Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 11 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Seite 54 JÜDISCHE PRESSE Chronik der Woche■ Der Mord an ostjüdischen Flüchtlingen in Trebitsch. Einige Individuen haben in der mährischen Kleinstadt Trebitsch, wo während und nach dem Kriege ein ost: jüdisches Flüchtlingslager bestand, ein Geständnis ab-, gelegt, dass sie vor Jahren sechs jüdische Kriegsflüchtfinge aus Galizien beraubt, ermordet und ihre Leichen vergraben haben. Bei den Ausgrabungen wurden bisher nur wenige Leichenteile gefunden, es liegen aber Beweise vor, dass Leichen von Ermordeten zerstückelt und in der Umgebung der Stadt als Fleisch verkauft worden sind. | Wien der Tagungsort des 14. Zionistenkongresses. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, wird der 14. Zionistenkongress in Wien abgehalten werden. j Jüdisches Siedlungsland an den Ufern des Schwär-; zen Meeres. Die Gesellschaft für jüdische Kolonisation in Russland entsandte am 10. Februar eine Sachverständigen-! kommission in verschiedene Gebiete der Sowjetunion, um; für die jüdische Landansiedlung passende Bodfenflächen zu ermitteln. Besondere Aufmerksamkeit soll dem Boden längs der Ufer des Schwarzen Meeres zugewendet werden; dieser Boden zählt zu den fruchtbarsten in ganz Russland. 1 Grosser Erfolg der ״Ort“־Kampagne in Amerika. Am 9. Februar abends fand im Hotel ״Baltimpre“ in New York ein grossartiges Bankett statt, durch welches die Kampagne des Verbandes für jüdisches Handwerk und jüdische Landwirtschaft ״Ort“ zugunsten der Schaffung eines Eine Million-Wiederaufbaufonds erfolgreich eingeleitet worden ist. ,% Landesversammlung der agudistischen Arbeiterorganisation in Palästina. Kürzlich fand hier eine Landesver- Sammlung der Poale Agudas Jisroel statt, . an welcher ausser der Jerusalemer Organisation acht Gruppen der palästinensischen Agudah-Arbeiter vertreten waren. Die« Beratungen nahmen vier Tage in Anspruch. Im Mittel-, punkt der Tagesordnung standen Organisationsfragen. Die Herren Liwasser, Herstein und Silberstein wurden in1 die Zentralleitung gewählt. Eine erweiterte \Leitung schliesst auch Mitglieder aus Tel Awiw, Hebron, Betach- Tikwah und Nachaliel ein. Die Gründung einer Gruppe in Haifa wurde beschlossen. Der Allweltlichen Palästinazentrale der Agudas Jisroel in Frankfurt wurde besonderer Dank für ihre starke Förderung der palästinensischen Poale Agudas Jisroel ausgesprochen. Grosser jüdischer Landerwerb. Die seit längerer Zeit sich hinziehenden Verhandlungen zwischen Dr. R u p p i n und den Erben des Sursuks von Haifa behufs Ankauf eines grossen Bodenareals in der Gegend von Haifa sind nurf zum Abschlüsse gekommen. Herr Dr. Ruppin hat den Kauf! von 80.000 Dunam Boden zwischen Haifa und Akko voll- ^,ogen. An dem Kauf sind beteiligt die amerikanische Ge- Seilschaft Zion Commonwealth, die Gesellschaft ״Meschek”, Berlin und die Danziger Tief- und Hochbau-Ge•• Seilschaft. ’ . ׳ Die Union der orthodoxen Rabbiner Amerikas für das Verbleiben Sir Herbert Samuels als Oberkommissär Palästinas. Die gegenwärtig in New York tagende Uniori der orthodoxen Rabbiner Amerikas sandte telegraphische Kundgebungen an die britische Regierung sowie an Sir Herbert Samuel, in welchen die > Bitte ausgesprochen wird, dass Sir Herbert Samuel sein Amt als Oberkommissär für Palästina für eine weitere Amtsperiode behalten möge. Ein Jude zum ersten Mal in Palästina wegen Mordes zum Tode verurteilt. Am 18. Februar sprach der Gerichtshof zu Jaffa das Urteil über den aus Lublin stammenden Juden Meir Joseph Hirschenhorn, der beschuldigt war, im November vorigen Jahres zu Tel-Awiw seine Frau ermordert zu haben. Das Motiv der Tat war Eifersucht. Hirschenhorn war im Jahre 1922 mit seiner erst 17 Jahrp alten Frau, die aus Ungarn stammt, nach Palästina gekommen. Die Ehe war eine;sehr unglückliche, da der Mann die Frau mit Eifersucht \verfolgte. Die Mordtat zeichnete sich durch eine besondere Brutalität aus, indem' der Mörder sein Opfer verstümmelte. Das Gericht verurteilte Hirschhorn zum Tode. Die Poale-Zionisten aus der Kiewer Unparteiischen- Konferenz fortgewiesen. Poale-zionistische Delegierte, die der sogenannten Unparteiischen-Konferenz jüdischer Studenteri ir. Kiew beiwohnen wollten, wurden aus dem! N gewiesen; die Konferenz, an der 300 Delegierte teilnahmen, nahm eine Resolution an,!.in der die Aus- Wanderung vpn Juden aus Russland missbilligt und die jüdischen Arbeiterorganisationen in Europa und Amerika? eingelader werden, Abordnungen nach Russland zu entsenden, um die wahre jüdische Lage in Russland kennen zu lernen. , Ein neuer Oberrabbiner für Bulgarien. Das jüdische Konsistorium Bulgariens tritt am 15. ^März zu seiner sechsten Plenarkonferenz zusammen. Hauptaufgabe dieser Konferenz wird es sein, einen Oberrabbiner für Bulgarien an Stelle des vor kurzem verstorbenen Obberrabbiners David Pipano zu wählen. Jüdische Feiertage gelten vor den bulgarischen Gerichten. Der Justizminister erlies ein Zirkularschreiben au die Gerichte, wonach an .׳den jüdischen Feiertagen keine Rechtsfälle, in denen Juden als Parteien, Zeugen oder Experten auftreten, zur Verhandlung gelangen sollen. Andachtsübungen im Eisenbahnwagen gestattet. Der Verkehrsminister erliess auf Intervention von Oberrabbiner Sejmdeputat Aron Lewin ein Zirkular an alle Bahndirektionen Polens, wonach Andachtsübungen in den Eisenbahnwagen erlaubt sind. In der fetzten Zeit wurden wieder Juden in den Eisenbahnwagen durch Eisenbahnbe&mte ir. ihren Andächtsübungen gestört. Die Ansiedlung der neuen jüdischen Kolonisten in Russland. Mitte Februar .wurde mit der Ueberführung der jüdischen Kolonistenfamilien nach den ihnen zur Verfügung gestellten Ländereien begonnen. 2342 Seelen, in 15 Dorfköllektiven organisiert, wurden aus dem Gouvernement Kiew nach dem Gouvernement. Cherson gebracht; ebenso weitere 59 Familien, die auf individuellen Farms arbeitet werden. ׳ Beilegung des Streiks in der Haifaer Oelindustrie. Der Streik in der Oelfabrik ״Schemen“ zu Haifa ist beigelegt, die Fabrik arbeitet weiter. Man erwartet, dass, dieser Tage auch der Lohnstreik! in der Zementfabrik ״Nescher“ zu Tel-Awiw beigelegt sein wird. Die türkische Regierung und das Grossrabbinat. Das Grossrabbinat der Türkei beauftragt die Jüdische Telegraphen-Agentur, alle Gerüchte von einer angeblich bevorstehenden Aufhebung des Grossrabbinats durch die fürkische Regierung zu dementieren. J00000@®0 TS CHEC H O-S L OW AKEL Orthodoxe Tagung in Bratislava. ׳ Wir bringen in unserer nächsten Nummer einen ausführlichen Bericht über die am 30. Schwat und 1. Adar in Bratislava stattgefundenen Tagungen der verschiedenen Instanzen der orthodoxen Landesorganisation. Dank dem Entgegenkommen des Präses der Landeskanz•* lei sind wir heute schon in der Lage, seinen Tätigkeitsbericht aus seinem Manuskript im{ 1 Wortlaut zu veröffentlichen. Bericht erstattet vor der Delegiertenversammlung der orth. isrj Gemeinden in der Slowakei am 1. Adar 5685 (25. Februar 1925) vom Präses Oberrabbi.ner Koloman Webe r. Geehrte Landesrepräsentanz! Ungemein wichtige, in das Innenleben.. unserer קהלות קדושות tief einschneidende Fragen, seit dem Bestände der Orthodoxie nach Regelung ringende, in jüngster Zeit wiederholt Gegenstand öffentlicher Diskussion bildende Probleme haben die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung der orthodoxen Landesrepräsentanz: notwendig gemacht. Die empfindliche Belastung dei^ Kultusgeraeinden, mit der ein Teil der auf die Tages- Ordnung der heutigen Sitzung gesetzten Gegenstände ver-< bunden wäre, hat es im Sinne eines in der letzten ,Sitzung? geäusserten Wunsches als geboten erscheinen lassen, die einzelnen Gemeinden einzuladen, sich in der heutigen Sitzung, in der über eine ihre finanzielle Tragfähigkeit stark berührende Frage die Entscheidung fallen soll, durch Entsendung eines Bevollmächtigten vertreten zu lassen. ־; Geehrte Landesrepräsenta'nz! Geehrte!Gemeiriäe-Bevollmächtigten! Es gehört zu den unleugbar vorhandenen unerfreulichen Erscheinungen unseres konfessionlllen Lebens, dass bei der Gründung der orthodoxen Gemeinde- Organisation viele Fragen materiellen wie religiösen Charakters offengelassen wurden, zu deren entsprechenden Lösung aber bis heute ein erfolgversprechender Versuch noch nicht gemacht werden konnte. Die גאונים וצדיקים הרבנים הגדולים והבע״ב היראים אשר מנוחתם כבוד die mit seltenem מסירת נפש > mit unübertrefflichem Pflicht-* eifer und übermenschlicher Opferwilligkeit durch einenl entschlossenen operativen Eingriff in das alte jüdische Gemeindeleben die rettende Tat, die Schaffung der orthodoxen Organisation, volibn^ten, konnten natürlich nicht gleich beim Inslebenrufen derselben, als . enorme Schwierigkeiten zu überwinden waren, als der heftigste Kampf geführt werden musste, alle jene Voraussetzungen schaffen, die die zweckentsprechenden Auswirkungen der orthodoxen Organisation zu sichern vermocht hätten. Das Fehlen dieser Voraussetzungen hat sich aber im! Laufe von Jahrzehnten geradezu zu einer drohenden Gefahr für den ganzen Bestand der Orthodoxie חדש herausgewachsen. Das grosse Gebäude der orthodoxen Organisation ist von unseren Altvordern aufgeführt worden, aber so manche notwendigen Einrichtungen sind unfertig geblieben oder überhaupt nicht in Angriff genommen worden. Unsere frommen Vorfahren haben uns in einer Zeit der religiösen Not die Möglichkeit gegeben, הקלות קלושות ׳ jüdische Gemeinden, zum Schutze der kostbarsten Güter: von תורה und אמונה auf Basis des Schulchan-Aruch,. auf Grundlage der strengsten Orthodoxie, zu bilden. Aber es fehlt die Garantie, dass diese Gemeinden; diese ק ה ל ו ת ו1^קדושות לדורות עד ביאת גואל צדק streng orthodox biei.־• b,en würden. Wir haben keine Bürgschaft, dass nicht eine beliebige antiorthodoxe Strömung den Jessod und; die Pfeiler der' unverfälschten Orthodoxie unterwaschen würde.; Keine Gemeinde hat״ jenen kräftig schützenden Damm,׳ an dem sich die Wogen und Brandungen einer solchen Strömung brechen müssten. Keine קהלה im Lande, von ein•* zelnen Ausnahmen abgesehen, hat eine solche Verfassung, solche תקנות הקהלה und Satzungen, die für die Dauer Sicherheit und Gewähr bieten, dass die jüdische Kehillo auch das bleiben wird, was1 sie eigentlich sein muss, nämlich eine Stätte für תורה ויראת שמים/ eine Stätte für die Pflege echtjüdischen Geistes und für die Erziehung einer Generation, die die Kehillo in hingebungsvoller Traditions-1 KAFFEE- ZUSATZ laut Attest Sr. Ehrwurden des Herrn Oberrabbiners Simon Schreiber aus Erlaii verlässlich נשר auch heuer wieder in garantiert reiner und Qualität zu haben bei : HelnM Franck Söhne in Kosice : ■ Diese Fabrik steht unter Oberaufsicht l d. Herrn Ot)>'rrabbin<־rs ^imou Schreiber . und unter st!lnd1{j״r Kontrolle eines von \ Sr. fclnrw'udon ernannten f »onimen jüdis׳h>n Aufsehern, so dass ihre sämtlichen : Erzeugnisse ve1liU׳*lich koscher sind und * also von jedem Glaubensgenossen ruhig das ganze Jahr hindurch gebraucht werden können. I Beachten Sie beim Eink!uf ja recht genau die Schutzmarke: KAFFEEMÜHLE i und Unterschrift: : Heinrich F R A N C K Söhne i wenn Sie die : verlässlich aechfte i Qualität bekommen wollen! treue erhalten soll. Im Gegenteil, wie die Dinge heute liegen, kann es sehr leicht geschehen, dass durch die geschickte Handhabung einer gewissen Wahltechnik die Führung und Leitung einer orthodoxen Gemeinde in die Hände solcher' Elemente gelangt, denen die selbständige Orthodoxie, gelinde gesagt, nicht das höchste Ideal bedeutet, denen die Erhaltung der Gemeinde und ihrer Institutionen im altbewährten ^־Geist nicht als oberstes und einziges Ziel vor Augen schwebt. Was dies aber bedeuten will in einer Zeit, da die fremdartigsten Bewegungen an die Oberfläche sich drängen, da die heterogensten Be- Strebungen durch 'die Kultusgemeinde ihre Verwirklichung finden möchten, braucht nicht erst näher auseinandergesetzt zu werden. Wir hier an zentraler Stelle, als die. verantwortlichen Leiter der konfessionellen Angelegenheiten der orthodoxen Organisation, fühlen die Unhaltbarkeit dieser für die Zukunft keine Sicherheit bietenden Situation am schwersten, fühlen den Mangel an Garantien’ für . eine gesunde Entwicklung in aufbauender Richtung1 (ind das Nichtvorhandensein von entsprechenden Abwehrmittein gegen zerstörende Bestrebungen als die' einzige' Ursache der von Tag zu Tag sich häufenden מחלוקות.. Zwistigkeiten und als die einzige Quelle des in fast alten: קהלות sich breitmachenden verheerenden Geistes; der den Keim, der Auflösung in sich birgt. . In materieller Hinsicht wieder ist der vollständig ungeregelte. Zustand der. Pensionsversicherung und Altersver1sorgung der Kultusangestellten eine immer und allseits empfundene Lücke, die auszufüllen eine der dringendsten, und unaufschiebbarsten Angelegenheiten unserer Beratung.׳ bilden soll und die den eigentlichen Anlass zu der heutigen .Sitzung gegeben hat. In einer Zeit und. in einem Lande,, wo die mögliche Milderung der sozialen Ungleich- ’ heiten das Grundprinzip und das höchste Axiom der Staat־ ־‘ liehen gesetzgebenden Faktoren bildet, wo die rigorosesten Bestimmungen für die Versorgung der idurch'*' Alter arbeitsunfähig gewordenen Angestellten in Geltung stehen, wo auf der;ganzen Linie vom höchsten Staatsbeamten bis zum letzten Privatange-: stellten eine den zurückgelegten Dienstjahren angemessene Pension verpflichtend eingeführt ist, ist es eine Forderung des Prestiges, des Ansehens, ja geradezu der Würde unserer Kultusgemeinden, dass diese bisher offen gebliebene Frage in obligatorischer Weise geregelt wird. Wir haben diese, sowohl für die Gemeinden wie für; die Angestellten ausserordentlich wichtige Frage noch gleich damals, als wir auf diesen verantwortungsvollen Posten gestellt. wurden, in ihrer ganzen unermesslichen Tragweite erkannt. Diese Erkenntnis hat sich im Laufe der Jahre noch vertieft- Wir haben diese Frage nie aus den Augen verloren und waren bestrebt, durch die Erschliessung einer entsprechenden Einnahmsquelle für einen Fonds die Gründung eines Pensionsinstitutes in die Wege zu leiten. Zirka eia viertel Millionen Kronen ist bisnun das Ergebnis dieser Ein,־ nahmen. Dieser Betrag ist unberührt bei einer Bank depo-, niert. Allein das Institut ist nicht zustandegekommeu. Es konnte nicht Zustandekommen, es musste scheitern einerseits an den unerfüllbaren Forderungen der An gestellten, die mit Berufung auf den יושר, auf die Humanität,