Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1925-04-24 · 16 (24.4.1925) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
16 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2629891-2630099-2630114--1791-2633593
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 1,6 JÜDISCHE Seite 109 i Tsch ecli o - S 1. o Katastrophale Feuersbrunst in Brezovica. Am Erew-Pessach-Nachmittag brach in der Gemeindc Br e zovi ca, nächst Presov. im Osten der Slowakei, eine Feuersbr-iinst aus, der die Hälfte der Ortschaft zum Opfer fiel. Das!Feuer entstand in einem Bauernhause und griff infolge starken Windes in wenigen Minuten so um sich, dass an eine 'Rettungsarbeit nicht zu denken war. Innerhalb 10 bis 15 Minuten standen mehr als ■40 Häuser in Flammen und Hab und Gut eines grossen 'Teiles der Bevölkerung war verheert. Die k 1 e i 11 e j ii dIsc he G eme in de von Brezovica ist besonders schwer getroffen. Noch vor wenigen Jahrzehnten zählte Brezovica zu den angesehensten jüdischen Gemeinden: der Ostslowakei und "zeichnete”'sich durch hervorragende Talmide־ Chachomim, gutgeleitete Institutionen und eine zahlreich besuchte Jeschiwa aus. Infolge des Wegzuges der bessersitutierten Gemeindemitglieder nach ׳den Grosstädten schrumpfte sie allmählich zusammen und die wenigen Zurückgebliebenen kämpften unter den grössten materiellen Opfern gegen den Verfall der Gemeinde. Das grosse S c 11 a d e 11 f euer vom Erew Pessach brachte nun die Gemein de an den Rand des vollständigen R u i n s. Das Rabbinerhaus, das Eigentum der Gemeinde war und einen Wert von annähernd hunderttausend Kronen repräsentierte, brannte bis auf den Grund ab und alles, was darin war, wurde zu Schutt und Asche. Der Oberr a b b i n e r Israel Braun verlor alles, was er besass, in den Flammen. Eine sehr wertvolle reichhaltige rabhübsche Bibliothek — die Frucht jahrzehntelangen Sammeleifers —, das ganze Mobiler seiner Wohnung, Kleider, Wäsche, Kochgeräte und Lebensmittel wurden verwüstet. Nicht einmal טליה ל ה פ ל י ן und Mazzos für Pessach konnten den Flammen entrissen werden.• Seine Familie stand am Riisttagc des יו״ט ,in der verzweifeltsten Lage obdachlos da und sieht mit Grauen der nächsten Zukunft entgegen, zumal es .den völlig verarmten Gemeindemitgliedern unmöglich erscheint, das Heim ihres in ihrer Mitte in Ehren ergrauten Oberrabbiners wieder auf- •׳:bauen. Der Staat ■hat der Bevölkerung einige Hilfe in Aussicht gestellt. Auch die jüdische Oeffentlichkeit muss der kleinen Gemeinde Brezovica in ihrer Not hilfreich beistehen. •■••Rasche Hilfe t׳ut no׳t!' Wir fordern unsere Leser und alle G 1 a u b.e n s g en o s s e-n ׳ z u •S p׳en d'en- ■Fü r•;.di e G es c 11 ä d i g t e n i n Brezovica a u f. Eilet den so itnerwartet in Not Geratenen zu Hilfe und sendet eure Spenden ungesäumt ■ ent.weder zu Händen d e s Oberrabiners Isr. Braun in Brezovica (Sariski Zupa, Slowakei) oder an die Administration der ״Jüdischen Presse“ in Bratislawa (Turnergasse 14/16, Postfach 140)! Aus dem Leben der Gemeinden. Zersetzungszionismus in Nove Zamky. Wir berichteten bereits in unserer Nummer 13 über die Bestrebungen der misrachistischen Zionisten von Nove' Zamky, durch Errichtung und Erhaltung eines Separat- Minjans innerhalb der orthodoxen Gemeinde national!•• stische Tendenzen in das religiöse Leben der Gemeinde! hineinzutragen und Zwiespalt unter den Mitgliedern hervorzurufen. Ueber die weitere Entwicklung dieser Frage erhalten wir nun «von massgebender offizieller S e i te folgende sachliche Darstellung, die wir im vollen' Wortlaut wiedergeben: ״Gegenüber den verschiedenen tendenziös gehaltenen: Berichten, welche in jüdischen Presseorganen über die Minjan-Angelegenheit mit der hiesigen Ortsgruppe der Misrachisten erschienen sind, erachten wir es für unsere Pflicht — wenn wir auch sonst jede Polemik׳ meiden —, die wahren Tatsachen auf diesem Wege mit Ihrer gütigen Erlaubnis festzustellen. Die Gemeinderepräsentanz und der Vorstand fassten laut Protokoll 1625־ vom 14. Februar- שבט O aus organisatorisch-nioralischen und materiellen Gründen den auch von unserem Herrr^ Oberrabbiner ג" ו auf Grund der Be- Stimmungen des Schulchan-Aruch gutgeheissenen Beschluss,' alle Filialminjanim, mit Ausnahme das der תלם׳ הורה ליש׳ aufzulösen, das heisst einzustellen. Darausfolgend wurde auch die Misrachi- Ortsgruppe höflich aufgefordert, von nun an den! an שבהלה לימים טלבים mit Laienen verbundenen G-ttes■' dienst einzustellen. Alles übrige wurde beim alten belassen. Genannte Ortsgruppe jedoch — Staat im Staate — beachtete diese Aufforderung nicht, würdigte den Vorstand keiner Antwort und ging sogar noch einen Schritü weiter, indem sie hiernach eine Namenserteilung in ihrem! Mirijan vornehmen und einen ח ה ן als חיוב aufrufert Hess, was doch ausschliesslich Synagogalfunktion ist. Es erging darauf abermals eine Ermahnung an sie, welche! jedoch ins Lächerliche gezogen wurde. Da musste de!{ Gemeindevorstand behördüche Hilfe in Anspruch nehmen/ um seinem Rechte Geltung zu verschaffen, Die Misrachi־: Ortsgruppeerhielt sodann die Aufforderung, den Gemeindebeschluss zu respektieren,; a m tlich z u g e s t e U t. Aber, auch hier manifestierte, sich ihr renitenter Geist/ so: dass die Behörde genötigt war, die s 0 g e n a n n t e n Betlokalitäten zu sc.hliessen und zu versiegeln., . . \ . Das ist die, reine Wahrheit; allels andere ist glatte, tendenziöse Erfindung.“ , Soweit die Darstellung der Gemeinde, deren Sachlichkeit billigerweise nicht in Zweifel gezogen werden darf. . .Von gutinformierter . Quelle wird uns hiezu ferneij ,berichtet, dass das entschiedene Vorgehen des Gemeinde- Vorstandes, den Zersetzungsbestrebungen der Zionisten Einhalt zu gebieten, von allen wahrhaftigen יראים in ׳der• Gemeinde vollkommen gebilligt wird. Die Schuld an der( sinnlosen und aussichtslosen Wühlarbeit der Misrachisteri gegen die orthodöxe Gemeinde wird den beiden; Zionisten־} fiihrern Dr. T ä n c z e r und JR o t h zugeschrieben, diel "seit der jüngsten Wahl infolge der Disziplinlosigkeit unter, den יראים selbst Mitglied des Gemeindevorstandes sind und es trotzdem mit ihren übernommenen Pflichten für vereinbar halten, die wichtigsten I nte r essen de ף G e m e i n d e und des ganz e n. orthodoxen j ü d h sehen Volkes ausseracht zu lassen, wenn die Trutz־; Politik des zionistischen Misrachi durchgeführt werden soll. Die Gemeindeleitung war bis jetzt von jeher an ruhige! und friedliche Arbeit gewöhnt. Es herrscht in deij Gemeinde nur e i n Bestreben, der תורה und יראה eine Stätte zu sein und alles zu fördern, was die גדולי הורה für die jüdische Gesamtheit als nützlich betrachten. Da! komme nnun die Zionisten, von denen diejenigen, die' Mitglieder der orthodoxen Gemeinde sind, sichl ״Misrachisten“ nennen, und suchen!jene Tendenzen, die in die n e 01 o g e Gemeinde einzübiirgen ihnen aus ver-, schiedenen Gründen jetzt nicht besonders schwer fällt/ nun mit Gewalt auch in die orthodoxe Gemeinde( hineinzutragen. Es ist klar, -dass keine orthodoxe Gemeinde[ der Welt es zulassen darf, dass die G r u ii d 1 a g e nf ihrer religiösen und finanziellen Existenz von innen heraus zerstört werden. Selbstverständlieh handeln die Ziönistenfiihrer von Nove Zamsky nicht aus eigener Initiative; hiezu fehlen' ihnen so ziemlich( alle Voraussetzungen. Sie gehorchen dabei vielmehr einer allgemeinen P a r t e i p a :r 01 e. Auch jetzt werden sie vohj der Bratislavaer. Parteizentrale zum Äusharren im Kampfe gegen den Gemeindevorstarid angeeifert. Ihre Vertretei{ kamen von Pressburg mit der Zusage zurück, die Leitung׳ werde sie — wenn sie ohne Wanken der orthodoxer! Gemeindeleitung Widerstand; teisten^ —־ /moralisch und! materiell unteistützen lind diegesamt(!zionistische (sie sagen natürlich: ״jüdische“!) Presse werde ihnen zur Seite( stehen, sobald sie mit ,der Gründung einer separaten Gemeinde auf zionistisch-nationale sbischer Basis durchdrinjgen. Am ,19. April werde die Parteileitung nach Nove Zamky kommen, um den Kampfplan im einzelnen zu ,besprechen. — Man braucht nicht erst mit der ganzen Phraseologie der zionistischen ■«MSiaaaaMaaMaaMVMaitMm■■• Telephon Nr. 64. Gegründet 1872. ßE'RNAT PI^ElSZ & Söhne Presov (Eperjes) Spi rituosan- Wein grosshandlung, Rum• u. Likürfabrlk empfehlen erstklassige Liköre eigenen Fabrikate in jeder Qualität. כשף Weine von: 40 Lt. aufwärts Slibowitz und Treber ׳כשף Versand in Gebinden Demijohns und elegant adfustierten Flaschen zu billigen Preisen. Prompte Bedienung. Verlangen Sie Offerte. Ueber die Verlässlichkeit können Referenzen beim orthodoxen Rabbinat in Presov eingeholt werden. R■uaו■a■lMau■a«aaוuוB•ו 8 ä I sawmmKEw von aller feinster Qualität und billig, weil hergestellt aus Rohmaterialien, die aus dem eigenen landwirtschaftlichen Betriebe der Firma hervorgehen. Nicht die Reklame, sondern die vorzügliche Qualität der Ware ist maßgebend. Ein Versuch genügt, um sich von der unübertrefflichen Qualität unseres Fabrikates zu Überzeugen. Achten Sie auf unsere Schutzmarke: KAFFEESACJK« Hergestellt unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Josef Abeies, Oberrabbiner der orth. isr. Kultusgemeinde in Velkä Sarluby (Nagy Sallö). נעשה חחת השגחת הרב הגאון מוהרר יוסף אבעלעס אב״ד בק״ק וועלקע שארלוה׳ יע״א. כשר בלי שום חשש ופקפוק כלל אפילו למהדרין מי המהדרין. ־. ln allen einschlägigen Geschäften erhältlich. EDUARD FRANKL, VELKft 8IAROVCE bei Yelkä Sajiabjr (Slovqaslco). Propaganda in der Slowakei vertraut zu sein, uni ztf ־.Wissen, Was von dieser lächerlichen Drohung mit der iidnistischen ״Gemeindegründung“ zu halten sei. Ernste zionistische Kreise in und ausserhalb Nove Zamkys sind von solchen blamäblen Ratschlägen, wie die ״misrachistische Betgenossenschaft“ durchaus nicht entzückt und versiehe• 11, dav.» sie der Parteileitung öffentlich entgegentreten Würden, wenn diese sich nicht bald entschliesst, eine andere Richtung einzuschlagen und für jeden Fall sich v on allen Kehillöhahgelegenheiten fernzuhalten. ״ - •׳ * .•:•■•י• ... Wir erinnern unsere Leser daran, dass die Parole zum ״Trenmlngs-“, richtiger ״Z e r s e t z u n g s z i o n i smus“ vor einigen Jahren von dem damaligen Misrachipräses, Oberräbbiner Dr. Brody in Prag, ausgegebeif wurde, als es den Zionisten trotz aller Drohungen nicht gelungen ist,' die orthodoxen Rabbiner d.er SIowakei zur Aenderung ihres grundsätzlich ab- I e h n e n d e n Standpunktes gegen den Zionismus zu bewegen und sich unter den Rabbinern des Landes trotz! der eifrigsten, in ihren Mitteln nicht wählerischen Propa-' ganda nicht ein einziger gefunden hat, der der zionistischen Organisation oder ihrer ״religiösen“ Misrachi- Abteilung beigetreten wäre. Dr. Brody kündigte damals einen ״Gegen איסור“ der ״zionistischen גדולים“ an und drohte mit der Gründung von Sondergemeinden für Zionisten unter Leitung von zionistischen Rabbinern, wenn( die bestehenden Gemeinden den zionistischen Bestrebungen auch weiter keinen Einlass gewähren sollten. Die orthodoxe Gemeinde in Nove Zamky, die' das seltene und grosse Glück hat, zwei Zionisten in ihrem Vorstand zu zählen, scheint allen Nachrichten zufolge dazu ausersehen zu sein, als ״Operationsbasis“ für den Zersetzungs- Zionismus ,zu dienen. Der ״Drahtzaun“ um die Stadt] Presov. Die Presover ׳religiösen Juden wollen einen Er uw errichten.!Man!sollte!denken, kein Mensch auf Erden könnte gegen!eine!söHahe Einnichbunig ׳des ׳jüdisclh-religtiösen!Lebens, die niemand im iWege!ist!und die niemand ׳besondere Opfer auferlegt, eine Einwendung erheben. Die orthodoxe Ge- •meinide!nahm stich der Sache ׳an und in der Tat gingen die Vorarbeiten ohne das geringste!Hindernis rasch vorwärts. Von jüdischer!Seite wären weder von den!Neologen noch von den!Zionisten!Schwierigkeiten zu!befürchten. Aber auch in den n i oh tjü dliscihen Kreisen!brachte!man den Bemühungen׳ des orthodoxen Gemeindepräses lin bezug :auf den Er uw Verständnis und unverhohlene Sympathie en'tgegen. (Man rechnete auf moralische!Unterstützung!bei den!liberalen!Christen aus vornehmer Toleranz gegen die Religion anderer!und!bei dien (Konservativen aus Verständnis!für religiöse 1Bedürfnisse und aus Respekt vor!der Treue!zum angestammten Glauben. So schien denn die Angelegenheiit des Er uw in!bester Ordnung. Es bedurfte ׳bloss noch der formalen Genehmigung der ׳Stadtrepräsentanz zur Anbringung ׳der!erforderlichen Pfähle!und Drähte. Es ■tauchte kein Zweifel ׳auf, dass es keinem ,der!Stadfrepräsentanten beifallen könnte, eine solche ׳Genebmiigung zu versagen.!Welcher Würdenträger!des öffentlichen!Lebens hätte!auch den traurigen Mut, in einer Stadt wiie Presov, wo die verschiedenen 'Konfessionen friediah und f reundMch miteinander auskommen, durch die!Bekundung von Unduldsamkeit gegen!die!Bedürfnisse ׳eurer!Religionsgemeinschaft —!und ׳sei es auch nur ׳die 0 ■r t1110 d 0.x - >j ii 1d li s c!11 ׳e — sich unstenbliiah zu blamieren?!Nun, ׳die letzten Tage zeigten, dass ■auch das Unglairbliehe geschehen ׳kann, wenn es Sich!um eine!Sache des Judentums handelt. Es!fand sich ׳jemand, dem die!Pfähle des geplanten Eruw schon letzt -so in!die Augen stechen, •dass er gleich jenen mit iBlii n dh!e i׳t geschlagenen noblen Leuten von Sodom hasserfüllt ׳Zeter ׳und iMordSo ruft gegen alles, was!ihm nicht ganz a u t' 0 c 1h t h;0 n dünkt •und mit dem Zeichen!der G-ttesfurcht behaftet!scheint.!Nur ist Presov —־ G-tt seli’s gedankt —!alles andere als ein Sodom und dieser Jemand —!G-tt!sai’s gedankt — eben nur ein Jemand «mit Namen A r t u r >S 1p ä n y i, dessen wütendes Geheul aus den Spalten ׳seiner Zeitung ״U׳j Viläg“ nur in ׳einer dunklen Seele zurüokliallt, ohne auch nur ׳ein dünnes Dräbtohen vom jüdischen Eruw zum Vibrieren gebracht!zu!haben. Oer Eruw wird ׳genehmigt ׳werden, aber der ׳Redakteur •Artur Sipanyl hat ׳seine Photügra!ph!ie an die Erurwipfähle gehängt, damit jeder anständige Jude und Christ sie vor Augen hat, wenn ״Ü!j Viläg“ ׳einmal ׳um Abonnements und Inserate werben sollte.... .!Die Leser «müssen nämliiah erfahren, ■was dieser edle ״Ui Viläg“ ׳vom ׳jüdischen Eruw zu erzählen wedss. Die Untertitel seines ׳Artikels über das!Gesuch ׳der Presover orthodoxen!Gemeinde an den Stadtrat ׳werden genügen, um zu ׳zeigen, Wie weit ׳es mit ׳einem Juden von der Sorte ■der Artur Spänyiis 'kommen kann, wenn er es nicht ׳zu ׳verwinden vermag, dass ׳ihn nicht schon seine Vorfahren!weit, w&iit weg ׳aus dem Schatten der Eruwdrähte gebracht haben. Er unter titelt foigendermassen: ״Die!perfide Forderung des orthodoxen israeHtisolien Gemetodevorstarrdes. — Zurück nach GaKzten, wem 499

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.