Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 14-15 (8.4.1925)
- Date
- 1925-04-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. >4/19 JODUCffl• Sen« 43 »•.**,י;»,־".»»?piHetes deschletht wf^der mt Abschaffung jener ״weissea Tage“ schreiten _ wird, da ja die UebCfliefetning d«* \vahhtn ^öfehe' sttte ,wird nachge hätten werden, weniij auch n«)ri.dtifch, che öl^enahärte ׳ jüdische Minorität? Wird den hetitige-fi. Bestrcbungem dann ftlcftf der bereCKtiite Vor* gemhciii .,werden; dassäiedeT Bequemikhheir wegert eine Yeprirfting in die^ Kalend^rfcHritirig gebfacR• haben?; Ei^ anderer yorzug derneuenReforrft würde nach Herrn Btfgöurifandarin; liegen, dass man die vom Datunt jbbänglgea Testtage So festsetzen könnte, - dass, sie niemato auf. einen Dienstag öder;Freitag fallen. Dadurch ,würde Verhindert werden, dass der zwischen diesen Tagen imd dem . Sonntag liegende Arbeitstag Montag, resp. Samstag zürn Feiertage. Nvüfde erhoben werden, wie das; aus praktischen Gründen bisher immer der Fall gewesen tet.7 Unseres ־ Erachtens könnte dieser Vorteil doch Wohl erreicht werden, wenn ein -für alle Male diese Fest-' tage auf den vorhergehenden Samstag oder den darauf* folgenden Montag gelegt• würden;, Unseres; Wissens hat ja die katholische Kirche, bereits vor einigen. Jahrzehnten * die Feier gewisser au das Datum geknüpfter ,־Tage für den folgenden Sonntag angeordnet. Der; Rabbinische'Rat möchte aber nicht uur>nach der negativen Seite hin zur Kalenderreform Stellung^nehmen; jer gestattet sich daher einen positiven' Vorschlag zu machen, der vielleicht verdient, einer näheren Erwägung unterzogen zu werden. :t r Im wesentlichen ist der neue Kalender auf den;folgenden drei Regeln aufgebaut:! |'i. Das Jahr muss eine ganze Anzahl von Tagen um- 'ifassfen,: r 2 ' ,־. es soll sich von der Länge des tropischen Jahres stets um weniger als einen ganzen Tag unterscheiden, 3., der erste Jänner jedes Jahres soll stets mit demselben Wochentag beginnen. Von der in 1. enthaltenen Forderung kann natür« lieh nicht abgewichen werden. Falls der in 3. ausgesprochene Vorteil wirklich von so grosser Bedeutung ist־, dass er eine conditio sine quä •non der ganzen Reform ist, so würden wir. meinen, dass die bisher streng eingehaltene, durch 2. ausgesprochene Richtlinie abgeändert werden könne; Was Würde es im; praktischen Leben ver- ';schlagen, wenn man dein Jahre. nur 364 volle Tage -ד־־ acht Monate zu 30 und, vier Monate zu 31 Tagen — gäbe . und dafür nach sechs Jahren eine Schalt woche einfügen würde? Allerdings bliebe dann noch ein Ueberschuss von 10 Stünden 52 Minuten 36 Sekunden; in je 96 Jahren' wäre eine zweite und nach rund 2600 Jahren erst eind dritte . Woche einzuschalten. Im Prinzip liesse sich ״gegen eine Einschalfung; einer ganzen Woche sicherlich nichts einwenden. Im jüdischen Kalender werden, bekanntlich alle; zwei bis drei Jahre ganze Monate hinzugefügt, ohne ‘dass ^daraus Nachteile erwachsen. Einzelheiten unseres; Vötscblägesi jetzt schon zu erörtern, wäre verfrüht. Es ist uns hier nur darum zu tun, einen Ausweg zu zeigen^ vermittelst dessen die beiden fundamentalen Forderungen, nämlich die Reform des Jahresbeginnes mit stets dem■: selben Wochentag und die Tradition von der Erhaltung der siebentägigen JVoche, miteinander in Einklang gebracht, werden, können. Zum Schluss erlauben wir uns noch die; Bitte vorzutragen, dass in die Kalenderkommission auch ein von uns autorisierter Vertreter gewählt werden und ihr auch ein Anhänger des Islam angehören möge. Sollte dies aus triftigen Gründen undurchführbar sein, so möge uns. Gelegenheit gegeben werden, die vorgetragenen schriftlichen Darlegungen durch mündliche zu ergänzen. Der Geschäftsführende Ausschuss der Weit- "׳ Organisation der ״Agudas Jisroel“. Das Wesen des JSdischen Kalenders. Die' Reformpläne des Völkerbundes, wie der in die- ־seift' Jahre fällige; K i d u s öh־ H a c ham o, haben 'die ftüfmerksäfnkeit weiter Kfeise äuf den jüdischen Kalender und auf ־ sein Verhältnis zum -bürgerlichen ..Kalender ge* lenkt. Wenn heutigen Tages jemand zum ersten Male den bürgerlichen und den jtlchsohen Kalender kennen lernen würde, so könnte auf den ersten oberflächlichen Blick hin der Vergleich sehr zu ungunsten unseres schon über anderthalb Jahrtausende alten; Luachs ausfallen. Aut der einen Seite gleichiange Jahre,; die einzelnen Monate jedes Jahr von gleicher Länge,, die einzelnen Jahrestage entsprechen immer den gleichen ‘, Jahreszeiten, ein Schaltjahr regelmässig jedes vierte Jahr; mit Einschaltung nur eines Tages; auf der anderen Seite ein Kalender, wo die jührliehe Tageszahl sechsfach variiert, manche Monate in verschiedenen Jahren mit verschiedenen Tageszahlen, die einzelnen Jahrestage und demzufolge auch die'Feiertage im *Verhältnis ■zur Jahreszeit;um? fast einen Monat väri-■ ierend, ein .Schaltjahr in unregelmässigen Perioden mit Einschaltung eines ganzen Monats. Die Ursache ist aber ganz einfach. Während, das bürgerliche Jahr ausschliesslieh nur auf das Sonnenjahr Rücksicht nimmt und die Einteilung in Monate eine ganz• willkürliche ist,..die. mit dem astronomischen Lauf des Mondes, woher doch eigentlich der ״Monat“ seinen Namen bekommen hat, gar nichts zu tun hat, basiert der jüdische Kalender sowohl auf der. scheinbaren Bewegung der Sonne als auch des Mondes, und jeder kann auf Grund eines Luachs sofort sehen, auf welchen Tag Neumond, Vollmond und die ^verschiedenen Mondphasen fallen. Im umgekehrten Verhältnis zum bürgerlichen steht der mohammedanische Kalpnder.‘ Dieser basiert bloss auf dem Mondmonat, ohne sich um die Sonne zu kümmern. Die Folge davon ist, dass die verschiedenen Feiertage bei den Mohammedanern im Verhältnis zur Jahreszeit nicht bloss wie bei uns um einige Wochen, sondern nicht mehr und nicht weniger als um ein ganzes Jahr variieren, das CE p bildet den heiligen Schätz des Erjüdischen ^qIk^s' zur haltung und seines, höchsten Lebensgutes, der Thora * * - * , Jttdlschä Brllder und Schwestern I Spendet für Keren Hathora I lung der siebzig Personen umfassenden Familie des ägyptischen Vizekönigs die Nachkommen eben dieser Familie zu Parias und Heloten geknechtet und mit den strengsteh Ausreiseverboten bedroht wurden, bis in einer lauen Frühlingsnacht unter dem Drucke der ״zehn Plagen‘*! die Führer eben dieses Volkes auf Grund der endlich von Pharao erteilten Generalausreiseerlaubnis: ״Macht! Euch auf, und ziehet aus der Mitte meines Volkes“1 an der Spitze ihres Volkes ohne alle anderen Passlegitimationen und Unbedenklichkeitszeugnisse ihren von der Bibel ausführlich geschilderten und besungenen Auszug aus־ Aegypten antraten. 7; ־ Ostjüdische Legenden. Gesammelt und bearbeitet von J. Keppel. Weht oder Blut?; Die Juden eines kleinen polnischen Städtchens hatten schwer gefehlt. Sie hatten die Gebote der Thora nichts beachtet und waren Gott gegenüber widerspenstig. Der Becher ihrer Sünden war voll, Und Satan sah seine Zeit gekommen. Er, der die Juden zu allem Schlechten verleitete,, benützte die Gele־» genheit, um vor dem himmlischen Gerichtshof als An- Kläger aufzutreten.! Bloss ein ehrlicher, frommer Mann lebte in der kleinen Gemeinde, der Schames, der Diener der;Synagoge- Er hörte nicht auf, seine Gemeinde zu mahnen und zu warnen. Aber vergebens. Der Schames, der ärmste aller Armen, der niedrige Diener — wer wird auf seine Worte hören! ' ' _ _ ■ Als es zu arg geworden war, gelang es den Anjklagen des Satans, den Zorn des Ewigen zu erregen. Ein furchtbares Geschick war für die Gemeinde bestimmt worden. > *» ׳ ־ ' -' ' ־. Es war gerade vor dem Pessachfeste, Der Beginn des Frühlings. : Die Natur feierte ihre Auferstehung.״ Die Strahlen der Sonne spendeten wieder . Wärme. Der Himmel־ war voller Geigen. Bloss über das kleine Städtchen! herrschte hoch die Trübnis des Winters. Schwarze!Wolken ^bedeckten den Horizont und die Atmosphäre war (»chwefeli schwanger. Der fromme Schames verstand die Zeichen t^des Himmels zu deuten. 4Er wusste, es war dies die letzte Warnung an die Sünder. Er verdoppelte seine;Mahnungen* immer düsterer lauteten seine Voraussagungen — aber er predigte tauben Ohren. Als der himmlische Gerichtshof zusammengetreten war, um über die sündenvolle . Gemeinde das yrteil‘zu' sprechen, erzitterte die Engelschär. Satan klagte an, Schwefel Und Pech schüttete er auf die Jiäupter der sündigen Gemeinde. Haufenweise legte er ihre Verfehlungen und Vergehen gegen das Gottesgebot zusammen, immer, tiefer neigte sich die Schäle der Schuld: :Entlastungszeugen* Fürsprecher, hatten nichts zu sagen. Bloss der Engel Michael wagte es, auf mildernde Umstände zu plädieren. Der Schames sei ein igottesr fürchtiger Mann, ein Heiliger in dieser verdorbenen Umge־:. bung. Seinetwegen möge der Gemeinde Gnade vor!Recht zuteil werden. Wenigstens ein weiterer Aufschub, viel* leicht wird es den Mahnungen und Warnungen ]des Schames doch gelingen, die Sünder auf den guten Weg 2\t bringen. Aber Satan lachte sich ins Fäustchen. Was ]hat der kleine, kaum ansehnliche Schames mit seiner Frömmigkeit* seinen Mahnungen und Warnungen gegen den gewaltigen Haufen Sünden zu bedeuten, die der Ankläger ’zusammen,- bringen konnte! Schon wollte der Gerichtshof sein /Vernichtungsurteil sprechen, als die Patriarchin Rachel heransförmte und für die Kinder Israels Gnade erflehte. Die* Bitten einer Mü,tter sind auch im Himinel .heilig und so wurde denn das Urteil dahin gemildert, dass die Gemeinde; wohl den furchtbarsten Gefahren ausgesetzt, dass es aber heisst: jeder t00bamm^dan|stbe :Feiertag iih"■Latdf Jahr^ auf }ed6n bcifchigeii Jahrestag des Kalenders fallen kann. Ebenso wie bei so vielen anderen Dingen kann es sich auch bei Festsetzung des Kalenders nicht um das obsolut Richtige, sondern nur um < das relativ Richtigste handeln. Und ln dieser Hinsicht können wir ruhig be-. haupten, dass, der jüdische Kalender;seine Hauptaufgabe, nämlich die Uebereinstlmmung des Sonnenlind Mondiahres, auf das beste gelöst hat. Die Berechnung des Monats stützt sich bekanntlich auf den Ausspruch Rabban Gamliels im Talmud (Rosch Haschana 25a: Die ErneucriSig des Mondes kann nicht weniger als 291/!» Tage, 2/j Stünden und 73 Cbalokim betragen. Die Stunde wird nämlich eingeteilt auf 1000 Chaio- Kim (Teile); ein Chelek sind 76 Regaim (Teilchen). Demzufolge Ist de)־ Zeitraum eines Monats zum’ anderen 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 1 Chelek oder 3 Sekunden, welcher Zeitraum genau dem eines synodischen Mondmonats entspricht. . ■ ... Die Dauer des astronomischen Jahres ist bekanntsich 365 Tage, 5 Stunden; 48 Minuten, 46 Sekunden. Diese genaue Summe konnte erst unter Benützung astronomischer Berechnungen ermittelt .,werden, die unseren. Vätern noch unbekannt waren. Trotzdem ist der jüdische Kalender. noch, immer mathematisch zweimal genauer, als es der bürgerliche Kalender bis zum Jahre 1583, nämlich bis zur Einführung des gregorianischen Kalenders, gewesen ist. Bis dahin hielt man im allgemeinen an einer Jahreslänge von 365Vv Tagen fest. Diese Angabe wird im Talmud im Namen von Mar Schmuei tradiert und hat den blamen Tkufat Samuel. Darauf basieren noch in unserem Luach die vier jährlichen Tkufoth sowie der Beinn der EfnschaJtung der Schaalo, welche auf den sechzigsten Tax nach Tkufatli Tischri fällt; ferner der Machsor Gadol alle 28 Jahre, wobei, wie gerade in diesem Jahre, Kidusch hachamo stattfindet. Sonst ist die Tkuiath Schmucl für unseren Luach belanglos. Auf deu Umstand, jdass der Kidusch hachamo in jedem 28. Jahr stattfindet-und somit auf Tkufa Schmuei basiert, machen unsere Weisen schon im Mittelalter aufmerksam. So bemerkt Cliassam Sofer, in seinem Responsum ,über Kidusch hachamo, dass bereits der Verfasser von Massath, Benjamin;die Frage stellt: D’e ganze Berechnung des Kidusch hachamo stimmt überhaupt nur nach Schmue 1, während wir doch nach Rah Ada entscheiden und -daher in unserer Kaleuderberechmmg keinen 28jälirigen, sondern bloss einen 19jährigen Zyklus annehmen. Denselben Widerspruch finden wir aber, sagt der Chassam Sofer, auch beim Rambam; auch er entscheidet wie Rabbi Ada in Hilchoth Kidusch Hachodesch, während er die Vorschrift über Kidusch Hachamo nach der Weise von Mar Schmuei bringt Mit Rücksicht auf die Aktualität dieser Frage bringe ich die- Ausführungen von Chassam Sofer in ihrer Ausführlichkeit:.< ״Ich sah nun“, setzt Chassam Sofer fort, ״im Werke Scheerith Kneseth Hagdolah, dass in früheren Zeiten der Kidusch Hachamo gar nicht im Gebrauche war; so ist'es auch aus den Responden des Massath Benjamin zu entnehmen und vielleicht gerade aus den oben angegebenen Griinden. Jedenfalls aber, nachdem die All gemeinheit schon so gewöhnt ist ,und. nebst vielen anderen grossen Dezisoren;auch im Schulchan Aruch so;entschieden ״wird, ist davo!mich t abzuwei c h e n.“. Tatsächlich berichtet der Chassam Sofer, wie er selbst Mittwoch den?. ,Nissan des Jahres 573, umringt von der Judenschaft Pressburgs, den Kidusch Hachamo vollzog. Nun kehren wir aber zu unserem eigentlichen Thema zurück. Der Begründer, uriseres Kalendersystems ist Rabbi A d a. b. Ahaba. Derselbe ׳in die Hände des Schames ׳ gegeben sein;sollte, > mittel^ einer aussergewöhnlich guten Tat seinen Brüdern,Rettung! zu bringen. ׳ Die Gemeinde,• über die ein solch ha,rtes Urteil gefällt wurde, hatte keine Ahnung von der drohenden Ge־? fahr. Sie ging ihren Geschäften, ihren Vergnügungen wach,! 'häufte weiter Sünde auf Sunde und Hörte, hiebt auf, did Mahnungen des Schames zu verspotten. Dieser aber fühlte instinktiv die drohende* Gefahr. Ein! inneres Gefühl sagte ihm, dass die Gemeinde nur durch ein Wunder vor der Vernichtung gerettet werden Jcönnte — und er verdoppelte seine Gebete, fastete jeden •Montag und jeden Donnerstag und stand stets bereit, eiuzugreifen* wenn die Gefahr herankommen sollte. Der Pfä,rrer des Städtchens war den Juden hie wohl gesinnt. Sie waren ihm stets ein Dorn (im Auge und 'wiederholt brütete er Pläne aus, um sie ins Verderben zd stürzen. - Als er in den jüdischen Gassen die '.Vorbereitungen für das Pessachfest vvahrnahm, erinnerte er pich des alten Blutmärchens und fasste den Plan, diesmal sein Zielt zu erreichen. Es gelang ihm, ein verkommenes Individuum. dazu zu verleiten, sein kleines Kind zu verstecken und das Geröcht zu verbreiten, die Juden hätten es!geschlachtet,1 um dessen Blut für ihre Mazzoth, ihre ,Osterbröte zu verwenden. Uin den Verdacht noch zu verstärkenj-!Hess der ־Pfarrer in der Synagoge an Stelle des;Weines für Kiduscfy ein Fläschchen mit Blut hineinschmuggeln. Seine Berechnung war: Wenn das Gerücht über die Abschlachtung des Christenkindes durch die Juden die־ christliche Bevölkerung alarmieren werde, würde er die Synagoge stürmen lassen und dort das nötige corpus delicti, den klaren Beweis dafür finden, dass die Beschuldigung auf Wahrheit beruhe. Gegen Mitternacht, als der Schames sich in, tiefem