliche Familie wurde von der Amsterdamer Judenheit mit grossem Enthusiasmus empfangen, die in den Strassen des Judenviertels zahlreich versammelten jüdischen Bin'־ wohner bereiteten den hohlen Gästen stürmische Ovationen. Die königliche Familie besuchte diesmal nicht allein das alte Ghetto Amsterdams, sondern auch das neue Juden־ viertel, die Vorstadt Watergraafsmeer, wo der ,Empfang ebenfalls ein sehr herzlicher war. Die Königin empfing auch das Präsidium des Vereines ״Jüdisches Invalidenheim“ und erkundigte sich nach dem Stande der Arbeiten für den Neubau des Instituts. Die Königin drückte hiebei den Wunsch aus, das neue Gebäude des Instituts persönlich zu eröffnen. Gedenkfeier für Oberrabb. Akiba Strasser s. A. Die Kuliusgemeinde in Tokaj (Ungarn) hat am 15. d. M. anlässlich der ersten Jahrzeit nach ihrem verstorbenen Oberrabbiner eine imposante Trauerversammlung abgehalten. Nach dem Minchagebete ■bestieg Überrabb. Salarnon Strasser, Debreczen, die Kanzel und hielt eine tief ergreifende Gedächtnisrede, bei welcher kein Auge trocken blieb. Nach ihm sprach, Oberrabb. S. W. Strasser, Tiszafiired. Danach begab man. sich korporativ zum Gra'be des Verstorbenen, wo der von der Gemeinde gestiftete Gedenkstein errichtet wurde. Hier schilderten die drei Söhne des Verblichenen in rührenden Worten das heilige Leben ihres Vaters. Im Namen der orth. Zentralkanzlei sprach Don Fränkel und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Gemeinde das Andenken ihres grossen Rabbiners dadurch ehren wird, dass sie die Lehren ihres Meisters auch nacn seinem Ableben hochhalten werde.;׳־׳״ Die Aguda In Maramoros. Die Aguda hat hier festen Kuss gefasst. Der Aufbau des heiligen Landes im Geiste der Thora ist dem Maramoroser orth, Juden sehr teuer und er möchte ihn mit Leib und Seele fördern. Den transsylvanischen Führern der Aguda ist es zu verdanken, dass die Aguda hier festen Fuss gefasst hat, so dass sehr viele, die früher zurn■ Zionismus hielten, sich jetzt der Weltorganisation der thoratreuen Juden angeschlossen •haben. Heute bestehen in Maramoros bereits viele Aguda-Ortsgriippen (wie in Viso, Petrova, Ruskova u. a!). Die traurige ökono־ misch3 Lage, in welcher sich die zum überwiegenden Teil ortn. Judenheit hier befindet, lässt in vielen den Entschluss reifen, nach Erez Isroel auszuwandern. Diejenigen, welche auswandern wollen, sind meistens Leute mit bedeutendem der Talmud Thora erhielt das staatliche a ■ Die Lehr■ und Lernmittel, die Schüler- und Lehrerbibiiothek bedürfen noch der dringenden Ergänzung Jeder, der spdet Ti--L 4 1 ־■י יQ0>fRQ. [UDli/li. _ .״—--- jLO&JiJUsUj Sekretariat: II. Bezirk, Malzgasse 16) trägt zum Ausbau des ן יי j j 1 , 1 ך 11 1 1 וי ._v_־1. _״ sehen Schulwerks Wiens bei! Gebet Euere"' Ihr könnt Grosses damit schaffen! ♦ Vermögen Sie beschäftigen sich meistens mit Landwirt- Schaft und Viehzucht usw> und wollen alles verkaufen, um nach Erez Isroel auswandern zu können. J. D. Fried. Aguda-Tätigkeit in Przemysl. Sonntag, den 17. Mai wurde auf Anregung der Jugendorganisation ״Ceire Agu-l das Isroel“ in Przemysl eine Versammlung einberufen; zwecks Gründung einer ״Hechalutz Haaguda“־Gruppe. Bei grosser Beteiligung seitens der Mitglieder eröffnete. der Vorsitzende die Versammlung mit einer kurzen Begrüssüng und erteilte das Wort dem ' Referenten, der über die Wichtigkeit dieser Versammlung sprach. Hierauf wurde eine ״Kewucah“ von 35 ״Ceirim“, besonders ״Pojaliim“ gebildet, die die Absicht haben, fn; ,Feldarbeit sich auszubilden und nach Erez Isroel zu iibersiedlin, um im Geiste der Thora den heiligen Boden: zu bearbeiten. Am selben Tage fand die Eröffnung der ״Jeschiwa Gewoha“ für Ostgalizien, die unter Aufsicht der Agudas Isroel in Przemysl steht, in grösserem Mass•־ stabe wie jeher statt. Als zweiter רי״מ wurde der bisherige Leiter der Sanoker Jeschiwa ״Bne Thora“, Rabbiner Sch. Vogelmann, gewählt. Es wird beabsichtigt, in den nächsten Tagen eine grosse Keren Hathora-Aktion zu unternehmen, welche hoffentlich gute Früchte bringen׳ wird. M. B u c h h o 1 z. Oberrabbiner Schapira in Auvers. Der berühmte Gaon und Deputierte zum polnischen Sej« 1, Rabbiner M. Schapira. tr-af vorgestern hier ein und wurde von einer riesigen Menschenmenge am Bahnhofe begrüsst. Gestern, sprach der Gaon bei einem Massenmeeting in der ״Fortunia“. Anwesend waren das Rabbinat, Vertrete’* •der jüdischen Kultusgemeinde und eine grosse Zahl der ׳hiesigen angesehensten Bürger. Beim Erscheinen auf der Tribüne wurde der Redner enthusiastisch begrüsst. Der Vorsitzende des Keren Hathorah-Comitee, Herr K. Spira, eröffnete mit einer kurzen Ansprache die Ver- Sammlung und erteilte ■das Wort dem berühmten Redner; der in einer zweistündigen Rede die Ziele des Keren Hathorah und die Notwendigkeit seiner Zentralisation auseir.andersetzte. Redner betonte die Wichtigkeit und Urientbehrlichkeit der im Bau begriffenen Petrikauer Jeschwah und gab ein eingehendes Referat über die bisherigen vorzüglichen Leistungen des Keren Hatorah, der unter anderen; die polnischen und litauischen Jeschiwoth mit enormen Summen unterstützt. Die Rede entfesselte stürmischen Beifall und die Begeisteiung war gross. Ein Versuch von gegnerischer Seite, den Redner durch verschiedene Fragen in Verlegenheit zu bringen,!in der Absicht, •den gewaltigen Eindruck abzuschwächen, misslang vollständig. Es ist zu hoffen, dass die zu unternehmende Aktion zugunsten des Keren H&thorah mit Erfolg durchgeführt werden wird. Amerika über die Aguda-Tätigkeit. New York (A. J. P. B.). Sämtliche jüdischen Zeitungen ׳begrüssen m ausführlichen Artikeln die grosszüigige Badenka׳uifstät׳i1gkeit der Agudas Jisroel in Palästina ׳und •den ׳duroh die Aguda initiierten Wanderstur.m orthodoxer Arbeiter, Gewerbetreibender ,und :Industrieller. Die New Yorker Orts- und .d'Ugendigru'ppen •entwickeln ■eine rege Tätigkeit auf •dem Geibiete!des Bodenverkaufes. Sie!haben!bereits ׳grössere Quantitäten Boden — ׳darunter 1200 Dunam an einen einzigen ׳Mann — ׳abgesetzt. 35jähriges Dlenptjubiläum von Rabb. Dr. Philipp Klein. Die Ohab Zedek-Synagoge in New York hat am 19. April ■das 35jährige Dlenstjubiläum ihres Rabbiners, des allgemein geschätzten Rabb. Dr. Philipp Klein, festlich begangen. Das Arrangement lag in den Händen eines Komitees, bestehend aus den Vorstehern der Synagoge und aus den persönlichen Freunden des Jubilars. (Herzliehen Maseltow. Die Redaktion.) Professor Dr. Henry Malter gestorben. Dr. Henry Malter, Professor der rabbinischen Literatur am Dropsie-! Colleg zu Philadelphia, ist dieser Tage i'm Alter vonj 59 Jahren gestorben. Professor Dr. Henry Malter wurde am 23. März 1867 zu Zabno, damals zu Oesterreich geJ hörig, geboren. Die zehn Gebote in den New Yorker Volksschulen. N e w Y 0 r k (J. T. A.). Vertreter der katholischen, methodistischen und jüdischen religiösen Gemeinden hielten am 21. März in New York im Bureau des Stadtschulinspektorates eine gemeinsame Sitzung ab. Es wurde beschlossen, das Lesen der zehn Gebote in allen New Yorker Volksschulen einzuführen. (Die jüdischen Arbeiterführer haben gegen diesen Plan im Namen der Glaubens- und Gewissensfreiheit eine Aktion eingeleitet.) Antisemiten gegen den Sabbat. M l a w a. (A. J. P. B.) Die jüdischen Gemeindevertreter haben eine Petition mit 500 Unterschriften beim Stadtrat eingebracht, um derf Wochenmarkt von Sabbat auf Freitag zu verlegen. Die Petition wurde in der Stadtratssitzung vom 2. April behandelt. Die antisemitischen Parteien sind vollzählig aufmarschiert und haben heftige Reden gegen die Judaisierung der Stadt gehalten. Die Petition wurde nach langer Debatte mit fünf Stimmen Mehrheit verworfen. Antisemitischer Ueberfall in Warschau• Warschau. (A. J. P. B.) Ein Rudel Huligans bestürmte den durchwegs von Juden bewohnten Platz Grabowa, schlugen hunderte Fensterscheiben ein und bedrohten die Passanten. Die Polizei schritt sofort ein und schuf nach Vornahme zahlreicher Arretierungen in kürzester Zeit Ordnung. Austritt der orthodoxen Kultusräte aus der Piotrkower Gemeinde. P i 01 r k o w. (A. J. P. B.) Die in letzter Zeit bis zur Unerträglichkeit sich steigernden Zwistigkeiten in der Piotrkower Kultusgemeinde veranlassten die orthodoxen Vertreter, von sämtlichen Beratungen fernzubleiben, um zu demonstrieren, dass sie die Verantwortung für die Beschlüsse der bundistisch-zionistischen Majorität ablehnen. Starkes Anwachsen der ״Moshvta“ in Warschau. Während im letzten Semester bloss 300 Hörer an der ״Mosiwta“ inskribiert waren, wuchs diese Zahl im .heurigen Semester auf 700. A5^9/-/+4B C05C