Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 10 (6.3.1925)
- Date
- 1925-03-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 62 JÜDISCHE PRESSE Nr. 10 Der siebente Adar in der Schiffschul. Dienstag, den 7. Adar, nachmittags um halb 6 Uhr abends, hielt Oberrabbiner Fürst die diesjährige Gedenkrede nach den in diesem Jahre verstorbenen Gaonim und Rabbonim. Das zahlreiche Publikum hörte tiefergriffen, die Schilderung des Verlustes, den das Judentum durch den Abgang so vieler Gaonim, an Thorakenntnissen und an jüdischer Heiligkeit erlitten hat. In dem zweiten Teil seiner Rede beschäftigte sich Herr Oberrabbiner Fürst mit Kaschruthangelegenhciten und nahm besonders gegen jene Lebensmittelhändlcr Stellung, die beim Bezug ihrer Waren sich nicht um die Ansicht des Rabbinatcs kümmern. Frauenhiife der Adas jisroel, Zugunsten des Vereines ״Frauenhiife der Adas Jisroel“ fand am J. März eine Filmvorführung mit künstlerischen Vorträgen bei ausverkauftem Haus statt. Um das restlose Gelingen der Veranstaltung haben sich unter dem Vorstandsmitglied Frau Johanna Schiff, die in ihrem unermüdlichen Arbeitseifer sich auch diesmal als Organisatorin aufs glänzendste bewährt hat, die Damen des Arbeitsausschusses ganz besondere Verdienste erworben. Es sind dies die Damen: Frau Sandor Adler, Breuer, Rosl H c r t z k a, Dora Hecht, Hilda Höchberg, R. Hönigsbeer, Kauf* mann, Sophie K r i t z I e r, Jenny Löwin ge r, Reichn e r, Hanna Pappe 11 he im, Sophie Pappenheim, Schick, Mitzi Steinhof, Helene Stern, Josefine Stern, Stella Schiff, Rosa Wosncr. Ganz besondere Anerkennung gebührt Frau Lola Schiff, deren erfolgreichen Bemühungen es hauptsächlich zu danken ist, wenn ein so ansehnlicher Reingewinn dazu verwendet werden kann, die Pcssachaktionen der Frauenhilfe ausgiebiger zu gestalten. H. Sch. Rabbiner Nachum Kolin s. A. Im Alter von 53 Jahren starb nach längerem Leiden der Leiter der Wiener ״Or Thora“, Rabbiner Nachum Kolin von Mikelnica. Es war das einzige Streben dieses grossen Talmid chochom marbiz thauro zu sein und er hat seiner Anstalt wertvolle Dienste ׳geleistet. Er ist ein grosser Verlust für die Wiener Orthodoxie. Die Geiieralversaniftilung des Vereines Cliewra Kadisclia und Bikur Cholin! für den 6. und 7. Bezirk fand Sonntag statt. Obmann Herr Moritz Felsenburg eröffnete die gut besuchte Versammlung, begrtisste Herrn •Kommerzialrat B. Buchwald als Delegierten der Kultusgemeinde, Herrn Pappenheim als Vertreter der Adas und Agudas Jisroel. Vorsitzender verliest den Bericht, Herr Ungar den Kassabericht und den Bericht der Revisoren, was mit Akklamation genehmigt wird. .Vorsitzender gedenkt der verstorbenen Vereinsmitglieder Ronis Lindner, Bela Deutsch und Radsprecher, deren Andenken im Protokoll verewigt wird. Er erwähnt den glänzenden Verlauf der Chewra-Mahlzeit im Vorjahr, die für den Bethausbau 95 Millionen erbracht hat, dankt dem Komitee, speziell Herrn Glatter für das Gelingen dieses Festes. Ueber Antrag des Vorstandes votiert die Versammlung den Herr •מג Dr. Neuer und Dr. Teweles Dank und Anerkennung für die Gratisbehandlung der vom Verein zugewiesenen Patienten. Kommerzialrat Buchwald spricht für die Einigkeit und für Pflege des konservativen Sinnes und versichert den Verein der Sympathien des Kultusvorstandes. Pappenheim überbringt Griisse der Agudas Jisroel und Adas Jisroel und wünscht dem Verein stetes Gedeihen. Nach einer grtindliehen freundschaftlichen Aussprache über verschiedene Fragen gehen die Mitglieder mit dem Bewusstsein fort, an einem segensreich wirkenden Verein mitzuarbeiten. Die austretenden Herren Bibring, Leib und Steinhof werden Adedergewählt. Jahrhundertfeier nach R. Scholaum Charif (UHmann). Am 16. Adar sind erst 100 Jahre her, dass deü Gaon Rabbi Scholaum Charif verschied. Die jüdische Gemeinde in Lackenbach, die Stätte der langjährigen Wirksamkeit des grossen Gaon beabsichtigt den 100. Jahrzeittag seines gewesenen Rabbiners mit einer1 Siumfeier auf ganz Schass würdig begehen. Es ist ferner geplant, das tiefsinnige Werk von Rabbi Scholaum Charif דברי רש neu herauszugeben. Eine Kommission, bestehend aus den Rabbinern von Bistritz, Halmi, Valko sorgt für! die Neuausgabe des Werkes, das durch Erklärungen, Zu-1 Sätze leichtfasslicher gemacht werden soll. Die Redaktion der Neuauflage hat der Nagybanyer Rabbineü Kraus übernommen. Die Kommission wandte sich an alle Enkel und Urenkel sowie Verehrer und Freunde des grossen Mannes, ferner an alle Kehiloth, wo er gewirkt hat, mit der Bitte, die Ausführung dieses Planes zu ermöglichen. Zu Maurus Jokais hundertstem Geburtstag. Geehrte Redaktion! Zu Ihrer Notiz in der vorwöchentlichen Nummer Ihres geschätzten Blattes unter obiger Marke bin ich in der angenehmen Lage, Ihnen die überaus interessante historische Rede von Maurus Jokai, die er am 17. Februar 1870 im ungarischen Parlament zugunsten der Orthodoxie hielt, im Auszug zu übermitteln: ״Herr Wahrmann fühlt sich berufen,“ sagte Jokai, auf die jiidisehe Frage übergehend, ״in dieser Sache das Wort zu ergreifen, weil er der einzige Jude im Hause ist, nach meiner Meinung wäre aber gerade das die Ursache, um nicht zu sprechen, da es doch in dieser Sache zwei Meinungen gibt und Herr Wahrmann nur die eine vertreten Jiann. Es ist' nicht richtig, dass die Konstituierung des israelitischen Kongresses ordnungsgemäss׳ vor sich gegarir gen wäre. Die Wahlen fanden durch einnnder widersprer chenäe ministerielle'' Verordnungen statt. Das Wahlgesetz rud e-Oefen kochen,braten u.backen Nur einmaliges Feuermachen! Das ganze Jahr in Brand! Kein Ueberkochen, Anbrennen der Speisen! Einmaliges Nachlegen genügt, die Speisen 24 Stunden warm zu halten! Tag und Nacht warmes Wasser 1 50% Ersparnis gegen jede andere Heizung! 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Der geehrte Herr Abgeordnete hat seine Gegner als Obskuranten, als durch selbstsüchtige Motive Geleitete bezeichnet. Ich kann dem Herrn Abgeordneten versichern, dass unter den sögenannten Orthodoxen sich genau soviel aufgeklärte und gebildete Menschen befinden, ich ebenso viel wahrhafte gute Patrioten kennen gelernt habe, wie auf der Gegenseite. Gute Eigenschaften sind an kein Dogma gebunden. Wenn man die Ereignisse in gewissen Teilen des' Landes in der Zips, in Bonyhad, Waitzen usw. •betrachtet, so kann man sich leicht überzeugen, dass man zu keiner Zeit die Ketzer mit grösserer Waffengewalt zum alleinseligmachenden Glauben getrieben hat, wie in unseren Tagen die orthodoxen Juden in den Schoss der alleinseligmachenden Kongressgemeinde. Meine Meinung ist, dass, wenn unter den Juden eine Spaltung besteht, so, möge die Regierung und die Gesetzgebung auf Grund der Religionsfreiheit sowohl die Berechtigung der Orthodoxen, als der Neologen anerkennen. Die Trennung ist eine Gewissensfrage und hier kann weder die Regierung, noch das: Land, noch der König urteilen. Der einzige Richter ist G־tt und es kommt keinem Menschen zu, darüber ein Urteil zu fällen.“ Beth Jakob-Konferenz in Warschau. Warscha u. (A. J. P. B.) Im grossen Saale der ״Chawazeleth“ Mädchenschule wurde am 1. Adar — 25. Februar — nachmittags die erste Beth Jakob-Konferenz eröffnet. Anwesend waren Sejmdeputat Oberrabbiner L e w i n-Sambor, Senator Deutsche r-Krakau, Deputat Stempe' 1-Krakau, D1*. Deutschländer von Merkas Hachinuch in Wien, A. S p i r a, M. Läufer von der Krakauer Beth Jakob- Zentrale, I.. M. Lewin und A. S. Friedmann von der Warschauer Exekutive der Aguda, Direktor Dr. Niem- AGUDAS JISROEL JUGENDGRUPPE WIEN, II., FLOSSGASSE 1 zu der י״ךן^ am Montag, den 9. März (14. Adar), präz. 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotels ״Bayrischer Hof“, II., Taborstrasse 39, stattfindenden Bei Zuspätkommen Einlass nur in den Zwischenpausen Restliche Karten sind Im Lokale der Jugendgruppe, II., Flossgasse 1 zu haben Wo ©יי •י alt man den wirklun naturgetreuen Dem bekannten, Spezialisten künstlicher. Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, ,die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem ׳ Atelier des' Herrn Balla wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschliess«n, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflichst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos auapröbiert werden. Franz Balla, Wien, ITT■, Gusshausstrasse 26 Telephon 58-9-12 ז c z e w i c z-Bialystock und viele Vertreter der Beth Jakob-Komitees aus der Provinz. Die Beth Jakob-Schulen waren auch in grosser Zahl vertretet!.. An der Spitze die• Leiterin Frau Sara S c h e 11 i e r e r. Lehrerinnen von׳ Krakau, Lemberg, Gora Kalwaria, Bendin, Lodz, Lublin. Bialystock u. a. Die Eröffnungsrede, hielt Oberrabbiner Lcwin-Satnbor. Zum Leiter der Verhandlungen wurde Dr. Dcutschländer gewählt; in das Bureau Dr. Niemcze* wiez-Bialystock, A. S. Friedmann-Warschau, Friedensolm-Lodz. Das erste Referat hielt Herr O. Schapira- Krakau über die bisherige Entwicklung der Beth Jakob- Schulen. Aus ganz geringen Anfängen wurden im Laufe von acht Jahren mehr als 40 Schulen geschaffen. Dann hielt Dr. Deutschländer ein längeres Referat über Wege und Ziele der Belli Jakob-Bewegung. Redner entwickelte nach Erörterung einiger prinzipieller Vorfragen über den Typ der Beth JakobrSclutlen den Entwurf eines Normal- Stundenplanes. Ferner wurde die Frage der ständigen Lehrerausbildung sowie der Fortbildungskurse erörtert. A. S. Friedmann entwickelte ein Programm über Schulbiieher und häusliche Lektüre und forderte Zusammen- Stellung einer Fachkommission. Delegiertentag der schweizerischen Agudas Jisroel. Zürich. (A.J.P. B.) Im Gemeindesaale der Israelitischen Rcligionsgesellschaft fand am 28. Adar, der Delegiertentag der schweizerischen Aguda statt. Der Präsident des Landeskomitees A. \V. Rosen zweig eröffnete in Au- Wesenheit der Orts- und Jugendgruppen Zürich, Baden, Luzern, Basel und Lugano um 3 Uhr nachmittags die Sitzung. Zum Tagespräsidenten wurde Rabbiner S. Brom gewählt. Nach einem ausführlichen Rechenschaftsbericht über die erfolgreiche Tätigkeit der schweizerischen Aguda durch Präsidenten Rosenzweig verlas׳ Herr J. Rothschild den Kassabericht. Rabbiner S. Brom erstattete den Bericht der schweizerischen Keren Hathora-Zentrale. In neun Monaten sind Frcs. 7000 eingegangen. Herr Ch. J. Eis, Zürich, berichtete über den Kriegs waisenfonds, dem bis jetzt Frcs. 60.000 zuflossen. Für die Erez Jisroel-Zent r a 1 e referierte Herr Josef Erlanger, Luzern. An der sich anschliessenden Generaldebatte beteiligten sich die Herren H. M. Sternbuch sen. und jun., Emanuel; H e r z, Luzern, Josef Erlanger, Luzern, Nordmann, Basel, Wyler, Basel, Rothschild, Rabbiner Kornfein, Weinstein, Ch. J. Eis, Koschland, M. Löwenstein und Jakob Eis jun. (alle Zürich). Imi Anschluss daran wurde dem Landeskomitee Decharge unter Verdankung der geleisteten Dienste erteilt. Herr M. L ö w e n s t e i 11, Zürich, referierte über die kürzlich stattgefundene Erez Jisroel-Tagung in Frankfurt ä. M. Dazu nahm das Wort Herr Josua Goldschmidt und J. Eis jun. Dann überbrachte der als Gast anwesende Herr Wald aus Klausenburg (Siebenbürgen) die Grüsse der Agudisten in Transsylvanien. Die Wiener Zentrale hat telegraphisch die dankbare Anerkennung für die Leistungen der schweizerischen Landesorganisation zum Ausdruck gebracht. Es wurden gewählt in das Präsidium des Landeskomitees .die Herren A. W. Rosenzweig, Josef Rothschild, M. Koschland, M. Weinstein (alle Zürich), N. Sternbruch (Basel-St. Gallen),• P. Botschko (Montreau) und Emanuel Herz (Luzern)^ In das Präsidium der schweizerischen Palästina-Zentrale wurden gewählt die Herren: Ch. J, Eis, Josua Goldschmidt, M. Weinstein (alle Zürich) und Josef Erlanger (Luzern). ׳Als! Sitz der Palästina-Zentrale wurde Zürich bestimmt. Ebenso als Sitz des Landeskomitees. Daraufhin referierte Herr Ch. J. Eis über den gegenwärtigen Streit bezüglich des jüdischen Gemeinde* gesetzes in Palästina und es wurde auf Antrag des Refe«׳ renten einstimmig eine Resolution angenommen, worin die schweizerische Aguda gegen den geplanten Gewissenzwang seitens des Waad Leumi p r o t estiert; darin wird der Wunsch und die Hoffnung ausgesprochen, dass die palästinensische Regierung sowie die Mandatarmacht den Statutenentwurf der Agudas Jisroel für die jüdischen Gemeinden genehmigen, damit das jüdische Volk im Heiligen Lande sich entwickle. Ferner wurde beschlossen, regelmässige Bulletins unentgeltlich an die Mitglieder der schweizerischen Aguda zu entsenden, zwecks genauerer Information über die Agudatätigkeit und hiezu eine technische und redaktionelle Kommission gewählt. Nachdem Herr Rosenzweig dem Vorsitzenden für die Leitung der Versammlung dankte, schloss Herr Rabb. Brom um 8 Uhr abends die Tagung. Die Lehrerbildung in Bayern bleibt von der Neuregelung in anderen Ländern völlig unberührt. Die Aus•* bildung zu Volksschul- und Religionslehrern erfolgt v/ie bisher unter Präparandie und Lehrerseminar. Das neue Schuljahr beginnt am 24. April (ר״חאייר). Aufnahme» erfolgen für sämtliche Klassen. 1. In die unterste (1. Präparandenklasse) können Schüler eintreten; welche 7 Volksschulklassen absolviert haben. II. Für die 4. Klasse (1. Seminarkurs) sind aufnahmeberechtigt Scliüler mit öklassiger Realschul- oder Gymnasialbildung. III Absolventen mit־ dem Reifezeugnis einer 9klassigen Anstalt können in die 6. .Seminarklasse (oberster Seminarkurs) eintreten. IV. Junge Leute mit gründlichem jüdisehen Wissen, deren Profanvorbildung nicht den Staatliehen Anforderungen entspricht, können im Seminar sich zu pädagogisch und profan qualifizierten Religionslehrern ohne staatliche . Volksschullehrerberechtigung ausbilden. V. Die jüdisch-wissenschaftlichen Lehrgänge des Seminars und des Fortbildungskurses (Jeschibakurse) stehen auch anderen Interessenten mit entsprechender Vorbildung offen, die sich eine Zeitlang ausschliesslich oder vorwiegend dem Thorastudium widmen wollen. Anfragen und Meldungen für die 3 Präparandenkurse nach Höchberg, für Seminar- und Jeschibakurse nach Wiirzburg.