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Jüdische Presse · 1925-02-06 · 6 (6.2.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
6 (6.2.1925)
Date
1925-02-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 34 JÜDISCHE PRESSE. Nr. 6 Bettfedern Prima Daunen u.Sohlehsfedern SALOMON ASCHKENAZY “Ion, II.« Obers Donaustrasse 87 Telephon 46-3-81. antwortung es noch einmal wagen, in grösserer Menge das von G־tt uns als ewiges Erbgut zugesprochene Land zu besiedeln, so dürfen wir keinen Augenblick daran vergessen, dass, so oft unsere Väter geirrt haben, dieser Irrtum den Verlust der jüdischen Heimat zur Folge hatte. Wir nehmen unsere Thora, das Dokument unseres vergangenen jüdischen Lebens, zur neuen Erez Jisroel-Arbeit mit, damit wir die Freiheit unseres von der Lehre vorgezeichneten Weges erkennen und die furchtbaren Gefahren des Abweges in unbarmherziger, geschichtlicher Klarheit vor uns sehen. Die Väter sind mit uns: in ihrer unerreichbaren Grösse und in ihrer menschlichen Kleinheit, die Grosstaten ihres Lebens als Vorbild und die Schwäche so mancher ihrer Entschliessungen als warnendes Beispiel. Zwei Grundentscheidungen über die A r t der Kolonisationsarbeit wird die Frankfurter Tagung zu treffen haben: Die eine behandelt die Frage des Systems: ob die Aguda direkt oder indirekt philanthropisch, jedenfalls aber mit Hilfe eines Beamtenapparates kolonisieren soll oder aber für rein wirtschaftliche Zwecke sich wirtschaftlicher Methoden und wirtschaftlicher Gesellschaften bedienen wird. Es ist zu erwarten, dass die Frankfurter Tagung angesichts der Erfahrungen, die andere Organisationen •in dieser Beziehung gemacht haben, sich in aller Klarheit auf den Standpunkt stellen dürfte, dass die Agudas Jisroel als solche, wie jede Parteiorganisation, nicht geeignet ist, Wirtschaftlieh zu arbeiten, dass dies nur Aufgabe von grossen, finanziell gesicherten und ausschliesslich nach ökonomischen Gesichtspunkten arbeitenden Erwerbsgesellschäften sein kann. Die grösste Aufgabe der Frankfurter Konferenz wird daher sein, die Vorbereitungsarbeiten zur Gründung einer solchen allgemeinen K 010 ri i s a t i 0 n s g e s e 11 s c 11 a f t der ges'etzes׳treuen־ Juden zum Abschluss zu bringen. Diese r ei n wi r t sch af 11 i che Institut i 0 n wird auf Grund fachmännischer Vorarbeiten gesetzestreue Juden, die nach Erez Jisroel zu übersiedeln beabsichtigen, in allen wirtschaftlichen Fragen beraten und Projekte auf ihre Durchführbarkeit und finanziellen Mittel hin überprüfen. Sie wird Boden in Erez Jisroel kaufen und ihn in Europa und Amerika durch ihre Landesvertretungen an die zur Üeber- Siedlung Entschlossenen abgeben. Ohne eigene Mittel vorerst in grösserem Masse zu immobilisieren, wird sie bei der Liquidation der im Golus verbleibenden Vermögenswerte als K 0 mm i s s i 0 n ä r behilflich sein und die Kolonisation regulieren. Nach Massgabe der Absatzverhältnisse wird die Kolonisationsgesellschaft der gesetzestreuen Juden Menschen ins Land rufen, landwirtschaftliche, handwerkliche und industrielle Betriebe eröffnen oder ihre Gründung veranlassen. All dies unbureäukratisch, nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten, ohne jede hastende Üebereilung und ohne jedes Schielen nach der propagandistischen Verwertbarkeit. Nur ein ׳ Erwerbsunternehmen ist imstande, die gesetzestreue Kolonisation wirtschaftlich auf eine derart gesunde Basis zu stellen, dass sie nicht wieder sich zu einem mehr oder weniger verhüllten Wohltätigkeitswerk umbildet. Jeder Siedler soll mit dem Rat und der wirtschaftlichen Rückendeckung der gesetzestreuen Kolonisationsgesellschaft arbeiten, aber immer wird nur er allein die Sorge für seine Existenz zu tragen lind seine wirtschaftlichen Handlungen vor sich selbst zu verantworten haben. Deshalb ist es. notwendig, dass die Kölonisationsgesellschaft nicht von mehr oder minder p 01 i t i.s c h interessierten Beamten, sondern von Kaufleuten geführt wird, die zwar ge- . mäss den Bestimmungen und im Rahmen des Thaurogesetzes arbeiten, aber alle Entschliessungen nach ihrer rein wirtschaftlichen Berechtigung sorgfältig überprüfen. Die zweite, damit innig zusammenhängende Grundentscheidung, die, in Frankfurt zu fällen sein wird, ist die Beantwortung der Frage, ob möglichste Zurückhaltung und Zuverlässigkeit bei der gesetzestreuen Kolonisation sa r b e i t geboten ist, ob — wie es leider oft geschah — propagandistische Wünsche das rein sachliche Moment in den Hintergrund drängen dürfen. In der Erkenntnis des Fehlers liegt der Wille und die Stärke zu seiner Behebung und daher wird festgestellt werden müssen, dass so manche Aktion der letzten Jahre leider mit allzu grossem propagandistischen Elan aufgemacht worden ist, um dann, ohne jemals rechten Widerhall gefunden zu haben, in Vergessenheit zu geraten. Nicht der Propaganda, sondern der ernsten, fast nüchternen Arbeit wird die Frankfurter Tagung gewidmet sein müssen, wenn sie im Bewusstsein ihrer geschichtlichen Aufgabe dem elementaren Aufbauwillen im Volke gerecht werden soll. Denn die gesetzestreuen Schichten im jüdischen Volke, die ungestüm den Anbeginn eines grosszügig durchgeführten Jischuw Erez Jisroel verlangen, wollen nicht Wohltätigkeit, sondern Wirtschaftlichkeit, nicht nur politische Ueberlegung, sondern auch kaufmännische Kalkulation, nicht propagandistische Gründungen, sondern seriöse, ernstzunehmende Arbeit. Es handelt sich hier nicht mehr um die wirtschaftliche Erez Jisroel-Arbeit der Aguda, es geht letzten Endes um die Zusammenfassung der in seltsamer Gärung befindlichen, politisch noch nicht organisierten gesetzestreuen Volksschichten. Sie sind es, die beim Aufbau Erez Jisroels das letzte Wort, das entscheidende Wort zu sprechen haben werden. 4* Programm der Frankfurter Tagung der Palästina-Zentralen der Agudas Jisroel: 1. Tätigkeitsbericht der Palästina-Zentralen seit der Krakauer Zentralratssitzung. 2. Das Aufbauprogramm der A. J. in Erez Jisroel. 3. Emigration, Ausbildung der Aulim in Erez Jisroel und der Diaspora. 4. Die kulturellen und die religiösen Aufgaben der A. J. und deren Sicherung durch den Keren Erez Jisroel. 5. Arbeitsgemeinschaft mit den Kollalim. 6. Schaffung der finanziellen Grundlagen fiir die Aufbautätigkeit der A. J. 7. Wirtschaftsdelegation der Palästina-Zentrale nach Erez Jisroel. Eine Sehenswürdigkeit Vf iens ist das neueröffnete -Restaurant GELHOF כשר כשר Wien, SB., Praterstrasse 49 Vorzügliche streng rituelle Küche. Elegant eingerichtete Lokalitäten. Bürgerliche Preise! Vornehmste Bedienung! Feinste warme a. kalte SelohwareD n. Flelsoh ■ur aus der renommierten כשף Selch- Warenfabrik und Fleischbank iel Fischer Separate Abteilung für Strassenverkauf. Erstklassige Getränke! aus der Genoasenschaftsbrauerei Pilsen zum Einführuugapreise von nur K 6000 pro 7aUter kleiden,;Hungrige zu speisen, Frierende zu wärmen, Arme und Verarmte zu unterstützen, sondern ein grosszügig wirkenderer Frauenverein musste Existenzen schaffen, durch Arbeitsmöglichkeiten und Erwerbsmöglichkeiten und, wenn es schon nicht gelingt,'Armut zu bannen, so musste es gelingen, Verarnutng und Verelendung durch neue Methoden abzuhalteii und fernznhalten. — Nach dieser Richtung musste sich die Tätigkeit Ihres Vereines entfalten! Unsere. Reichen sind dichter und mächtiger geworden und unsere Orthodoxie musste bei richtiger Orgaiiisation Arbeit und Erwerb schaffen für manche jüdische Frauenhand, die viel lieber arbeiten wie betteln mochte. Die soziale Fürsorge ist die dauerndste Wohltätigkeit und trägt Zinsen, von denen ganze Familien erhalten werden können. Die primärste, aber auch die primitivste Wohltätigkeit scheint nur Almosen zu geben, ebenso wichtig und bedeutsam scheint mir die Pflege jüdischer Geistigkeit, die ,Verbreitung jüdischer Literatur. Die bewusste Jüdin muss auch eine wissende Jüdin sein! Die jüdische Erziehung von Mädchen und Frauen muss von dem Einfluss des jüdischen Frauenvereines getragen sein! jlm' nahen Osten haben beherzte Frauen eine Reihe von jüdischen Mädchenschulen gegründet und was dort unter schwierigeren Verhältnissen möglich ist, muss auch hier gelingen! Die schönste und heiligste Aufgabe der jüdischen Frau besteht darin, dass sie das Licht entzündet und entfacht und dazu gehört auch meines Erachtens das Licht des Wissens. Die schönste Bezeichnung für die jüdische Frau heisst e s c h e s c h a j i 1, die mutige Frau. Machen Sie sich dieses Ehrentitels würdig und kämpfen Sie für unsere Mädchenschule; dann arbeiten Sie nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft, fiir Nachwuchs und Ertüchtigung des Beth Jakauw, denn das eine lehrt uns die Geschichte, zeigt uns die Gegenwart, dass die jüdischen Frauen gleichsam die Karitiden sind, die das Judentum tragen und erhalten. Der Talmud sagt: Wer ist reich, der eine Frau hat, die ihre Taten zieren! So darf sich pnsere Gemeinde als reich bezeichnen, denn Gott sei Dank, wir haben solche Frauen, die unserer Gemeinde schönste Zierde sind! Nur wenn du mit mir gehst, spricht Barak zur Heldin Deborah, trete ich meine Sendung an und hoffe sie glücklich zu lösen, ohne dich sind alle meine Bemühungen 'vergebens. So ist es auch der Adass Jisroel bewusst, dass diese Gemeinde nur alle Aufgaben lösen kann, wenn die Frauenhilfe der Adass Jisroel mitwirkt. Möge ihr Verein weiter wachsen, blühen und gedeihen . und diese Perle ihrer Schöpfung glänzen im kostbaren Diadem jüdischer Institutionen unserer Gemeinde! Neu eröffnetI Neu eröffnet! Siegmund Steuers כשר Selchwaren- und Delikatessengeschäft Wien, 1. Bezirk, Adlergasse 8 *W8 Die Selchwaren werden aus den Fabriken bezogen, die unter Aufsicht der Adass Jisroel (Schiff-Schul) stehen. Das Wiener Palästinaamt ruft die Polizei. Der Gerbermeister Tiger ist seit neun Monaten in Wien und beim Zionistischen Palästinaamt für die Erlangung einer Einreiseerlaubnis registriert. Bekanntlich haben die Zionisten als ״Vertreter des jüdischen Volkes“1 die Regulierung der Visaerteilung an sich gerissen und darum erscheint es nicht verwunderlich, wenn diese das von der englischen Regierung eroberte Vertrauen zu Parteizwecken gröblichst missbrauchen. Sie haben die Devise: ״Palästina den Zionisten!“ Und darum wollen sie es nicht Menschen ausliefern, die nicht nur in ihrer ganzen Lebensauffassung, sondern auch in ihrem Aeussern jüdische Tradition wahren. Sie sehen (viel lieber unser Heiliges Land als den Tummelplatz g־ttloser Elemente, denen nichts heilig ist. Erscheint ־jemand im Palästinaamt und verrät durch Bart und Peoth sein Jüdisches Parzut, so wird er sofort als Jude letzter Sorte klassifiziert. Haben diese obendrein erschnüffelt, dass dieser kein Parteibonze sei, so hat er gänzlich verloren. Der Gerbermeister Tiger, ein bekannt ruhiger und braver junger Mann, mit den besten Zeugnissen ausgestattet, ist Agudist, trägt Bart und Peoth und will trotzdem nach Erez Jisroel. Seine heisse Sehnsucht nach unserer Väter Land Hess ihn nicht ruhen. Er verliess bereits vor dreiviertel Jahren Polen, weil man ihm sagte, er würde im Wiener Palästinaamt leichter ein Visum bekommen, weil ״selbst die Zionisten in der Kulturstadt Wien keine solche Reschoim sein können“. Man muss gestehen, dass die Zionisten es sehr schwer haben: solange keine praktischen Einwanderungsmöglichkeiten waren, schrien sie, die Agudisten wollen Erez Jisroel nicht. Und man widerlegte es ihnen nicht, weil man besseres zu tun hatte. Heute sehen sie, wie die Agudisten in (jedem kleinsten Städtchen Polens mehr an Begeisterung ifür Zion aufbringen als sie in einem grossen Reiche, unterstützt durch grossangelegte Kampagnen und angebliche Ministerkonferenzen. Die Gefahr ist wirklich!gross. Das Häuflein! Zionisten könnte an der heliaufiodernden Flamme agudistischer Begeisterung und Liebe zu unserem Lande versengen. Ja, noch weit, mehr! Erez Jisroel könnte anstatt ein Bolschewikennest ein Land werden, dessen zarte Luft vom Ewigkeitsahnen des Bibelvolkes vibriert. Wir haben es schon oft erwähnt; wollten die Zionisten ehrlich Zion, so würden sie die ungeheure Kraft, die die Agudisten auf Palästina einstellen, entsprechend zu werten wissen. Doch sie wollen das alles gar nicht und gerade das kann den naive Gerbermeister Tiger nicht einsehen. Was Wunden wenn der durch sein eigenes Schicksal und das seiner Zehntausende zählenden Leidensgenossen, wie ein Tiger gereizte Mensch die Herren im Palästinaamt aus ihren stoischen, scheinbar auch von der englischen Regierung garantierten Ruhe aufschreckt? Wen wundert es, wenn diese Herren einen Polizeimann rufen, um den unangenehmen Parteigegner, der nach Palästina will, wiewohl er. Bart und Peoth trägt, hinter Schloss und Riegel zu setzen? Der Gerber Tiger ist nicht das erste Opfer zionistischer Parteilichkeit. In Wien müssen jetzt etwa dreissig Mann daran glauben und in Polen sind es Zehntausende, Ein neuer Typ des Ahasver. In Europa kann er nicht mehr bleiben, weil ihm die Sehnsucht nach der heiligen Erde? verzehrt. Nach Zion kann er nicht, weil er mit unbändigeiü Macht an seiner Väter Glauben hängt. Ist das der erste* Akt des grossen Dramas ״in Goles bei Jiden“, oder gibt es, wenn der Held einen Ausweg nach Palästinas heiligen Pforten gefunden hat, noch eine Fortsetzung?... A s t r o. * Anmerkung der Redaktion. Wir haben von der uns gemachten Mitteilung, von dem Verhalten des Wiener Palästinaamtes der Oeffentlichkeit Kenntnis gegeben, weil die Zustände dort an einem! Punkt ängelangt sind, die ein gebieterisches Einschreiten der zuständigen Behörden fordern. Die Palästinazentrale der Agudas Jisroel ist im Besitz einer solchen Fülle eidesstattlicher Erklärungen armer agudistischer Chaluzim, die deutlich zeigen, dass der Einsender mit Recht diel Oeffentlichkeit anruft. Eine Delegation agudistischer Chaluzim hat beispielsweise der Palästinazentrale mitgeteilt, dass während neun Monaten vom Wiener Palästinaamt 250 Zertifikate zur Reise nach Palästina ausgegeben worden sind. 80 orthodoxe qualifizierte Arbeiter haben! sich beworben und nicht ein einziger von ihneq hat durch das Palästinaamt ein Zertifikat erhalten. Eiq anderer Agudist hat auf der hiesigen Redaktion ausdrücklieh erklärt, dass man ihn nach seiner Parteizugehörigkeil) gefragt hätte. In einem erschütternden Brief schreibt ein! dritter, dass er vor der ärztlichen Untersuchung sich das! Arba Kanfos ausgezogen hätte, um nichl als frommer Jehudi erkannt zu werden. Wir geben der bestimmten Erwartung Ausdruck; dass die Palästinazentrale der Agudas Jisroel sich endlich' zu einer energischen Tat gegen diese schreienden Miss* stände auf raffen und kein Mittel scheuen wird, um diese ein Ende zu bereiten. ־־" 729454

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