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Jüdische Presse · 1924-12-12 · 49-50 (12.12.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
49-50 (12.12.1924)
Date
1924-12-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 49/50 JOMBCBE HBBSSE, Seite 323 00® Vom Tage. 10001 Jüdischnationale Landespolitik. Gelesentlich der jüngsten Wahlen in England spielte sich ein Vorgang ab, der in der jüdischen Welt viel zu wenig Beachtung fand, ln London wurde die Frage laneiert, ob es nicht notwendig sei, einen speziellen jüdischen Kandidaten der Wählerschaft zu präsentieren, d. h. einen national-jüdischen. Dagegen wandte sich mit besonderer Energie das zionistische Organ ״Die Zeit , u. zw. mit Argumenten, die, wenn sie sich in einem agudistischen Organ befunden hätten, sofort als antinational und Volksverrat gekennzeichnet worden wären.. Der Gedankengang der ״Zeit“ ist etwa folgender: Bei der vollkommenen Gleichberechtigung, welche in staatsbürgerlicher Hinsicht die Juden in England besitzen, wäre es ein Vergehen sondergleichen, wenn man den Versuch machen würde, Gegensätze zu konstruieren. Es folgen daran einige sehr scharfe satirische Bemerkungen über die Art und Weise, wie durch einzelne verantwortungslose, streberische Elemente ein Gedanke in die Welt gesetzt, um diesen Gedanken künstlich eine Bewegung erzeugt und der Gedanke selbst dann als eine der stürmischesten Forderung des ganzen Volkes dargestellt wird. Diese Tatsache soll festgehalten werden. Es ist das erste Eingeständnis des Fiaskos der von der zionistisenen Organisation ausserhalb Palästinas versuchten National:- sierung der Juden. Es wird da mit sehr dürren Worten zugestanden, dass die Nationalisierung selbst nicht die bezwingende Kraft einer unter allen Umständen sich durchsetzenden Idee haben soll. Das ist gleichzeitig eine Antwort auf die jüngst von einem hohen Würdenträger eines slawischen Staates geäusserte Anfrage, wieso es denn komme, dass die nationalen Forderungen der Juden nur in den slawischen Staaten geäussert werden, und dass gerade die Westjuden, denen es nicht einfällt, in ihrem Heimatlande eine solche Frage zu erheben, diesen Forderungen in den Oststaaten solch gewaltigen Eindruck verleihen. Es ist nicht an dem, wie jener Würdenträger meinte, dass da etwa grosse politische Momente eine Rolle spielten, sondern die Gedankenführung der ״Zeit“ gebe durchaus zureichenden Aufschluss über diese Eigentümlichkeiten. Es liegt den Satten nichts daran, wenn sich die Hungernden nationalistisch gebärden, und es ist sehr bequem, sich ohne jedes Mandat in den europäischen Hauptstädten als Portefeuilleträger der nationalistischen Forderung einzuführen und dabei sorgsam darüber zu wachen, dass die aus diesen nationalistischen Forderungen sich ergebenden Konsequenzen in den Westländern, d. h. also in den Ländem der Emanzipation, nicht allzu laut sich vorwagen. Das ist der Kern der Sache. PELZWAREN eigener Erzeugung solidester Ausführung. Uebernahme aller Axt Reparaturen und Umarbeitungen. P elzhausTeitler J25Ü2Ä geschlossen שבך! 0 י-«י«יי/ PERTIGE HERREN- KNABEN- KINDER KLEIDER Massabieilung bis zu den feinsten ־ englischen Stoffen. Feinste, eleganteste. Ausführung / Neueste Modejournale liegen auf / Auf Vermeidung von שעטנין wird streng geachtet / Um geneigten Zuspruch bittet hochachtungsvoll J. STERN, II., GLOCKENG. 25. Tel. 46-9^3 6. Kobersdorf. Ich ging im Walde so für mich hin . . . Ich eile, trm noch vor Sonnenunferganig nach dem etwas mehr als eine Stunde von Lackembach entfernten Kobersdorf zu komimen. Unterwegs kommt mir mitten in einer riesigen Staubwolke ein kleines Bauemwägelchen entgegen, dessen Insassen ich im Vorüberfahren als Juden erkenne. Ihre sonnverbrannten Gesichter und die kräftige Art, wie sie die Pferde meistern, erinnern mich wieder an galiziscJie Land- Juden und wenn ich mir dam vor Augen halte, weiche Summe von Intelligenz und Lebensfreude aus all dem, was ich von den Lackenbacher Juden gesehen 1jmd gehört habe, spricht, dann freue ich mich dieser jüdischen Bauemnaturen, aus denen in ihrer Begeisterungsfähigkeit und1 Hingabe, wenn nur endlich einmal unsere!Rückkehr nach Erez Israel zur Tat wird, bei entsprechender Führung die besten Bebauer unseres Landes und Erbauer unseres Heiligtums werden können. Und auf der bewaldeten Höhe, von der aus ich rückblickend! die Jakobshütten von Lackeribach und vorausschauend die Israelszeljte von Kobersdorf schaute, fand ich mitten am Wege, einen abgerissenen Zettel liegen, auf dem ein neuerschienenes Chumesch mit dem Kommentar בית דוד angepriesen wird!. Solche Funde kann man bei einer Fusstour diurch den Wienerwald allerdings nicht machen; hier aber ist mir dieser kleine Zettel noch ein ganz besonderer Fingerzeig dafür, welches wohl das Zeichen ist, in dem die Zukunft nicht nur dieser Kehilloth, sondern die des ganzen Judentums gesichert ist. R, Efraim Müller ז״ל♦ Am 3. Klslew verblich nach längerem Leiden im 62. Lebensjahre Herr Efraim Müller נ״ע, als Sprössling einer Familie von תלמידי חכמים war er selbst ein durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgezeichneter Mann, ln Oedenburg, wo er als Kaufmann lebte, erfieute er sich ausgezeichneter Hochachtung, die ihm auch in Wien zuteil wurde, wohin er vor Jahren übersiedelte. Als שליח ציבור erfreute er sich in der Schiffschul der wärmsten Anerkennung. Er hat nur Freunde und Yerehrer hinterlassen. זבד צדיק לברכח• Siumfeier der Agudas Jisroel Jugendgruppe Wien II. Der vierte Daf jomi, welcher den ganzen Sommer über in unserer Jugendgruppe gelernt wurde, wurde Sonntag abends im Rahmen einer Siumfeier auf Messechtas Pessachim beendet. Die überaus zahlreich erschienene Jugend sowie alle übrigen Gäste begrüsste Herr L. Löwy in kurzen Worten, worauf Herr Oberrabbiner Fürst sich in einer begeisternden Ansprache an die Jugend wandte. Eingangs bemerkte er, dass er, wie alle Anwesenden, noch unter dem Eindruck des Hinscheidens unseres Scheliach Zibbur, des Herrn Efroim Müller, stehen, dem auch alle am heutigen Abend• gesprochenen Diwre Thora zugedacht sein mögen. In wunderbaren Worten ermahnte unser Rebbe die Jugend, treu an ihrem Ideal des Limud Hathora festzuhalten, ihr alle freie Zeit zu widmen und dem wirtschaftlichen Abbau, der leider auch in unseren Kreisen so viele Opfer forderte, den religiösen Aufbau, den Limud Hathora, entgegenzustellen. Nur so wird die Jugend die in sie gesetzten Hoffnungen rechtfertigen. Anschliessend hielt der Osiranor Raw, Reb Fischei Arak, einen Pilpul-Vortrag, der durch seine geistige Schärfe und Tiefgründigkeit die Zuhörer bis zum Schluss im Banne hielt. Sodann ergriff der bewährte Vortragende des Daf jomi Schiurs, Herr A. Neufeld, das Wort, um zur weiteren regen Teilnahme an den Schiurim anzueifern. Hierauf sprach unter begeistertem Beifall der Anwesenden der ewig junge Freund der Jugend, Herr Rabb. Dr. Pinchas Kohn, in gewohnt meisterhafter Weise, worauf Herr Salomon Schreiber und namens des Unterrichtsausschusses Herr Jakob Teitelbaum den Kreis der Redner schloss. In froher Festesstimmung wurde die Siumfeier, die einen nachhaltigen Eindruck auf die Anwesenden hinter- Hess, in später Stunde beendet. Der Wirtschaftsrat der Agudas Jisroel. Frankfurt. (A. J. P. B.) Die Arbeiten um die Siedlung der Agudas Jisroel in Emek Israel erfordern eine fachmännische ökonomische Leitung. Zu diesem Zwecke wurde ein Wirtschaftsrat gebildet. Diesem gehört unter anderen auch der bekannte Statistiker und Kenner der Kolonisation Herr Dawis Trietsch an. Das Sonntagsruhegesetz in Litauen angenommen. — Die jüdische Protestdemonstration. Kowno. (A. J. P. B.) Das Sonntagsruhegesetz wurde in der dritten Lesung durch den litauischen Sejm angenommen. Diese Gesetzes■ annahme bedeutet eine Katastrophe für die jüdische Bevölkerung in Litauen, die nun gezwungen wird, zwei Tage in der Woche zu feiern. Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat das Rabbinat in Kowno für Montag, den Tag der entscheidenden Sejmsitzung, Ordre ausgegeben, bis 1 Uhr mittags sämtliche jüdische Geschäfte und Betriebe zum Zeichen des Protestes zu schliessen und die Arbeit niederzulegen. Diese Protestdemonstration wurde in Kowno und im ganzen Lande restlos durchgeführt. Kein einziges jüdisches Geschäft, keine Fabrik oder Werkstatt arbeitete. Die jüdische Bevölkerung versammelte sich in den Synagogen, wo die Rabbiner über die Bedeutung und den Ernst der Stunde sprachen. In der Kownoer Hauptsynagoge hielt Rabbiner Kahnemann aus Poniewietz die Ansprache. Er wies in flammenden Worten nach^ dass das Gesetz hauptsächlich gegen die Juden gerichtet sei, dass nur die opfervolle Behütung des Sabbats im• stände sein kann, das litauische Judentum Jn Reinheit zu bewahren. Die Rede Rabbiner Kahnemanns hat eineit ungeheuren Eindruck gemacht. Ueberall verlief die Demonstration in Ruhe und Würde. Das orthodoxe Organ in Kowno, ״Jiddisches Leben“, hatte die Protestdemonstration durch Herausgabe einer Extraausgabe und eines Auf* rufes vorbereitet. Im Sejm hielten der Abgeordnete RobinJ sohn (Zionist) sowie der Abgeordnete Dir. Dr. Holzberg (Agudist) Reden gegen die Annahme des Gesetzes. Abgeordnete Holzberg wies die Unterschiede zwischen Litauen und den anderen Ländern auf und warnte den Sejm vor Generalisierung, die im Falle Litauen dem ganzen Staate und der ganzen Bevölkerung zum Schaden gereichen wird. Ferner stellte Abgeordnete Holzberg fest, dass die Annähme dieses Gesetzes einen offenen Bruch der litauischen Verfassung bedeute, welche volle Autonomie und kon4 fessionelle Freiheit allen Staatsbürgern verbürgt. Die Annähme des Gesetzes hat auf die «jüdische Bevölkerung einen lähmenden Eindruck gemacht. Von den polnisch-litauischen Jeschiwoth. Wilna. (A. J. P. B.) Vergangene Woche fand hier die Konferenz des Jeschiwoh-Komitees statt, das seinerzeit zur Hilfeleistung für die litauischen Jeschiwoth unter Vorsitz des! Oberrabbinecs Ch. O. Grodzenski gebildet worden ist. Aus dem erstatteten Berichte geht hervor, dass bis nun 80.000 Zloty gesammelt wurden. Es wurde beschlossen,, die Rettungsaktion zu intensivieren und in der nach* sten Zeit eine Arbeitskonferenz nach Bialystock einzu״ berufen. Aus der Agudo in der Schweiz. Plenarsitzung des schweizerischen Landesko niitees der Agu- . das Jisroel. Zürich. (A. J. P. B.) Im Sitzungssaal der Isr. Relig.-Ges. fand letzten Sonntag die Pienarsitzung des schweizerischen Landeskomitees derAguda statt, an der auch die Herren Rabbiner Dr. Lewenstein, Rabbiner Kornfein (Zürich) und Rabbiner Brom (Luzern) teilnahmen. Als Gast war auch das Mitglied der politischen Exekutive der Aguda, Grandrabbin Dr. E. Weil (Colmar) anwesend. Nach Berichterstattung seitens des Präsidenten der Landesorganisation Herrn A. W. Rosen* zweig, über geleistete Arbeit, sowie über die Lage der Aguda in der Schweiz, wurde nach einer regen Diskussion, an der sieft die Herren Rabbiner Dr. Lewenstein, Rabbiner Kornfein, Rabbiner Weil, sowie Herr Josef Erlanger (Luzern) und die Herren Ch. J. Eiss, Weinstein, Josef Rotschild und Koschland (Zürich) beteiligten, u. a. beschlossen, den schweizerischen Delegiertentag derAguda für den 25. Dezember einzuberufen. Den Ort wird das Präsidium noch bestimmen. Einstimmig wurde beschlossen, eine Konferenz der schweizerischen Keren Hathora- Komitees einzuberufen. Wie der Präsident der schweizerischen Keren Hathora-Komitees, Herr Rabbiner Brom, mitteilte, wurden in den letzten 7 Monaten zirka 7000 Franken für diesen Zweck gesammelt. Ferner wurde beschlossen, der Aufforderung der Aguda-Zentrale, das religiöse Bedürfnis der orthodoxen Juden in Sowjetrussland zu stärken, Folge zu leisten, und Gelder zu sammein für die Herstellung der rituellen Tauchbäder (Mikwoaus) in Sowjetrussland. Von Keren Hathora. — Die Ausgabe von Dollar- Coupons. Wien. (A. J. P. B.) Die Keren Hathora-Zentrale beginnt in der nächsten Woche mit der Ausgabe von Dollarcoupons für die von dem Zentralrat in Krakau beschlossenen Hunderttausend Dollar-Aktion für die notleidenden Jeschiwoth. Die Coupons, welche von dem bekannten Maler Uriel Birnbaum gezeichnet wurden, machen einen äusserst guten Eindruck. Die Coupons werden in der Höhe von 1/2 bis 1000 Dollar ausgegeben und sind bei allen Landeszentralen der Agudas Jisroel zu erhalten. Ein Beirat für die jüdische Sejmfraktion in Lettland. Riga. (A. J. P. B.) Um den Kontakt der jüdischen Parteien untereinander zu erhalten und um ein einheitliches Vorgehen zu ermöglichen, wurde ein Beirat für die jüdische Sejmfraktion in Lettland gebildet. Diese setzt) sich, wie folgt, zusammen: Für Agudas Jisroel 2, Zeirei, Agudas Jisroel 2, Nationaldemokraten 4, Misrachi 2, Zeirei Zion 2, Histadrus Hazionis 2, Volkspartei 2. Darlehenskasse der Agudas Jisroel. Jerusalem. (A. J. P. B.) Die Agudas Jisroel in Jerusalem hat mit Hilfe der Palästinazentrale der Agudas Jisroel eine Darlehenskasse errichtet, die bereits ihre Tätigkeit begonnen hat. Die Darlehenskasse vergibt unter besonders günstigen Bedingungen kleinen Unternehmern und neueingewanderten Aulim Kredite für piwduktive Zwecke. Von der orthodoxen Kolonie B’nei Brak. Wien. (A. J. P. B.) Der Gründer der orthodoxen Kolonie B’nei Brak, Herr Gerstenkorn, besuchte das Zentralbureau der Agudas Jisroel in Wien und berichtete folgendes übe!4 die Entwicklung der Kolonie: In B’nei Brak wohnen bereits 60 Personen, die aus Polen eingewandert sind. Die Einwohner führen alle ein streng orthodoxes Leben. Für Limud Hathora wird bestens gesorgt. Auch befindet sich bereits ein Rabbiner in der Kolonie. Die Aguda aus Jerusalem hatte in der Kolonie ein Cheder begründet. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Vertreter der Behörden, unter diesen auch General Störs, haben die Kolonie besucht und über ihre Entwicklung und Fortschritte ihre Bewunderung ausgedrückt. Rabbi Gerschon Lesser gestorben. Cincinnati (A. J. P. B.) Anfang Marcheschwan verschied hier einer der ältesten Rabbiner Amerikas, Rabbi Gerschon Lesser, im 92. Lebensjahre. Der Verstorbene stammte aus Mir in Russland und war der Schüler Rabbi Jizchok Elchanan Spektor s. A. Seine Werke ״Ohel Meed“ und ״Beachris Hajomim“ hatten seinerzeit grossen Erfolg gehabt. NEUERÖFFNET! En gros. En detail. Baste oberschlesische SalonkoHlenundHolzhandltmg Billigste Tagespre ise. g^* Garantiert ehrliche» Gewicht! “WB Jedes Quantum wird ins Haus zugestellt. Reellste Bedienung. Wir bitten die Juden Wiens, ihren Bedarf an Brennmaterial bei uns zu decken. Jakob IsakHorowltzft David Halberstam Wien, II., Leopoldsgaase 22. Telephon 45-6-21. Festbankett! Der Verein ״Tiftres Bachtirim“ veranstaltet Sonntag, den 21. Dezember (ersten Chanuka-Abend), um 727 Uhr abends im Turnsaale der Talmud-Thora, Wien, II., Malzgasse 16, ein DPestba.z1!bcett. D:e grossen Sympathien, der sich dieser Verein erfreut,, lässt erwarten, dass dieser Abend von allen Freunden und Gönnern vollzählig besucht wird. Karten sind bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern und in der Jugendgruppe, Wien, II., Flossgasse 1, erhältlich.

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