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Jüdische Presse · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
11 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE PRESSE. Nr. 2 den haben sdbon geirrt, als sie noch kann! den Be- Sinn der Brochoh ausgesprochen hatten. Gesetzestreue Juden werden in den Einek kommen, werden arbeiten ׳wie sic und so G-tt will, die Brochoh bis zum Ende führen. _ R. W. Kultusgemeinde. Am 29. Dezember konstituierte sich der Kultus- Vorstand. Es wurden gewählt* Zaum Präsidenten: Herr Univ.4Prof. Dr. Alois Pick (Wiederwahl); Vizepräsidenten: Dr. Jakob Grnstein, Dr.'Josef Löwenherz; Vertreter: Dr. Edwin Bader (Wirtschaftspartei). Dr. Desider Friedmann (national), Rat S. Kaniders, Baurat W. Rempler, Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim (Union). W. Pappenheim (orthodox). Dr. Leopold Plasohkes (national), Dr. Josef Ticlio (Union). 111!der Sitzung gaben sämtliche Parteien prinzipieile Erklärungen ab.;Herr Kammelizialrat S. ■Bondi gab namens der Orthodoxie folgende Erklärung ab: ״Ich bin ,beauftragt, namens der .glaubenstreuen Mitglieder des Kivltusvorstandes folgende Erklärung dbzuigcbeu: Wir haben betreffs der am 9. November 1924 statfcgehabteu Wahlen in die Israelitische ■Kultusgemeinde mit ■der grossen Gemeinde der Kultusgemeinde einen rein technischen Wahlblook geschlossen. Damit haben wir nichts von unserem prinzipiellen Standpunkt anfgegeben und beharren auf unseren Postu'laten, idle wir »zuletzt sciliriftlidlr und (rn'ünldliali in der Plenarsitzung vom 25. September 1923 dem verehr!. Kultusvorstamle zur Kenntnis brachten. Speziell verlangen wir. die feierliche Versiehe- ]•ung,. wonach das Spital d׳er Israelitische 11׳ Kultusgemeinde und das Versorgungshaus derselben so »einzairiahten sind, ■ dass auch der frömmste Jude dort änsotrerne Aufnahme finden kann, dass!er Speise und Trank geniesst, ohne dass sein religiöses Gewissen belastet wird.. . Wir bekamen die Versicherung, dass unseren ■ Wünschen■ entsprochen wird. Bis heute ist!dies nicht geschehen, da die Fleisdiregie •der Israelitischen Kultusgemeinde diese Anstalt beliefert. Nachdem. hoffentlich in Bälde die Wiedereröffnung des Spitals der Israelitischen »Kultusgemeinde erfolgt, bitten wir dringendst, diese unsere, soWie die diesbezüglichen. Wünsche der streng- ׳orthodoxen Judenscbäft Wiens zu berücksichtige a.“ ’ Es' ist wiederholt zu bemerken,!dass die Herren IBoüdi, Breuer unld Pappenheim van ■jenem Teile der!Orthodoxie ■vor vier Jahren ihre Mandate erhielten, der seit jeher im Interesse der Orthodoxie organi-, sä er t!e Arbeit leistet, der allein den Zeitpunkt (1920) bestimmte, in!dein es. •ein Interesse »der Orthodoxie .bildete, im Kultusworstartd vertreten ,zu sein. Dieser Teil der Orthodoxie aimfasst Adas Jisroel, Agudah .und z'irika 20 Bethäuser, die seit Jahrzehnten: gemein- •sam mit Adas J!i׳sroel beraten airtd besdiliessen. Die Herren sirid weder von Adas Jisroel noch von Agudas Epilog. Meine Skizzenreillie ״Urlaubstage im Burgen-!and“ hat Herrn M. Kunstadt!zat einer richfcigstellenlden Bemerkung veranlasst, ׳die iah »nicht ganz unwider-!sprochen lassen •kann. Ehe ich midi!aber mit dieser Richtigstelluing befaisse, ■will idi noch .mich selbst in . einigen Punkten berichtigen, die ■erst durch eiligebendere Forschungen aufzuhalten waren. Vor allem!muss ich noch über »ein »mir. in Mattersdort als besondere Sehenswürdigkeit gezeigtes, wenn »auch schon ׳stank abgegriffenes פרכת referieren■, das einmal ein Prachtstück gewesen sein mag. Dieser Vorhang trägt die Widmung: כ׳ת ' ג׳י האשד חשובה הצנועה הבאראנען א׳ח מ׳ לאה בת מהו, אייזק שלוכטרן שנת תק״ע״ד לפ״ק ln Mattersdorf konnte mir niemand sagen, wer diese• Baronin gewesen sei. Nunmehr wedss. iah aber sicher, daSs es ׳sich 'hier um d!ie in Wien im J'ahre 1813 verstorbene Baronin Eleonore Wetzlar von ' Plainkenstern handelt, die als einziges Mitglied!Ihrer Familie dein Judentum treu blieb unld auch als Jüdin begraben wurde,!während ihr Oatte Karl Abraham ' Wetzlar iind sämtliche Kinder ׳zäum Katholizismus über traten.!Ihr׳ Vater Eisig Schlichter oder Schlaichtern (der »Name rührt von dem Orte Schlüchtern in (Hessen-Nassau her) mag lin einer der Sabewa Kehiiloth ansässig gewesen ׳sein, da ja auch edn Lajzar Schlichter!aus Laükenbach! zur selben Zeit bekannt Ist. (Vergl. Wachstein: Die Inschriften! des alten Judenfrüedhofes dn Wien, II. Bd.) Das von Wachstein dm ,Archiv für jüdische Pamilienforschung“ veröfrentlichte Testament der ׳Baronin Eleonara Wetzlar ,wedst Kadisch-StMtungen für ׳Mattersdorf »und Szerdahely aaif und es wäre auch gar rticht ausgeschlossen, dass in Szerdahdy d!ie Heimat der Baronin »zu suchen Jisroel gewählt. Wahl gehören ihre Wähler zum grossen Teile diesen beiden Organisationen an, weil eben in Wien keine andere Organisation existierte, die sich für Ritualien, wozu in erster Linie Thoraunterricht gehört, interessierte. Was die von Herrn Bondi abgegebene Erklärung betrifft, wird deren Ausführung wohl das Gebäude, der Kultusgemeimle etwas ■wohnlicher gestalten. Es fällt diesem Teile der Orthodoxie nicht■ ein, an die Möglichkeit zu glauben, die Wiener Kultusgemeinde religiös zu gestal teil. Was aber die Orthodoxie verlangen muss, ist, dass jene ׳Institutionen, auf deren Benützung die Orthodoxie kraft ihrer riesigen Steuerleistuug Ansprucli hat und die sie selbständig nicht errichten kann, eben weil sie Rieseukultu'ssteuern bezahlen muss, ohne jede Gegenleistung, auch den strengsten Ansprächen an Kaschnus.. entsprechen. Nachdem! die massgebenden Persönlichkeiten der Kultusgemeinde selbst zugestanden haben, dass die Fleisch reg ie den . bescheidensten Ansprüchen auf Kaschrus!nicht entspricht, »müsste da ein Modus gefunden werden, dass auch streng religiöse Juden Spital und Versorgungsbäus beziehen können. ,Hätte »die Orthodoxie Steuerredht,' so könnte sie selbst diese sozialen Institutionen in ,bescheidenem Umfange errichten, wie dies in Berlin und Frankfurt der Fall ist, ohne aiuif die Gnade des Rabbinates, des Vorstandes und •des Sekretariates angewiesen zu sein. Ungarischer Brief. Alis Jerusalem ist hier soeben die höchst erfreuliehe Kunde, amtlieh bestätigt, eingetroffen, dass dem dortigen ״Oesterreichisch-ungarischen Kolei“ von der dortigen Regierung, die Autononiic zuerk a n n t vvu r d e. Dieser Kolei,י der alle jene Glaubens־ Hotel-Restaurant i, 6UTH, Wien, II., Hollandstrasse 14 (ehemalige Stefaniestrasse) . Anerkannt beste Kiiche! .:■:: Wo erhält man den wirklicn naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeit eh für orthodoxe Frauen, F r a n z B ä 11 a, ist es nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem . Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschliessen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel׳ zu tragen. Die Damen werden zum Besuche, des nachstehenden Ateliers höfüch8t eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprpbiert werden. Franz Balla, Wien, IV., Gusshausstrasse 26 Telephon 68-9-12 genössen der heiligen Stadt umfasst, die ihm vor dem Weltkrieg angehörten, ist somit nicht mehr von der Gefahr bedroht, in das Joch der antireligiösen ״Jüdischen Gemeindeordnimg“ hineingezwängt zu werden. Der grosse Erfolg, den die Erlangung der Autonomie für die österreichisch-ungarische Gemeinde in Jerusalem bedeutet, ist — wie ich aus authentischer Quelle erfahre — durch d i p I orn a t i s c h e Intervention erreicht worden. Gleichzeitig mit der vorstehenden erfreulichen Mitteilung kam aus der heiligen Stadt auch die Nachricht über eine höchst bedauerliche Tatsache. Sie besteht i» nichts Geringerem, als dass die Bauparzellen, welche die daselbst im Laufe der letzten Jahrzehnte von ungarischjüdischen Wohltätern erbaut und Kolel-Mitgliedern zur unentgeltlicher Benützung überlassenen Wohnungen (בתי מהפה). umgeben, ja vollständig einschliessen, von einem Arabcrkonsorti u m k ä u f 1 i c 11 erworbe n w u rd c 11. Hiedurch entstand die Gefahr der Unbenützbarkeit dieser Wohnungen für jüdische Insassen desselben, denn es würde für sie keine Passage freibleiben. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sah die Leitung des Kolei sich be־* müssigt, die in Rede stehenden Bauparzellen vom Konsortium mit einem beträchtlichen Ucberpreis abzukaufen. Die Kaufsumme beträgt (in ungarisches Geld umgerechnet) etwa eine Milliarde Kronen. Selbstredend verfügt der Kolei nicht nur nicht über diese Summe, sondern selbst die verhältnismässig kleine Vorangabe konnte er sich nur mit grosser Mühe leihweise beschaffen. Nun steht man vor dem schweren Problem der Aufbringung der Milliarde ungarischer Kronen! Laut neuester zusammengestellter Statistik beträgt die Zahl derjenigen ישיבה־בהורים Ungarns, die.auf .־n a t c r i e 11 c Unter s t ii t z u n g angewiesen sind, zirka 1500. Auch daraus ist ersichtlich, dass es beträchtlich die zwölfte Stunde war. als — wie die ״Jüdische Presse“ seinerzeit berichtete — Mitte Elul vorigen Jahres die Lannesrepräsentanz der orthodoxen Judenschaft Ungalns die Einleitung einer auf das ganze Land sich erstreckenden. Aktion zur Unterstützung der Jeschiwoth und Talmud- Thora-Schule beschloss.; In Budapest hat denn auch diese Aktion schon ziemlichen Erfolg gezeitigt, aber aus der Provinz ist, trotz der seither verflossenen drei Monate, zu diesem Zwecke bei der Zentrale noch kein einziger Heller eingeflossen. Es wäre jedoch eine krasse Ungerechtigkeit, dieserhalb über die Provinzgläubonsgenossen den Stab zu brechen. Die Schuld an ihrer. vollständigen Unbeteiligung, an der sicherlich auch ihnen heiligen Aktion liegt vielmehr an der ganz einfachen Tat- Sache, dass — man höre und staune — es bis allher unterlassen wurde, die Provinzju'denschaft zur Betcilignng anzugehen, ja sie von der beschlossenen Aktion auch nur zu verständigen! Verständigen, Angehen ׳ete. fürs grosse Publikum -kamv' man nämlich :am besten im Wege der■ P r esse, die jedoch dio u ngarisehe׳ Orthodoxie nicht hat, oder aber durch Aufrufe, Flugschriften, .eventuell Propagandareisen; allein auch diese schwachen Surrogatmittel einer probat wirkenden orthodoxen Presse, sind noch nicht einmal v e r su c b t worden, ln einer dieser Tage in der orthodoxen Zentralkanzle! abgehaltenen kleinen Konferenz wurde übrigens vereinbart, in einer, nach Chanuka stattfindenden neuerliehen Beratung über das eine; oder andere Surrogatmittel schlüssig zu werden ... Die Repräsentanz der Budapester aut. ,orthodoxen 1ist. Die Ffnanzbarone Wetizllair, die später ■ sogar dam österreichischen• Sdhiwertadel!arigesöhetre Mitglieder ׳ ■lieferten, sind dem Judentum längst verlorcngegangen ,und das mag ■wohl auch der Grund dafür sein, ׳dass »auf dem Vorhang (in׳ der Mattersdorf er Synagoge nur von der ״Baronin“ gesprochen ■und höchstens ihr Mädchenname genannt ward. Geblieben׳ •ist uns von dieser Familie nur »das prachtvolle Sdddur der Baronin, das sich »im ■Besitze der Wiener ijüdisclien Gemeindeibdbhothek heEndet, und der Vorhang vor der (Bundeslade 4n Mattersdorf, der dort das Kleinod der Thora von Vorlesung m Vorlesung (birgt Wirklich richtigziustellen ׳hätte ich ferner auch, dass auf idem Grabstein des R. Sahnan Ltpschitz ז״ ל in־ Laokeribadh חט nicht רב מדינה sondern ראש מתיבתא ׳zu lesen ist, da woM •zeitweise das Rabbiirat von Köbersdorf mit dem von Ladkertbach!in einer Person vereinigt ׳!War, iziwCi Gemeinden ■aber ■noch' ■keine ״Medinah“ bilden und hier bloss idSe Wirksamkeit des!Rabbi als Haupt ׳der Jeschrwa hervoigehoibeu werden soll. Und sahÜessKöh hätte ich noch ■au berichtigen, dass ׳die auf der Maze׳wia(h des Rabbi Moscheh Lew! ז״ל in Ze!le׳m genannten sieben Weihe nicht sämtlich von ihm thernühren. Die Inschrift will ■nur die von R. Mosche und seinen Verfahren herrührenden selfbständigen Werke חוט המשולש בשערים! שער הקטן! בית חדש und נזר הקודש und »deren Beiträge zu »den Werken anderer: כתנות אור! חלבה למשה und אור חדש auf zählen. In Parenthese sei noch erwähnt, dass die von mir bemängelte Schreibung צעהלים für צלם eigentümKch an die von »gewissen!kommunistischen Kreisen eingeführte Schreibung שאכעס für שבת und ähnliche erinnert. Diese Interessante Ersehen nung zeigt wieder einmal, dass auch die Extreme im jüdischen »Leiben, Orthodoxie und Kommunismus, einander berühren können. ץ Herr Kunstadt versudite, die von mar äuge-!wendete Auflösung der Formel י 1ע ׳ א durch die Lesart יכוננה עליון אמן zu widerlegen. Er stützt ׳ sich hiebei auf Jeremias und auch Wachstem, a. a. O. ■Bel (I., ,liest diese ׳vielsagenden drei 'Buchstaben so. Wenn aber dennoch! mit »mir trotz der scheinbaren Stütze, die Kimstadts Waderlegumg (in der ׳hefbrärschen Grammatik' findet, die Mehrheit des jüdischen Volkes יבנה עירנו אמן best,!oder, 'Wie eis im Sefer Notarikon heässt, יבנה עיר אלקים , so kommt das eben daher,, dass in (diesem Wunschsatz, nicht יעיר das .Subjekt ist, sondern ein zu ergänizendes חק׳ב׳ה . iV^it Herrn Kim- ־■stadt •mögen wohl ■alle Satten und Zufriedenen, aber auch alle Kurzsichtigen lesen, die die Sehnsucht nach -Zion nicht (kennen, ■für meine Lesart spricht aber das jüdische Gefühl, das heute noch bei der Erwähnung eines Ortes der ׳Diaspora so empfindet־ wie der Dichter des schönen ׳Fiatt es aaisdrüakt: אזכרת אלקיסואחמיח בראותי כל עיר על חלה בנויה ועיר חאלקים משפלת עד שאול י תחתיה ובבל זאת אנו ליה ועינינו ליה. . Aul der Anhöhe vor dem Eingänge des Kobersdorfer Judenlfrdedhofes fand Ich massenhaft ■wildwachsenden Wermut (Artemisia abrotamum) und da liegt der Gedanke ־ an ׳den »prophetischen• Ausspruch Jeremias (9, 14) nahe: ,Darum, so spricht der Ewige Zebaoth, 1Israels Gott, sättige ach dieses. Volk mit Wermut und lasse »es Opium schlürfen: Und ich verteile •es unter den Völkern, die es selbst und ■seine Väter nicht kannten, und ■sende hinter ihnen -das Schwert einher bis zur Ajufreäbuus.“ Derselbe Wermut aber, der ׳■unter den Pflanzen zum Symbol der Bitterkeit des Lebens wurde, ist auch edn wichtiges Arzneimittel und so wird auch die Formel ׳ י־י׳ע׳אmag sie ׳auch oft in verbitterter Hofmungslosigkeit so gelesen werden, wie Herr Kunstadt es ׳wünscht, so lange es ein Golus gelben ׳wird, dem hoff enden» Juden immer nur Erinnerung an Erez ,Israel amd Mahnung zur Mitarbeit an der Befreiung des Landes und der Schecbmah bedeuten. L. Moses. .

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