Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 17 (1.5.1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 114 ־־־ ■y ׳ * ■״־ ׳■״־־■׳ י״.. ״־׳ יי״ י ־ .. - ..1 ■■■■■■ ■ Zur Geschichte der Balfour-Deklaration. : Vw Rabbi Dr; Löd״jf«ng fh New York. : (Schluss.) ׳; Das I n f 0 rrrna t ion s mIn.i s,te ri u m ,u nd. di c V e r- . n ich t-u n.R. der.. Ag u da; Damals; trat :der ,Zionismus mit der. ottgiisohoft 1Regierung alfozieib rn Verbindwig;und als!das irfformättönsministeriium gegründet wurde, wurde die. Zionistische Organisation dessen jüdischer Beirat. Dieses!Ministerium war, wie ■ein grosser Parlamentarier es bezeichnete, die vollkorhmenstc Spionageorganisation, d4e je erdacht wurde. Und die jüdischen Mitglieder erwiesen sich sehr tätig. Die ׳Ergebn'isse blieben ,nicht aus. (Innerhalb kurzer Zeit hatte matt die Aguda in!England ■unmäglioli gemaoht. In der letzten Woche vor dem Krieg hatten die Londoner Juden den Ägudadeiegierten einen sehr begeisterten Empfang bereitet. ‘Als Deutschland während der ׳absoluten Regierung der Gelben Presse sich ■in den ״;fleischgewordenen Teufel“ verwandelte, war es nur natürlich, dass man ein Ding •in Engfand tötete, sobald matt es als .,deutsch“ bezeichnete. Die agudistische Organisation war die gemeinsame Schöpfung ' der Gaonirn Osteuropas und der westeuropäischen Ortliodoxie. Ihre erste ׳grosse ״Kenessio“ (Versammlung) sollte im August 1914 stattfinden. Plötzlich begannen seltsame Gerüchte ׳vom!Informationsministerium aitszugehen. Die Aguda wurde nun :deutsch gesinnt befunden, :und zwar nicht allein!ihre zentraleoropäischen Führer, sondern sogar der Rabbiner von Brisik, der ■Rabbi von Gur, der Ghofez Chajinij der!Gaan von Minsk, Rabbiner Cb. O. Grodzenski und alle grossen Führer überhaupt wurden plötzlich als Werkzeuge ihrer Kaiserlichen!Majestät entdeckt'. Der Londoner ״Jewish Ghronicle“ :und ein!Heer gleichgesinnter Zeitungen tanzten nach dieser Pfeife, und es klang •wie das Totenglöakohen der Aguda in den alliierten!Ländern. Ich erinnere mich, wie •eine ■führende jüdische (Persönlichkeit zu nieinem Vater sagte: ״!Rabbi, .ich stimme der!Aguda vollkommen zu, aber sie ist öffentlich als deutsch-gesinnt bekannt und in dieser Zeit eines Bottomberg und anderer, die behaupten: ״!Kratzt einen Juden ab, ׳und iilir werdet einen Deutschen ■finden“, kann ich nicht!dulden, dass mein Name in' diesem Zusammenhänge genannt wird.“ Diese Ansicht würde mir von einer ganzen -Anzahl führender englischer Juden selbst nach dem Kriege wiederholt. Ich weiss,!dass es einer Anzahl Agudisten nicht gestattet war, ,1919 an einer Londoner 'Massenversammlung tei-lzunehmen, weil sie, Rabbiner ׳und weltliche Rührer der Aguda, von den Zionisten auf die schwarze Liste gesetzt worden waren. ־ ffie.se 'Tatsachen geben'/Aufschluss über zwei Fragen: Walü!?n’ Ütö־־■ Ä’^Ö'dä) ׳keine Fortschritte ־*'bf €n׳kiltn'd^\1hcl 'in den Vereirugterr:Staaten’'gemheht'th’äß.'׳urid warum ein sol-i eher Pessimismus, hinsichtlich der 'iMögliüliköit eines׳ fair play des Zionismus gegen die Aguda!herrscht. Einer der besten jüngeren Agudisten, der etwas spät die Wahrheit erfuhr,!hatte 1918 die Agiida ׳als deutsch-gesinnt angegriffen. Er vvar durch׳ einen Schweizer Agenten des zioni- »tischen Bureaus in London irregeleitet ■worden. Dieses ״Brandmal“, das •während der fieberhaften /Heuchelei der Kriegszeit Erfolg hatte, haftet unserer ■Organisation noch an. Erst vor ׳wenigen Monaten wurde einem־ AgudajFührer fälschlich die Behauptung in •den Mund gelegt, die ״Aguda sei als pro-deutsch gegen Palästina, weil dieses eine Kolonie der Alliierten ist.“ •Der ״F r ■a n׳k׳f •u r t“-W a11׳ n. Die Anstrengung, die. Aguda zu jfraiikfurtisieren“, entspringt denselben Ursachen.!Einige der jiddischen Schriftsteller leiden offenbar!hinsichtlich. ׳Frankfurt•, an einem pathologischen Wahn. Das. Judentum!jener, Stadt, der Geburtsstätte der jüdischen Renaissance. ׳i׳m!19. Jahrhundert, hat auf allen Gebieten jüdischer. Bestrebungen wertvolle Arbeit geleistet Seit den Tagen des ■unsterblichen S. R. Hirsch hat es stänke Kräfte und reiche Mittel zur Förderung jüdischer Wohlfahrt auf. der ganzen Erde gespendet. Fs ist möglich, dass jene Schriftsteller an irgend eine unangenehme Erfahrung denken, die sie in Frankfurt gemacht haben, die ihre Gemütsruhe stört, aber sie gehen in ihren Anstrengungen, ■zu •beweisen, dass die Aguda .׳eine Frankfurter Angelegenheit ist, weit über die elementarsten Grundsätze der Wahrhaftigkeit •hinaus. Als .ob die Rabbiner, die unser Volk im östlichen ׳Europa' ׳führen, so wenig Stärke hätten, sich vor!Frankfurt a.!M. zu beugen! Wahr ist an der Sache, dass, während die deutschen Juden tatkräftiger und systematischer sind und in mancherlei Hinsicht dem Typ des -Id'ealjuden!entsprechen, sie!gerne zugeben, dass auf der anderen Seite die ׳Ostjuden, speziell in jüngster wahrhafter Agudaanbeit, ihnen geholfen haben, Kavanah aufzunehmen, ihre Liebe zum Lernen geweckt mrid gestärkt, und gerade dem Lernen eine beachtenswerte Intensität verliehen!haben.!Und Rabbiner Ghälm Ozer, der Wilnaer Rabbiner, gesteht •gerne, ׳dass seine Gemeinde und seine Anhänger System und ׳Ordnung, ׳umfassende ׳und individuelle (Zusammenarbeit von den ׳deutschen Juden ׳gelernt!haben. •Aber 'in ׳der Aguda ■üben die deutschen Juden in ׳keiner Weise' einen überwiegenden!Einfluss ׳aus. Bei ,der Kenessio war es eher die (polnische Delegation, welche als Vertreterin der breitesten ■Schicht ■der Aguda ihre Macht fühlen liess, und es war '׳der Rat der ׳grossen litauischen Rabbiner, von denen einer augenblicklich dieses Land bereist, dem die Kenessio lauschte.!Bei der Kenessio waren etwa drei Männer, die den Misrachi anklagten, Doktor S. ׳Breuer war nicht nur ׳keiner von ihnen, sondern seine Rede war eine der am stärksten!versöhnlich ■gestimmten■ des ׳Kongresses. Der Schreiber dieses ■Artikels r׳i׳et!in seiner __JüPTscHe pqesae ersten Rede bei der ■Eröffnungssitzung dieser ׳historischen Versammlung, dass die ׳Kenessio sich eine Pflicht daraus machen soll, auch םק1ג הרחוקים zu sein, und er faitd diestes Gefühl von fast allen Führern jenes Kongresses öffentlich und privat auSgedrückt. Elher der ׳hilfreichsten Schritte, die in!dieser Richtung unternommen wurden-, ttnd wohl die stärkste Offenbarung des vorhandenen guten Willens .war die Konferenz mit den amerikänisobefl :Vertretern der Agudath ha-dJabbonim,׳ bei der gegenseitige Versprechungen gegeben wurden, sich* zu bemühen, ׳dass agudistische und misrachistische Zeitungen keine persönliehen Beschuldigungen ׳ ׳mehr aufnehmen sollten. Ein anderer war die Ausrüstung einer Sonderdelegabiön, welche nach 1Erez Jisroel ging, arm zwischen Rabbiner Sonnenfeld und Rabbiner Kook Frieden zu stiften. Wie!weltbekannt ist, weigerte sich Rabbiner Kook, ihr Angebot, die Ent- Scheidung zu treffen, anzunehmen. Aber die Bemühung des Oberrabbiners Dr. M. Jung von der ,Federation of Synagogues“ ׳war ■nicht ׳die ׳einzige, die •die Aguda um des ׳Friedens willen unternahm. Iah hatte di!Ehre, »für Agudadeputationen zu •sprechen und wiederholte ■Besuche beim Coloniel Office zu machen, indem ich, gemäss der Ziomstisclien Auffassung, als ״Verräter“, bei der britischen!Regierung anregte, der Aguda Gelegenheit •zu geben, gemeinsam ■mit ׳den,Zionisten am Aufbau Palästinas zu arbeiten. Die von unserer Seite gestellten!Bedingungen waren stets ׳die gleichen. Wir!hätten .niemals in die individuelle Freiheit eingegriffen, aber anstatt offiziieller zionistischer Schulen, ,die arnversohleiertes ׳Apikorsuth lehren, hätten wir!Schulen gegründet, die Im ■Glauben unserer Väter!unterweisen, und die Ordnung ■umikeh׳rend, hätten •wir die radikalen Sonderschulen privaten ׳Unternehmern!überlassen. Hätten die Zionisten weniger unter der Aufgeblasen- ׳heit ihrer :imperialistischen Würde gelitten, so!hätten sie •unsere wiedenholten •Anträge ■angenommen, die Einheit in Jisroel würde wieder herbes teilt worden sein ׳und ■Herr Bublik!hätte die schrecklichen ׳Zustände des jüdischen Schulwesens in Palästina nicht zu beklagen gehabt. Weil wir Agudisten. auf der grundlegenden ■Notwendigkeit beharrten, unsere Kinder lieber im Jüdischen zu unterrichten, als sie die ■Nichtigkeiten des Herrn iMoss’insohn zu lehren, weil Aguda nicht dulden wollte, •dass das!Erbe Israels von jüdischen Händen ■zerstört'!wird, wurden ״wir extrem, ultra-orthodox, ׳mittelalterlich ׳und ■mit einer Menge anderer ׳hoclilklingender ׳Bezeieh'miitfretf gescholten: ' ' ׳ Was am ]bedauerlichsten ist:' '׳Unglücklicherweise' gestattete sich der :Misrachi oft, sich ■durch!diesen!politischen Ingoismus ׳in ׳den־ Ghpr‘ 'derefo.'die •'die Aguda verdammten, hi.neinz'iehen zu lassen., Der ]Misrachi ist ׳es, ׳der für ׳die Tatsache v.efänt'wortli.ch ,*)?t, ■dass Menschen ausserhalb seines ׳eigenen (Lagers," ׳die ׳glauben, dass :jüdisches Gemein- Schafts־ und Einzeiieben ־jüdisch sein'im׳uss] dass .Agudisten, weil sie'!darauf bestehen, ׳,dass die ׳jüdische Gemeinde als solche keine Schulen: gründen und'׳unterstützen darf, ■in denen die göttliche'Täiurob ufs geistloses Buch alter Volkskünde behandelt wfird, Fanatiker, Arimassende,' ׳Vermessene, Frankfurter' Typen ■eines־‘ anormalen Judentums ,genannt werden. Weiss ׳denn iMisfaohi nicht,' dass es «nicht ״nur“ Frankfurt ist, sondern dass' es •die Rabbiner und weltlichen Führer •von Wilna und Slöbodka, ■von!Lublin und Riga, von ׳Minsk und ׳Radin, unsere!hervorragendsten •Köpfe, die •anerkannten geistigen ׳Führer der Millionen׳ europäischer Juden sind,‘ ׳'die so verleumdet und angegriffen werden? Alle diese grossen Männer ׳haben sich unzweideutig •zu׳m Banner •der Aguda bekannt1; Ich gestehe, dass ׳ich von diesem ents'etzlioheh!Mängel• an; Verantwortungsgefühl ׳verwirrt bin. Es ׳ist -kein Wunder, dass all dies auf ■das •Judentum und auf den Zionismus iztirüakwirkt und dass Herr ׳Bublik zugibt, •dass die .zionistische Organisation, während sie!ein äusserlioher Erfolg ■ist, ׳innerlich einen Fehl sch lag •bedeutet. Es ׳ist kein ׳Wunder, dass (ein seltsames ■Beispiel!Historischer Gerechtigkeit) der Mlsrachismus, während es ׳ihm gelurtgen ist; den Weg der Aguda ׳in den Vereinigten Staaten ausserordentlich schwierig zu gestalten, selbst ausgesproohene Misserfolge ■in!.Amerika hatte, und. die Zielscheibe öffentlicher!Zensur ■und ׳privater Anklagen ist. W a״s‘ v e r h i •n> d,׳e r t ■11 a r m 0׳!n i s c!h e s Z u s a m ■m ■e n- ■wirken?!Alle Fehler, die der Aguda zugeschrieben werden, werden sichtlich verschwinden, sobald der öffentliche Verleumdungsfeldzug ״von oben“ z-um Stillstand gebracht sein wird. Die Aguda ■ist nicht verhasst, weil Agudisten oder Agudismus es an •etwas fehlen lassen, sondern weil jeder Zionist (unter dem Einfluss •einer sehr übelgesinnten Presse) es als seine Pflicht betrachtet, die Aguda zu hassen, darum werden dieser Weltorganisation •des orthodoxen Judentums Wo erhält man den wirklioh naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Fr anz B a 11 a, ist es nach iahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sieh jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschlossen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflichst eingeladen! woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Balla, Wien, IV., Gusshausstrasse 26 Telephon 58-948 Nr. 17 ständig Trrtümer zugeschrieben. •Beugt sich Aguda nicht 1der Führerschaft unserer •grössten Gaonim? ■Besitzt Agtrda flicht •die ׳wertvollsten; entsprechendsten, wirksamsten Kräfte des gesetzestreuen Judentums? Schafft 1A!gudä nicht auf •wunderbare, selbstlose-Welse iin der ganzen Welt?!Ist dieset Hass nicht ein künstlich gezüchteter? Im Streite fallen zweifellos von beiden Seiten harte Worte. Aber würde nicht faktisch der Zionismus wunderbare stärke durch die Mitarbeit der Aguda empfangen? Was fordert Aguda? Sie besteht nicht darauf, dass Herr Sokolow koscher isst. Sie verlangt nicht, dass Dr. Weizmann TefiUin legt. Sie hat kein Interesse an der Sciiabböszigarre des einen und -an der ׳Fasttägsmahlzeit des anderen Führers. Das sind private Handlungen, für die sie sich vor G-tt und nicht vor der Aguda zu verantworten haben. Die Aguda bietet ihre volle!Mitarbeit unter der!Bedingung an, dass der religiöse Charakter der jüdischen Nation gehütet •wird und dass im öffentlichen, •im Gemeinschaftsleben nichts geschieht, was das Gesetz beleidigt. ,Das!heisst natürlich, dass die!jüdischen Schulen wahre Jüdischkeit. nach der modernsten ׳Methode und als Glauben und Leben unseres Volkes lehren sollen, damit es ein gemeinsames, be’ständiges, unermüdliches Mühen sei um ein jüdisches ■Gemeinscliaftsleben. Wir;hoffen, dass der einzelne ■von diesem Leben beeinflusst ׳wird, aber wir denken nicht im Traum daran, ■ihn durch einen öffentlichen Zwang von seinen Sünden abzubringen. Wir würden ׳ihn zu überzeugen suchen, ׳wir!würden das!Gemüt seines Kindes :mit dem Glauben Jisroels vertraut machen, aber wir würden weder von einem •Beichtvater noch von Inquisition noch von irgend ■einem äusseren •Prunk Gebrauch machen. Brief aus Transsylvanien. Von Rabbiner Josef Adler, Sbhässöurg. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihrem Wunsche Folge leistend, will ich ■der orth. jüdischen Oeffentlichkeit ein klares Bild über die jüdischen Zustände in unseren Gauen liefern, über die Zeit, seitdem wir!dem •rumänischen Staate •angegliedert wurden. Der besseren Uebersichtlichkeit wegen •will ich die einzelnen Themen :meines Berichtes mit besonderen Ueberschriiften!betiteln. Neologie und Orthodoxie. Bekanntlich waren auch die transylvanischetr Gemeinden in die drei Lager: orthodox, neolog und Status quo geteilt. Dieser Zustand besteht noch, obwohl man sich von ׳verschiedener Seite redliche und unredliche' Mühe gab, dievRegierung ׳;;zur;׳Pröklamierung:;eines'׳:einheitlichen - Ju- ■dentums zu bewegen: Die orth.:׳Fahne vereinigt ■unter sich etwa •hundert selbständige Muttergemeinden, das Status quo, beziehungsweise neologe Banner wird nur von ungefahr 35 ׳Gemeinden gehisst, die gegenwärtig eine gemeinsame Vertretung nach aussen haben, denn die einstigen Grenzen zwischen der neologen ■und!der ■Status quo. ante- ׳Basis, •die durch eine Reihe von Jahren auf Ueberzeugaing und kirchenpolitische Auffassungsverschiedenheiten ׳fussten, sind jetzt hierzulande •gänzlich verwischt. In dem grossen ■Kataklisima, das wir durchzumaohen hatten, schied sich ■so ordentlich das Korn von der ׳Spreu, da zeigte es sich,, aut welcher Seite Treu und Glauben, Prinzip und Ueberzeugung, Selbstbewusstsein und!Mannhaftigkeit zu finden sind. Wie Wachs im!Feuer, so schmolz der Stolz und die-Hoch- ׳fahrt der grossen ■und ׳kleinen ־neologen. und. Status quo- Gemeinden hin, mit denen sie Jahrzehnte hindurch gewöhnt waren, auf die nicht modern genug organisierten orthodoxen Gemeinden von ihrem Kothurnus des ,Modernismus und der ■Kulturüberlegenhei't ׳herabzusehen, ln der verzweiflungsschwangeren Zeit des •grossen Umsturzes, als so manche Idole in den Staub gesunken waren, da verlor auch die Gesamtheit der neologen und Status quo-Gemeind&n ihren Kopf, der mit der Abtrennung von Ungarn von ihrem Rumpfe gehauen ׳wurde, denn ihr Kopf sass in Budapest, In die Provinzgemeinden wurde mir durch den Mund dieses Kopfes, aus ׳jenem grossen Blasbalge, künstliches Leben eingehaucht, da ■ihre eigene ,Lebenskraft und ׳Lebenslust hinsichtlich der Erscheinungen׳, jüdischen Lebens schon längst geschwunden waren. Da aber im ׳Momente der Loslösung von Ungarn einerseits die Injektionen wegbl'ieben und die künstliche Nahrung aufliörte, andererseits aber durch die Entwertung der Valuta und die in deren Folge stets überhandgenommene Teuerung an den Opfersinn der Gemeinden und ihre Mitglieder täglich grössere An- ■forderungen gestellt wurden, da zeigte sich die nichtorthodoxe Judenheit in ihrer ganzen Schalheit und Blässe, da hatte man Gelegenheit, genau zu erkennen, wie morsch und leer, wie haltlos und hinfällig die Existenz der nichtorthodoxen Gemeinden ist. Opferfreudigkeit und Opfer- Willigkeit können nur von einem positiven Ideale angespornt und anhaltend rege erhalten w׳e1־den. Dieses Ideal fehlt aber jenen Gemeinden gänzlich, denn die Liebe zur Thora, die Verehrung unserer Traditionen, ■die Hoffnung unserer Zukunft sind ihnen abhanden gekommen, ihre jüdische Seele ist flügellahm geworden und keines Aufschwunges mehr ׳fähig, ־ihr ׳Herz 1kann sich für jüdische Wahrheiten ■nicht mehr entflammen, wie sollte daher die Hand ohne Seele, ohne Herz, ohne Verständnis und Begeisterung für jüdische Gemeindeinstitutionen Opfer darbringen können?! Die Unhaltbarkeit dieses Zustandes fühlten sowohl Gemeinden als Rabbiner, und, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe» beschlossen sie noch im Jahre 1922 die Nieder-