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Jüdische Presse · 1925-03-27 · 13 (27.3.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
13 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 JÜDISCHE PRESSE Seite 83 und in seinem Blatte dafür plädiert: ״Zurück zum Judem tum!“ ״Vor allem handelt es sich darum“, sagt derselbe,• ״den Sabbat und die Speisengesetze zu beobachten“, und in einer Frauenversammlung erzielt er das Resultat, das? tausende nichtfrommer Frauen beschlossen, vorerst mit den} Schabeslichtbenschcn zu beginnen. Dies, meine Herren* ist die Folge des Wettstreites zwischen Orthodoxie und Neologie. Sie brauchen daher einen Austritt, der aus religiösen Motiven erfolgt, nicht als etwas so Fürchterliches zu perhorreszieren. Auch wenn wir ausgetreten wären,־ würde uns das Wohl der Kultusgemeinde sehr am /Herzen liegen, denn wir sind keine Parteimänner und finden, dass die Erhaltung der Kultusgemeinde in ihrer jetzigen Form für die grosse Mehrheit der Wiener Juden, did nicht streng religiös sind, eine Wohltat und eine Notwen• digkeit ist. Meine Herren! Wenn Sie uns zwingen wollen, Ihr Rabbinat als für uns massgebend anzuerkennen, ist das Ihre Sache. Die jüdische Bevölkerung hat ihr Vedikt gesprochen, nachdem zwei Fünftel derselben nur Schiffschul-Schicheta gebrauchen. Ich kann nur meine Aufforderung wiederholen: Verwenden Sie einen entsprechenden Teil orthodoxer Steuergelder zur Erhaltung der orthodoxen Institutionen, die zu erhalten eigentlich die Kultusgemeinde berufen wäre und für die die Orthodoxie Milliarden privat aufbringt. Dann werden Sie ausser Ihren herrlichen Wohlfahrts- Institutionen auch noch die Förderung des echten Judentums durch Ihr Budget erreicht haben. Ermöglichen Sie diesen ,Vereinen die Existenz, die eine Grundbedingung der Existenz für.das Judentum bilden, Wenn ich Ihnen noch bemerke, dass ein grosser Teil Vereine ganz abseits von der Schiffschul, manche sogar ihr gegnerisch gegenüberstehen, werden Sie wissen, dass ich nicht pro domo spreche. Zum Bericht der englischen Regierung an den Völkerbund. Die englische Regierung veröffentlicht in einem Weissbuch einen Bericht über das Palästina-Mandat; in die-! sem Bericht sind auch die Antworten enthalten, welche die britische Mandatarmacht auf die Fragen des Völkerbundes gegeben ■hat. Es soll nicht ein schlimmes Vorzeichen ■sein,, wenn man im ersten Augenblick die Empfindung hatte: also wieder ein schicksalsschweres white paper. Man kann sagen, die Antworten sind vom englischen Standpunkt korrekt und mit Zahlen reich ausgestattet. Wir erfahren, dass in jüdischen Besitz gegangen sind insgesamt 179.4,4q Dunam, ist gleich etwa 42.000 Morgen. Man muss ferner sagen, dass folgende Fragen und Antworten: ״Fra g e': Hat diese Agency der Verwaltung ini vergangenen Jahre einen Rat’ erteilt und wenn ja, in Welcher Form und in welchem Zusammenhang? Antwort: Einem Mitglied der Kommission.׳ ’ wird allwöchentlich eine Unterredung im Regierungshaus gewährt und die Kommission korrespondiert mit dem Regierungsdepartement in deren Verwaltungsangelegenheiten. Frage: In welcher Weise und in welchem Ausmass arbeitet diese Agency, in wirtschaftlichen, sozialen' und anderen Angelegenheiten mit der Regierung zu-! sammen? Antwort: Die Kommission wird von der Verwaltung bei der Festsetzung der Anzahl der ins :Land1 zu lassenden Einwanderer zu Rate gezogen und die zionistische Organisation beteiligt sich durch ihre Bureaus in Europa an der Auswahl derselben,“, die kühlste bureaukratische Möglichkeit darstellen, mit der die in der Mandatsverfassung geforderte Jewish Agency, betrachtet und behandelt werden kann. Es geht fernem klar daraus hervor, dass die Verantwortung für die Zurückweisung Einwanderungslustiger lediglich auf die zionistische Organisation zutückfällt. Dass in einer weiteren Antwort bei der Aufzählung der Organisationen, mit denen die palästinensische Regierung in Verbindung steht, die Agudas •Jisroel nicht erwähnt ist, bedarf .wohl keines' Kommentars/ Ebensowenig die;Tatsache, dass nur ein zionistisches Erziehungswerk der Erwähnung gewürdigt׳ wird. Interessant ist eine weitere Zahl, dass in Stadtbezirken 68.622, in Landesbezirken 15.172 jüdische Seelen! wohnen. Sehr bedeutsam ist das Kapitel über Gewissensfreiheit: ״Frage: Welche Massnahmen wurden zur Sicherung von Religions- und Gewissensfreiheit getroffen? Wurde im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentliehen Ordnung und Moral die freie Ausübung irgend einer Form des G-ttesdienstes eingeschränkt? Welches sind die Folgen solcher Einschränkungen? Antwort: Im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung» und Moral wurde ein Zirkularschreiben an die Vorsteher aller Gemeinden gesendet^ das die Frage des Uebertrittes von einer Religions■} gemeinschaft zur anderen ,zum Inhalt hat Die Frage( wurde wichtig, weil Konflikte in der Rechtsprechung entstanden in Angelegenheiten, welche den Gerichtsstand von Personen betrafen, welche ihre Religion gewechselt hatten. Dieses Zirkular wurde später für ungültig erklärt und die Frage ist Gegenstand weitereif Erwägungen. Die Intervention der Regierung in An* gelegenheiten des Glaubenswechsels zielt nur darauf hin, dass eine öffentliche Bekanntgabe eines Wechsels im Personalstand erfolgen soll.“ Es ist jedenfalls erfreulich, dass der Versuch den Gewissensbedrückung, welcher in dem bekannten Gesetzentwurl des >Waad Leumi angestrebt jwird, keine Erwähnung findet, weil daraus wohl mit Recht geschlossen werden! darf, dass die Mandatarmacht mit diesem Versuch nichts Gemeinsames hat. Schliesslich sei noch die Frage aufgeworfen, warum bei dem Verzeichnis der christlichen Feiertage der Sonntag als selbstverständlich vorausgesetzt wird, während diese Würdigung dem Sabbat nicht widerfahr ren ist. n• 100©[ Vom Tage. [©00 Die Kunst der Fragestellung. Die orthodoxe Presse in Erez Jisroel beschäftigt sich zurzeit mit einer scheinbar unwichtigen Frage. Die Regleruhg wollte vermutlich den vorjährigen Streit um die Mazzoth-Steuer vermeiden und hat daher die Einwohner des jüdischen Jerusalem um ihre Zugehörigkeit zu den einzelnen Gemeinden befragt. Diese Fragen waren sehr eingehend und indiskret. Die Regierung hat Neugierde gezeigt, zu erfahren, ob man dem Waad Hoir Haaschkenasi angehört, also der sagenannten Sonnenfeklsclien Gemeinde oder dem anderen Waad für jene aschtoenasischen Juden, die es mit der organisatorischen Unabhängigkeit der Orthodoxie nicht so bitter ernst nehmen. Diesen Kreisen hat diese jede Zweideutigkeit ausschliessende Fragestellung nicht gepasst. Letzten Endes werden vielleicht viele Befragte schon aus der Fragestellung entnehmen, dass Menschen wider ihre Gesinnung besteuert werden für Institutionen, die sie aus Gründet! der Gewissensfreiheit ablehnen müssen. Diese Vermutung der Unzufriedenen ist nicht ganz unbegründet. Tatsächlich hat die Fragestellung — unseres Erachtens die richtige Fragestellung — der überwiegenden!Majorität der Orthodoxie den Mut gegeben, sich freimütig zu der eigenen Ueberzeugung zu bekennen. Die Regierung wird auf ihre richtige Frage die richtige Antwort bekommen und sie wird bald ersehen können, wie die orthodoxe Judenheit Jerusalems über die Gemeindeorganisation denkt. Die Luft Erez Israels macht weise, sagen unsere Talmudweisen. Auch die Regierung konnte sich auf die Dauer dieser heilsamen Wirkung Erez ׳Israels nicht entziehen. Und da eine weise Frage schon eilte halbe Antwort ist, kann ■man den Unzufriedenen in Jerusalem nicht verargen, wenn sie mit der Fragestellung der Regierung so unzufrieden sind. Die Universität in Jerusalem. Die ersten Nissan-Wochen, die im Leben •des Juden bisher mit Vorbereitungen für ■den Pessach ausgefüllt worden, sind in diesem Jahre von jenen, die von .der zionistischen Idee beherrscht sind, der z!u eröffnenden 'hebräisch/eh'‘'ÜhiverSität ah JeriÜsalem gewidmet. In Wien wird sogar aus diesem Anlasse das Grab von Herzl aufgesucht, wo sonst im Monate Nissan der Besuch von Gräbern nicht gebräuchlich!ist. Dem ,toten Führer muss scheinbar versichert werden, dass der Auszug aus dem Galutli mit der Universität auf den Hügeln Jerusalems gekrönt wird, wie einst durch das!Heiligtum der Auszug aus Mizrajim. Ob der tote Führer die Entwicklung seines Judenstaates in dichterischer Phantasie sich so vorgestellt hat, ob sein feines politisches Gefühl durch diese lärmenden Demonstrationen nicht verletzt wird■, mögen jene entscheiden, die sich als Träger seiner Ideale fühlen. Die Orthodoxie verhält sich vollkommen passiv gegenüber diesen Demonstrationen. Weite Schichten der thoratreuen Judenheit sind tief bestürzt darob, dass in Jerusalem die Dinge so weit kamen. Man unterliess jedoch absichtlich, diesen Gefühlen öffentlichen und demonstrativen Ausdruck zu gehen. Die heftige Demonstration der Araber einerseits, die satirischen ■Artikel von Herrn Jabotinski und seines Kreises anderseits, das Wiedererwachen der fast still gewordenen Opposition allseits in der Welt, wo■ ■man auf die Schwächen des Zionismus und seiner Politik lauert; um das jüdische Aufbauwerk in Erez Israel überhaupt zu hintertreiiben, enthält gerade genug an Warnungen über die Unrichtigkeit auch des Kulturweges, den die zionistisehe Politik einschlägt. Das thoratreue Judentum hat im letzten Jahre so viel wertvolle Arbeitskraft, so grosse Kapitalien Erez Jisroel gegeben, dass es mit gesteigertem Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber Handlungen dasteht, Herren-, Knabenand Kinderdeider fertig und nach Mass Massabteiluug bis zu den feinsten englischen Stoffen. Erstk'assige Z11 Schneider. Eleganteste Ausführung. Auf Vermeidung von wird genaueste!» geachtet. J. STERN־, Wien, II., Glookeng&sse 25. T. 46913. _Beachten Sie die Hausnummer._ Telephon 319 Streng rituell! 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Beide Gründe sind dafür massgebend, dass es sich schweigend verhält, wo die anderen Jubelhymnen anstimmen. Brief aus Ungarn. Budapest, 22. März 1925. Im Vordergründe des Interesses der ungarländischen Judenschaft, und zwar sowohl des orthodoxen wie des neologcn Teiles derselben, steht jetzt die Frage der zu erreichenden Vertretung der jüdischen Konfession in dem noch nicht vorhanden eit Ober hause der ungarischen Gesetzgebung.. Die Angelegenheit ist dadurch aktuell geworden, dass die Regierung vor einigen Wochen eine Gesetzesvorlage angekündigt hat, mit weicher die seit fünf Jahren als e i nzige gesetzgebende Körperschaft fungierende National- Versammlung in eine auf dem Zweikammer -System beruhende Legislative untgewandelt werden soll, und danach würden in der an die Steile des einstigen Magnatenliauses neu zu schaffenden, ״Oberhaus“ genannten ersten Kammer, gleichwie dies in dem bis zum Umstürze bestehenden Magnatenhause der Fall war, auch Vertreter der in Ungarn gesetzlich anerkannten K onfessionen ex 0ffo Sitz und Stimme haben. Da nun seit 1895 hierzulande auch die jüdische Konfession zu den gesetzlicli rezipierten Glaubensbekenntnissen gehört, ist gleich nach der erwähnten gouvernementalen Ankündigung in der Judenschaft die Forderung nach Gewährung einer offiziehen Oberhausvertretung laut geworden. In der neologen Presse — eine orthodoxe Presse gibt es in Ungarn leider nicht, obgleich die Orthodoxie dieses Landes zirka 300.000 Seelen zählt! — in der neologen Presse also und in neologen Bankettreden beging man hierbei die Lächerlichkeit, sich schon in das Fell des noch lange nicht , erlegten Bären zu teilen: es wurde da die Ernennung eines derzeitigen Oberrabbiners der Pester neologen’ Kultusgemeinde und ihres gegenwärtigen Präsidenten ins Oberhaus verlangt. Also nicht das Wesen der Sache, nämlieh dass im Gesetzentwurf über das Oberhaus das Recht der Judenheit, Repräsentanten in dasselbe ,zu entsenden, gewährleistet werde, nicht das lag den Herrschaften am Herzen, ja die Gewährung dieses Rechtes verlangten sie nicht einmal, sondern ausschliesslieh P e r s 011 e 11 k u 11 u s war die Triebfeder ihrer Forderung. Hierbei erlaubten sicli diese Herren noch den gar nicht schlechten Witz, angesichts ihrer Stimmungsmache für zwei Personen allein aus der Pester Neologie für die Gesamtorthodoxie des Landes — obgldich deren Seelenzahl derjenigen der gesamten Neologie Ungarns zumindest nicht nachsteht — bloss eine Persönlichkeit zu ' konzedieren, allerdings den aliseits hochgeachteten orthodoxen Landespräsidenten Adolf Frankl, aber auch ihn beileibe nicht in dieser seiner amtlichen Eigenschaft, sondern nur als ״Führer der Konservativen“! Dagegen hat den einzig richtigen Standpunkt in der jüdischen Oberhausfrage /ein, Memorandum eingenommen, welches jüngst die orthodoxe israelitische Landeskanzlei an die Regierung• gerichtet hat. ׳(Nebenbei ‘bemerkt, ist seit der mehr als 50jährigen Trennung der Orthodoxie vom neologen Judentum dies der erste Fall, dass beide Landeskanzleien eine Denkschrift konfessionellpolitischer Natur gemeinsam zeichneten.) Im Memorandum wird unter Anführung der betreffenden Gesetze ausführlich dargelegt, dass das .Judentum ebenso berechtigten Anspruch hat, Vertreter ins Oberhaus zu entsenden, wie jede andere rezipierte Konfession, und zugleich tritt das Memorandum der auch in Regierungskreisen verbreiteten Auffassung, wonach dieser Anspruch zufolge des Mangels einer einheitlichen jüdischen Organisation nicht anerkannt werden könne, unter logischer Argumentierung mit aller Entschiedenheit entgegen. Die Denkschrift schliesst wie folgt: ״Diese unbestrittenen Tatsachen beweisen, dass die israelitische Konfession zwei g e s e t zlieh funktionierende und zu ihrer Vertretung berechtigte Organisationen besitzt, und es besteht kein Hindernis, dass das Vertretungsrecht der gesetzlich rezipierten israelitischen Konfession im Wege dieser zwei gesetzlichen Organisationen im Gesetze über das Magnatenhaus (Oberhaus) in der Reihe der weltlichen Vertreter der Konfessionen gesichert werde.“ — Die Gesetzesvorlage über das Oberhaus ist seither der National- Versammlung zugegangen und da scheint — trotz der von Liberalismus triefenden Reden mancher urtserer gegenwärtigen Regierungsmitglieder — das geflügelte Wort des einstigen österreichischen Ministerpräsidenten Grafen T a a f f e zur Geltung gekommen zu sein, welches mit einer Travestierung folgendermassen lautet: ״Nichts dauert ewig, selbst das schönste Argument wird schäbig“ — sobald es sich

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