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Jüdische Presse · 1925-05-08 · 18 (8.5.1925) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
18 (8.5.1925)
Date
1925-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 18 Seite 125 JÜDISCHE PRESSE Tsche Neue Winkelzüge der zionistischen ״Politik“ in Karpathorussland. Wie oft noch wird der jüdische Publizist in unserem Lande genötigt sein, auf die traurige Lage hinzuweisen, in der sich das jüdische Öffentliche Leben im Osten der Slowakei und namentlich in Karpathorussland befindet? Wie lange noch werden wir an dem Gewissen der Gutgesinnten und Verantwortungsbewussten rütteln, und sic auf die grossen moralischen, religiösen, politischen und wirtschaftliche 11׳ Gefahren aufmerksam machen müssen, die sie in erster Reihe auf das Judentum in ihren eigenen Giflneinden, in nicht geringen! Masse aber auch auf uns alle, auf das ganze Judentiim in der tschechoslowakischen Republik heraufbeschwören durch die Gleichgültigkeit und Unbekümmertheit, die sie den Vorgängen gegenüber an den Tag legen, die sich dort öffentlich vor aller Welt abspielen? Da wurden vor einigen Tagen in den Strassen von Munkacs kleine gelbe Flugzettel in jüdischer Sprache verbreitet, deren Wortlaut' wir als Kulturdokument hier transkribiert wiedergeben: Jidn! Mir Jidn in Podkarpatski Russ weren in! alle Rechten bekirzt. Men legt auf ins aratif schreckliche unertreglicli schwere Steiern, men zwingt ins insere Kinder zi erziehen nischt a soj wie mir winschen in zidem kirnt jetzt der neier Gesetzprojekt wegen der Sonntagruhe. Dus 1!cie Gesetzprojekt vun die Sonntagsruhe droht ins mit a skune os inser wirtschaftliche Lage soll in ganzen zigrind gehen. Nun wanet soll der jüdischer kleiner Baalhabajis in Baal Meluche leben in mefarnes, sein Weib in Kinder, wenn er sich wöchentlich nur 5 Tug megen arbeiten, in der Zeit Wenn afile von 6 Tug Arbeit lebt er auch nur mit grojs Dachkes?? ... Die Regierung verteilt Felder far die uremc Fcldarbeiter, selbstverstänlich werd der uremer Dorfsjid auch bei dem bekirzt. Der Generalsekretär vun der jüdischer Völkerbund-Lige Dr. E. Margulies, welcher wet schojn in der nuhntster Plenarsitzung vun der Welltvölkerbundlige teilnehmen, kirnt speziel auf Podkarpatski Russ, um die ölte Fragen zi studieren.. Mir weteri die Ehre hüben, diesen grojsen Gast Sonntag den! 26 April 4 Uhr nachm, in grojsen Saai vun Hotel ״Csillag“ ausziheren. . Ausserdem. wet noch .,reden der Obman vun die jidische Volkspartei H. Mojse Gutman in andere bekantc Persönlichkeiten. Die jidische Volkspartei Jidn komt alle!;; Jeder soll dort sein! Dazu schreibt uns ein Korrespondent folgenden Kommentar: ״Wir befinden uns in einer schweren Wirtschaft- ׳ liehen Krise. Dabei lastet ein ungeheuerlicher Steuerdruck speziell auf dem Rücken ,unserer Glaubensgenossen, der oft den Charakter eines Wirtschaftliehen Pogroms trägt. Bei der Bodenverteilung werden die jüdischen Proletarier gänzlich ausgeschlossen.;Die geplante Einführung der Sonntagsruhe bedeutet für sehr viele Handwerker und Kaufleute eine wirts c 11 a f 11 i c 11 e Katastrophe. In der Hoffnung, dass sich die Volksversammlung nur mit diesen Fragen beschäftigen wird und dass der ״Sekretär des Völkerbundes“ die Klagen, resp. das Unrecht reparieren wird, erschienen sehr grosse Massen, ״meistens ortho- •doxe. Juden. Gross war ihr Erstaunen, als sie vernahmen, dass die Resolution hauptsächlich fürs hebräische G y rn n a s i u m bestimmt und dass die übrigen Punkte wie .Sonntagsruhe, Steuer, Bode n usw. nur ein Vorwand, resp. Lockmittel waren, die 0 r t h d 0 x e n Massen zu mobilisieren. Selbstverständlich wird man der Regierung vorgeben, dass der grösste Teil der Mukacevoer Juden das Gymnasium wünscht! Es hat sich wieder gezeigt, dass unsere Massen undiszipliniert, politisch gänzlieh unerfahren sind und sich von einer Händvoll Zionisten zu ihren eigenen Zwecken missbrauchen lassen.“ Fassen wir also genau ins Auge, was in Munkacs geschehen ist. Der Vorfall ist charakteristisch und zeigt, wessen die orthodoxen Juden von Karpathorussland sich noch von den Zionisten zu versehen haben, wenn nicht ln kürzester Zeit geeignete Massnahmen zur Aufklärung und Organisierung der dortigen Massen unternommen werden. Der Zionismus, diese grösste und bedeutendste aller Abfallbewegungen, die je in der Geschichte des jiidisehen Volkes aufgetaucht sind, hat ein dringendes Interesse an der beschleunigten Nationalisierung des Judentums in allen Ländern. Kann er dies nicht in ' Wirklichkeit erreichen, so soll mindestens der Schein erweckt werden, als ob in den Län dern u n d L a n de sgebieten der jüdischen Massen Siedlung die Umwandlung des Judentums in eine areligiöse, rein nationalisüsche Gemeinschaft bereits politisches und kulturprogrammatisches Ziel alles jüdischen Strebens gewörden sei. Deshalb müssen die Zionisten darnach trachten, nicht nur in Erez Jisroel eine Gewaltherrschaft über die religionstreuen Juden alten Stils zu erringen, sondern auch In den ausserpalästinensischen Siedlungen des gegenwärtigen Exils die Vertretung, der Juden nach aussen ,in ihre Hand zu bekommen...Von ,den weniger idealen Motiven und Impulsen für den Mandatshunger speziell unserer Zionisten können wir heute in diesem Zusammenhänge absehen. Das Beispiel Polens und Litauens während der ersten Jahre der Nachkriegszeit (als die grossen orthodoxen Massen noch zu unselbständig waren, um sich durch e i g e n e Gesinnungsgenossen nach aussen vertreten zu lassen oder zumindest zu verhindern, dass nicht falsche Vormünder in ihrem Namen auftreten), hat zur Genüge bewiesen, dass die Zionisten sehr nahe an ihr politisches .und kulturelles Ziel heranzukommen vermögen, wenn es ihnen gelingt, auch nur einen Vertreter in das Parlament hineinzubringen, der dann dort reichlich Gelegenheit findet, die verhängnisvolle zionistische Ideologie von der thora losui politisch e n ״n a t i 0- 11 a 1 e 11 Minderheit“ als allgemein jüdisches Postulat aufzustellen und umsoeher in die Vorstellungswelt der nichtjüdischen Mitbürger hineinzuschmuggeln, als der Friedensvertrag für diese Länder infolge der strafwürdigen Wühlarbeit eines von Nahum Sokolow geleiteten zionistischen ״Corriite des Delegations-Juives“ in Paris für eine solche Auffassung der Stellung der Juden in den ״Galuthländern“ prinzipielle und staatsgesetzliche Mög» lichkeiten geschaffen hat. In der Tschechoslowakei sind die gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Verhältnisse für diese nationalistische ״Politik“ glücklicherweise beinahe so' ungünstig, wie in F r a n k r e i c h, E n g 1 a 11 d, H 0 Hand, S k a n d i n a v i e׳n, Schwei z, Deutschland und A m e r i k a, wo es den grossen Zionisten und politischen Grossmeistern des Judentums nicht im entferntesten•!in den Sinn kommt, den Segen einer solchen ,,nationalen Minderheit“ zunächst Versuchsweise auf ihr eigenes Haupt herabrieseln zu lassen. Da mussten die Zionisten zu ganz anderen Hilfsmitteln greifen, utn den Anspruch, als ״nationales Minderheitsvolk“ zu;gelten, erheben-zu, können. Es musste in Prag ein, ״Nationalrät“1 geschaffen,־ es mussten die armen karpathofiissisciien Stimmkälber unter allerlei ״neutralen“ Namen zur Wahlurne geführt, es musste jüngst unter dem Namen ״Jüdische Völkerbundliga“ ein neuer ״neutraler“ zionistischer Verein gegründet werden, kurz, die Zionisten waren hier genötigt, sich’ in den verschiedensten Vermummungen vor der Oeffentlichkeit zu präsentieren, um einige Scheäirvon alleifeinster Qualität und billig, weil hergestellt aus Rohmaterialien, die aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betriebe der Firma hervorgehen. Nicht die Reklame, sondern die vorzügliche Qualität der Ware ist maßgebend. Ein Versuch genügt, um sich von der unübertrefflichen Qualität unseres Fabrikates zu überzeugen. Achten Sie auf unsere Schutzmarke: KAFFEESACK■ Hergestellt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Josef Abeies, Oberrabbiner der orth.isr. Kultusgemeinde in VelkS Sarluhy (Nagy Sallö). נעשה תחת השגחת הרב הגאון מוהר׳ר יוסף אבעלעס אב״ד בק״ק וועלקע שארלוה׳ יע״א. כשר בלי שום חשש ופקפוק כלל אפילו למהדרין מי המהדרין. ln allen einschlägigen Geschäften erhältlich. EDUARD FRANKL, VELK£ SIAROVCE bei Velkä Sarlahy (Slovensko). mntä dem fäftaftq* Qbgaen&ä I fett Sßpiial jcKbam Bratet: כשר erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Ober• rabbiners S, B. E h r e n fei d, liattersdorf erfolge aufweisen zu können. Wir haben erst vor kurzem in einer Artikelreihe unwiderleglich bewiesen, dass auch die neun ״hebräischen“ Volksschulen und das ״hebräische“ zionistische ״Reformrealg ym n a s f ti m“ von Munkacs, zu deren Errichtung und Erhaltung eine ausgedehnte Agitation in Bewegung gesetzt und sogar der dicke Geldsack unserer alten Freundin, der Pariser ״Alliance Israelit e“, angebettelt wurde, keinem anderen Zwecke dienen, als politisches Werkzeug zu sein in Händen der Zionisten zur Erlangung extraordinärer ״nationaler Minderbeitsrechte“ gegen die wahren Interessen und gegen den Willen der Gesamtheit der nichtzionistischen religi'onstreuen Judenheit unserer Republik. 111 die Kategorie dieser feinen politischen Schachzüge ist — als neueste Leistung der Zionisten — auch die am 26. April stattgefundene ״Volksversammlung“ in Munkacs eiiizurcihen und .von diesem Ausgangspunkte die von dieser Versammlung ״angenommene“ Resolution zu bsurteilen. Man stelle sich doch einmal vor: Das Wort ״Vöileerbund“, das in der breiten Masse nicht mit Unrecht etwas ungemein Grosses und Einflussreiches, eine Art legitimierten Schutzengels aller Entrechteten und Bcdrückten bedeutet, wird genannt im Zusammenhänge mit dem ״grojsen Gast“, der speziell nach Munkacs gekommen ist, um ״alle Fragen zu studieren“ und um den ״Jidn“ von Podkarpathskä-Russ die Ehre zu erweisen, ilm anhören zu dürfen. Und man stelle sich weiter vor: Der unorganisierte, durch innere Zerwürfnisse vollständig desorientierte, politisch unerfahrene und führerlose, durch Steuerlast, Sonntagsruhe, Gewerbeordnung, wirtschaftliche Krisis und Arbeitslosigkeit in seiner Existenz aufs äusserste bedrolue Munkacser ״Jid“,soll Gelegenheit haben, vor einem ״grojsen Gast“ vom ״Völkerbund“ sein Herz auszuschütten und seit! Leid zu klagen. Wie soll er denn ahnen, dass die ״Jüdische Völkerblindliga“ nichts anderes ist, als ein neuer. Name für dieselben Ziomslen, von deren Wohltaten er gerade genug gekostet hat? Wie soll er denn-vermuten, dass dieselben Zionisten, mit deren Gesinnungsgenossen das orthodoxe Judentum selbst ׳im heiligen Lande Erez Jisroel wegen Aufrecliterlialtung des religiös c n C h a r a k te r s. des heiligen S c 11 a b b 0 s einen erbitterten Kampf zu führen gezwungen ist, unverfroren genug sind, ihn unter der Parole des Schabbossciiutzes in die Versammlung, zu locken? Er geht also hin und findet dort etwa 1000 bis 1500 Seinesgleichen. Der fremde Herr ״vom Völkerbund“ spricht wirklich einzelne Worte aus, die er versteht und die ihm tiefe Seufzer aus der Brüst auslösen. Er denkt an die ״Rettung“, die so sehr nötig ist, und die jetzt sicher bald da sein wird. Es spricht noch e!in anderer Herr sehr schön und freundschaftlich von den karpathorussischen Juden. Es ist der Abgeordnete Necas. der ja noch vor ganz kurzem der höchsten Stelle so nahe stand und als Nichtjude des Zionismus nicht verdächtigt werden■ kann. Es wird sodann etwas verlesen. Es steht sicherlich drinnen, was auf dem gelben Flugblatt gedruckt ist. .Rausch eil der.Beifall. Angenommen! Auf dem Heimwege geht er vordem Neubau des zionistischen Gymnasiums vorbei. Er macht einen grossen Bogen um den Neubau herum, um seinen Schatten nicht zu gemessen. Er geht befriedigt nach Hause — und harrt auf G-ttes Hilfe... ln Prag aber wird schon am nächsten Morgen im Ministerium für Unterrichtswesen und Volksautkiärung folgende Resolution als Willenskundgebung ״der karpathorussischen Juden“ vorgelegt: ״Die am 28. April 1925 in Mimkacevo in öffentlicher Versammlung der jüdischen Volkspartei für Karpathorussland versammelten jüdischen Bürger ׳erklären, nachdem sie die!Referate der Redner angehört haben: ״Wir stellen mit Bedauern fest, dass die verfassungsgemäss gewährleisteten Rechte der JUdisehen Minorität nicht respektiert werden. Die jüdisehen!Bürger werden mit unverhältnismässig hohen * Steuern belastet, gleichzeitig aber aus Handel und Industrie verdrängt, ohne dass im Interesse der darbenden jüdischen Massen etwas geschieht. Wir erheben Protest gegen den Versuch der Einführung der obligatorischen. Sonntagsruhe, durch den tausende jüdischer Familien dem Wirtschaftliehen Ruin preisgegeben werden, und wir protestieren nachdrücklich gegen die systematische Unterdrückung des von uns selbst geschaffenen hebräischen Schulwesens und der Mittelschule. (So! ׳ Das Wort Gymnasium wird sorgfältig vermieden, . um die Versammlung nicht stutzig zu machen! Red.) Im Sinne der Verfassung unserer Republik fordern wir die Einführung des proportionellen Wahlrechtes auf demokratischer Weise für die jüdischen Gemeinden. (!!) Wir appellieren an die Verwaltung und an die verantwortlichen Politiker dieser Republik und wir sprechen die Hoffnung aus, dass wir von dem sozialen und kulturellen Drucke»!der!auf der jüdisehen Bevölkerung lastet, befreit werden, damit wir als gleichberechtigte Bürger unseren Pflichten nachkommen können. Wir werden im Kampf für unsere Rechte nicht erlahmen.“ So ergeht’s Euch recht, meine lieben Freunde van Karpathorussland! Ci vis J udaeus. Die Oberrabbinerwahl in Novd Mesto. Herr L i pmann Donath aus Topolcany, Sohn des Herrn Rab־L biners Samuel Donath in Bratislava wurde zum Oberrabbiner in Nove Mesto (Wagneustadt) gewählt. (Wiii

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