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Jüdische Presse · 1925-02-06 · 6 (6.2.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
6 (6.2.1925)
Date
1925-02-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. ־Ünivo*־sit 3>, F ra^z £ ts*bibliothok ousritig, ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration! Wien, II.,Leopoldsgasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tscheche-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich K 120.000, Tschecho-Slowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. K 3000, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen f&r Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparknssenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkas9enamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217: f.Rumünien: Banca Marmarosch Blanc 8c Co für Florenz &Co, Bukarest; für die Schweiz! Postacheckk. Luzern VII. 1470. Na*. 6 Wien-Bratislava, 6. Februar 1925;«ב״ה ויענה־־סועססבורג י״ב שבט תרפ״ה 11■ Jahrg. Unser Organisationsproblem. •;{ Y Eine orthodoxe Organisation hat es nicht leicht. Abgesehen davon, dass demagogische, autoritätsfeindliche Kreise sie von aussen her skrupellos bekämpfen, sind auch im Inneren manche Schwierigkeiten zu überwinden. Nur ernste psychologische Betrachtungsweise lässt dies erklären. Der Jude im allgemeinen ist bei seiner starken Erfassung des Lebens gross in der Bewertung der Gegenwart und des Augenblicks. Ihm gerecht zu werden, ist sein Bestreben, weil nur in dieser Gerechtigkeit eine Garantie für eine segensreiche Gestaltung der Zukunft geborgen ist. Aus dieser enormen Hingäbe an die Gegenwart ist die in vielen Epochen der jüdischen Geschichte zutage tretende Ausserachtlassung der Vergangenheit zum Teil zu verstehen, wenn auch niemals zu rechtfertigen. Die Entgleisungen des ״geistesklaren Geschlechtes“ (dor deah) der Wüste, die schon zwischen Schilfsee und Sinai einsetzten, sind vielleicht auf diesen Wesensgrundzug zurückzuführen. Nun ist aber der glaubenstreue, orthodoxe Jude im Augenblick das Objekt heftigster Bedrückung und Verfolgung. Wie jedes jüdische Unglück, ist auch dieses von Juden verursacht; das gilt ebensowohl für die entsetzliche Lage der religiösen Kreise'in Sowjet-Russland, wie für die von zionistischer Seite projektierte ,Inszenierung einer Religions- Verfolgung in Palästina, die sich im Munde eines zionistischen - Führers bis zu . steigerte,, dass man: all denen das zionistische Joch beugen, unter Umständen sogar die Aufnahme in den Bund Abrahams (milah) unmöglieh machen würde. Es sieht deshalb jeder nicht ganz aufrechte Orthodoxe in dem anderen Orthodoxen einen gleich ihm Bedrückten, einen gleich ihm Hilflosen, gleich ihm auf die Hilfe anderer Angewiesenen, Es fehlt der Gueusenstolz. (In dem Kampf der Niederländer gegen die Spanier hatten sich die ihrer Güter und ihrer Existenz beraubten Freiheitsfreunde gneux (Bettler) genannt und trugen das Bewusstsein dieser Gemeinsamkeit des Schicksals stolz zur Schau. Der Sieg war bei den Gneux.) So entstand die merkwürdige Erscheinung, dass man beispielsweise im Osten jahrzehntelang, die Führung der jüdischen Dinge auch auf Seite der Orthodoxie solchen Mensehen anvertraut, in denen man die weniger Bedrückteren, die aufrechteren Menschen erblickte. Man vergass dabei, dass die mit solchem Vertrauen Begabten eigentlich die Bedrücker waren. So und nur so ist es heute noch zu erklären, dass heute noch im Westen ein grosser Teil der Orthodoxen sich gegenseitig nicht die Achtung eiitgegenbringt, welche Grundlage organisatorischer Zusammenarbeit sein müsste. Der alte Fluch aus den Zeiten der Schüler des R. Akiba wiederholt sich. Talmide chachonim einom nochagim kovaud seh boseh. Aus der Achdus- Psychologie geboren, kennt man gegen seinesgleichen nur Kritik und erstirbt in Ehrfurcht gegen diejenigen, die, nachdem sie kühn die Bindungen des •Religionsgesetzes ganz oder teilweise abgeworfen haben, irgend eine höhere Sprosse aut der Stufenleiter sozialer Geltung erklommen haben. Es fällt ausserhalb des Rahmens dieser Darstellung, untersuchen zu wollen, ob nicht auch seitens der Führer hier manche Schuld vorhanden ist. Man muss nur klar erkennen, was speziell in demokratischer Zeit vonnöten wäre an innerer Gliederung einer orthodoxen Organisation, um uns gegenseitig die Achtung zu geben und zu be-• weisen, die eine bare Selbstverständlichkeit seift sollte. Es gehört nur etwas Selbstbestimmung, etwas Selbstachtung, etwas guter Wille dazu. Zur Erez Jisroel'Konferenz der Agudas Jisroel Eine Arbeitstagung; In Frankfurt am Main werden sich am 21. Schw.at die Leiter und Delegierten der agudistisehen Palästina-Zentralen zu einer Tagung zusarnmenfinden, deren geschichtliche Verantwortung nicht schwer genug gewertet werden kann. Die Konferenz sieht sich vor die neuartige Aufgabe gestellt, die wirtschaftliche Organisation und Regulierung der Palästina-Wanderung gesetzestreuer Juden in grösserem Umfange in -Angriff zu nehmen. Line gesund.e:• wirtschaftliche Kolonisationsbasis ist ,eine der wesentlichsten Voraussetzungen für erfolgreiches Arbeiten auf politischem und kulturellem Gebiete. Wenn in den letzten Monaten gesetzestreue Juden in zunehmenden! Masse in Erez Jisroel einwandern, wenn eine vieltausendköpfige Menge, vor allem im , Osten, ungeduldig auf den Tag der Heimkehr in das Land ihrer Väter wartet, hat eine grosse Organisation wie Agudas Jisroel die historische Pflicht, für die geordnete, planmässige Regelung der Liquidations- und Kolonisätionsarbeit zu sorgen. Ohne ihre sonstigen Arbeitspflichten auf änderen Gebieten zu vernachlässigen, ' wird sie am Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte in Erez Jisroel teilnehmen, allerdings einer jüdischen Heimstätte, wie sie uns die Thauro, die Tradition anbefiehlt, einer Heimstätte, die also niemals nach den Moden des europäischen Zeitgeistes gestaltet sein kann. Gewiss, gesetzestreue Juden werden Boden kaufen, Häuser bauen, industrielle und landwirtschaftliche Siedlungen errichten wie andere Juden, auch. Aber für uns sind' dies nur die wirtschaftlichen Mittel für das jüdisehe Leben, das allein im Gebiete des überlieferten Sinnens und Fiihlens liegt, in einem gesetzestreuen un<l g ejs e.t z e>s i1־ e u.dTg.p-n, Leben,;4das,^so.-G-tt will, in Erez Jisroel in den Siedlungen gläubiger Juden sich ungehindert entfalten wird. Wir werdender dringenden Notwendigkeit nach einer straffen, Organisierung unserer wirtschaftlichen Aufbauarbeit gerecht werden, wir werden aber niemals vergessen, dass alle politische und wirtschaftliche Arbeit von Juden in Erez Jisroel nur dann einen geschiehtliehen Sinn empfängt, wenn sie sich einordnet in die grosse Linie j ii d i s c 11 e n Geschehens, Tuns und Erlebens, das in Erez Jisroel begann, als unser Vater Awrohöm um eine klare G־tteserkenntnis rang , und das in Erez Jisroel sein tragisches Ende erreichte, als das Volk aufhörte, der Lehre gehorsam zu sein. Wenn wir jetzt im hellen Bewusstsein unserer Ver- Die Frauenhilfe der Adass Jisroel. Zur Generalversammlung. Von O^kar Neural h. Die Liebe des Mannes ist die Welt, die Welt der Frau ist die Liebe. — Wie gerne flüchte ich aus dieser Welt des Hastens und Jagens in dieses Reich der Frau, in diese Wölt der Nächstenliebe; in dieses ihr mikloth, das hilfsbereite Fraueiihände aufgebaut־ haben in dieser liebearmen Grosstadt, die so viel Kummer und Jammer beherbergt, trotz aller Wohnungsnot. — Ich habe zwar nur die Ehre Ihrem Vereine als Revisor anzugehören, doch es sei mir gestattet, nicht zum offiziellen Rechenschaftsbericht Stellung zu nehmen, sondern vor allem Rechenschaft für!Sie selbst zu fordern, wie weit Sie die Aufgaben eines jüdischen Frauenvereines erfüllt haben, die Ziele zu revidieren, die Sie sich, getreu Ihrem Programm, stecken müssen. ־ Ich darf Ihrem Vereine das unfreiwillige Komplimeiit machen, dass dre Frauenhilfe der Adass Jisro'el der jüngste Frauenverein unserer Stadt ist und es mag dem Aussenstehenden auffallend erscheinen, dass diese Institution der Wiener Orthodoxie so jungen Datums ist, trotzdem Gemiloth Chassodim doch immer hochgehalten wurde! Wir Eingeweihten wissen, dass unsere Frauen auch in dunkler Vergangenheit eine helle Vergangenheit hatten und mit Stolz dürfen wir auf unsere Mütter hinweisen, die ihre Pflichten der Nächstenliebe erfüllten, ohne Verein, aber vereint im edlen Wettstreit zu helfen, zu nützen und zu stützen! Es gab keine Enterbten des Glückes, denn es war der Stolz jeder Frau und jeder Hausfrau im eigenen Wirkungskreis jeden Hungrigen zu Sättigen! Wir konnten behaupten, an keiner Türe vergebens gepocht zu haben! Kol dichwin jeasse wejichaul, das war das Losungswort für das ganze Jahr! —■ Erst die Not der Zeit und die Zeit der Not der Nachkriegsjahre, da unsere Stadt, wie in der dieswöchentlichen Sidrah, auch den Namen ״Marah“ tragen durfte, da Elend und Kummer zu gigantischer Höhe wuchs und der Einzelne nicht vermochte, dieses Massenelend zu bekämpfen, organisierte sich die Frauenhilfe der A. J., um die Quellen der Bitterkeit und Verbitterung zum Versiegen zu bringen. Frauen, die begnadet waren mit ״chochmas lew“, mit der Weisheit des Herzens, stellten sich selbstlos an die Spitze Ihres Vereines, und wenn dieser Verein nichts anderes erreicht und geleistet hätte, als ein Zentrum zu schaffen, wo klagende Frauen und jammernde Mütter ihr Herz ausschütten konnten, einen Zentral- Punkt, wohin sich Fremde und Verlassene wenden können, um dort Rat und Hilfe zu suchen und zu finden, schon damit allein hätte Ihr Verein Grosses, und Dankenswertes getan. In anderen Gemeinden herrscht jetzt der Kampf um die Gleichberechtigung. Die Frauen fordern Sitz und Stimme in der Gemeinde- Verwaltung. Unsere Frauen wollen nicht mitreden, nicht mitdebattieren, aber mitarbeiten auf einem Gebiet, das Heimatsgebiet der jüdischen Frau blieb auch in den Jahrhunderten der Diaspora! Allerdings ist. Wohltun und moderne Wohltätigkeit nicht dasselbe. — Was tun nicht alles moderne Frauen für die sogenannte Wohltätigkeit! Sie singen, tanzen und lachen im Zeichen der Humanität, sie glänzen in den herrlichsten Toiletten bei Bällen und Tees, alles für die Wohltätigkeit, , sie s'üchen den Glanz und wollen glänzen für die Wohltätigkeit und durch die Wohltätigkeit und Mizwoh sinkt herab zur gesfeUschaftlicheri )Pflicht. — Unsere Frauen gleichen aber noch immer den biblischen Frauen, die sich am Eingang des Heiligtums versammelten und ihre Spiegel und ihren Schmuck ablieferten für heilige Zwecke. —• Unsere Frauen wollen nicht glänzen mit ihrem Wohltun, sich nicht spiegeln in ihren Erfolgen oder ihre Eitelkeit befriedigen, sondern MizWaus üben im Sinne der Zedokoh, gerecht werden den Forderungen unserer Zeit! Aus den Almosen, wie es früher geübt wurde, muss sich aber eine soziale Fürsorge entwickeln! Es genügt nicht mehr, nur Dürftige zu Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht | Wien» GRÖSSTE International• KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. 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