Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 49-50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1• t * Seite 324 y_JÜDISCHE PRESSE._״ Nr. 40/50 ״׳‘׳יי •י* * 10000000( 0 T8CHECH0-SL0WÄKEL |£ 3K00000®0| Jacob Rosenheim in Bratislava. Der 3. Kislew dieses Jahres war ein grosser Tag fiir das Judentum in Bratislava und der benachbarten Gemeinden. Der Besuch Jacob Rosenheims in Bratislava wuchs sich für tausende Juden zu einem jener herrlichen, die zartesten Saiten der Seele erfassenden Erlebnisse aus, die im Leben nur selten wied'erkehren. Diesen Sonntag-Nachmittag wird die Bratislavaer Judenschaft lange in Erinnerung behalten. Er wird fortwirken, fortklingen, fortsingen im * Herzen aller, deren Seele fiir jüdische Erhabenheit für jüdische geistige Grösse empfänglich ist. Wir wissen nicht, ob es Jacob Rosenheims Vorsatz war. die Tausende, die im grossen Saale des ״Bellevue“ seinen Worten lauschten, in die Höhe reiner jüdischer Wahrheitserkenntnis emporzuheben, ob es in seiner bewussten Absicht lag, unsere Tageskämpfe, unsere 1 agesprobleme all ihres hässlichen Beiwerks zu ent■ kleiden und in den im Sonnenglanz schwingenden Sphärenkreis geoffenbarter Thorawahrheiten einzufügen. Uns schien es, als ob ein eigener Zauber auf den Lippen Jacob Roseniieims schwebte, durch den er alle seine Zuhörer mit sich fortriss in eine schönere Welt veredelten Judentums, in der die jüdische Zeitlichkeit mit all ihren Mängeln, die jüdische Gegenwart mit all ihren Widersprüchen, einen neuen Sinn :bekam, einen E w i g k e i t s sinn von unbegrenzter Dauer. Da sassen sie, Mann an Mann gedrängt, jung und alt, bunt durcheinander, in dichten Reihen, fromme Juden, Unfromme, Zionisten, Aller- Weltsmitläufer, jüdische und christliche Politiker, Gelehrte, Staatsmänner und Beamte aller Klassen und aller Richtungen, greise Rabbiner und Gemeindevorsteher, neben tatendurstigen Jünglingen der Aguda- Jugendgruppen und hasserfüllten Fanatikern nationalistascher Schomrim in ׳dem einen breltgestreokten Saale, und jüdische Frauen und Mädchen, abgeklärte Grossmütter, ergebungsvolle Mütter und aufbrechende Knospen aus dem jüdischen Saronsgarten im Nebensaale — und aller Augen hingen unverwandt an den Lippen dieses bescheidenen Mannes auf der Tribüne, der nichts sein will a’is der Interpret eines Statuts, des Program mos der Agudas Jisroel, der Dolmetsch jener Gedanken, die die Grossen in Israel der Agudas Jisroel mit auf den Weg gegeben haben... Und Jacob Rosenheim ahnt nicht, dass er all diesen vielen Menschen ein Fest bereitet, dass er allen diesen jüdischen Seelen Schwingen verleiht und sein begeistertes Wort Gluten entfacht, deren Fern- Wirkungen die Zeiten und die Verhältnisse überdauern werden . . . Spät in der Nacht des מוצאי שבת , mit dem letzten Wiener Eisenbahnzuge traf Herr Rosenheim in Bratislava ein. Im Bahnhofe begrüssten ihn die Vorstandsmitglieder der Aguda-Landesorganisatioii, des Jugendverbandes, der Orts- und Jugendgruppe (mehrere jüngere Leute waren ihm bis Lamatsch entgegengefahren) und ein grösserer Kreis von Verehrern, sofern sie von seiner Ankunft unterrichtet werden konnten. Am Morgen besuchte er zunächst den Oberra&biner von Bratislava, zu dem er seit Jahrzehnten freundschaftliche Beziehungen unterhält. Sodann begab er sich in das Aguda-Bureau in der Turnergasse, wo unter Vorsitz des Herrn Oberrabbiner Weber eine intime Beratung stattfand. Herr. Oberrabbiner Weber widmete in der Erv öffnungsrede Herrn Rosenheim herzliche Begrüssungs- Worte. Hier erschien bald unter Führung des Geineindepräses Hern David K r a 11 s z auch eine Ab- Ordnung des Vorstandes und begriisste Herrn Rosenheim im Namen der Gemeinde und der gesamten orthodoxen Juidenschaft Bratislavas in einer warmen Ansprache. Herr Rosenheim dankte gerührt und gab seiner aufrichtigen Freude darüber Ausdruck, dass die Bratislavaer Gemeinde getreu den alten Traditionen den Geist des wahren Thorajudentums in seiner Reinheit bewahre. Als Herr Rosenheim am Nachmittag (3hr festgesetzten Stunde in Begleitung des Landesvprstandes das Etablissement Bellevue betrat, waren die beiden grossen Säle fast vollbesetzt, obgleich wegen des Streiks das wichtigste Propagandamittel, die Tagespresse, fortgefallen und von den anderen üblichen Ankündigungsmitteln auch nur beschränkter Gebrauch gemacht worden war. Unter den Anwesenden bemerkte man zahlreiche Talmide Chachomim, die sonst öffentlichen Veranstaltungen fernzubleiben pflegten, Rabbiner und offizielle Delegationen der meisten nähergelegenen jüdischen Gemeinden. Es waren ältere Rabbiner anwesend, die in zwölfstündiger Reise aus weiter Ferne kamen, um den Führer der Agudas Jisroel persönlich kennen zu lernen. Auch fast alle Staats-, Stadt- und Polizeibehörden waren vertreten. Auf der Tribüne nahmen die Mitglieder des Bratislavaer Rabbinates, das Präsidium der orthodoxen Landeskanzlei, sämtliche Mitglieder des Gemeindevorstandes, der Vertreter des Referates des Ministeriums für Schulwesen und Volksaufklärung und der Landesvorstand der Agudas Jisroel Platz. In der ersten Reihe der Zuhörer fiel die ragende Gestalt des Abgeordneten Dr. N e c a s, Sekretär des Herrn,Präsidenten Masaryk, auf. Die Begriissungsansprache hielt Herr Oberrabbiner Hirschier namens der Aguda-Landes- Organisation und Ortsgruppe. Er entwarf in wenigen Sätzen das Programm und die Entstehungsgeschichte der Agudas Jisroel und hob die Verdienste hervor, die sich Jacob Rosenheim um das Judentum und besonders um die Aguda von ihrer Gründung bis *zum heutigen Tag erworben hat. Von rauschenden Ovationen der mehrtausendköpfigen Menge begrüsst, begann Herr Rosenheim seinen Vortrag über das Thema ״D a s Judentum und seine Zukunft“ mit einigen innigen Dankesworten für die Kundgebungen der Sympathie, die ihm in Bratislava zuteil wurden. Einem Sohne der Stadt Frankfurt überkomme ein starkes Heimatsgefühl in einer Stadt, in der ״Rabbi M 0 s c 11 e m i-F r a n k f u r t“, der ״ ל f חתם סופר gewirkt und Unvergängliches für das Judentum geschaffen hat. Was diesen einleitenden Sätzen folgte, lässt sich nur schwer in einem kurzen Referate wiedergeben. An der Hand der Gedanken, die den drei Phrasen des שבת קודש, entsprechend den drei Sabbatrnahl- Zeiten, zugrunde liegen, entwarf er ein geschlossenes und in allen Teilen ineinandergefügtes und a'bgerundetes System der jüdischen W e 11 a nschauung, einer Philosophie des יראת שמים angewandt und mit allen ihren Konsequenzen durchgeführt auf die jüdischen Probleme der Gegenwart. Schöpfung, Offenbarung und Er- 1 ö s u n g sind die drei Grundwahrheiten, an die die Existenz und die innere und historische Existenzberechtigung dies Judentums geknüpft sind. Was das geschichtliche Judentum will, ist nichts anderes als die Anwendung der Forderungen, die sich aus der Gedankenwelt des Judentums nach den Gesichts- Punkten der drei Grundwahrheiten füf** alle Ewigkeit ergeben, auf die praktischen Lebensäusserungen der jüdischen Volksgemeinschaft zu allen Zeiten, also auch in der Gegenwart. In gedankentiefen Auseinandersetzungen polemisiert er gegen die Weltananschauungen, die den jüdischen Grundwahrheiten widersprechen, und zeigt die Wunden auf, die diese Systeme in der jüngsten Vergangenheit am Judentum selbst geschlagen haben und noch zu schlagen drohen, wenn das jüdische Volk sich nicht stark genug erweist, jede Art von ״Ho c h v e r r a t“ gegen die Urbedingungen seiner Existenz wirksam abzuwehren. Bei den praktischen Schlussfolgerungen aus den im einzelnen mit beispielloser rednerischer Meisterschaft dargelegten und mit wunderbarer Klarheit aus dem komplizierten Gedankenkomplex herausgeschälten philosophischen, organisatorischen und politischen Thesen -bot sich dem Redner Gelegenheit, mit unwiderstehlicher Kraft der Logik und der Moral die Schädlichkeit der verschiedenen neuen ״Judentümer“ (Liberalismus, Nationalismus, Zionismus, Misrachismus) zu beweisen, die sich in unseren Tagen einen Platz im Judentum zu erobern suchen. Diese Stellen hoben sich mit bezwingender Wucht aus dem Gang der Beweisführung heraus und begleitet von dem frenetischen Beifall des Publikums gestalteten sie sich zu erhebenden Kundgebungen, die man nicht anders als mit קידוש שם שמים ברבים bezeichnen kann. Unvergesslich wird beispielweise jene Kundgebung den Anwesenden bleiben, uie das gesamte Publikum spontan bereitete, als der Redner den Zionisten zurief: ״Hochverrat übt am j ü dl sehen Volk, \tf’er die Autorität der Rabbiner, der Träger der ת ו ר ח , untergräbt“ oder als Den neuesten Wnnderscheitel trägt jede vornehme orthodoxe Dame. Alleinerzeuger ist der Spezialistfür Individuelle Braatfrisnren aus allerfeinstem dauergewellten Naturhaar Carl Polak Damenfriseur Wien, IV., Schlsifmühlgasie 3 Telephon: 57-778־ Lieferungen ggn Perfloken, Traneformatlonen etc. prompt und billigst für In-und Ausland engros u. en detail. Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haarmuster und Angabe des Masse■ von einem Ohr zum anderen. 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Herrn Oberr;•־ b b i n e r s Schreiber, Hem R 0 s c 11!1 e i 111 fl, des Gemeindevorstandes und vieler angesehener Baalebatitn im Prunksaale der Gemeinde feierte. Der דף יומי wurde hier auf Anregung des Herrn Oberrabbiners S c h a p i r a aus S a n o k unter Leitung des Herrn Moses Singer eingeführt. Der heutige Sijum gewann durch die Teilnahme des Herrn Rosenheim lind namentlich durch die denkwürdige Rede, die der Herr Oberrabbiner aus diesem Anlasse gehalten h a t, eine besondere und für die zukünftige Gestaltung des jüdischen Lebens in unserer Gemeinde vielleicht weittragende Bedeutung. Nach dem Schlusslernen und der daran geknüpften דרשה feierte Herr Oberrabbiner Herrn Rosenheim als wahren Führer des Judentums, dankte ihm für all die Hingabe, mit der er seit Jahrzehnten dem Judentume dient, erwähnte anerkennend die grosse Spende, die Agudus Jisroel sogleich* nach Je ז IVtiersbrunst zum Wiederaufbau der Jeschiwa leistete, zeichnete mit scharfen Strichen das Programm der Agudas Jisroel als Organisation des jüdischen בלל auf Basis der תורה und der י ר א ח und v,' a n d t e sich zum Schlüsse mit einem begeisterten und warmen Appell an die fromme Jugend und alle Mitglieder seiner Gemeinde, es n i c!11 bei d e : B e g e i s t 0 1! 1. g v 0 m: 'ז <׳• י• trage des Herrn Rosenheim bewenden zu lassen, sondern dem begeisterten נשמע nun auch ein ebenso begeist e׳rtes נ ע ש ה folgen zu lassen. Die Zeit sei gekommen, da er es aussprechen müsse, dass es Pflicht eines jeden guten Juden sei, der Agudas Jisroel nicht nur als zahlendes Mitglied anzugehören, sondein in ihr aktiv zu arbeiten. Es war dies zum ersten Male, dass Herr Oberrabbiner Schreiber angesichts seines Gemeindevorstandes und vieler Gemeindemitglieder die Mitarbeit an Agudas Jisroel als Notwendigkeit und unabweisbare Pflicht bezeichnet hatte, wenn es den Eingeweihten auch bisher nicht unbekannt, dass er zu den Anhängern der Aguda zählte. Hierauf dankte Herr Rosenheim dem Herrn Oberabbiner für seine öffentliche Aufforderung und schloss daran eine Rede, die womöglich noch grössere Begeisterung auslöste als der Vertrag Wir ]ernten bei die:-.־:•:!’ Anlässe den t1!׳׳׳tisehen Führer Rosenheim ״ auch als klassischen מגיד kennen. In kurzen, aber sehr markanten Worten forderte -er die slowakische Aguda und alle frommen Juden auf, den Gedanken der Aguda mutig zu verfechten und sich in den heiligen Aufgaben weder von den Zionisten noch von ״Munkacs“ beirren zu lassen. Unter den Beifallskundgebungen der Versammelten für Herrn Oberrabbiner und für ihn verliess Herr Rosenheim den Saal, um die Rückreise nach Wien anzutreten. Es folgten noch schöne דברי תורה des Herrn Oberrabbiners Seidel aus Galanta und eine treffliche Rede, die Herr Max L ö w y in Vertretung der A g u d a־J u g e n d hielt, worauf das Benschen mit einem Erlös von tsch. K 1710 durch Herrn Salomon Fischhof versteigert und das wunderbar erlebnisreiche Fest mit dem Dankgebet zu השיית beendet wurde. M 0 d i a. Die neue חפץ חיים -Ausgabe des Hermon-Verlages. Wie wir bereits berichteten, liegt die auf Initiative der slowakischen Aguda-Landesorganisation vom Hermon- Verlag in Frankfurt a. M. veranstaltete neue Ausgabe des berühmten ספר חפץ חיים des זקן הגאונים unserer Tage Rabbi Israel Meier Hakohen ה י״ ו nunmehr vollendet vor. Es ist dies ein prachtvoller Quartband in vorzüglichem Druck und vornehmster Ausstattung, solid gebundep. Der Hermon-Verlag hat sich mit dieser Leistung sehr empfehlend eingeführt. Den Subskribenten wird das Werk in kurzem zugesandt. Der Ladenpreis des Bandes stellt sich (für Nichtsubskribenten) auf M. 6 (ausser Porto). Bei Bezug durch Aguda-Orts- und Jugendgruppen in der Slowakei ist er zum Ausnahmspreis von tsch. K. 40 (ausser Porto) gegen Voreinsendung des Betrages erhältlich. וי