Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 51-52 (19.12.1924)
- Date
- 1924-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 331 Nr. 51/52_JÜDISCHE PRESSE Aus Lehrhaus und Schule. , Ausgabe von Dollar-Kupons des Keren Hathora. Die Keren Hutihora-Zentrale Wien hat, entsprechend ein'eim Beschluss der Zentralratssitzung in Krakau, durch den bekannten Künstler Uriel Bimbäum, sogenannte Keren .Hathora-Kupons hersteilen!!lassen, deren Erlö-s den notleidenden Lehranstalten des ln- und Auslandes zugute kommen soM. Der Fnntrwiirf d׳es Künstlers kann als vorzüglich gelungen bezeichnet werden. Die Vorderseite wird von!zwei Ovalen geschmückt, von denen eines das bekannte vom Keren Hathora gewählte Symbol darstellt: Die beiden Bundestatfe'n inmitten des Weltalls, gemäss den Worten unserer Weisen: ״Wäre die Tihora nicht, Himmel und Freie hätten keinen Bestand“. In der Mitte des Blattes ist der Beschluss der Krakauer Tagung verzeichnet, für, das Jahr. 5685 100.000 Dollar durch kleine und grosse Dollaranteile, für das Budget d'es Ke,ren Hathora airfzubringen. Das. Ehrenpräsidium des Keren Hathora hat mit eigenhändiger Unterschrift die Mahnung zugefiigt: ״Es ist heilige Pflicht eines jeden Juden, zur Auifr.ecliterhaltung unserer Thoraiehrstä'tten und zur Linderung der dort herrsehenden Not, wenigstens einen Kupon im Jahre zu erwerben.“ Rabbi .Israel ׳Meir Hakohen (Ghofez Zur Geschichte der Jeschiwoth. Die Keren Hathora-Zentrale veröffentlicht im zweiten Heft ihrer Blätter (in hebräischer .Sprache) yon Uhr gesammelten histori- ' sehen Materialien über die jeschiwoth in poln. Litauen (Wilna) und Litauen (Kowno). In den folgenden Heften wird die Sammlung fortgesetzt und über die Jeschiwoth der übrigen Länder (Polen, Slowakei) berichtet werden! ( Von dem Historiker wird es als schmerzlicher Mangel empfunden, dass für die Geschichte der wichtigsten Lehrstätten des jüdischen Volkes, in welchen seit Jahrtausenden seine geistigen Schätze gehegt und gepf'Jegt werden, ein genaues Material fehlt. So konnte bisher die Geschichte der Jeschiwoth nicht geschrieben werden. Während andere Völker jedes Jubiläuin irgend einer ihrer Kulturanstalten gern benützen, um deren Entwicklungsgang zu beleuchten, müssen wir jede Notiz über Gründer und Gründungen von Thoraanstalten aus dem Dunkel mühsam hervorsuchen; zumeist bleiben diese Blätter aus der reichen Vergangenheit unseres Volkes der Welt verborgen. Der Grund für diese Tatsache ist nicht unschwer zu finden. Reflexion und Schöpferkraft gehen nicht parallel׳nebeneinander her; die eine gedeiht nur, wenn die andere erlahmt. Solange unsere Hochschulen in vollster Blüte standen, der Wechselstrom zwischen Lehrer und Schüler sich mit unversiegbarer Kraft aus des Judentums Mitte sich ,in das jüdische Volk ergoss, fanden sich nur wenige, die Neigung und Eignung hatten, rückschauend die Früchte des Vergangenen zu sammeln. Und in der Pflicht des Tages und auch der Nacht, jede Spanne Zeit dem Lernen und Lehren zu weihen,, ward kaum ein Tag bestimmt, der als ״Jubiläumsfest“ einem Chronisten die Aufgabe schuf, den gleichförmigen Lauf des Lebens seiner Anstalt für die Nachwelt zu verzeichnen. Die Kette, die von den Hochschulen des Altertums bis zu den Jeschiwoth der Gegenwart reicht, ward nie gelockert. Haben sich auch die Kulminationspunkte im Laufe der Jahrhunderte vom Orient nach dem Okzident und hier wieder von einem Land nach dem anderen verschoben, imm$r konzentrierte sich .Forschung um das alte, ewige Gesetz und belebte seine Träger. Die Gegenwart bietet ein anderes Bild. Der Reichtum der Thoralehrstätten, die besonders in Osteuropa in zahlreicher Fülle vorhanden sind, droht zu schwinden. Manches berühmte Lehrhäus« an׳ dessen Spitze noch vor einem Jahrzehnt ein Gaon mit leuchtendem Namen stand, hat seine Pforten geschlossen, so ttmnches Beth tfamidrasch mit historischer Vergangenheit hat die heimatliche Scholle verlassen und in anderen Ländern und Weltteilen neue Zelte auf geschlagen; so mancher Stätte droht aber auch, ,aus Mangel an materieller Kraft, geistiger Untergang durch wesensfremden Einfluss. ׳ ■Dem Keren!Hathura isfsire heilige Aufgabe er- Chajim), Rabbi .Israel Friedmann, Czortkow, Rabb. Abraham Mocdechai Alter ((lerer Rebbe). Die Rückseite enthält ein schönes" Bild ׳mit charakteristischen Gestalten aus dem Jeschiiwahleben, zur Illustrierung des Talmudwortes: ״Komm und schau, unter ׳welchen Opfern Thoraweise sich dem Studium widmen▼ Es gelangen zunächst zur Ausgabe: 10.000 ä 0,5 Dollar, 20.000 ä 1 Dollar, 5000 ä 5 Dollar, 5000 ä 10 Dollar, 3000 ä 25 Dollar, 2000 ä 50 Dollar, 1000 ä 100 /Dollar, 500 ä 200 Dollar, 100 ä 500 Dollar, 10 ä 1.000 Dollar. Ejn jeder ist also in der Lage, wenigstens einen Schein zu erwerben. Vom Gelingen der!Aktion wird es abhängen, ob der ׳Keren Hathora die grossen Aniforderungen, die an! ihn gestellt werden, erfüllen kann, und so möge Jung .und Alt sich in den Dienst der Sache stellen. Däe Augen von zehntausenden Baoliurim sind auf Keren Hathora gerichtet und harren der Hilfe! Die Scheine sind bei d׳er Keren Hafchora-Zentrale, Wien, 2. Bez., Leopo'idsgasse 26. und bei allen Landesdirektorien erhältlich. wachsen, in dieser schweren Zeit den Bedrängten zu Hilfe zu eilen. Geführt yon den anerkannten Goanim der Jetztzeit, ruft er das ganze jüdische Volk zur Mitarbeit auf, zur Rettung der jüdischen Vergangenlieft und der jüdischen Zukunft. Die Mehrheit unseres Volkes w^iss nichts von dem namenlosen Unheil, das ihm droht, wenn Thoralehre und Thorastudium aus dem Herzen des Jehudi weichen, wenn die Quellen unserer ständigen Verjüngung versiegen. Die Mehrheit unseres Volkes weiss ferner nicht, wieviel an geistiger Kraft und an geistigen Schöpfungen gefährdet ist. Der Keren Hathora will es durch nüchterne Publikation aller Welt zeigen, und beginnt im vorliegenden Heft seiner ״Blätter“, die jüngste Geschichte unserer stolzesten Geistesstätten, der Jeschiwoth, zu veröffentlichen. Wir beginnen mit Litauen (frühere Gouvernements Wilna und Kowno), welches noch in der Gegenwart das reichste Netz von Hochschulen besitzt. Wir führen den Leser nach Woloschin, das Rabbi Chaim, der hervorragendste Schüler des Wilnaer Gaon, begründet hat, um das Vermächtnis seines Meisters zu erfüllen. Fast ein Jahrhundert waren die Tore hier weit geöffnet, ein Quell des Lebens für die Grössten und Grossen. Kaum einer im ehemaligen russischen Riesenreich, der dort nicht seine geistige Schulung empfangen hat — bis die Regierung durch ein Edikt die Schliessung der Anstalt verfügte. Erst nach dem Kriege ist es gelungen, dem Studium dort wiederum eine, bisher noch bescheidene. Pflanzstätte zu errichten. Wir berichten• ferner von Slonim und Mir, die nach dem Muster des alten Woloschin auch in unseren Tagen das Licht der Lehre in unverminderter Stärke verbreiten. Unter dem Glanz zweier Namen, deren Träger Rabbi Israel Meir Hakohen (Chofez Chaim) und Rabbi Chaim Ojser Grodzensky sind, strömen wie einst in glücklicheren Friedensjahren wiederum viele hunderte von Bachurim ׳nach Wilna und1 Radim, ebenso ״ach Slobodka und Telschi, wo Rabbi Mosche Mordchai Epstein und Rabbi Josef Bloch das Erbe der Väter verwalten. Unter dem Druck Wirtschaft- Iicher Not, die das kleine Land nicht zu bezwingen vermag, schicken die Führer sich an, Zweige ihrer Anstalten in anderen Ländern zu errichten, und schon ward im Heiligen Lande unter der Fahne Slobodkas für fünfzig Thorajünger ein Heim geschaffen. Schliesslich weisen wir noch auf das reiche Netz jener von Nowogrodek ausgehenden Lehrstätten hin, die durch eine einzigartige Verbindung von Thauro und Mussor jene stahlharten Charaktere schuf, die in dem traurigen Kapitel religiöser Verfolgungen der. Jetztzeit *durch bolschewistische Banden ein Märtyrerleben in der Verteidigung ihres Ideals Jahre hindurch führten und führen. Unzählige sind in dem Kampf gegen übermächtige Gewalten dahingegangen, viele hungernd und frierend ins Elend geflüchtet. Der grosse Führer und Gründer dieses Jeschiwohtyps, Rabbi Josef Josua horowitz, der Jahrzente hindurch seinen Jüngern dqs Ideal vorgelebt, physischen und seelischen Anfechtungen.‘ in jeder Lebenslage zu trotzen, hat in den Bändenkämpfen seine Seele ausgehaucht. Doch der Geist dieses Lehrers und seiner Lehre lebt in den zahlreichen Stätten fort, die seine Schüler errichteten, so in der Nähe von Wilna, in Pinsk, Bialystock, Meserycz, Warschau und anderen Qrten. Auch hach der Ukraine pilgern seine Jünger, um die Lehre des Meisters zu verbreiten und achten der Gefahr nicht, die ihnen dort im besonderen Masse droht. Es sind schlichte, ungefärbte Berichte, die wir. aus erster Quelle, zumeist von den Leitern der Jeschiwoth selbst, empfangen haben. Sie vermitteln ein treues Bild von dem unermüdlichen Ringen nach geistiger und seelischer Vervollkommnung und haben den Anspruch, in den Annalen der Geschichte verewigt zu werden. Der höchste Gewinn, den die Geschichte gewährt, ist (nach eines Weltweisen Wort) der Enthusiasmus, den sie erregt. In diesem Sinn soll die geschichtliche Erforschung des Lebens unserer Jeschiwoth im ganzen jüdischen Volke den Willen und die Kraft stählen, an der Erhaltung und Förderung dieser Stätten beizutragen, da von ihnen der wahre Bestand des Judentums und der Judenheit abhängig ist. Dr. Leo D e u t s c!h 1 ä nd e r. Eine orthodoxe Kongresswoche in Hamburg. Bundestag gesetzestreuer Gemeinden. Öeffentliche Bundesversammlung, 23. Dezember, in der Aula der Talmud Thora-Realschule. Innerhalb der Tagung werden folgende Referate gehalten werden: 1. Die Aufgabe des Bundes gesetzestreuer Gemeinden im Reiche und in den Ländern. Herr Rabbiner Dr. Munk, Berlin. 2. Frauenwahlrecht. Herr Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg. 3. Organisation und Gewissensfreiheit. Herr Rabbiner Dr. Kohn, Ansbach-Wien. II. Plenarsitzu n g des Landesdirektoriums des Keren Hathora für Deutschland. 1. Sitzung: a) Eröffnung durch Oberrabbiner Spitzer, Hamburg, b) Begrüssungen, Rabbinischer Rat, G. A. Keren Hathora-Zentrale 11. a., c) Bericht der Keren Hathora-Zentrale, Wien. 2. Sitzung: Die Lage der religiösen Erziehungsanstalten, insbesondere der Jeschiwoth im Osten. Referat von Rabbiner Kahnemann-Ponievics, nach einleitender Ansprache durch Rabbiner Ch. Grodzenski-Wilna und Grossrabbiner Markus Friedmann aus Sadagora. 3. Sitzung: a) Bericht des Landesdirektoriums für Deutschland, b) Die künftige Arbeit des Keren Hathora für Deutschland, c) Massnahmen zur Einleitung einer Rettungsaktion für die ישיבות Schlussitzung: a) Referat: ״Wie erzieht der westliche Jehudi sein Kind zu einenf Ben Thauro?“ b) Abstimmung über die Anträge c) Schlussansprachen. III. Tagung des Bundes jüdischer Akademiker. 1. Thorawissenschaft, a) Die Theorien des Rambam Ramban über Dibre Sofram. Dozent Dr. Neuburger, Würzburg, b) Dino d’malschuso dino. Cand. Biberfeld, Hamburg. 2. Geschichte: Ueber den Sinn der jüdischen Geschichte. Doz. Dr. M. Auerbach, Berlin. 3. Literatur: Die neuhebräische und jüdische Literatur in ihrer Bedeutung für das thoratreue Judentum. Ref. Dr. Schachnowitz, Frankfurt a. M. 4. Erziehung: a) Moderne pädagogische Bestrebungen in ihren Beziehungen zum Judentum. Dir. Dr. Carlebach,; Hamburg, b) Arbeitsunterricht für das jüdische Kind. Studienrat Dr. W. Halberstadt. 5. Rechtswissenschaft: Jüdisches Notrecht. 6. Medizin und Naturwissenschaft:: Untersuchungen für Erklärung des Bewusstseinzustandes nach dem Schächtschnitt. Dr. S. Lieben, Prag. 7. All■• gemeines: a) Das thoratreue Judentum der Gegenwart in politischer und zozialer Beziehung. Dr. L. Schlesinger^ Hamburg, b) Das thoratreue Judentum der Gegenwart in wissenschaftlicher und kultureller Beziehung. Dr. L. Deutschländer. IV. Erziehungskonferenz. Tagesordnung: 1. Der jüdische Unterricht an jüdischen höheren Schulen. 2. Der Profan unterricht an jüdischen Schulen. 3. Schulbücherfrage. 4. Herausgabe eines pädagogischen Handbuches für die jüdische Schule. 5. Jugendlektüre. (Herausgabe eines Verzeichnisses für orthodoxe Jugendliteratur für Osten und Westen.) 6. Massnahmen zur Förderung des orthodoxen Mädchenunterrichtes im Osten durch westliche Kräfte. 7. Zur Lehrerfrage in Ost und West. — Ihre Teilnahme an der Tagung haben bisher zugesagt: Vertreter der höheren jüdischen Schulen in Frankfurt a. M., Dir. Prof. Dr. Fink, Hamburg, Dir. Dr. Carlebach, Hamburg, Gymnasialdirektor Sejmdeputierter Dr. Holzberg, Telsiai, Gymnasialdirektor Dr. Niemciewicz, Bialystock, Dozent Dr. Neu־* burger, Würzburg, Rektor Stern, Frankfurt a. M., Rabbiner Neuwirth, Wien, Studienrat Dr. Langer, Dr. Bart, Frankfurt a. 1M., M־i!ttdschu׳ldirektor Ochsenmamn. iu. a. Di1rektor Dr. Jonas, Hamburg, Direktor Dr. Neuhaiu׳s, Leipzig, Studienrat Dr. Halle mann,!Leipzig, Dr. L. ScWlesimiger, Dr. Weinberger, Hamburger, 1Dr. W. Halberstadt, Berlin,, Univ.-Proif. Dr. Eisler, Wien. Dr. Deutschländer, Wien. Ausbau der Beth Jakob-Schulen in Polen. Die Beth Jakob-Bewegung, di׳e bis; jetzt hauptsächlich lin Polen ׳,und in Galizien Boden gewonnen :halt, äst endlich auch nach Polnjsch-Litauen einge'driungen. In!Bialystock wurde vor einigen Wochen die erste Beth Jakob-SchiulQ!gegründet. M^n hoifft, dass nun in iFolnÜsch-Litauen!mehrere solche Schulen, nach denen eiin grosses Bedürfnis ist, geschaffen weitem