Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 51-52 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 332 J.. Nr. 51/52 JÜDISCHE PRESSE Aus unserer Jugendbewegung. Zum Geleit. Durch das freundliche •Entgegenkommen der ״Jüdischen Presse“ sind wir in der Lage, •mit ׳dein schüchternen Versuch eines eigenen Jugend-organes vor •die Oeffentlichkeit zu treten. Wenn wir diesen Versuch ohne die voraussichtliche Gewähr für sein Gelingen •wagen, so tun wir es in der Erkenntnis, dass keine Bewegung, und schon gar nicht eine Jugend• hewegung, eines Organes entraten kann. Unser Organ, das vorläufig timperiodisch als Beilage d e r ״J ii d i s c 11 e n Press e“!erscheint, soll vor allen Dingen ein Beihelf werden zur Verwirklich'ung unserer hohen und heiligen Ziele, •die Zusammemfassung •aller ׳thoratreuen jugendlichen Biiemente zu einer Organisation, •deren!vereintes Ziel es •sein soll, Thauro in Lehre und Leben zu verbreiten, und ganz •besonders in der Jugend zu verbreiten, damit einem zukünftigen Geschlecht die Diskussion darüber erspart werde, ob es möglich ist, neben der Thora auch andere grundlegende Elemente für das jüdische Leben arüzuerkenncn. Es soll unsere1 werbende Stimme durch diese bescheidenen Blätter hinausklinigcn in die weite Welt, bis an die entferntesten Orte, 'damit alle, die durch Erziehung und Herzensneigung im entferntesten nur Verständnis, für unser Ziel haben, auch organisatorisch zu uns stossen. Es soll aber auch unser Blatt ein Raum sein, in dem die Jugend selbst zu den Problemen, die sie beschäftigen und die nur sie gefühlsmässig ganz erfassen und Stellung nehmen kann, damit aus •der Meinung aKier sich der einheitliche Wille herauskristallisiere und so dazu beitrage, •das Verständnis füreinander zu fördern. Es soll aber auch, und das nur dann, wenn es uns die Verhältnisse auf zwingen, unsere Beilage eine Waffe werden im Kampfe gegen alle, die sich bewusst oder unbewusst, ibösen Willens oder nicht, •der Ent- Wicklung d׳es jüdischen Volkes zu einem durah seine Ideale geeinigten Thauro-Volike in den Weg stellen. Belehrung und Kritik, Aufbau und Kampf: Wie es die Zeit und, unsere heilige Sache •erfordert, soll es geschehen. Hiezu beizutragen, materiell und geistig, ist ׳die.primitivste Pflicht eines jeden, der mit uns fühlt, mit uns strebt, mit uns eines Sinnes ist, dass nur mit der Verwirklichung des jüdischen Thaurovolk-Gedankens dem jüdischen Volke geistig und materiell und national geholfen werden kann. Trage jeder das seinige bei, dann wird unser schüchterner Versuch sich zu einem Machtmittel entwickeln. Lehagdil thewroh n-elhadiroh. Keren Hathora und die Jugend. Eine Szene von stiller Grösse erzählt die Heilige Schrift von Elia, dem Propheten. s Am Karmel stand er, einer!gegen vierhundert und hat gesiegt. Mit allen Mitteln irren Wahnglaubens hatten die Baalpriester das Volk zu betören gesucht; das schlichte, innige Gebet des wahren G-ttesmannes drang siegreich in die Herzen der verirrten Kinder, und sie kehrten reuig zu ihrem G-tte zurück und warteten auf ein machtvolles Zeichen. Ein starker Wind zerschmettert Berge und Felsen, doch im Winde war G-tt nicht, nach dem Winde ein Sturm, auch im Sturm war G-tt nicht, nach dem Sturm ein Feuer, auch im Feuer war G-tt nicht. Nach dem Feuer ertönt das leise Flüstern und aus diesem spricht G-tt 0 seinem Diener. Die Grossen Israels haben oft an Flia gedacht, wenn sie in ihrem Herzen die Pflicht gefühlt, zu ihrem Volke zu sprechen, um ihm Wege zu weisen, die der Erhaltung Israels dienen. Nicht die tönende Phrase und nicht der Beifall der Masse, der stille, gerade Weg zur Höhe war ihr erstrebenswertes Ziel. Von all den Siegesfeiern, die sieggekrönte Feldherren unter rauschendem Gepränge in unseren Tagen so überaus zahlreich begehen, dürfte keine dauernden Eindruck im Herzen von edler gesinnten Naturen ihinterlassen. Uns will eis düniken, dass diie Stille von wenigen Minuten, die am Jahrestage des Friedensbeginnes in fast allen Ländern den Menschen zur Rückschau zwingt, zur Rückschau über die riesigen Schlachtfelder mit ihren Millionen Opfern und zum festen Gelöbnis für die Zukunft, solche Schrekken von der Menschheit fernzuhalten, uns will es dünken, dass die Stille zweier Minuten gewaltiger zur Seele spricht als alle Festesfeiern, in die Kanonendonner und Glöckentöne sich mischen. Zu Chanuka feiert unser Volk sein Siegesfest, in freudiger Erinnerung an die einstige Errettung aus körperlicher und geistiger Qual. Auch die Jugend, unsere jüdische Jugend, hät Grund zu doppelter Freude. Auch 8$■hat gekämpft und gesiegt, auch sie hat sich den wahren jüdischen Geistigkeit zurückerobert. Edlere Geister aller Nationen ersehnen . die Zeit, da die Jugend aller Völker in den Hallen des Wissens ihre Kraft empfängt und nicht zu kriegerischem Tun herangebildet wird. Für das Wehrjahr das Lehr jahr! — Uns Jehudim ist diese Forderung nicht neu. ״Seit Urvätertagen ist d!ie Jeschiiwah aus unserer Mitte nicht gewichen“, lesen wir in der Gemoreh. Nach den Wirren des letzten Jahrzehntes schicken die Führer unserer Zeit sich an, das Licht unserer G-tteslehre in den Lehrstätten aller Länder von neuem zu entzünden. An die Jugend ergeht deshalb der Ruf, jenem heiligen Wefke, das unter dem bezwingenden Namen ״Keren Hathora“ vom Chanuka des vergangenen bis zum Feste dieses Jahres doch einen kleinen Siegeszug durch die ganze Welt angetreten hat, seine ganze Kraft zuzuwenden. Keren Hathora wendet sich un- .mittelbar an die Jirgend, dem ׳ailiten Ruf von Sinai zu folgen und stets den Blick auf unsere Lehrhäuser, den Stolz unserer Geschichte, zu richten. War man in früheren Jahren gezwungen, einem irdischen Machtgebot zu folgen und Jahre hindurch seine Kraft dem!Heeresdienst zu widmen, so dürfte das Machtgebot eines Höheren auch Gehorsam fordern. Noch ein zweites fordert der Keren Hathora von der Jugend. Er hat sich zur Aufgabe gestellt, die von der Not der Zeit bedrängten Stätten zu festigen und zu sichern, und bedarf ungeheurer Mittel, um Zehntausenden Bachurim und Tausenden Rabbonim ein sorgenfreies Dasein zu gewähren. Können sich diese doch nur ihrer "heiligen Berufsarbeit widmen, wenn die Bitterkeit des materiellen Seins nicht allzu sehr auf ihnen lastet! Wie!bescheiden sind doch ihre Ansprüche für die irdischen Notwendigkeiten. Aber dieses Minimum der Existenz muss gesichert sein. Die Jugend kann durch kleine Hilfe auch Grosses leisten. Zum Chanukafest dieses Jahres gibt der Keren Hathora kleine Scheine heraus, die von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte wandern sollen. Durch die Jugend und f ii r die Jugend. NAC H RIC H’T E N Aus unserer Jugendgruppe. ln seiner ersten Sitzung am Beginne des Winter- ״Semesters trat der alte Vorstand nochmals zusammen, um über die Lösung der inneren Schwierigkeiten, die sich bereits hemmend der Entwicklung der Jugendgruppe entgegenstellten, zu beraten. Im Laufe der Debatte erwiesen sich dieselben jedoch als unüberbrückbar und so beschloss der Gesamtvorstand seinen Rücktritt. Er betraute mit der Rührung der Juugendgruppe eine Exekutive, bestehend aus den Herren Leop. Löwy, Max Adler, Simon Eelsenburg, Samuel Stern und beauftragte dieselben, eine Neubildung des Vorstandes durch Kooptierung vorzunehmen. Für den 9. November berief die Exekutive eine Anzahl Mitglieder, die durch ihre bisherige rege Teilnahme an allen Arbeiten der Jugendgruppe bewiesen hatten, dass sie dazu befähigt wären! der Leitung anzugehören, zu einer Sitzung, in deren Verlauf dieselben ihre Berufung erhielten und auch im Bewusstsein der besonderen Wichtigkeit ausnahmslos angenommen haben. Laut Piotokollauszug konstituierte sic.1 die Leitung folgend: 1. Unterricht: Leopold Löwy, Jakob Teitelbaum, Arthur Bogner, Ludwig Breuer, Egon Brody, Heinz Herzog. Arbeit: Satnuel Stern, Norbert Dickmann, Oskar Hochmann, Heinrich Kauf teil, David Moskowitz. Finanzen: Max Schiff, Simon Felsenburg, Nathan Adler, Armin Braun, Benno Rabino witsch. Desidet Schlesinger. Schriftführer: Max Adler, Emil Richter. Der neue Vorstand begann sogleich mit intensiver Arbeit und ist bereits heute in der Lage, den ersten Tätigkeitsbericht, welcher von nun ab allmonatlich im Rahmen der Jugendbeilagc erscheinen wird, zu erstatten. 1. Bericht: Unterricht: Nach reiflicher Durchbesprechung mit den massgebenden Faktoren stellte der Unterrichtsausschuss einen Winterlehrplan zusammen, der den Anforderungen unserer Mitglieder entsprechen dürfte. Jeden Sonntag und Donnerstag spricht Herr Rabbiner Dr. Kohn über ״Jüdische Lebensauffassung“. Am Montag und Dienstag erläutert Herr Dr. L. Deutschländer in prachtvoller Weise das Sefer ,Jjob“ und am Mittwoch führt Herr David Baumgarten unsere Jugend in leicht fasslicher Weise in die wichtigsten Dinim ein. Allabendlich vereinigt Herr A. Neufeld eine stattliche Anzahl junger Leute zum Daf Jeumi, den er meisterhaft leitet, zu welcher Zeit aucn Herr Ludwig Breuer einen Schiur für Bachurim lernt. Am Schabboth reiht sich an die in ihrer Gründlich• ־ keit einzigartigen Schiurim der Herren David Bondy (Chumisch u. Raschi) und Nathan Kohlmann (Mögen Awrohom) stets ein grosser Vortrag, der von unseren oder den jeweils in Wien weilenden Führern und Rabbinern der Orthodoxie gehalten wird. Die überaus rege Teilnahme unserer Mitglieder beweist, dass der Unterrichtsausschuss das Richtige getroffen hat. 2. Finanzausschuss: Trotz der allgemein wirtschaftlich trostlosen Lage und trotz des erdrückenden Defizits, das der neue Ausschuss übernommen hatte, gelang es dem Finanzausschuss nach harter Arbeit, das Gleichgewicht im Budget :einigermassen herzustellen. Durch Reduktion der Ausgaben auf ein Minimum einerseits und intensiver Sammeltätigkeit und Heranziehung der Mitglieder zur grösstmöglichsten Leistung andererseits ist die Bewältigung dieser Titanenarbeit möglich geworden. Mit der wachsenden Arbeit der Jugendgruppe wachsen nun auch die finanziellen Erfordernisse und kann der Finanzausschuss nicht umhin, immer wieder an die Gönner und Freunde, mit der Bitte um Unterstützung heranzutreten, damit die erfolgreich begonnene Arbeit auch fortgeführt werden kann. Zu diesem Zwecke versendet der Finanzausschuss gegenwärtig־ einen Aufruf und hofft er, dass derselbe entsprechend gewürdigt wird. 3. Arbeitsausschuss: Ncahdem die verschiedenen Adaptierungsarbeietn beendet waren, begann der Arbeitsausschuss seine Tätigkeit auf dem Gebiete der Geselligkeit und der sozialen Fürsorge, die derzeit auch in seinen Tätigkeitskreis fallen. Eine Reihe durchaus gelungener Melawo Malkos und eine Sijumfeier auf Mesechtes Pessochim, die zahlreiche neue Mitglieder herangezogen, bewiesen, dass der Arbeitsausschuss die Aufgabe richtig erfasst hat. ,Eine ״׳Krankenfürsorge“, die bereits die dritte Woche alle Spitäler besucht, ist auf dem besten Wege, sich so auszugestalten, dass die so wichtige Mizwoh ihre Erfüllung findet. Die Krankenfürsorge-Sektion gibt gleichzeitig bekannt, dass sie im Rahmen ihrer Tätigkeit bereit ist, bei Privatfällen, so weit es ihr möglich ist, zu intervenieren und sind diesbezügliche Meldungen ־ an Herrn Desider Schlesinger (per Agresse Jugendgruppe) zu richten. Einladung zur Chanukah-Feier. טש״ק סרשה מקץ Ab 23. Dezember, 7 Uhr abends ▼eranstaltet die J. G. in ihren Räumen eine zu der alle jugendlichen Mitglieder und Freunde berzüchst geladen sind. DIE LEITUNG. Aus der Jugendbewegung. Oradea Mare. Die Anwesenheit der Herren W. Pappenheim und Doktor Pollak hat auch unserer Jugendbewegung neue Impulse gegeben. Die in Cluj. Dej. und fünf im Marmoreszteer Bezirk bestehenden Jugendgruppen haben die Sammlung für die Dollar-Aktion der Keren Hatauroh und die Schilling- Aktion erfolgreich aufgenommen. Besonderen Impuls erhält die Arbeit durch die eifrige Mitarbeit des Sohnes des Wieschnitzer Rebb. Herrn Rabb. Mayer Hager. Gründung einer Jugendgruppe in Cluj (Klausenburg). Cluj (Klausenburg). A. J. P. B. Nach vielen Kämpfen wurde in Cluj eine Agudas Jisroel-Jugendgruppe gegründet. An der Spitze der Gruppe steht Rabb. Markus Waid und Ernst Dick. Die Zahl der Mitglieedr beträgt 30. Jugendverein in Lucenec. In Lucenec wurde ein Verein ״Tiferes Bachurim“ gegründet. Zum Präses wurde Herr Breuer, zum Sekretär Herr Fischer und zum Oekonom Herr Deutsch gewählt. Der Verein beschloss, allwöchentlich zweimal Vortragsabende zu veranstalten, bei welchen die Herren Oberrabbiner Unsdorfer und Reiigionslehrer Klein Vorträge halten werden. ' Den ersten Vortrag hielt bei reger Teilnahme Herr Klein. ד ר ש ח in Bratislava. Anlässlich seiner bevorstehenden Vermählung mit der Tochter Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Schreiber hielt Herr Philipp F r e u d ig e r aus Budapest am ש״ק פ* ויצא im Prunksaale der Gemeinde eine grossangelegte חליפות דרשה in der סובי" קטן אובל נבלות• Dem Vortrag wohnten die Führer der Gemeinde und die תלמידי חכמים an und zollten Herrn Freudiger einhellige Anerkennung für seine gründliehe Gelehrsamkeit. ^mm ScMsrineiiteilsnj. שבת קודש halb 11 Uhr חומש ורש״י Dr. Bondy 3 סגן אברהם יי Nathan Kollmaun 4 ״ Vortrag d. Rabb. J. Baumgarten Sonntag u. Donnerstag: Jüd. Lebensführung Herr Dr. C. Koha Montag und Dienstag: איוב Herr Dr. L. Deutschiänder Mittwoch: □״ דיני Dantd Baumgarten, Täglich: י דף יוסי• A. Neufeld, Täglich: ״ ם״ם שבת L. Breuer, ilittcilwng■ Ueber Chanukah wird nur der ון0י, ph al abendlich um 7 Uhr gelernt