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Jüdische Presse · 1925-05-08 · 18 (8.5.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
18 (8.5.1925)
Date
1925-05-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 Seite 122 JÜDISCHE PRESSE י*. צר. . M r. V' heute sich geneigt zeigen, an der Jevvish Agency teilzunehmen. Mister Marshall äusserte sich an derselben Kanferen^^s :jäie J^jä|;:Agenq5ftw|£^0lg׳t;:; AViele; früherjen'C'egnei• erklären-slch jetÄ^ereitü^ioli dfer6׳rgani|^: tion oder '^agt^ei^ Mea^rg^^tion, de^ewI&H״! Agency^Aur-'^parteiiscM^.^iLirundlajce .,4nizusch;ljpeiseft, das Wachstum amd^die ^nt\vicklu11g>Paiastina^ ';jeder ‘ Richtung möglich;tnäcHen wird,־•/?׳ Für־ die Erweiterung uitdl Neutralisiertmg der J^Vish Agency :sprechen aber'nicht nur■:: diese innerendyiotive,;sondern;:äuch die . formalen Be* Stimmungen des• Mandates;;‘ auf welche die‘'Res'plutiohen■ der Marshall-Konferenz ausdrücklich wie folgt Bezug nehmen: ״Tn Gemässheit von Artikel;4 *,des Palästinamandates, das die zionistische Organisation als die jewish Agency .anerkennt und sie gl.e’i c h/ze i t i g an w e'i s t, im Einvernehmen " mit der ■Mandatsregieruing Schritte zu unternehmen, um die M i t a r b e i t e r a 1 1 e r J u d e n, die an der Schaffung des jüdischen nationalen •Heimes mitzuwirken bereit sind, zu sichern“,!ferner ״dass' die zioriistisehe Organisation im Sinne des Artikels 4 des Palästinar mandates' bereits den Vorschlag zur Errichtung einer e r w.e1 t e r t e n J e w i s h Agenc y gemacht •hat, in ׳ der Nichtzionisten entsprechende Vertretung gegeben werden soll“. Wir möchten noch;am Schluss hier die Schluss- Worte Dr. Weitzmanns an derselben Konferenz •anführen: ״Die zionistische Organisation tut, was sie kann — und mit einem gewissen Muss von. Selbstverleugnung — um die Anschauungen und Wünsche der Nichtzionisten •mit Toleranz und Geduld aufzunehmen. Während wir weder . unser Programm noch unsere Grundsätze aufgeben, •sehen! wir die Möglichkeit, eine Plattform zu . sei! affen, wie sie im Mandat und den davon abhängigen Dokumenten angedeutet :ist, wie das Leben in Palästina sie f 0 r d e r t, ,ei n e Pi a 11 f 0 r m, u m m;i t a 1 len J<u den ehrlich, o.f f e'n , u n d a u fr i c 111 i g z u s!a mm!en zu arbeiten. ,!Dies ist unserer Ansicht nach der erste Anfang ,für die Einigung Israels.“ Wenn nun Dr. Weitzmann es für möglich •hält, , die yom ,Mandat ur^־i vom •Leben •in: Palästina geforderte Plattform, ohne Aufgabe der eigenen Grundsätze, zu , schaffen, um mit!allen Juden ■ ehrlich, offen und ,aufrichtig ( zusammenzuarbeiten, so •werden die.Vertreter der Agudas Jisroel, •mit •denen er am 6. Mal , unterhandelt, diese Möglichkeit, mit. e r.n.s tem und g u fern Will en p,r ü f e n u n d i 11 re , Verwirklichung keinesfalls ohne zwirn-, gen de Gr finde aufsc hieben oder gar zers t ö r e n. , , Seit der Balfour-Deklaration hat es die in Agudas Jisroel organisierte!selbständige Orthodoxie an Ver- . suchen •nicht •fehlen lassen, eine ehrliche Verständigung,, die selbstverständlich der Weltanschauung der Orthodoxie ,!Rechnung trägt, zu schaffen.!Die Korrespondenz zwischen.; der Aguda-Zentrale und der zionistischen Exekutive im Jahre 1918, •die Vorsprache der agudistischen!Delegation bei Herrn , Nachum Sokolaw in Paris, wie die ,jüngst veröffentlichten Bemerkungen zur Geschichte der ,Balfour-Deklaration von Dr. Leo Jung, New York, •sind klare Beweise, wie oft die Aguda Anstrengungen, zuweilen demütigende V׳er- , Billige Seidenstoffe I Ein Posten Crep da Chine,.'alle Farben, 100 cm breit ä K 751000. Rohseide bedruckt, für Kleider und Futter K 754000. Ja Jap. Ponges K 48.000. Seidenbaus KOMORNER, WIEN I.,Taborstrass* 14 I., Fischerstiege 3 suche gemacht hat, mit der zionistischen Organisation zu einer Verständigung zu gelangen. Trotz aller Enttäusclnin- .geh ־in derWergängenheitT^hegrüs^eh^ir jeden erneüten •,-,*Vej'such, -v.äie Möglichkeit;eines.. frledlidhen '•'Zusamthefir j; Wirkens zu prüfen *und hegen den ühversfögbafen Gläubettj; ן;:*d||s'-rES kön:kre;t6?PalästinauH>eiten, 1besöhders;;1Virtt;chäffö^ . lieber Natur In Ueberfülle gibt,AbeideneiiAfede Verletzung ' .'des jüdischen Gesetzes mit .LdcUtigkelF^Vettuibjdeft׳״:•'^^'.! v somit - ein Einver'ttehmen zwischen beideri Örgahisätiöhen . erreicht werde^ikknn. ' *' ‘ j'.'p,.: Ungarischer Brief. "C ז ’־•״- u B-u d ä'PjiS:!, Im .April,; -....!Di.e j ii djs che _ O.b e x lia u.sif rage ,,-r, sit venia. verbo —. ist in den jüngsten Gagen um einen Schritt vorwärtsgekanimen. Mit Zustimmung des Ministerpräsidenten' Cirafen •Stephan!Bet ׳hie 1t!hat!nämlich der mit der Vorberatiing des Gesetzentwurfes über das!neu zu schaff ende Oberhaus betraute!Parlamentsausschuss einen neuen Paragraphen in, den!Entwurf auifgenommen, wonach de;r Ges ani t judenschaft des Landes im Oberhaus e i!n Sitz gewährt wird und ,die Besetzung desselben "durch denjenigen erfolgen soll, den die. Delegierten der!israelitischen Gemeinden hierzu wählen werden. Die!frühere Bedingung des K abine ttschefs, ,dass der gesetzlichen!Inartikulierung des!Rechtes der Judenheit, sich im ׳neuen!Hause der!Gesetzgebung vertreten zu lassen, die Vereinig 11 ng der orthodoxen und n e o :1!0 g e n!Organ i s a t ii 0 n v o r a n> g e 11 e n!m!ü s s e, diese unerfüllbare Bedingung ist somit falle n g e 1 a s •s e n •un d in p r i n zA p /i; e!111 e r Hinsicht!bedeutet dies jedenfalls• s$nm!Fortschritt; aber in praktischer Beziehung involviert auch die neue Konzession keinen realen Wert, da doch—.׳wie in meinem vorigen Briefe dargelegt — •die ׳Voraussetzung, dass die ,beiden Organisationen sich im! O.benhause durah eine und dieselbe Person repräsentieren lassen sollen, angesichts der Grundverschiedenheit von Orthodoxie und Neoiogie kaum im Bereiche׳ der Möglichkeit liegt. Das’.Bestreben der zwei jüdischen ,Landeskanzleien ist daher darauf gerichtet, für beide ,Organisationen je einen •eigenen!Oberhaussitz zu!erwirken und, wie!iah ans •autoritativer Quelle erfahre, haben' sich die Aussichten ,hierfüi* nunmehr g e b e s s e r ■t. ‘ ' '׳ * Wenn!Untätigkeit und deren natürliche'־!Folge: ganz- •liehe Erfolglosigkeit, zum Jubilieren •berechtigen würden, könnte die glaubenstreue Judenschaft!Ungarns am 18. ,Nissan dieses Jahres mit vollem Rechte ein Jubiläum feiern. Am diesem Tage ,werden es •närriilich volle ,sieiben •Monate• sein, dass die eigens zu diesem!Bchuife einberufene TOOgliednige' iLandesreipräsentamz der Orthodoxie am 18. •Eilii'l vorigen Jahres einhellig •und: irnii grosser ' ,Beg'd'isterüng •beschloss, zur Rettung der Jeschiboth und Talmud-Thora-Schulen Un-!garns eine grosszüigige, auf das ganze Land sich er-; streckende ׳materielle (Hilfsaktion in Angriff zu •nehmen.! Kurz darauf entstand die Kompetenz- und!Zweckmässigkeitsfrage, 01b die Aktion von B u d a!p׳e s!t als der Land e s z e m t r •a!1 e!aus geleitet werden soll, oder •aber von R a alb aus, wo ein Jesahiweh-Unterstiitzungsiverein schon •seit einigen Jahren besteht. Nach •mehreren!Konferenzen : kam zwischen den von der 1Landesrepräsentanz ,mit dem Sitze in Budapest entsendeten Komitee und den Vertretern , des Raaber Vereines •am 31. Dezember!1924 endlich eine ז Vereinbarung zustande, welche laut!Zusicherung der Raaber Delegierten in einer innerhalb vier Woohen abzuihaltenden Generalversammlung!des Vereines voraussichtlich ratifiziert werden sollte. Seither sind über dr^i^onate verstriclien und jetzt kommt aus Raab die Meldüti^'fes die General- ħiwb^ih •sieben ^Möpäte-iliis taird.'gegängeii >ei:n, 1{0־h׳tie' —'vöh^Budapest ■äbges’äflen, ^0‘ärt'schöner Frfölg •erfefelt wurde '-1in der ^ganzeii^röiyinz auchÄf iift'veinefn^n^erfi Orte: selbst ' hur •ib;e.gö.‘n n e n worden warb, die .am 48.׳, Ehii; feierlich .••hnd rnit;gilühendem ßntbusiashiüs :ölitoritolV; bespbioss.ene> so lübCfatts ׳äF.ihgiiche. 01tfeak:tT6h durckzuifüHren! •Wird •nnh angehqirimen -^־ und d|bCi dürfte •man;Wohl •,kaum;fölilgehAti. da •döcilTfS ii d!a1p e s t a l l eiji'; anlaüfsämbnatlich. '2b־;!Miilionen ergab — dass bei gehöriger Arbeit die gesamte :',Profviin.? pro Monat ,mindestens das Anderthalbfache, somit 50 Miiliionen, also in sieben ,Monaten 350 iMillionen gegeben hätte, so erhellt . daraus, welch grosser Betrag da für den hochheiligen Zweck•!schon bisher uneinbringlich verloren;ging, auoh!wenn man davon absieht, dass eine erst nach Pessaah; einzusetzende •Hilfsaktion angesrehfs der hier* zulande täglich trostloser werdenden ־Wirtschaftskrise unvergleichliah geringere!Erfolgsaussichten hat, als ״es noch vor sieben Monaten der :Fall gewesen. Nun, sollen wir am 18. •Nissan 1.־ J. nicht jubilieren? . . . * Die.Repräsentanz der Budapester orthodoxen Kultus* gemeinde .hat in ihrver. •jüngsten •unter Vorsitz, des Präsidenten Abraham Freudiger de O-Biida abgehaltenen Sitzung das Präliminare des Gemeindebudgets •für •1925 •festgestellt. Danach erreicht der B e d a r f die respektable J Summe •von zirka 4,5. Milliarden Kronen, etwa ein!Drittel davon •entfällt auf das Schulwesen: Elementarsol!ulen für Knaben und Mädchen; Bürgerschulen, gleichfalls ־ für Kinder ,beiderlei Geschlechtes: 4-klassige }תלמוד תורך ,Lehranstalt (״תורת אמת״) m!it an diese ungegliederten Bürgerschulkursen: JeschiwehTVorbereitungskurs usw. Das W oh 11 ä t ig k e 111 s-Konto figuriert mit 400 Millionen Kronen; die nach ,dem Schulwesen grösste Post ,bilden die •P e r s o •n •a!1 a u s g a b e n, welche sich u׳m 130 Millionen vermehrten, dadurch, dass die Gehälter ab-1. April teils auf 60 Prozent, .teils ,(.bei den Angestellten dritter Kategorie) auf 70_ Prozent der Friedensbezüge ergänzt wurden. Das Defizit!musste auf 660 Millionen veranschlagt' werden, obgleich an •Kultussteuern (selbst in Goldkronen’ ׳gerechnet) ,•mehr •als das Doppelte des •vorigen Jahres repartiert wurde. Auf .amtliche Veranlassung!hat!Professor Dr.!Gustav. T h 1)r r in g die Bu׳daipest■e•r,Statistik von 1869 bis , 1919 auf Grund ׳der seit 1873 bis 1920!vorgenommenen offiziellen Volkszählungen zusammengestellt ' und soeben veröffentlicht. Den ,auf die Juden Budapests bezüglichen Daten ,sind •die folgenden zu entnehmen: Jm Jahre 1869 hatte Budapest (damals •aus den drei!Städten Buda, O-Buda (Öfen, Altolfen) und Pest!bestehend) insgesamt 1296.867־ Einwohner, darunter Juden 16,6 Prozent; die Volkszählung von 1920 .weist eiine Einwohnerzahl von 9(28.996 aus, darunter •Juden 23,2׳ Prozent. Im Verhältnis zur gesamten Einwohnerzahl der Hauptstadt ihat sich also die Zahl der jüdischen Bürger p •e ,r z e n;t ׳u e '11 ,v •e r d 0 p •p e 11 und ibetrug i׳m Jahre •19120 insgesamt 2116.5112. (Um Wiieviel sie sich ■seither( •durch •die zahlreichen Ausweisungen usw.!ver- •ringerte,!ist nicht •angegeben.) Dem Geschlechte nach ist bei den Juden die iMännerzahl in stetem Wachsen begriffen, während bei •den Katholiken das Uebergewiaht der ׳Frauen ein sehr starkes ist. Unter den illegitimen Gehurten entfällt auf die Juden auch perzentueM die 1k 1 e ä!ת s t •e •Zahl.!Auch hinsichtlich der Sterblichkeit nehmen •die Juden eiine ,günstige Position ein, •da ihre Eine Rabbinerwahl vor 200 Jahren. (Schluss.) Nachdem unser Tagesheld seine Dispositionen getroffen, welche ,vorzüglich dahin gerichtet waren, ״seine Kinder“!möglichst ,gut versorgt zu Haben, und seitens der Deputierten ein reitender Schnellbote nach •ihrer Heimatgemeinde ׳mit •der erfreulichen Nachricht ihrer Akquisition abgefertigt ■worden, setzte ,sich •der!Reisezug!in Bewegung und fort ging es ,nun unaufhaltsam •und ,in einem!fort ־von Krakau ibis nach Frankfurt :a. M., wohl tin jener Zeit der noch ungeborenen Eisehbahnstrassen ׳eine himmelweite Strecke, auf welcher wir •die Reisenden 'indes ganz gemütlioh ׳begleiten wollen, ohne •Bangen vor •etwaiger!Langeweile. Denn diese vier!rabbinisdhen Matadoren, der nunmelirige Frankfurter!Rabbiner Räb •Schmnl •an der ׳Spitze, verstanden ׳es, durch die •stets von neuem auftauchenden Dis'kussionen auf verschiedenen Gebieten ihres •reichen Wissens diesen lästigen Gast, die Langeweile, weit, weit von sich ihintanzuha'lten, bis sie endlich an!jener ׳Stelle angelängt waren, wo bereits •die Turmspitzen der freien Reichsstadt Frankfurt a. M. sichtbar waren. Jawohl! Diie Spitzen!der Türme •und bald •auch die ׳Giebel und hohen Firsten anderer!hervorragender Hochbauten; doch die Spitzen der Judengemeinde •Hessen sich gar nicht blicken, •um den erwarteten Rabbiner ,geziemend •zu empfangen. Was sollte dies, ,bedeuten? Musste nicht diese Unterlassungssünde als böses Omen gedeutet werden? Wer könnte so klug sein, die Ursache hiervon zu erraten?!Welch qualvolle Vermutungen!durchkreuzten die Gemüter •der Deputierten ihrem neuen Rabbiner gegenüber! Und was ,musste dieser sich denken! Nur Geduld, lieber Leser! •Bald werden Sie von diesen Qualen erlöst, aber nur •um •andere, viel schmerzlichere ׳ dafür einzutauschen. Eben hielt der Wagen vor dem Hause des Vorstehers, wo sie einkehren.!Dieser, über ,das befremdende Benehmen zur Rede־.gestel,lt, bat um Entschuldigung, da es leider nicht möglich war, der •schuldigen Ehrenpflicht nachzulkammen, denn die Gemeinde schiwebt gegenwärtig in grösster Gelfahr. Es wurde •nämlich vor wenigen Tagen ein cliristilioher Knabe tot aufgefunden •und die Juden werden von dem •resi- '!dierenden Bischof beschuldigt, den Mord begangen zu haben. •Der ,hohe Gerichtshof, geleitet vom präsidierenden Bischof,!hat bereits!über die •Angelegenheit •verhandelt und •den ׳Machtspruch ergehen lassen, dass die Gemeinde verhalten wird, ■den Mörder binnen drei Tagen auszuliefern, widrigen-!falls alle Juden ■ausgewiesen •und ׳ihres Vermögens verlustig erklärt werden. ,;In dieser trostlosen Lage!müssen wir den ',Herrn Rabbiner mit der Bitte •empfangen, •uns •mit seinem weisen Rate beizustehen.“ Der Rabbiner erwiderte hierauf: ״Da ,ich mit den •hiesigen Verhältnissen und Gesetzen ganz!unvertraut bin, ,so kann ich •augenbilickliah ,nur das eine raten, dass •der Vorstand um nochmalige Ein- •berufung des hohen ,Rates ׳mit seinem!Präsidenten, dem Bischof, •ansuche, und zwar ,mit der Beifügung, dass auch!ich ,als!Ihr 'Oberhaupt zugezogen, sowie dass auch der Leichnam in •den •Geriahtssaal!gebracht werde.“ Der Vorstand tat,!wie ihm geheissen, und auf seine dringende Bitte trat der Gerichtshof mit dam Bisphöf als Präsidenten abermals zusammen •und!auch der Rabbiner wurde einberufen. ,Der ermordete Knabe lag neben dem grünen Tische •nahe dem Bischofsitze ,auf den Boden hingestreckt. Der Bischof begann nun• seines höllischen •Amtes!zu walten, indem ,er an die Geklagten die Frage richtete: ״Wissen die Juden, wessen sie beschuldigt sind? Und was haben sie ׳darauf zu ,erwidern?“ Da trat der Rabbiner, sich tief verbeugend, vor und sprach: ״Möchte mir als Vertreter ׳meiner Gemeinde ׳ein hoher Gerichtshof auch eine Frage gnädigst ׳gestatten?“ Der Bischof ■bewilligte ih׳m die erbetene!Frage. Darauf näherte ׳sich der ׳Rabbiner dem!Leichnam •und ׳beugte sich über ihn, indem er eine kabbalistische Beschwörungsformel sprach. Dann fragte •er Init lauter Stimme: ״Wer hat dich •ermordet?“ Da erhob sich der Tote vom Boden, stand kerzengerade da ■und wies •mit ׳der •ausgestreckten Hand schnurgerade auf den neben ihm sitzenden Bischof. Wie von ׳einer Taratitel gestochen, schnellte dieser von seinem weichgepolsterten Lelmsitz auf, •um gleich wieder totenblass •und am ganzen Körper zitternd zurückzusinken. Auf einen solchen Verräter war er nimmermehngefasst. Diesem Ankläger gegenüber konnte er keine freche!Stirne zeigen. Aller Augen waren •auf ׳ihn gerichtet; ׳er :zeugte •ja selbst unbewusst ׳gegen ׳sich, ln seinem Wesen niedergescjimettert, raffte er sich mit Mühe zusammen, u׳m •unter einem vorgeschützten •Uebel den Gerichtssaal zu verlassen und •nicht wieder zu erscheinen. (Der Gerichtshof aber nahm die Sache •ganz •ernst. •Es wurde eine •strenge Untersuchung eingeleitet, welche •mit',Hilfe eines •erschöpfenden Beweismaterials •den Kircherifiürsten als den wirklichen Mörder •hinstellte. Dem Gesetze und der Gerechtigkeit wurde Genüge geleistet. Für■ die Juden erfolgte •ein Freispruch!in sehr ׳belobender Fassung, wobei auch ihres •g-ttbegnadeten Rabbiners Erwähnung ׳geschah, dem ■die Verhütung •einer grausamen, •ungerechten Justifizierung auf so wunderbare Weise zu verdanken war. ׳Zurüokgekehrt von dieser für beide Teile denkwürdigen Prozedur, war es!nun die erste ׳Sorge •des Vor- Standes, das Versäumte nachzuholen und •den Rabbiner mit •den grössten Ehrenbezeigungen!in jsein Amt einzuführen. •Wie in einem Triumphzug wurde der Gefeierte, umgeben von einer unübersehbaren Menge Gemeindeangehöriger, nach ,der für!ihn bereitgehaltenen, mit allen Komfort prachtvoll ausgestatteten Wohnung geleitet. Von allen Seiten gab sich •das ,eifrige Bestreben kund, durch allerlei kostbare Geschenke und sonstige Merkmale der heben Verehrung ihm womöglich Ersatz •zu •bieten für •das, was ihm •durch 9 einen Bubenstreich eines habsüchtigen Gewalthabers versagt werden musste.

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