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Jüdische Presse · 1925-04-24 · 16 (24.4.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
16 (24.4.1925)
Date
1925-04-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 JÜDISCHE PRESSE Seite 107 gengcnomrnen werden. Dieser Schutz kann nur dann von Wert und von Wirksamkeit sein, wenn er von allen geschaffen und verteidigt wird, die seiner bedürfen. Und es bedarf seiner jeder, der das treue überlieferte Gut der G-tt ergebener Väter für sich besitzen und seinen Kindern vererben will. Darum soll jeder thoratreue Jude sein Trumas Chower bezahlen. Was bedeutet die Talmud Thora für die Wiener Aoratreue Judeuheit? Dre scharfe Wirtschaftskrise, ... welcher seit fast ׳einem Jahre die Volkswirtschaft •sädli in Oesterreich befindet, wirkt sich auch'auf geistigem und kuluturellem Gebiete mit ihrer ganzen Wucht aus. Die kulturellen und Wohlfahrtsanstalten in Wien stehen fast ohne Unterschied vor dem gänzlichen materiellen Ruin. Bei dieser Sachlage wird inan nicht umhin können, die verantwortlichen Männer, denen die Sorge der Erhaltung elieser Anstalten obliegt, zusammerizurufen, um die ernst' Situation in einer ernsten Stunde zu prüfen, um die riehtigen Massnahmen rechtzeitig zu ergreifen, damit ein jeher Zusammenbruch vermieden werden könne. 111 dieser ernsten Situation muss Wert und Bedeutung jeder Anstalt gewissenhaft geprüft werden. Es ist kein Zweifel, dass eine Lehranstalt von der Bedeutung der Wiener Talmud Thora* Schule einer solchen Prüfung standhalten wird. Auf unge* fahr hundert Jahre segensreicher Wirksamkeit blickt die Wiener Talmud Thora-Schule zurück. In der Nachkriegs־ 1011 wurde sie mit einer M ä d c 11 e n - V o 1 k s s c h u 1 e, mit einer Knaben ־Bürgerschule, ferner mit einem Handelskurs erweitert. Das wiedererwachte Selbstbewusstsein der thoratreucn Judeuheit hat es mit sich gebracht, dass die Erkenntnis der Bedeutung einer jüdischen KAFFEE• ZUSATZ PESSACH laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Simon Sch reiber aus Erlau verlässlich כשר auch heuer wieder in garantiert reiner und ausgiebiger Qualität zu haben bei Heinrich Franck Söhne in Kosice Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht d. Herrn Oberrabbiners Simon Schreiber und unter ständiger Kontrolle eines von Sr. Ebrwürdeu ernannten frommen jüdisehen Aufsehers, so dass ihre sämtlichen Erzeugnisse verlässlich koscher sind und also von jedem Glaubensgenossen ruhig das ganze Jahr hindurch gebraucht wer־. den können. ״ ־«£ Beachten Sie beim Einkauf ja recht genau die Schutzmarke: KAFFEEMÜHLE und Unterschrift: Heinrich FRANCK Söhne wenn Sie die verlässlich aechte Qualität bekommen wollen! Eine Rabbinerwahl vor 200 Jahren. (Nach vergilbten Papieren.) . An einem heiteren Frühlingstage zu Anfang des 17. Jahrhunderts konnte der aufmerksame Beobachter unter der jüdischen Einwohnerschaft in Frankfurt eine etwas auffällige Bewegung bemerken, die sich fast auf alle Schichten der Stammesgenossen erstreckte und deren Grund in einer für heute einberufenen Gencralversammlung, bei welcher die Wahl eines religiösen Oberhauptes auf der Tagesordnung stand, zu finden war. Es muss hierbei gleich erinnert werden, dass die Gemeinde Frank- 1'urt a. M. zur Zeit unserer Geschichte einen weithin strahlenden Glanzpunkt rabbinkscher Gelehrsamkeit in Deutschland bildete und somit auch ihre Rabbiner! einen Weltruf hatten. Wenn nun schon unter gewöhnlichen Verhältnissen die Berufung auf diesen Posten an einem Orte wie hier, wo eine auserlesene Schar scharf ausgeprägter kasuistisch gewandter Talrnudisfeu ihr Lager’abgeschlagen, von vornherein den massgebenden Faktoren viel zu schaffen gab, bis sie das Rechte getroffen, weil doch nicht mit leichtem der Berufene zu erwählen war, weicher die Qualifikation besässe, um gegenüber jenen, auf dem unennesslichen Gebiete der Kasuistik seiner wartenden, oft bis zum Ueberdruss aiisartenden geistigen Gefechte tapfer siandzuhailten, funläng’Mch gerüstet z:u sein; so war es diesmal ein ganz abseits' gelegener Umstand, welcher den Wahlakt noch um vieles schwieriger, freilich wohl zugleich sehr interessant erscheinen Hess. Der Sachverhalt war folgender: Der zu jener Zeit daselbst verstorbene Rabbiner, eine Kapazität ersten Ranges, im Genüsse allgemeiner Hochachtung und Beliebtheit (nach einer Version war dies der weltberühmte Jesaja Horowitz), Hess eines Tages, da er das Ende seiner irdischen Laufbahn herannahen fühlte, den Gemeinde- Erziehung der Kinder, die nur in einer jüdischen Schule, in welcher alte jüdische *Tradition herrscht, gewährleistet erscheint, auch in jenen Kreisen lebendig wurde, die bis her einer jüdischen Schule entraten zu können glaubten. Die Erkenntnis ist aber noch keine Tat. Weder die Wiener thoratreue Judenheit, die der Bestand der Talmud Thora-Schule vor allem angeht, noch die Wiener Kultusgemeinde, welche an dieser ältesten jüdischen Wiener Kulturanstalt sich zu jeder Zeit warm interessierte, können sich trotz der richtigen Erkenntnis zu der riehtigen erlösenden Tat aufraffen. Die unsichere Existenz der Schule, aufgebaut auf einem labilen Triped von Subventionen, Spenden und Schulgeldbeiträgen, gibt ihr nicht die geeignete Möglichkeit, ihrer erzieherischen und pädagogischen Aufgabe restlos gerecht zu werden. Die ErschiitGrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit haben abwechselnd einmal die Subventionen, ein anderesmal die Schulgeldbeiträge und ein drittesmal die Spenden sehr stark in Mitleidenschaft gezogen und somit die Existenzgrundlage der Talmud Thora-Schule angetastet. Die momentane Wirtschaftskrise greift nun alle drei Grundpfeiler der Schule an und es wird der höchsten Anspannung aller an der Talmud Thora interessierten Kreise und in erster Reihe der Elternschaft selbst bedürfen, dass in dem wunderbaren Schulhausc, das modernst eingerichtet ist, auch ein regelmassiger Schulbetrieb aufrecht erhalten bleiben könne. Palästina-Zentrale vermittelt den Verkehr der einzelnen Kommissionen, falls nötig, und erteilt ihnen Informationen. Diese Richtlinien gelten natürlich auch für Wien und es ist daher überhaupt kein Diskussionsgegenstand mehr, ob im Rahmen einer Orts- oder Jugendgruppe praktische Palästina-Arbeit geleistet werden soll oder nicht. Die Palästina-Zentrale für Oesterreich hat nur die übergeordnete L a n d e s a r b e i t zu organisieren, keinesfalls aber kann ihre blosse Existenz eine selbständige und geregelte Arbeit der Wiener Orts- und Jugendgruppen für Erez Jisroel ersetzen. Das hat sich wieder bei der Palästina- Woche gezeigt, die in Deutschland, Holland, in Kongresspolen und Galizien bis in die kleinsten Städtchen hinein überraschende Erfolge aufwies, nur in Oesterreich, wurde selbstverständlich weder von den Orts- und Jugendgruppen, noch von der Palästina-Zentrale irgendeine Anstrengung zur Abhaltung einer Erez-Jisrocl-Woehe auch nur versucht. Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung bezüglich der Kaschrutli, der im Annoncenteil angekündigten Unternehmungen. Es ist Sache des Lesers, bei seinem zuständigen Rabbinat die nötigen Erkundigungen einzuziehen. Die Administration. ®I NACHRICHTEU■ ® Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel Richtlinien Mir die Erez Jisroel-Arbeit. Für die Erez Jisroel-Arbeit sämtlicher Orts- und Jugendgruppen der Agudas Jisroel wurden nachstehende Richtlinien von der Palästina-Zentrale auf Grund der Beratungen der Erez Jisroel-Konferenz ausgegeben; In jeder Agudas Jisroel-Orts- oder Jugendgruppe wird eine Erez J i s r o e 1 - K o in m i s s i 011 fiir Jugend- und Ortsgruppe gemeinsam gebildet. Aufgaben dieser Kommission sind: 1. Fürsorge für di.e Au lim ihres Ortes. a) Aufbringung von Mitteln für Ausbildung und Reise, b) Nachweis von geeigneten Ausbildungsstätten. Hiefiir sind, wenn irgend möglich, einige Mitglieder in die Kommission aufzunehmen, die speziell über die für die verschiedenen Berufe nötigen Kenntnisse und persönliehen Beziehungen zu geeigneten Stellen verfügen. 2. Unterstützung der Palästina-Zent r a 1 e durch Geldsammlungen für die verschiedenen Erez Jisroel-Fonds. 3. Interessierung der Oeffentlichkeil für Erez Jisroel durch a) S c h i 11 r i 111 und Vorträge über die Bedeutung von Erez Jisroel, über Mizwas Jischuw Erez Jisroel, b) Vermittlung allgemeiner Kenntn 1 s s e von Erez Jisroel (Land, Geschichte, Kolonisation). c) Aufklärung über Tagesereignisse und Tagesfragen bezüglich Erez Jisroel. d) Vertrieb des ״Moria h“. In der Erez Jisroel-Kommission muss je ein Vor- Standsmitglied der Orts- und Jugendgruppe mitarbeiten. . Die Erez Jisroel-Kommission erstattet der Palästina- Zentrale ihres Landes jeden Rosch chaudesch Bericht über ihre Tätigkeit im vorhergehenden Monat. Die Vorstand zu sich bitten, um über letzfcwillige Verfügungen zu beraten. Hierbei kam er auch auf die Einsetzung seines Amtsnachfolgers zu sprechen und äusserte den Wunsch, es möge als solcher derjenige erwählt werden, welcher folgende Probe gut bestehen würde. Er deponiere nämlich zu Händen des Vorstandes eine gesiegelte Schrift, welche drei hochwichtige, talmudisch-halachische, ״sehr herbe‘1 Fragen enthält, und derjenige Bewerber, welcher imstande sein wird, alle drei Fragen mit unanfechtbarer Entschiedenlieft zu beantworten, dem werde die Rabbinatswiirdc als wohlverdienter Preis zuerkannt. Es wurde ihm dieser Wunsch, so sonderbar er auch lautete, ohne Bedenken gewährt, denn man hatte stets zu allen beruflichen Anordmingen in Wort und Tat das unbedingteste volle Vertrauen und konnte beruhigt bei der einstigen Ernennung eines Nachfolgers diese Probe als richtigen Masstab gelten lassen. Bald darauf ging er zu seinen Vätern ein, tief betrauert •und beklagt von seinen zahlreichen Verehrern. Als nun die Trauerzeit um war und das Bedürfnis nach einem Lehrer und Führer immer fühlbarer ward, berief der Vorstand die vorerwähnte Generalversammlung, zu welcher, nebenbei bemerkt, die Talmudisten in der Gemeinde ein starkes Kontingent beistellten, um über den Wahlgegenstand überhaupt, dann insbesondere ,über die in Rede stehende Schrift mit den drei Fragen Bestimmung •zu treffen, und ■wie leldit begreiflich, sah alles dem Resultate dieser Verhandlung rnit grösster Spannung eiltgegen, auf welche nun die eingangs gedachte auffällige Bewegung zurückzuführen ist. Man kannte nur allzu gut den siebenfach geläuterten Scharfsinn und die gediegenen Fachkenntnisse des Dahiiigcschiedenen, womit derselbe .im Leben die rabbinischen Disziplinen so meisterhaft beherrscht hatte, und hielt sich berechtigt, in den drei Preisfragen etw<as Ausserge wohnliches, etwas Grossartiges zu. erwarten. Und diese Erwartung ward auch nicht zu- Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Wien, II., Flossgasse 1. Schiurimeinteilung. An Wochentagen: a) Frnhschiurim (von 6 bis 7 Uhr): Herr David Baumgarten: Kethuboth, Herr Abra- 11a׳m Schreiber: Baba-Kama, Herr Bezalel Stern: Ghagigo (fiir Anfänger). Anschliessend •wird .S c hi a cf 1ת«1־ i t ■11 gebetet, b) Abendschiurim : ■Nachmittag von ■4 bis 6 Uhr Sr. Ehrw. Rabb. F. Arak (Ozirana): Pesochin, 7 Uhr 15 bis 8 Uhr 15' Herr'Elieser Breuer: Mögen Awrohom (Hilcli. Schabboth), 8 Uhr bis 9 Uhr 30 Herr Jakob Tcitelbaum: Daf Joimi. c) Zirkel! er neu (abends von halb 8 Uhr weiter): Bisher wurden folgende Zirkellerncn eingeführt (in der nächsten Woche dürften noch mehrere beginnen): Herr Elieser Spitzer: ßeroehaus, Dinim und Tenach, Herr Samuel Stern: Gemoro, Dinim und Tenach, halb 9 Uhr bis halb 10 Uhr) Herr Elieser Breuer: Beso'h. Am שבת : Vonrn. drciiviertel 11 bis eliiviertel 1 Uhr Herr David Bondy: Olumisoh mit Raschi, nachm. 3 Uhr bis halb 5 Uhr Herr Nathan Kohiinaiui: M0!gc1i Awrohom, halb 5 Uhr Vortrag. U c* i 11 b ib'I i o t h0 k : Die Bücher der Bibliothek stehen allen Mitgliedern zur Benützung im Lokale den ganzen Tag ,zur Verfügung. Die leihweise Ausgabe einzelner Werke zur Benützung ausserhalb des Lokales erfolgt jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr vorm, und Mittwoch von halb 9 Uhr bis halb 10 Uhr abends. Frühling bei der Agudajugend. Seit ■der Düngst stattgefundenen Generalversammlung ist ein neuer, frischer Zug bei unserer Jugend zu verspüren. Die Mitglieder gehen mit ganzer Lust und Freude an die Arbeit, ■um im neuen Semester die bisher so er- •folgredche Tätigkeit der Jugendgruppe fortzusetzen und Herren-, Knaben- und Kinderkleider fertig und nach Mass Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstk'assige Zu- Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von wird geuauestens geachtet. J. STERN, Wien, XI., Olookengasse 25. T. 46913. Beachten Sie die Hausnummer. schänden. Das Schriftstück wurde entsiegelt, der Inhalt laut und verständlich verlesen. Die anwesenden Tal-!midisten erkannten beim ersten Ueberblick, dass die drei Fragen ln der ׳Fat sehr problematisch angelegt und nur sehr ■schwer oder vielleicht gar nicht zu lösen seien. Da sich jedoch das Ding nicht übers Knie brechen Hess, einigte man sich dahin, dass diese Fragen abschriftlich vervielfältigt und an sämtliche Talmudgclehrten in der Gemeinde verteilt werden, damit sie dieselben gründlich studieren und bis zu einer bestimmten Zeit ihre hierüber gewonnenen Ansichten und Urteile an den Vorstand bekanntgeben mögen. Als nach Ablauf dieses Termins die Urteile eingegangen waren, und zwar einstimmig daiiin lautend, dass cs wirklich gar sehr harte Nüsse zu knacken gibt, dass ■die aufgegebenen Themata, nach allen Richtungen ■und Wendungen reiflich durchdacht, zu den kopfbreoherlsahesten unter der Sonne gehören; so ernannte die Versammlung drei der ausgesprochen tüchtigsten Talmudisten in der Gemeinde als Vertrauenspersonen, welche die ehrenhafte Aufgabe erhielten, gemeinschaftlich ״auf die Suche“ auszugehen nach einem Manne, der imstande sei, die oft bezeichneten drei Fragen geschickt zu lösen und welchen sie diesfalls kraft einer ihnen dokumentarisch zu erteilenden unbeschränkten Vollmacht im Namen der Gemeinde Frankfurt a. M. zu ihrem Rabbiner zu ernennen ermächtigt sein sollen. Diese Deputierten, beseelt von Berufseifer für die gute Sache, begaben sich so schleunig als tunlich auf den Weg, wobei sie in erster Linie die Gemeinde Krakau mit ihren vielen berühmten Larndim ins Auge gefasst hatten, und schon nach kaum einer Woche begegnen wir ihneu in dieser Stadt, wo sie bereits bei ihren Fachgenbssen (selbstverständlich ohne Angabe ihres Reisezieles) Anstandsbesuche abstatteten und wobei sie sich einer ibesonders gastfreundlichen Aufnahme zu erfreuen hatten. (Fortsetzung folgt.)

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