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Jüdische Presse · 1925-05-28 · 21-22 (28.5.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
21-22 (28.5.1925)
Date
1925-05-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nf. 21/22 JÜDISCHE PRESSE. . Seite 145 Festgruss an die Talmud Thora anlässlich der Verleihung des Oeffentlichkeitsrechtes an ihre Bürgerschule. Die Gründungsakte der Talmud Thora, (Nach einem Midrasch.) Als der Schöpfer von Himmel und Erde, Als der Herr des!brausenden Weltalls Sich in seiner Güte entschlossen,!Menschenkindern das Höchste zu geben, Menschenkinder zur Weihe!zu rufen, Israels Kinder sich zu erwählen. Sich und seinem heiligen Worte Israels Volk für ewig zu küren, Ging ein zagendes Zittern und Brausen Durch der Schöpfung unendliche Weite. Kann es — so fragten sich Himmel und Erde — Kann es — so fragten die sterblichen Menschen — . Kann es vermessen Vergängliches wagen, Ewiges Sein an die Erde zu bannen? Himmeln senkten herab sich zur Erde, Erde hob sehnend empor sich zum Himmel,. Atemlos harrten schweigend die Welten Und des Allmächtigen Stimme ertönte. Keiner vermochte ,zu!deuten die Stimme, Nur ein gewaltiges, seliges Ahnen Weltbezwingender Glückser.füllung Zog durch Herzen und Seelen der Menschen. Wellen der Töne wallten hernieder, Wogen des ׳Feuers drangen nach oben, Erde und Himmel erglühten in Sehnsucht Und des Allmächtigen Stimme ertönte, Tönte in mahnendem, heischendem Rufe, Tönte in leise bittender Frage, Drang in das Herz, in die Seele des Volkes, Dem sein, ragender!Bote und Führer Also des Ewigen Stimme gedeutet. Meine Thora will euch ich verleihen, ■ Will euch das Köstlichste, Heiligste geben, Will euer karges, irdisches Dasein Mit der Ewigkeit Schimmer umwinden. Aber nun saget, ihr, die ich erwähle, Habt ihr den ׳Mut, ׳an sterbliches!Leben Ewiges Wollen unlöslich zu fügen? Habt ihr den Mut, so gebet ihr ׳Bürgen, Bürgen, die allzeit zeugen und künden, Dass ihr gerüstet,!bereit und gewillt seid, Meiner Thora das Leben zu geben, Meine Thora zum Leben ׳zu rufen, Gebet mir Bürgen, gebet mir Bürgen. Und da hub an ein denkendes Schweigen, Schweigend verharrten Volkschaft und Führer,' Bis sie endlich voll seeliger Inbrunst Also sprachen zum Geber der Thora: Himmel und Erde sind unsere Bürgen, Himmel und Erde, sie schauen und sehen Menschengeschlechter,’ die gehen und kommen, Himmel und Erde, im rhythmischen Gleichmass Geben und nehmen sie Helle und Dunkel, Himmel und Erde, sie weisen die Schranken, Innerhalb deren den Geist Du gebannt hast. Träumend zum Himmel meistern den Raum wir; Ringen nieder das Zeitmass des Lebens, Schreitend auf Erden erfüllen wir selig Räumlos und zeitlos ewiges Ahnen, Himmel und Erde sind unsere Zeugen, Himmel und Erde sind unsere Bürgen• Doch der Ewige kündete gütig: Himmel und Erde, nicht können sie bürgen, Denn es könnte der Tag wohl erscheinen, Da sie gleich Spreu im Winde vergehen, Wenn es mein Schöpfenwille!beschlossen. Nur ein Ewiges sollt ihr mir geben, Sollt es mir geben willig als Bürgen. Ewig rein und hehr und erhaben Ist die Seele in euren Kindern, Zart und heilig, als Bote des Himmel9 Wird gesenkt sie in irdische Körper, Und des Kindes beschleunigter Herzschlag, Suchet voll Sehnsucht die ■ewige Schönheit, Ahnet und findet die ewige Wahrheit. Diese Seelen verlange ich als Bürgen. Euch, ihr Väter, euch auch, ihr Mütter, Hab ich die Seelen in Obhut gegeben, Lauscht dem zärtlich heischenden .Raunen, Führet zur Wahrheit die dürstenden Seelen. Eure Kinder sind eure Bürgen, Zwischen dem Himmel und zwischen der Erde Träumen und singen die Seelen der Kinder, Bringen mir Botschaft von euren Gedanken, Bringen euch Botschaft aus ewigen Welten, Lernen und lehren, wirken und künden Ewiger Schönheit ewige Lehre. Da erhob sich!gewaltiges Brausen Lachenden, weinenden• Menschengesanges: Nimm sie. die Bürgen/ wir geben sie willig, Und in* allem Wechsel der. Zeiten Sei die Thora bei Israels Kindern — Vaterauge und Küsse der Mutter. Weihen an jeder lächelnden Wiege Kinderseele dem Dienste der Thora. Worte des Vaters und ■Bitte der Mutter, Werden in jedem jüdischen Kinde Himmel und Erde einander vermählen. Also sprachen am Fusse des Sinai Myriaden von jüdischen Menschen. Und es sängen Himmel ׳und Erde, Und es sangen Berge und Täler, Himmel und Erde küssten einander, Und des Allmächtigen Stimme ertönte. Auf den Wellen ewigen Webens׳ Hub es an zu sagen und künden Von onauchi bis lereiecho. Ewiges Lernens heilig Beginnen Ward den Menschen gnädig beschieden, . Und der Allmächtige, selbst voller Liebe, Gab die erste heilige Kunde In der ewigen Talmud Thora. Die Talmud Thora Volks- und Bürgerschule und das staatliche Oeffentlichkeitsrechtl Es ist eine schöne und alte Sitte, Geburtstage zu feiern und denen; die unseren Herzen nahe stehen, diesen Tag durch sinnige Geschenke zu verschönern. In diesen Geschenken soll unsere ganze Liebe und Herzlichkeit sichtbaren Ausdruck finden. Wir feiern diese Woche denj Geburtstag unserer Thaura hakdauschoh, die uns wie! eine liebende Mutter durchs Leben trägt, die uns treu besorgt von allen Gefahren, denen unser Körper und unsere Seele ausges׳etzt ist, beschützt und bewacht und nur ein Ziel verwirklichen will, uns zu stützen und zu nützen, uns zu erziehen und zu ertüchtigen zu aufrechten Bürgern höchsten Menschenadels. Das ganze׳ Jahr hindurch fühlen und empfinden wir all diese Wohl* taten, die unser Familienhaus erhellt, unserem Ringen und Streben Schwingen verleiht, unsere Freuden erhöht und uns auch in Stunden des Leids und der Trauer trostreich zur Seite steht! Können und dürfen wir dann mit leeren Händen an ihrem Ehrentage hintreten, wenn das Herz von Dankbarkeit erfüllt aufjubelt im freudigen Bewusstsein, dass unsere Thora, jung und herrlich wie am ersten Tag lebt, wirkt und schafft und gleich der ewig jungen Sonne neues Blühen und Leben weckt, wo uns schon die Angst der Erstarrung und des Verfalles aufschreckte! G־tt sei Lob und Dank, wir kommen nicht mit leeren Händen! Ein Geburtstagsgeschenk von dauerndem Wert dürfen wir aufweisen, das dem! Beschenkten zur Ehre gereicht und dem Geber das beglückende Gefühl schenkt, das Beste gefunden zu haben» um über die Zeit hinaus ein Werk zu schaffen, das noch späteren Generationen zeigen soll, was Liebe und Treue vermag trotz aller Ungunst der Zeit und Verhältnisse! Nach jahrelangem Ringen ist es.gen 1 ungen, auch dem jüngsten Werk der Wie- .ner Orthodoxie, unserer Bür ge r s c h u 1 e, dad staatliche Oeffentlichkeitsrecht zu beschaffen und so unserer heranwachsenden Jugend die Möglichkeit zu bieten, jenen Bildungsgrad zu erreichen, ohne das Thorastudium in diesen . wichtigsten Jahren vernachlässigen zu müssen, der vom Gesetze des Landes vorgeschrieben wird! So wollen wir auch in dieser Form den Midrasch verwirklichen. Unsere Bürgerschüler sollen die Bürgen sein,' dass die Thauro gehegt und gepflegt wird, uns erhalten bleibt und uns erhält in allen Stürmen der neuen Zeit. Das staatliche Oeffentlichkeitsrecht, ein Zeichen des Verständnisses und der Anerkennung seitens der Regierung, mahnt aber aüfch die Öffentlichkeit an ihre Pflicht, diesem Schulwerk ihr mit-׳ tätiges Interesse zu bewahren! | Nicht blumenbekränzte G-tteshäuser, sondern mit edelsten Menschenblüten gefüllte Schulhäuser sind dies schönsten Zeichen unserer G-tteshuldigung. O. N. Die Bürgerschule. Von Direktor Emanüel Unger. Die fünfklassige Volksschule des Schulvereins ״Tah mud Thora“, die normalmässig ihre Schüler mit dem zwölften Lebensjahre zu entlassen hat,.konnte den Zweck einer jüdischen Schule mit Beachtung des Umstandes, dass die Schulpflicht erst mit dem erreichten vierzehnten! Lebensjahre endet, nur in einem sehr beschränkten Masse! erfüllen. Aus dieser Erwägung heraus fasste der Vor4 stand den Entschluss, dieses Schulwesen auszubauen undj der bestehenden Volksschule eine Bürgerschule anzugliedern. Zur Tat reifend, wurde im Schuljahre 1922i 1923 eine Bürgerschulklasse mit anschliessenden Kursen unter der Leitung des Bürgerschuldirektors Salomon Khuner eröffnet. Mit Beginn des Schuljahres 1923-1924 sah sich Direktor Khuner infolge seiner angegriffenen Gesundheit veranlasst, seine so schön begonnene Tätigkeit aufzugeben und Herr Emanuel Ungar wurde mit der Leitung der Schule betraut. Von diesem Zeitpunkte an erfolgte der Aufbau und die Organisierung dieses noch' unvollständigen Schulkörpers zu einer ordentlichen drei־! klassigen Bürgerschule. Das Bestreben der Direktion, fütf die nun vollständige Bürgerschule das Oeffentlichkeitsrecht zu erwerben, scheiterte einerseits an ihrer noch sehr mangelhaften Einrichtung und andererseits an den^ Umstande, dass der Aufbau eines den strikten Vorschrift ten der Schulbehörde entsprechenden Stundenplanes unmöglich war, unmöglich infolge des hebräischen Unterrichtes, der viele Schüler dieser Schule dreimal wöchentlieh für den vormittägigen Unterricht beanspruchte, und so wurde das Oeffentlichkeitsrecht der Schule versagt. Die Abiturienten dieser Schule erwarben das staatsgültige Entlassungszeugnif an einer öffentlichen städtischen Bür- Die jüdische Bürgerschule für Knaben Wien, 2. Bez., Malzgasse 16 gibt den jüdischen Eltern Gelegenheit, ihre Söhne bis zum 14-ten Lebensjahr in jüdischer Umgebung und in jüdischem Geiste zu erziehen Jüdische Eltern! Rettet den Sabbath Eurer Kinder, schicket sie in die jüdische Schule! Zahlstellen des Wiener Talmud-Thora-Vereines: Für Oesterreich: Postsparkassen-Konto Nr. 182.159 und Sekretariat, Wien, II., Malzgasse Nr. 16 // Für die Schweiz: Gebr. Hausdorff, Rotterdam, Westerstraat Nr. 13 // Für Deutschland: S. C. Knoller, Berlin, Alexander-Ufer 5, und S. Goldschmidt Hamburg 36, Moorweidenstrasse 14 // Für die Tschecho- Slowakei: Kann & Stahler, Bratislava, Marktplatz

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