Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 21-22 (28.5.1925)
- Date
- 1925-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 21/22 JÜDISCHE PRESSE Seite 143 halben Million Lei arbeitet, so musste diese Last auf die Schultern «der Gemeinden abgewälzt und nach einem gleichmassigen Schlüssel verteilt werden. Da aber gerade die numerisch grössten Gemeinden ms zionistische Fahrwasser hineingeraten und ihre Gemeindeleitungen insbesondere zionistisch, respektive misrachistisch orientiert sind,• so scheint es ihnen als heilige Pflicht des Nationaljudentums; das von unseren Ahnen errichtete starke Bollwerk, der Religion: die orthodoxe Organisation, zu schwächen, ihren Bestand zu untergraben- Dementsprechend unter!- stützen sie, wie z. E. Maramarossziget und Klausenburg, die Kanzlei überhaupt nicht und wieder andere, zum Beispiel Grosswardein, nur ungenügend, weitab von dem nach der Quote auf sie entfallenden Beitrage der Ehrenpflicht. Ich griff nur die grössten Gemeinden heraus, zu denen sich naturgemäss noch eine ganze Reihe mittlerer lind kleinerer Gemeinden gesellen, die den grossen nicht in zionistischer Gesinnung und Tat nachstehen wollen. Es ist daher sehr naheliegend und leicht begreiflich, welch riesige Energie unser Zentralbureau aufwenden muss, um1 die materielle Grundlage siclierzustelleu, mit der sie stellt und fällt.! Nun darf diese Erscheinung durchaus nicht dahin gedeutet werden, dass jene Gemeinden samt und sonders aus zionistischen Mitgliedern sich rekrutieren. Bewahre! Es befinden sich innerhalb jener Gemeinden viele, viele Hunderte, die überhaupt keine Zionisten sind und selbst unter den aus Unverständnis, aus oberflächlicher Denkungsart oder aus konventionellen Ursachen dem Zio!- nismus huldigenden Männern •gibt es G. s. D. noch zun! grossen Teil einen gesunden Kern, der noch ein unver;- dorbenes Herz sich bewahrte, das noch lebhaft resoniert beim Klange alter Ueberlieferungen, das noch tiefer Empfin, düngen fähig ist bei Nennung jüdischer Wahrheiten, und das noch höher schlägt, und eine wohlige Wärme fühlt, wenn ein Ruf zur Arbeitsleistung zwecks Erhaltung und, Sicherung der Orthodoxie erschallt. Und ich bin überzeugt, wie ich das auch anlässlich der zuletzt getagten Landesrepräsentanzversammlung demonstrierte, die Schwierigkeit der Budgetdeckung würde mit einem Schlage behoben und die Kanzleileitung einer unangenehmen, ihre Kräfte absorbierenden und ihr Ansehen beeinträchtigenden Arbeit überhoben sein, wenn man den Steuerschlüssel in Zukunft nicht mehr wie bis jetzt an das Gesamtbudget! der Gemeinden, das ohnehin bei einer mala fides der Lei!- tu'ng nicht gut kontrollierbar ist, anpassen, sondern ein gewisser .Prozentzuschlag zu der Kultussteuer der einzelnen Gemeindemitglieder festgesetzt würde, der alsdann entweder vom Inkassanten der Kultussteuer oder, wo das infolge einer Böswilligkeit nicht anginge, durch einen djrekten Betrauten des Zentralbureaus einkassiert werden könnte. Dann mögen die zionistischen GemeindegevvaltP gen der Orthodoxie den Nervus rerum unterbinden wollen, sie müssten gewiss zuschanden werden. Diese vorläufige Ungere'geltheit unseres Verhältnisses zum Staate, die die Quelle aller Uebel ist in bezug auf die materiellen Gebrechen unserer Zentrale, sie ist auch gleichzeitig die Ursache der eingeschränkten Einfluss^ Sphäre derselben. Die Bestätigung des neuen Organisa,־ tionsstatutes, die Subventionsfegelung der Rabbiner und Gemeindeinstitutionen, die Anerkennung und Wahrung detr verbrieften und von Jahrhunderten geheiligten Rechte der Chadorim und Talmud-Thora-Anstalten, die Rechte' betreffs Aufrechterhaltung und Errichtung jüdischer Eiementasr- und Mittelschulen, Sanktionierung der seitens vieler Gemeinden unterbreiteten modifizierten Statuten etc , alles, alles witrd hinausgeschoben und unerledigt gelassen bis zum Gesetzweirden des noch immer nicht spruchreifen Entwurfes zur endgültigen Regelung des Verhältnisses aller Kirchen zum Staate. Insolange das nicht geschieht, hat die Orthodoxie eine Sisyphusarbeit zu leisten im Inte!resse der ihrer Obhut an vertrauten heiligen Güter. Wenn es ihr gelungen ist, einen Felsblock mit grossem Auf wände* von Arbeit und Zeit von der gefäürdeten Stelle hinweg, aber immerhin nur bergaufwärts zu rollen: da kollert er plötzlich wieder abwärts und droht im Falle das eine od!er das andere religiöse Interesse zu begraben oder mindestens zu schädigen. Diesqr an sich selbst schon genug betrübende und in jedem Lande Misslichkeiten in grosser Zahl zutage fördernde Umstand wird hierzulande um so drückende^ empfunden, weit unsor ganzes Staatswesen von einem! weitgehenden Liberalismus und .Demokratismus durch•’ woben ,ist, demzufolge die einzelnen Regierungsorgane' nicht nur in den grösseren Zentren, sondern auch in k,le|-i neren Provinzstädten eine ziemlich weitreichende Macht- Vollkommenheit und einen ausgedehnten Kompetenzkreis besitzen und, durch die Ungeregeltheit der Zustände, der rOrthodoxie oft kleinere oder grössere Wunden schlagen. Wenn es dann auch gelingt, Remedur zu finden, so vist das Bestehen dieser Tatsache doch sehr beklagenswert, weiJ1 man sich gegen dezentralisierte An- und Eingriffe nicht gut zentralistisch schützen kann. Besten Schutz könnte uns nur die modern ausgebaute Organisation bieten, deren Autonomie und •Wirkungskreis gesetzlich umschrie־ /‘ben und gewährleistet ilst. Das kann und wird Voraussichtlieh nur nach I;.<krafttreten des Kirchengesetzes geschehen. (Wjrd fortgesetzt.) Ungarischer Brief. Budapest, im Mai. Anlässlich der in meiner vorigen Notiz avisierten — wie gewöhnlich — unter Vorsitz des um die glaubenstreue judenschaft hochverdienten Präsidenten Adolf Frankl abgehaltenen Quartalskonferenz der orthodoxen israeiitschen Zentralkommission ist betreffs der seit acht Monaten in Schwebe gewesenen Kompetenz-, respektive Zweckmässigkeitsfrage der Organisierung der materiellen Unterstützung der hierländischen Jeschiwohs und Talmud- Thora-Schulen folgendes vereinbart worden: Das am 18. Elul vorigen Jahres von der orthodoxen israelitischen Landesrepräsentanz ausschliesslich behufs dieser Organisieruug entsandte Landeskomitee tritt nicht in Wirksamkeit, sondern die auf dem ganzen Gebiete Ungarns zu erfolgende Beschaffung von Mitteln (Mitgliedsbeitragen, Spenden etc.) für die •zentrale Unterstützung der Jeschiwohs wird dem seit mehreren Jahren in Raab bestehenden und eine ebenso eifrige wie lobenswerte Tätigkeit entfaltenden ״T 0 m c h e - J e s c 11 i w o h s - Verein‘1 überlassen; aber die halbjährig um jeden Semesterbeginn vorzunehmende Verteilung der Unter- Stützung, d. 11. die Auswahl der hierbei zu beriicksichtigenden Jeschiwohs sowie ׳das Ausmass der ihnen zu gewährenden Beträge hat durch ein gemeinsames Komitee zu geschehen, welches aus der Leitung des Vereines und aus hierzu in paritätischer Zahl aus allen Landes- *teilen zu •berufenden . Mitgliedern bestehen wird. Durch diese Vereinbarung wird der Verein, der bisher häuptsächlich nur in Transdanubien tätig war und im verflossenen Semester dem heiligen Zweck bloss etwa 80 •Millionen Kronen zu widmen vermochte, in die Lage versetzt, eine unvergleichlich ausgedehntere Tätigkeit zu entfalten. Die Unterstützung der T. a 1 m 11 d - T h o r a - Schulen jedoch, die im.Sinne der Statuten des Vereines aus seiner Wirksamkeit ausgeschaltet ist, bleibt Aufgabe der orthodoxen Zentralkommission. In derselben Sitzung dieser Kommission wurde Kanzleirat Ludwig Hartstein, der seit etwa 20 Jahren gemeinsam mit dem Präsidenten Frankl die Agenden der Leitung der Orthodoxie versieht, in Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste einhellig zum Vizepräsidenten gewählt. Die Budapester autonome orthodoxe Kultusgemeinde beschloss in ihrer ■jüngsten Repräsentantenversammlung den Bau ׳des ersten Teiles ihrer neuen Mikwa, deren Kosten auf mehrere Milliarden veranschlagt sind,’ im nächsten Monat in Angriff zu nehmen und für das ärztliche Gratisarabula torium der Gemeinde ein neues Gebäude, drei Ordinationszimmer und Nebenräumlichkeiten umfassend, zu errichten. Im Spitalsanatorium dieser Gemeinde wurde für die Patienten desselben ein kleines Bet-Hamidrasch erbaut, welches zugleich als Bethaus dienen wird. Die Einweihung des sehr hübsch ausge-׳ statiete'n Lokals hat heute in feierlicher Weise stattgefunden. Die Eröffnungsrede ■hielt der verdienstvolle Obmann des Kuratoriums dieser in jeder Beziehung mustergültigen orthodoxen Heilanstalt, Gemeinde-Ehrenpräses Leopold v. Freudiger, worauf der im Patriarchenalter stehende Oberräbbiner Kön. Rat Koppel Reich ■eine halbstiindige Weihrede mit •fast jugendlicher Frische sagte. Bei •dem hierauf stattgefundenen Bankett sprachen der um das Sanatorium hochverdiente Obmannstellvertreter und Chewra-Kadischah-Präses Dr. Isidor Fried mann. Gemeindepräses Abr. v. Freudiger, •die Rabbiner Sussr.5ann, Steif und G r oss, ferner Spitaldirektor Dr. Rosen ak. Herr Adolf Schlesinger und Schuldirektor Dr. Adolf Deutsch. Ebenfalls heute erfolgte die feierliche Eröffnung der vom hiesigen jüdischen Grossindustriellen Aladar Kassab mit einem kolossalen Kostenaufwand errichtete und der Pester neologen Kultusgemeinde zum Geschenk gemachte neue Poliklinik grandi( ser Dimension. Die Regierung war hierbei durch den Wchlfahrtsminister Dr. Johann Vass ■vertreten, der in seiner ׳Eröffnungsrede darauf hinwics. dass schon ira Altertum und auch im Mittelalter die hervorragendsten ärztlichen Koryphäen aus der judenschaft hervorgingen unc! dass die edle Tugend der Wohltätigkeit und Nächstenliebe stets im Judentum am häufigsten anzutreffen ׳war. Unter den soeben gewählten 250 Mitgliedern der Budapester S t a d t r e p r ä s e n t a n z befinden sich sechzig Juden, d. i. etwas weniger als was der jüdischen Bevölkerungszalil perzentuell entsprechen würde. Es war dies der Wunsch der die Kandi:dierungen effektuierenden Leiter der freisinnigen!Parteiführer, um. dem antisemitischen Zetergeschrei einer abermaligen Verjudung Budapests vorzubeugen. Aus der Reihe der orthodoxen Juden waren ,drei kandidiert, aber nur an solcher Stelle, dass kein einziger ■derselben die er.forderlicho Stinureuzahl erhielt. Im Verhältnis zu den 60 Neologen hätten der hauptstädtischen Orthodoxie drei Mandate gebührt. Es mangelte eben an einer diesbezüglichen Organisation. A—dt. ©00 Vom Tage, ©00 Die Verbreitung der Bibel in der Welt. Dieser Tage wurde in London unter dem Vorsitz von Lord Daryngton die 125. Jahresversammlung der Britischen und Ausländisehen Bibelgesellschaft abgehalten. Der Vorsitzende betonte einleitend, dass die Heilige Schrift das Leben und Denken der Menschheit gewandelt hat. Hierauf hielt der Innenminister Sir William Joynson-Hiclcs eine Ansprache, in der er betonte, nie war die Bibel so stark unter der Menschheit verbreitet wie heute. Er erinnerte an die Worte Asquiths, dass das Vorhandensein einer Bibel in jedem englischen Hause ein Symbol der Einigkeit des englischen Volkes ist. Der Sekretär der Bibelgesellschaft Rev. Dr. J. H. Ritson teilte mit, dass im vergangenen Jahre die Bibel in weitere sechs Sprachen übersetzt worden ist, so dass nunmehr die Bibel in 572 Sprachen existiert. In Russland ist es gegenwärtig nicht erlaubt, Bibeln vom Ausland einzuführen. Rev. Dr. Zwemmer führte aus, auch in den mohammedanischen Ländern, sowie in China bestehen verschiedentliche Bibelübersetzungen und die Bibel gilt dort als Literaturwerk ersten Ranges. In vielen Ländern bedeutet die erste Bibelübersetzung den Beginn einer Literatur überhaupt. Aus dem Jahresbericht der Gesellschaft geht hervor, dass sie im vergangenen Jahre 10 Millionen Bibelbände verbreitet hat. Das ist das dritte Mal seit ihrem Bestehen, dass die Gesellschaft eine solche Leistung in einem Jahre vollbringt. Ferner wurde mitgeteilt, dass in Jerusalem ein monumentales Bibelhaus errichtet werden wird. Guter Rat ist teuer. Das Hamburger Familienblait nimmt scheinbar zumindest den geistigen Anschluss Oesterreichs an Deutschland für eine vollzogene Tatsache und beginnt demnach auch den jüdischen Verhältnissen in Oesterreich erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Das erste Produkt dieser Aufmerksamkeit ist folgende Notiz, die wir ir;1 Wortlaut bringen: Ohne Sinn und Verstand. Die zionistische ״Wiener Morgenzeitung“ glaubte dem Einzuge des neuen Reichspräsidenten einen Leitartikel schuldig zu sein. Wir pflücken daraus folgende Blüten: ״Alles war da: Der Erhardt-Bund, die Wikinger, der Jungdo, der Werwolf mit dem Totenkopf, die Baitikumer, die Rossbacli-Leute und was sonst so auf schwarz-weissrot und Judenpogrom schwört. Die Polizei hatte die Musik verboten. Das ist schade. Denn auf dem Programm stand Friedericus Rex. Und sie hätten alle mitsingen können: ' ״Friedericus Rex, den ■der Lorbeerkranz ziert — ach, ohne Nahrung, dafür wurde im Himmel der Bann über dich verhängt. Wenn du mir versprichst, künftighin die armen Geschöpfe täglich vor dem Morgengebet selber zu füttern und diese Arbeit nicht deinem Weibe zu überlassen, so will ich den Bann aufheben.“ ־ Der Schüler versprach es und der Meister erwies ihm wieder seine Gunst, wie vorher. Die Ursache. Der Ary reiste einmal nach Akko. Ein sehr vornehmer und reicher Mann lud ihn in sein Haus und erwies ihm grosse Gastfreundschaft. Ehe er abreiste, sprach der Ary zu seinem Gastgeber: ״Wie soll ich dir die grosse Gastfreundschaft vergelten, die du mir erwiesen hast? Ich will deine Mühe nicht mit blossem Dank bezahlen.“ Der Mann antwortete: ״Sehet her, meine Frau hatte mir drei Söhne geboren und wurde dann unfruchtbar. Mein bester Lohn wäre daher, wenn ihr meiner Frau ein Heilmittel geben würdet, dass sie wieder fruchtbar werden könnte.“ Da sprach der Ary: ״Ein Arzt vermag nur dann ein wirksames Heilmittel zu geben, wenn er die Ursache der Krankheit kennt. Nun höre, warum deine Frau unfruchtbar geworden ist: In deinem Hause stand bei der Hühnersteige ein Leiterchen, und die Küchlein pflegten daran aus ihrem Häuschen hinabzusteigen, um Wasser aus dem Bächlein zu trinken. Einmal aber liess deine Frau das L'eiterchen wegnehmen. Sie tat es nur zum Zwecke der Reinlichkeit und es war nicht ihre Absicht, den Küchlein Böses zu tun. Die Küchlein aber können seither nicht hinabfliegen, um ihren Durst zu stillen, und ihre Klage steigt jedesmal, wenn sie es versuchen und nicht trinken, zum Himmel. Und da sich der Herr, gelobt sei sein Name, aller seiner Geschöpfe erbarmt, so hat er deine Frau mit Unfruchtbarkeit bestraft: Wenn du dich nicht der Küchlein erbarmst, so darft du keine Kinder, gebären. . Gib die Leiter an ihre Stelle, dann wird deine Frau wieder fruchtbar werden.“ Eine Diehsgeschichte. Von Ahron Jeruchem. In der Jeschiwah zu Frankfurt am Main, die Rabbi Jeschajahu Horowiz, Verfasser des ״Schnei Luchoth; ha Brith“, während seiner dortigen Tätigkeit als Oberrabbiner leitete, war Akiba der vorzüglichste Schüler* und zugleich der treueste Diener seines ehrwürdigen Lehrers. Er verkehrte viel im Hause des Rabbi, deri ihn ob seines Fleisses, Scharfsinns und ,seiner Seelenreinheit liebgewann. Am Ende eines Wintersemesters, gerade als alle Jünger mit der Vorbereitung zur Hauptprüfung vollauf beschäftigt waren, versetzte ein geheimnisvolles Ereignis die ganze Frankfurter Oeffentlichkeit in atemlose Erregung. Unschätzbare Gold- und Silbergegenstände wurden aus dem Hause des Rabbi Horowiz entwendet. Die von der Polizei eingeleiteten Nachforschungen waren voii Erfolg gekrönt, die kostbare Beute wurde bei einem Juden entdeckt, der ein Onkel des genialen Akiba war.׳ Bei seiner Einvernahme gab er an, das Vorgefundene von seinem Neffen erhalten zu haben. Der in Haft genommene Akiba widersprach der Anschuldigung nicht. Niederschmetternd wirkte es auf Oberrabbinei( Horowiz, den frommen Talmudisten, von dem er erwartet hatte, dass er ein,e Leuchte der Thora werde, als einen, gemeinen Verbrecher entlarvt zu sehen. Zugleich war er um dessen Zukunft besorgt, denn nach den damaligen Rechtsverhältnissen musste ein Jude eine solche Tat mif dem Leben bezahlen. Das Schlimmste traf ein. Akiba wurde zum Todef verurteilt. Wochenlang bemühte sich Rabbi Horowiz, um! eine Milderung der Strafe durchzuführen, doch blieb alles! erfolglos. Endlich gelang es ihm, einige Stunden voij dem Zeitpunkte der Hinrichtung das Urteil rückgängig! zu machen. Es wurde dahin geändert, dass Akiba ein Organ, abgeschnitten werden sollte und das Land für immer zu verlassen habe. Rabbi Horowiz erwirkte, dass! dem Akiba die Wahl überlassen werde, das Organ zu bestimmen. Er wählte das linke Ohr; es wurde entfernt, und Akiba zog in die weite Welt. Rabbi Jeschajahu Horowiz blieb noch einige Jährd nach diesem Vorfall in Frankfurt, bis er nach Posenl berufen wurde. Von dort ging er nach Krakau, um die Würde eines religiösen Oberhauptes zu bekleiden. Nach* einiger Zeit verliess er Krakau, um dem Rufe Prags! ihr Oberrabbiner zu werden, Folge zu leisten. Nachdem* er in Prag sieben Jahre verbracht hatte, fasste er den Entschluss, nach Erez Israel zu ziehen. Im Jahre 5381 trat er die Reise an. Seine erste Station im heiligen Lande war Jaffa, wo er an einem! Donnerstag eintraf. Blitzschnell verbreitete sich die Nach־! rieht von der Ankunft des grossen Gelehrten in der Stadt und das Haus des Gemeindepräsidenten, wohin'