Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 51-52 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51/M JÜDISCHE PRESSE Stile 39S Wirtschaftsnaohriohten aus Erei J sroel Die neue Einwanderung. Im Leitartikel der vorigen Nummer der ״Jüdischen Presse“ wurden die kulturellen Folgen der neuen Einwanderung besprochen und darauf hingetviesen, dass der Zuzug dieser kleinbürgerlichen Immigranten für das Wachstum des gesetzestreuen Jischow von grösster Be• dcutung ist. Anders steht es mit den wirtschaftlichen Er• scheinungen der neuen Einwanderung. Robert Weltscti! einer der weitsichtigsten zionistischen Publizisten, besprach in einem Leitartikel der ״Jüdischen Rundschau“ die Notwendigkeit der Einsetzung einer verantwortlichen wirt• schädlichen Einwanderungsinstanz. Sie soll sich aus fachmännisch geschulten, urteilsfähigen und Vertrauens* würdigen Personen *usimmensetzen und den eben Angekommeneu mit wirtschaftlichem Rat und finanzieller Kreditbeihilfe beistehen. Mit Recht betont ert ״Aller Scharfsinn und alle Bemühung müssen aufgewendet werden, um die ins Land geströmten Energien in die Kanile produktiver Tätigkeit zu leiten.“ Es ist offensichtlich, dass die ökonomisch ungeregelte Einwanderung klein* bürgerlicher Elemente eine schwere Belastung für die noch nicht allzu tragfähige Erez-Jisroel-Wirtschaft be* deutet Nur die Ueberführung dieser kleinen und kleinsten Kapitalisten in wirtschaftsfördernde und objektiv not* wendige Berufe kamt ihre Energien und Geldmittel nutz* bringend dem palästinensischen Wirtschaftsleben ein* gliedern. Jede Anarchie, jeder Zwergbetrieb, jeder volks* wirtschaftlich unproduktive Kettenhandel, jede Vergeudung und Zersplitterung von Zeit, Arbeit und Kapital rächt sich doppelt im unsicheren Wirtschaftsleben junger Kolonial* lär.der. Die Naivität der Wirtschaftspraxis von Nalevki darf nicht in Palästina rieh* tunggebend werden. Sonst ist die Siedlung ökono• misch von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Deshalb ist die Einsetzung einer wirklich unparteiischen Be• ratungs- und Kreditinstanz, die kaufmännisch und nicht bureaukratisch geführt wird, die erste Aufgabe einer Jcwi8h Agency, die den klaren Bestimmungen des Mandats entspricht und ״alle Schichten des jüdischen Volkes umspannt“, also auch die kleinbürgerliche, ortho• doxe Volksmehrheit. Weizmann hat in seiner Jerusalemer Rede betont, dass ״unsere Rolle“ (das heisst die Rolle der Zionisten) beendet •ein wird, wenn die Jewish Agency mit ihrer alltäglichen Arbeit begonnen haben wird. An dc!V Tag#, wo die Jewtsh Afeency kein« ein•; seifige Parteiinstitution mehr sein wird, sondern die legale, wirklich befugte Vertretung des Oesamtvolkes, wird Palästina kulturell nicht nach dem Muster von Nuris und wirtschaftlich nicht nach der Praxis von Nalevki aufgebaut werden können. Oesetzestreue von der einen und produktive Arbeit von der enderen Seite werden dem jüdischen Leben Sinn und Richtung geben. R.W. Die Pal&stlnaeinw&nderiing int Oktober. Laut vor• läufigen Angaben sind im Laufe des Oktober in Palästina gegen 1200 Emigranten eingetroffen. Bel Berücksichtigung der an und für sich ungünstigen Jahreszeit und des Um- Standes, dass in diesen Monet die Feiertage gefallen sind, ist diese Zahl eie ausserordentlich hoch zu bezeichnen. Eft01 neue Bank in Palästina, ln Helft wurde eine neue Bank, die Palesdne Mercentlle Bank Ltd״ gegründet. Das Grundkapital beträgt 26.000 Pfund Sterling ln Aktien zu je 1 Pfund Sterling. Die beiden ständigen Direktoren sind Herr Sol Cohen und Herr David Shindler. Tabakausfuhr aus Palästina. Das Reuter-Bureau meldet, dass in diesem Jahre ln Palästina 1150 Tonnen Tabak für die Ausfuhr zur Verfügung stünden. Muster• Sendungen seien bereits auf den britischen und festländi• sehen Markt gesendet worden. Eine Konservenfabrik ln Palästina. Die Konservenfabrlk B. Wetzlar u. Co. beabsichtigt in Verbindung mit ... •••••••••••»•»«•••••••ו EM••• I» •יי יייי•»•••ייי *•••!*•••11• •••%••••••*itf Prämie; für die “; Abonnenten der ,Jüd<srhen Presse Jeder, der fünf neue Abonnenten, die zumindest ein Halbjahrssbonnement auf elnm <1 bezahlen, für die ,JÜDISCHE PRBSSB־ wirht, erhält ala Prämie das soeben in Pracht* - band erschienene Werk 1 ספי חפץ חיים (Ladenpreis 100.000 Kronen) Jeder, der dehn Abonnenten für di• ,.JÜDISCHE PRESSE* wirbt, erhält - als Prämie לים ספי תח Die Psalmen, übersetzt und erläutert von S.R.nirseh (Ladenpreis! 70 oooK) II IS # * ■ :: •י •« t יי י י י י 9 י ■ ■!! » י י י י י י י :: י * יי •י!••יססיסיייסיייייסייו »יי ייי•••••••••*•) dem Projrkt Dr. dosklns bei Ttl Awiw eine Konserven• fabrlk anzulegen. Das Projekt sieht nicht nur gleichzeitige Fabrikation von Konservenbüchsen vor, sondern auch die Herstellung yon Kohlensäure und in Verbindung damit von Mineralwasser. Ebenso ist die Errichtung von Kühl• hallen gedacht. Nach den Plänen der Gründer soll der Fabrik eine Art kleiner Versuchsstation ungegliedert wer4 ' den, welche die Kultivierungsmethoden verschiedener Obst- und Qemüsesorten, die für die Konservierung in Frage kommen, studieren 8011. Das erforderliche Kapital wird' auf zirka 60.000 Pfund Sterling geschätzt. Baldige Eröffnung einer Palästina-Tabakverarbeitei!• den Zigarettenfabrik la Amerika. Zwecks Förderung des palästinensischen Tabakbaues soll ausser den Fabrike la Palästina auch in Amerika eine Fabrik ge* schaffen werden, die aus Palästina importierten Tabak zu Zigaretten verarbeiten wird. An der Spitze dieses Unternehme!» steht der bekannte Berliner Tabakindustrielle Lubllner, Generaldirektor der Mal-Kah-Zigarettenfabrik. Wie wir aus verlässlicher Quelle hören, sind die Maschinen für diese Fabrik in Amerika dieser Tage bereits aus Deutschland nach New York abgesendet worden. Auch die Maschinen für die ebenfalls von Herrn Lubliner kl Tel Awtw errichtete Fabrik i-lnd bereits abgegangen. Für den Konsum ln Zentraleuropa soll eine Zigarettenniederlage In Berlin errichtet werden, eventuell soll auch noch In Danzig eine weitere Fabrik für die Verarbeitung palästinensischer Tabake. * Neue Industrien ln Palästina. Während des Monates September nahm ein Wiener Fabrikant den Bau einer grossen Seidenweberei in Angriff, wozu er von der Regierung eine Bodenfläche von zehn Dunam in Pach+ erhielt. Er gedenkt, bis zu 30.000 Pfund Sterling in dieses Unternehmen zu stecken. Die Fabrik, welcher sich eine Färberei und Appreturanlage anschliessen soll, wird die erste ihrer Art im nahen Osten sein und wird etwa 60 Arbeiter bei der Fabrikation von der billigsten bis zur feinsten Seide beschäftigen. Der Besitzer der grossen Lodzef Textilfabrik in Tel Awiw hat gleichfalls be- Unternehmen zu Investieren. Die Fabrik, der sich eine Färberei-, Bleicherei-, Appretur- und Spinnereianlage anzugliedern. Die nötigen Maschinen für diese Abteilungen sind bereits eingetroffen und werden in ,besonderen Oebäuden aufgestellt. Ein Gebäude für die Kleinlndustrie in Tel Awiw. In der Sitzung des Stadtrates von Tti Awiw vom 15• November wurde die Errichtung eines 500 Quadratmeter grossen Gebäudes beschlossen, das zahlreichen Kleinindu- Studien die Benützung der Elektrizität als motorische Kraft ermöglichen soll. 10000009© TSCHECHO-SLO WA KEI. 100000000[ Eia tschechoslowakisch-jüdischer(?) ״Nationalkongress“? Ueber das seit einiges Jahres ln Prag «mtor dem wohlklingenden Namen Jüdischer Nationalist“ wirkende zionistische Komitee werden in jüngster Zeit abermals recht interessante Dinge lanciert, Wir wollen heute die Legitimation dieses merkwürdigen Gebildes mit dem prätentiösen Namen nicht aufs neue untersuchen und nicht wieder darauf hin weisen, welch irreführende und schld* liehe Tendern seiner ganzen Existenz innewohnt. Die jüdische Oeffentlichkeit weise es längst und die nicht•- jüdische wird es mit der Zelt ebenfalls erfahren, dass dieser ..Nationalrat“ nichts anderes Ist all Sin Deckmantel für Zionismus, eie verhüllender und beschönigender Name für hypernationalistische Bestrebungen nach zionistischem Diktat, die dem Geiste und den wichtigsten Interessen des historischen religiösen judsntums *tiwiderlaufeij* Es gehört schon die ganze Unbekümmertheit, die geradezu sträfliche Gutmütigkeit unserer slowakischen orthodoxen Massen dazu, es sich gefallen zu lassen, dass das Häuflein Zionisten von Prag — durch dl« Bank Amhäafteim, d. h. Ignoranten in Fragen dar jüdischen Lehr• und Rechts״ künde -־ jahraus jahrein als ״Nationale“ Saftritt und Sich als Vertretung der gesamten Judetiheit unserer Republik ausgibt, ohne dass es hiezu jemals einen Auftrag Odor eine Vollmacht erhalten hätte. Selbstredend hat niemand da! Recht, eine Einwendung dagegen ZU ftiächetl, WftWI dl• zionistische Organisation öder die tldHI&il&öhen K ö r p e r s c h a f t e n, die in der tScheehöSlOWäklißhCh Re* publik den Zionismus offen und ehrlich propagieren urtfl ftH seiner Verwirklichung arbeten, Beschlüße welcher Art immer fassen und diese Beschlüsse auch den Behörden be» kanntgeben. Denn in diesem Falle herrscht kein Zweite! darüber, dass es Zion’stert sind und Ulfe Kundgebungen die Meinungsäusserungen der Ziohisten, abCf ttUf der 2iÖd!stää, Wiedergaben. Als Untuläastg muss CS jedÖÜh «lÖhCinen, wenn eben diese Zionsten sich den A&fcChClü eltt&t Ö6» samt Vertretung der Juden Unserer Republik, also äuöh der Juden geben Wollah, die den llöttisftitifc ehtSChiddÜB ablehneu und im Zionismus einen Äbfäi! VÖ« den Traditionen des jüdischen VölköS er* blic 1זen. Mah hat die Herren bisher gewähren läsSeft. Es war unseres Erächters Ö i C h t lh Ofdmmg. & hätte flieht geschehen dürfen, d&S* Dr. Singer in Präg ürtd Seih• Ges'nnunzsgenossett Jahr« hindurch ih MlHlktferle« tirtd Aemlern nuHiens der Juden *mslftt R8pt!»l!k die V6f* kehrtesten FofdefUÜgefl stellten, öhflfe sie «U *WlhiftR, ilfch zuvor über das AiismcSS ihrer Ug‘t*mätiflJl aü«il1Wä45ÄfV. Mit aller Deutlichkeit hätte mah sich gegen fclheft jMi* sehen Nationalrat״ verwahren müssen , dar ea nicht ist, der in seinem Namen ein Ding vortäuscht, das es überhaupt n 1 c h t g i b t. Man hielt es jedoch für zweckmästfger« den Jüdischen Nationalrat״ lieber ungehindert sein Spiel treiben tu lassen, als vor der nichtjüdischen Welt und den tausend Feinden des Judentums immer wie״ der und wieder das abstossSnde Bild des Widerstreites der Kompetenzen unter den Parteien des Judentums aufzurollen. ירעדו עד ש^תאב war die überlegen scheinen wollend« Selbsttröstung der Orthodoxen Judenheit, die sie oft genug bet bitter büssett müssen. Diesem ungesunden Und ohne unheilbaren Schaden für die jüdische Gesamtheit nicht mehr lange erträglichen Zustand sollte endlich ein Ende bereitet werden. Der Säuberangsprogess muss endlich beginnen. Der Jüdische Nationalrat״ in Frag ln seiner übermütigen Selbsüberhebung hat selbst difl Initiative hiezu ergriffen‘, er hat mit eigenen Händen die Lawine ins Rollen gebracht, die ihn unter sich begraben wird. Nachrichten zufolge beabsichtigt nämlich der genannte ״Nationalrät“ Im Züsammenhnng mit dem avisier* ten Besuch des bekannten Ztoniatenführers Dr. Ch. Welz• mann, in der Tschechoslowakei in einigen Wochen einen ״Nationalkongress“ der Juden einzuberufen. Erfahrungsgemfisi wird der ״Nationfeirät־‘ wühl auch bet dieser Gelegenheit es vermeiden, die zionistische Zusammenkunft beim richtigen Namen ZU nennen* Ih UeberelnätlmiflUftg mit ״Nationalrat“ muSS eS eiii ״NätlortäikofigffcSS‘4 Seift. Nicht ״ZloiTSteh4* Wörden 2USdft1menk6ftln1etl, ütft Ifft Geist« ihres Pfögramthes über allerlei wichtige und unwichtige Fragen zu beraten und am besehliessen, Sondern ־* Judeft“; täS kliflgt Vertfäüfcftferweekender und ÜftifaSkCftdef und ist iüffl Eififättgfcn ״neutraler“ krölsö ufid Vielleicht aüüh zur Vortäuschung allgemeiner Repräsentation•* rechte Weit geeigneter. Es wird Sache der orthodokfcä Gemeinden Und Körperschaften tins«ra« Lande! Sa im dielen TluSOhUngtVCrsuch su vtrcitclft. di• Orthodoxie hat Hingst ihn Vaftritungfihöfptrsöhälteri, sie baut lieh tthardial in Ü6r ״A f U d a t J i! r 6 e 1“ ihre eigene (jesattitörganisation, die Ficlecb aus ihrem Fleisehfe und Geist aus ihrem Geiste ist, und lehnt es äh« sich zu StstistchrolUh bei tlö- bis tischen Tagungen missbrauchen zu lasfeen. Wir verlangen von den Führern der Orthodoxie tn der Slowakei und Karpathoruss, rechtzeitig dafür zu sorgen,, dass die Gemeinden und Körperschaften über den Chafakter de! ״NaticftälfateS1* Ufid sein«! geplanten ״Na* tioftälköhgrösSe!“ äUsfelciiehd äbfgfeKlärt WÜrädd. Es därf nicht Widder Vorkommen, des! UnHrfltn's. Prlhz10!0n10iig״ kalt ödet gar Würdelosigkeit Eiagelber des Äöhisten dis ״Nationalrates״ bei ihren Täuschungsversuchen Helferdienste leisten. Die Zionisten mögen — und sei es unter der Firma eines ״Nationalkongresses״ — unter sich bleiben und Über all das beraten und beschlossen, was ihnen gut dünkt. Wir werden Ihren Verhandlungen mit grösster Aufmerksamkeit folget! und sie gebührend wiirdlgen, wie es einer Partei gegenüber geziemt, die mit offenem Visier für Ihre Ziele kämpft. Die Zionisten imponieren uns. Es verlohnt sich, Ihnen entgegen zu treten! Jeden Versuch jedoch, das zionistische Banner zu verhüllen uad unter falscher Flagge sich.Eingang ln die Basteien des Judentums zu verschaffen, wird eia ehrlicher Mensch als unwürdig und verwerflich mit den schärfsten Mitteln zurückweisen müssen. Der beklagenswerte Umstand, dass sieb unter dem kleinen verkümmerten Reste der Prager glauben•- treuen Juden zwei Männer gefunden haben, die — ohne organisatorischen Zusammenhang mit der übrigen lebenpulsierenden Judenheit — aus einem sehr gewundenen Ideengang heraus sich berechtigt fühlen, den ״Nationalrat״ trötzdeffl zu unterstützen, vermag an der Tatsache nicht das geringste zu ändern, dass das orthodoxe Judentutri mit diesem ״Nation alrat“ und seinem ״Nationalkongress“ triebt das Allefentfernteste zu tun haben kann. r<egeftttber der Ankündigung, dass Dr. Eugen Lieben, einer lief wenigen religiösen Juden ln Prag, sich herbeigelassen hät, auf dettl ״Natfonalkongress‘* elf! Referat über das Vethältftls des ״Nätlönalfätes״ Zttfn religiösen Judentum zu übernehmen, Ist Vielmehr elfte Frage am Platze, die an ihn ln aller Oeffentliöhkeit gerichtet werden muss: Wen vertreten Sie fm ״Natfonairät“? Wer hat sie dorthin entsandt? Wer von den hüttderttauseftdeft orthodoxen Juden in un- SeNrRepUbllk, deren religiöse Autoritäten ausnahmslos irn Zionismus eine Gefährdung des Judentums erblicken, hat Ihnen Vollmacht ertetli sieh in des ,Nationalrat“ aufnähmen zuUüenMnweBseuNämen werden 81• auf dem ״Nationalkongress*‘ sprechen? Und!chUesMfch• WoheruehmenSiedenMut, dem klaren und entschiedenen ,Nein“ von כל גדולי יעףאל unseres Landes, dem ״Nein“ des יין תויח Und des ,דעת תייר Ihr persönliches Ja“, Ihr trotziges על ®י פן g|ll entgegenzuhalten? — Ölü Verwischung der Grenzlinien zwischen den einander efttgegeiiSteheftdeii Weltanschauungen Und Prinzipien der jüdischen Parteien unseres Landes, die der Präget fcNationalrat“ mit seinen Tättschungsveriuchen offenbar