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Jüdische Presse · 1924-12-19 · 51-52 (19.12.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
51-52 (19.12.1924)
Date
1924-12-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51/52 I JÜDISCHE PRESSE. Seite 329 Bericht Aber die Tätigkeit der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. ■ Tischri—Cheschwan 5685. * 1. Organisation und Propaganda. Unser Bureau in Jerusalem konnte dank der Munifizenz einiger deutscher Agudisten durch eine hebräische Schreibmaschine und durch eine den gesteigerten Ansprüchen entsprechende Inneneinrichtung ausge* stattet werden. Der bis jetzt nur im Nebenamt tätige Se* kretär, Herr Glückmann-Porusch, wurde hauptamtlich angestellt und steht dessen wertvolle Kraft nunmehr ganz zur Verfügung der Aguda. Die Poale Agudas Jisroel in Jerusalem (agudistische Arbeiterorganisation) hat quantitativ und qualitativ unter dem Vorsitz des Herrn Luria (ein aus Frank• furt emigrierter polnischer Aule) und des Herrn Liwasser stark zugenommen. Die augenblickliche Haupttätigkeit die• 8er Gruppe besteht in der Beschaffung von Arbeitsgelegen• heit in den Städten und judäischen Kolonien für ihre Mitglieder. Der Rabbinische Rat der palästinensischen Landes• Organisation erliess einen warmen Aufruf zur Beihilfe für die wirtschaftliche und kulturelle Tätigkeit der Palästina-Zentrale. Besonders in den osteuropäischen Landesorganisationen hat dieser Aufruf ein starkes Echo ge• funden. In Polen hat die Warschauer Palästina-Zentrale die Propagandatätigkeit für den Osten übernommen und mit einem ‘.ufruf für die Arba Amaus-Spende begonnen. In Ostga’izien wurde ein Keren Hoaulim unter Leitung der Herren S. Heller und Dr. B. Fessler eingerichtet und hat bereits schöne Erfolge zu verzeichnen. Die Palästina-Zentrale in Elsass-Lothringen wurde durch die Zuwahl der Herren Oberrabbiner Weil-Colmar und Bloch-Zabem ergänzt. In Lettland wurde unter Leitung des Herrn Kami• netzki eine Palästina-Zentrale der lettischen Landesorga• nisationen gegründet. In Deutschland wurde mit den Vorbereitungen zu einem Delegiertentage der Vertrauensmänner der Palästina-Zentrale in Hamburg für Anfang Tewes begonnen. Photographische Aufnahmen von einzelnen Klassen unserer Schulen in Palästina sowie ein Bild von Herrn .Iberrabbiner Sonnenfeld-Jerusalem wurden hergestellt und landen starken Absatz (die Bilder zu 50 Pf. das Stück ron der Palästina-Zentrale zu beziehen, bei grösseren Bestellungen Ermässigung). Der ״Kol J isroe 1“, unser palästinensisches Or-?an, hat sich streng an die Weisungen der Rabbinerdelegation 5684 gehalten und sich Angriffe auf ״Kol Jakob״ trotz dessen parlamentarisch nicht mehr zu kennzeichnenden Ton versagt. Als Illustration für ״Kol Jakob״ dient beispielsweise die Tatsache, dass dieses Organ den Bodenkauf der Agudas Jisroel als Schwindel darstellt und ein offizielles Dementi der Palästina-Zentrale nicht zum Abdruck brachte, während sogar die offizielle zionistische Presse in beachtlicher Objektivität den Bodenkauf der Agudas Jisroel registriert. ״Kol Jisroel״ hat in einer Beilage eine vorzügliche Darstellung der Leistungen der palästinensischen Agudas Jisroel im Jahre 5684 gegeben, und zwar in folgenden drei Rubriken: 1. ״Was wir leisteten״, 2. ״Was wir nicht leisteten״, 3. ״Woran wir unsere Gegner hinderten“. Es ist tief bedauerlich, dass mit Ausnahme der Slowakei nennenswerter Zuwachs von Abonnenten in Europa für ״Kol Jisroel“ bisher nicht zu verzeichnen ist. Der Beschluss der Krakauer Zentralratssitzung, dass jede Ortsgruppe mindestens auf ein Eexmplar des ״Kol Jisroel“ abonniert sei, harret noch der Verwirklichung. Die Palästina-Zentrale ist bereit, Abonnements entgegenzunehmen. Einige Artikel aus agudistischen Blättern über Palästinafragen wirtschaftlicher und politischer Art wurden von der Palästina-Zentrale vervielfältigt und zur Information für weitere Kreise verwendet. 2. Schulwesen. Neben den bisher von der Aguda subventionierten Schulen ist die Gründung einer Talmud Thora in Kfar Saba (in der Nähe von Petach Tikwah), wo bisher keinerlei Schule vorhanden ist, ins Auge gefasst worden. Die Mädchenschule in Jerusalem wurde durch Hinzufügung eines Näh• und Stickkurses für die schulentlassenen Schülerinnen erweitert. Die Mädchenschule in Tiberias wurde aus den bisher unzulänglichen Räumen in ein neues, für dortige Verhältnisse komfortables Heim verlegt. Die Schule umfasst bis jetzt drei Klassen. Um den dringendsten Bedürfnissen des Schulwesens Rechnung tragen zu können, müssen der Palästina-Zentrale jährlich 3000 Pfd. Sterling zur Verfügung stehen. Bisher haben sich fast ausschliesslich Deutschland und die Schweiz um die Aufbringung dieser Mittel bemüht, aber auch in noch unzureichendem Masse. Die Roschchaudesch- Spende, welche lediglich dem Schulwerke dient, muss für jeden Agudisten zur Selbstverständlichkeit werden. 3. Emigration. Der Jerusalemer Aguda gelang cs, für zehn Aulim, welche in Czemowitz wegen Passschwierigkeiten aufge* halten wurden, Visa zu erlangen. Eine Gruppe polnischer Aulim gründete in R a n a n i a auf einem Boden von 50 Dunam, welche ihr von einem polnischen Agudisten geschenkt wurden, eine agudistische Siedlung (in der Nähe von Petach Tikwah) auf genossenschaftlicher Grundlage. Die Aulim sind sämtlich talmudisch gebildet und arbeiten an ihrer jüdischen Ausbildung weiter, ohne dabei die landwirtschaftliche Betätigung zu vernachlässigen; hauptsächlich durch Gartenwirtschaft und Gemüsebau versuchen es diese unserer Gesinnungsgenossen, sich den Lebensunterhalt zu erwerben. Bis zu Beginn der nächsten Ernte wurde die Palästina-Zentrale um ein Darlehen angegangen, das aber noch nicht gewährt werden konnte. Nach Berichten Aussenstehender erweckt der Betrieb dierer vorläufig einzig dastehenden Genossenschaft in den Nachbarkolonien allseitig Anerkennung. Die Vorarbeiten zur Einrichtung einer agudistischen Küche für Aulim in Jerusalem sind erledigt und es dürfte im Laufe der nächsten Wochen mit der Eröffnung dieser Küche zu 'hnen sein, bezüglich einer Verbilligung der Reise für Aulim sowie einer besseren Verpflegung derselben hat sich die Palästina-Zentrale mit dem P a,l ästina-Lloyd irs Einvernehmen ge:e zt. Auch diese Ver- Handlungen dürften bald zu einem positiven Abschluss führen. PELZWAREN eigener Erzeugung solidester Ausführung. Uebernahme aller Art Reparaturen und Umarbeitungen. Pelz haus TetJer HSMÄSSft שכת geschlossen Eine Gefahr für die Wiener Orthodoxie. Durch den Zuzug aus den Kriegsgebieten und da« durch, dass die Jugend, die früher zum Teile dem religiösen Judentume verlorengegangen, in unseren Erziehungsanstalten. einen Halt fürs Leben bekam und dai jüdischen Idealen treublieb, ist das gesetzestreue Judentum in Wien gewaltig erstarkt. Während aber vor dem Kriege fast alle Juden, die nach den Satzungen unserer Religion leben wollten, Woh* nung in der Umgebung der Schiffschul zumindest aber im zweiten Bezirk nahmen, waren infolge der Wohnungsnot die im letzten Jahrzehnt Zugewanderten und die jungen Haushalter gezwungen, in anderen Gemeinde• bezirken, wo sie eben Wohnung bekamen, sich nieder• zulassen. Dies bedeutet nun, wenn die hiezu Berufenen nicht rechtzeitig die nötigen Schlüsse daraus ziehen, für die orthodoxe Judenschaft eine gewisse Gefahr. Solange sich der weitaus überwiegende Teil der rituell lebenden Juden räumlich um die Schiffschul gruppierte, war es weiter nicht notwendig, dass dieselbe, welche seit über sechzig Jahren Trauungen Schechita, Mikwah, Mazzoth usw. nicht nur für ihre Besucher und Mitglieder, sondern für alle, die daran teilnehmen wollten, besorgte, ihrem Doppelcharakter als Bethaus einerseits, andererseits als eine Gemeinschaft, welche Funktionen besorgte^ die im allgemeinen dem Kehilloh obliegen, in ihrer Verwaltung Rechnung trage. Bei den geänderten Verhältnissen hätte die Schiffschul zwei voneinander in gewissen Be- Ziehungen unabhängige Verwaltungen schaffen müssen, von welchen die eine sich aus den Besuchern der Schiffschul rekrutieren musste und die Bethausverwaltung zu besorgen hätte, während die andere aus Vorständen alle! jener Beihausvereine gebildet werden müsste, welche orthodoxe Juden besuchen, und welches Gremium jene Agenden zu besorgen gehabt hätte, welche sonst der KuJtusgemeinde obliegen, in Wien aber zufolge der Zu* sammenletzung derselben von den orthodoxen Juden selbst besorgt werden müssen, wobei loyal zugegeben werden muss, dass die Wiener Kultusgemeinde in richtiger Auffassung des Liberalismus diesen Bestrebungen keinerlei Schwierigkeiten in den Weg legt. Anstatt dessen blieb in der Schiffschul alles wie vor 60 Jahren, der Kontrakt mit den anderen orthodoxen Bethäusern, und zwar sowohl mit den Rabbinern als mit den Vorständen, ist gleich null und es ergibt sich, dass einzelne Herren, die in dem Schiffschulvorstand mit Rücksicht auf Ihre Eignung für den Tempeldienst gewählt wurden, in Schechitafragen entscheiden oder den immerhin heiklen Verkehr mit den anderen Bethäqsern pfl$- gen, mit dem Resultate, dass jahrein jahraus hieben wie drüben keine rechte brüderliche Stimmung aufkommen kann. Ich gestatte mir nun folgende Vorschläge, die dem abhelfen sollen, zur Diskussion zu stallen: Die Schiffschul wähle einen Bethausvorstand von 18 ־׳ Personen. Die Addas Jisroel wähle einen Vorstand von 50 Personen, welcher von allen orthodoxen Bethäusern, die mit* halten wollen nach einem zu vereinbarenden Schlüssel beschickt wird, und welcher die bisher von der Schiffschul ausser der Bethausverwaltung innegehabten Agenden übernimmt. Dieser Vorstand wählt aus seiner Mitte 7 Herren, welche die laufende Geschäftsführung besorgen. Das Rabbinat der Adass Jisroel nimmt die Rabbiner der orthodoxen Bethäuser unter zu vereinbarenden Modalitäten auf und zieht dieselben auch zur Haschgachah bei Bauernbevölkerung, mit den Geschicken dieses schönen Ländchens verknüpft. Bei der nichtjüdischen Bevölkerung des Bungenlandes herrscht vielmehr Verständnis für die Eigenart des jüdischen Bevölkerungstei'ies, da hier die Juden diese Eigenart auch viel freier zur Schau tragen und stolizer betonen als sonst irgendwo in Mitteleuropa. Dort wäre nicht denkbar, was ich neulich in der Thetemangasse in Wien sah, dass nämlich keine einzige Fensterscheibe an dem dort befindlichen jüdischen Bethause ganz ist, was wohl weniger der Gewalt der aus diesem Heiligtum dringenden Gebete als vielmehr gewissen äusseren Einwirkungen zuzuschreiben sein dürfte. Wenn im Monat EiatJ im Burgenlande der Schofar ertönt, dann sagen die Bauern, dass die Juden den Herbst einblasen, wenn in Zeiten der Dürre alle Bhtprozessionen nicht helfen wollen, dann kommen sie zu den Juden und fordern sie auf, um Regen zu beten, und in Mattersdorf ist von den zwei dort bestehenden Ortsfeuerwehren die jüdische auch bei den Nichtjuden als die bessere anerkannt Die Juden des Burgenlandes haben aber auch immer eine gewisse Rolle im europäischen Judentum gespielt und auch jetzt, in unserer Zeit der Um- \vertung aller Werte, sind sie uns mehr als bloss ihrer numerischen Bedeutung entspricht. In ihrem Leben, ׳in ihren Tugenden und Fehlern spiegelt sich treu das Bild unseres gegenwärtigen Zustandes, sie sind uns Gradmesser des alten und zugleich auch des neu werdenden jüdischen Lebens und ihre Gemeinden sind uns teure Symbole, die aufrecht stehen bleiben und immer beachtet werden mögen, bis — ־ wie es hoch oben an der Kuppel der Mattersdorfer Synagoge heisst: עד כי יבא שילח bis sie einst nach Schiloh, in Israels eigenes Land zurückkehren! Wie wurde ich mit einem russischen Fürsten bekannt? oder Wer Ist schuld daran? - der Jud! Von L. Balls-Transsylvanien. Umsteigen. Wieder und wieder zwischen die Geleise laufen, in der Linken zwei Pakete, in der Rechten zwei, unter den Arm gepresst den welkenden Abschiedsstrauss. Kein besonderes Vergnügen. Endlich oben. Jemand schiebt mich gütig meinen Paketen nach, die ich hastig in das erste Kupee stelle. Trotz der Eile ist noch Zeit zu konstatieren, dass ich mein Abteil mit gutmütigen Menschen teile, scheinbar Ehepaar, zirka silberne Hochzeitsfeier. Ausser ihnen noch ein markantes Gesicht im Raum; unter der kecken Reisemütze schauen zwei interessierte Augen zu mir herüber. Ich stehe beim Fenster im Gange und er steht neben mir. Mit Berechnung und etwas auffallend zieht er ein Buch aus der Tasche, lässt mir dabei Zeit, das Titelblatt gründlich zu mustern. ״Die Totengräber Russlands“, so steht es mit breiten Lettern. Der freundliche Unbekannte, der In seinem hochgeschlossenen Schwazrhemd einem Faszisten gleicht, kennt die Öual der Neugierde; langsam kommen Blatt um Blatt die Totengräber zum Vorschein. Unter jedem Bild, unter jeder Karikatur, besser abstossenden . .— . FERTIGE HERREN- KNABEN- KINDER KLEIDER Matsabteilung bis zu den feinsten englischen Stoffen, reinste, eleganteste Ausführung / Neueste \odejournale Kegen auf / Auf Vermeidung von שעטנק wird streng geachtet / Um geneigten Zuspruch bittet Hochachtungsvoll' I- STERN, II., GLOCKENG. 25. Tel. 46^9^13 1aa**m**mmmm**m mm + ■ Kreatur, stehen einige Worte. Der Refrain ist ungefähr, dass Trotzky, der dies und jenes verschuldet, ein Jud ist, Lenin auch, und jener auch. Emma Goldberg ist auch unter ihnen. Sie scheint ihm besonders verhasst; sein schönes Gesicht verzerrt sich beinahe. Wir fangen nach dieser Einleitung zu plaudern an. Mein Russe schimpft auf die Juden, und stellt endlich die naive Frage — ob etwa — ich auch?... Und bringt Beispiele, dass Grossfürsten Judenfrauen liebten. Hie Frauen, das ist etwas anderes. (Ausgenommen die Emma Goldberg.) Ich möchte gern das Buch. Es geht nicht. Es ist ein heiliges Buch, das ihm die Propheten aus Bayern (München) sandten. Eine Kunst, in der Stadt der Künste solche Bilder herzustellen. Er spricht ausser russisch, türkisch, armenisch, serbisch, französisch und noch andere Sprachen. Jetzt fährt er nach Nizza — via Paris. In der weissen Stadt lauern weisse Russen auf schwarzrote Rache. Mir fällt die alte Sage ein. Der Mann mit zwei Frauen. Die eine war alt und riss detn Gatten d.ie dunklen Haare aus, damit er zu ihr passe, die junge riss ihm die grauen aus, aus dem gleichen Grund. So blieb er ein Kahlkopf sein Leben lang. Armes Russland! Seitdem ich den hasserfüllten russischen Fürsten gesprochen, verfolge ich oft die Geschehnisse auf seinem Boden. Da wurde mir langsam klar: Nicht die orthodoxen Russen, nicht die Juden sind an dem Unheil schuld, sondern der Herrscherwahn־ sinn deiner regierenden Macht. Ich lese von politischen Gefangenen, die auf barbarischeste Weise umgebracht werden. Ich höre fast den verzweifelten Schrei dieser Mensehen, die der neuen Macht zum Opfer fielen. Aber bricht diese zusammen, öffnen sich die Tore der Gefängnisse, und mit der Gewalt der alten Macht werden nun die anderen dem Tode geweiht. Wann wird eine Macht die politischen Gefängnisse leeren, in diese Bomben schleudern, damit sie ein einziges Mal hell erscheinen, um dann ewig und endgültig zu verschwindenl

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