Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 49-50 (12.12.1924)
- Date
- 1924-12-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 322 Nr. 49/50 Eine grandiose Kundgebung für Die Reise Wolf Pappenheims Oradea Mare. (A. J. P. ß.)!Herr Wotf Pappenheim und Dr. PolHaik wurden ׳von! einer Delegation, ׳bestehend aus zirka 20 Personen, die ihnen an׳ ■die Landes grenze entgegenreiste, ׳feierlich begrüsst. Nach der Ankunft in Oradea Mare fand im Lokale der Agudas Jisroel ein feierlicher Empfang statt, an dem die führenden Persönlichkeiten der Gemeinde mit Oberrabbmer Fuchs an der Spitze teilgenommen haben. Herr Wolf Papp e ntlehn!dankte tiefbewegt für den Empfang, der ihm bereitet wurde, und!hielt ׳ein Referat über die ׳Lage in ,Erez Jisroel sowie über die Gegenwartsarbeit, die von der Zen!l׳ralratssitzung in Krakau vorgeschrieben wurde. Nach ihm referierte Rabbiner Dr. iPollak über Keren Hathora und hob insbesondere die grosse Aktion zugunsten der notleidenden Jeschiwoth hervor, die jetzt vorbereitet wird. Ferner sprach Rabbiner Dr. Pollak über den Bodenkauf, der von der Pa tis'inazentrale der Agudas Jisroel realisiert wurde, und forderte die Anwesenden zur intensiven Arbeit auf. Als Erfolg wurden für beide Fonds grössere Summen den Referenten übergeben. Uefeerdies verpflichtete sich die J1!׳gen׳d|gruppe Dollar- Coupons im Werte von 1000 ■Dollar sofort zu übernehmen. Auch gelang es, eine Keren ■Hathora-Kommission zu gründen, die ihre!Arbeit bereits ׳begonnen hat. Dtie Sifutn-Feier a.u!f Pessachim, welche die Ortsgruppe ■der!Aguda in Oradea Mare für die Teilnehmer des Dafjomi Schjur Sonntag den 4. Kislew im grossen Metropo'lsaalc veranstaltete, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung fiir die Aguda und besonders für den Keren Hathora. Die Beteiligung überstieg alle Erwartungen. Alle Schichten der Orthodoxie waren vertreten.!Die Anwesenheit des Wiznitzer Rebben!Raibbi Israel Hager machte den Chassklim die Teilnahme an!dieser Sudas Mizwoh zur Pflicht. An der. Spitze der hervorragendsten Talmide Hachomim der Stadt erschien das ga׳u׳ze •Raibbinat Oberrabiner F u c h s, e!in alter Vorkämpfer ■der Aguda in Transsylvanien, war ■durch unaufschiebbare Familien־ ereignisse verhindert nach Gro-sswardetn zur Sijum- Feier 11ei׳mz11keh׳ren. •Sowolil er wie Öberrabbiner Ullmann, Bistrita. Präses der Landeskanzlei der orthodoxen Gemeinden in Transsylvanien, wie Oberrab. Paneth, Dej haben telegraphisch ihre Begriüssung übermittelt. Die Provinz war durch Deputationen vertreten,!die!gekommen sind, ׳mm die Vertreter der Wiener Zentrale, Herrn Wolf Pappenheim und Herrn Dr. P 0 11 ak, zu hören: Die Wiener Delegierten haben weit über den Kreis der Gesinnungsgenossen auch auf Unparteiische •und sogar auf Gegner eine so’kh grosse Anziehungskraft ausgeübt, dass nach Ausverkauf a ller Karten viele ־sich!mit einem!Stehplatz be־ •grcügen mussten. Nachdem Herr L. Freund, Vorstand ■der •Landeszentnale, die Gäste öegrüsste und die Feier eröffnet hat, lernten Herr I. M. W e i s s und Herr Josef Seidenfrau die Messichta zu Ende. Die Reihe der Draschoth begann Rabbi ,P i n c h a s Zimmetbaum, der mit haarscharfen Gharifus seinem Rufe als Cliarif alle Ehre machte. Nach ihm ergriff unter Jubel ■der Amvescnden, der greise und doch so jugendliche Agudaf [ihrer ■Herr Wolf P a p p e n 11 e i ׳m das Wort. Fr referierte über ■die Arbea der Aguda seit der Kenessio und beschäftigte sich ausführlich mit den Erez Jisroel-Probleimen der Aguda. Geber alle Kämpfe und Hindernisse, die im Wege standen, gelang es der Aguda, betonte Herr Pappenheim, in Erez Jisrne! festen Pass zu fassen lind nebst wirksamer Unter Stützung des ■alten Jischuw Ansätze für wirtschaftliche und kolonisatorische Bedie Aguda in Transsylvanien. und Dr. Pollaks in Rumänien. tätigung zu schaffen. Der Kauf von 4000 Dunam in Emek Jtsreel, an welchem auch •die Gesinnugsgenossen in Oradea Mare unter Führung des ׳Herrn Isaak S te rnö erg so eifrig sich beteiligten, ist auch eine solche Etappe in der Arbeit der Aguda. Mit ednem!warmen Appell, sich der Agiuda anzusctoliessen 1und an ihrem Ausbau sich aktiv zu beteiligen, schloss Herr Pappenhöiim, dem die begeisterte Menge minutenlang zujubelte. Nach ihm sprach unter ■atemloser Spannung dler vielliundertköpfigen Menge Herr Rabiner Dr. Pollak über Keren Ha-thora. Die Ausführungen des Redners waren׳ den Kämpfen der Thora gewidmet, die heute in allen Ländern geführt werden. Der Kampf gegen die Thora ist international. Auch ihre Verteidigung muss international sein, wenn sie wirksam sein soll. Die beste Waffe in diesem Kampfe ist aber der ■an der Wiener Kenessio Gedaulo geschaffene und von allen Grössen unseres Volkes mit warmer .Sympathie begleitete Keren Hathora; ׳den zu schaffen, den zu unterstützen ist die vornehmste Pflicht aller Freunde ׳der Thora auch ׳in Transstylvanien. Der tiefe Eindruck, den die Ausführungen des Redners -hinterliessen, besonders aber die •dernonstrative Zustimmung des ■Wiznitzer Rebben, lassen es hofien, •dass ׳die sofort eingeleitete Keren Hathora- Aktion auch in Transsylvanien •einen grossen!Erfolg haben wird. Es ־sprachen dann Rabbi Mosche Klein (der Rehter Raw) und Rabbi Josef Schwarz (der frühere Herausgeber von Wajlakoth Josef, der jetzt in Grosswardein als Rabbiner wirkt) zu Ehren der Aguda und ihrer ,illustren Vertreter. ׳Beide Redner versprachen energisch für die Aguda arbeiten zu wol’ien. Als Vertreter ׳der Zeirim sprach Herr Schächter. Herr I. M. Weiss ü'bermitelte ■den Aufruf für ■die Sammlung für die Lulbliner Jechiwah, die sofort ■begonnen wurde. Die ■erste *Spende erlegte der Wiznitzer Rebbe. Nach Versteigerung des 'Benschen zugunsten des Keren Hathora schloss!in s!pä!ter ■Nachtstunde unter chassidischen Neuquim der erste!Dafjomi Schjur in Transsylvanien. Die Herren W. Pappe n 11 e i m und Dr. Pollak sind auch mit den massgebenden Kreisen des transsylvanisohen Judentums in Fühlung getreten und die Hoffnung ist nicht ■unbegründet, dass eine intensivere Agudaarbeit in ganz Transsylvanien beginnen wird. In Grosswardein selbst haben auch solche, die bisher fern der Agudabewegung gestanden sind, sich an Keren Hathora und am Bodenkauf beteiligt. -r1־;- Das 50jährige Jubiläum des orth. jüdischen Schulwerkes in Budapest. Am 14. Dezember d. J. feiert!das Schulwerk der orthodoxen israelitischen iKufyusgemeinde in Budapest sein 50jä׳hriges Jubiläum. Die Anfänge der Schule ■reichen in die Gründungsjahre der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde zurück, di׳e!bald nach dem berühmten jüdischen Kongress im Jahre 1868, ■der die Spaltung ■der ungarischen Judenheit bewirkte, sich konstituiert hat. Die erste Periode ׳der jüdischen Schule reicht bis ungefähr zum Jahre 1898. Bis zu diesem Zeitpunkt hait das orthodoxe jüdische Schulwerk ein ziemlich primitives Dasein geführt. Die Unterrichtssprache war in jener Zeit noch ׳deutsch. Jedoch schon in ׳dieser!Periode, im Jahre 1893 wurde für die Absolventen der Volksschule ein Vorbereitungskurs für die Jeschiwah, unter ■dem Namen Wo orhftit b«& dtn wirklion nitargatr#non SCHEITEL? Dem bekannten 8pexuU«tm künstlicher Haemibeiten für orthodoxe Frauen, Tran s Balla, ist es nach Jahrzehntelangen Bemahuagen endlich gelungen Scheitel hersnstellen, die dem eigenen Harne mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschliessen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflichst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Balla, Wien, IV., Gusshausstrasse 26 Telephon 68-9-18 ״Thoras *Eines“ geschaffen. Thoras Emes ■errang .■dank seiner sehr guten Leistungen ■die allgemeine Achtung!der Orthodoxie. ■Die zweite Periode hängt mit der Wirksamkeit des Direktors Dr. Sa-mu Zsengery zusammen, der nun parallel mit Thoras Emes Biirgerschulkurse eingeführt hat, ■die dank der pädagogischen Begabund •des Direktors Zsengery bald die vollste!Anerkennung ■der Schulbehörde ■gewonnen hat. Es ■gelang Direktor Zsengery ■unter ■der Mitwirkung des Gemeindenräses M09es >F 1־ e u (d i g e r de Obuda und des Schulpräses Dr. Rakonitz, im Jahre 1917 auch eine Mädchenbürgerschule zu schaffen. Die dritte Periode, die ■mit der Bestellung des jetzigen Schuldirektors Dr. Adolf Deutsch zusammcnfällt, beginnt im Jahre 1920. Direktor Adolf Deutsch war früher Rabbiner ׳einer kleinen mährischen Gemeinde. Bbss sein engerer Freundeskreis wusste, welch eminente organisatorische und pädagogische Begabung ihn auszeichnet. Direktor Dr. Adolf ׳Deutsch ■gelang es, während seiner vierjährigen Wirksamkeit aus ׳den bestehenden Schulen der B-udapester israelitischen Kultusgemeinde ein grosses, einheitliches, modernes Schulwerk zu schaffen. Die pädagogischen Leistungen der Schule ■erzwangen die belobende Anerkennung ■der ׳Schulbehörden, in einer Zeit, wo jüdische Leistungen ׳kaum Anerkennung finden. Der Lehrkörper wurde veirgrössert und durch Befried!• gung seiner materiellen Bedürfnisse zu höheren Leistungen ermuntert. ׳Die M ä d c h e n b ü r g e rsch:u Ie wurde ganz ausgebaut und die Knabenb i! r g e r s c h u J k u ׳r s e wurden in eine öffentliche Knabenbürgerschule umgewandelt. Thoras Emes wurde gründlich reorganisiert und zu einer Thoralehranstalt ■hohen Ranges ausgestaltot. Das neue Schulhaus in de׳r Kazinczygasse ist bereits zu eng geworden, so dass ,für ■das aufstrebende jüdische Schillwerk neue Räumlichkeiten geschaffen werden mussten. Der Präses ■der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde Abraham Freudiger de Obuda und der Schulpräses Markus Klein fördern energisch die!Bestrebungen ■des neuen Direktors. In einem Zeitpunkt, wo in ׳der ganzen Welt um die Seele des jüdischen Kindes gerungen wird, in ■einem Zeitpunkt, wo die grosse orthodoxe Weltorganisation Agudas Jisroel durch die Schaffung des K e r e ri Hathora ■den Kampf um die Seele des jüdischen Kindes zugunsten des thoratreuen Judentums •zur Entscheidung bringen will, ■ist es ein wohltuendes Bewusstsein, dass im Zentrum der ungarischen Orthodoxie, in der grossen orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde in Budapest so’jche!Energien für die Schaffung und für ׳den Ausbau eines der grössten orthodoxen Schulwerke der Welt ־tätig sind. 1. Urlaubstage im Burgenland. Von L. Moses. (Fortsetzung.) 5. Lackenbach. Früher einmal und anderswo vollzog sich der Anschluss der ׳jüdischen Jugend an die Weltkultur durch geistige Auseinandersetzung und ich habe auch schon das hohe Niveau früherer Generationen der 'burgenländischen Juden, von dem noch zu reden sein wird, angedeutet. Jetzt aber, nach de'm unseligen Weltkrieg, sucht eine führerlose Jugend diesen Anschluss durch den Fussball. Dafür ■können wir aber auch einen weit grösseren Anteil der jüdischen Bevölkerung an der Mordchronik auf weisen, der (ich erinnere nur an die Affären Eissler und Taubes) ■ein Schandfleck für ■die ganze gegenwärtige Generation unseres Volkes ist. Wenn früher einmal etwa schon ein besonderer Reiz des Verbotenen für einen jungen Menschen darin lag, ■dass er am Sabbatniadimittag statt zum ״Lernen“ mit einem Buche ins Freie ging, um ein paar Stunden zu verträumen, heute ist es anders; jetzt konnte ich sogar im frommen Maltersdorf an einem ׳Sabbatnachmittag den Sohn eines der Frömmsten unter den Frommen;in vollem Galopp hoch zu!Ross :über!Feld jagen sehen. Man braucht also nicht erst nach Erez Jisrael fahren, um solches zu sehen, und die Bravour, mit der •der junge Jude ohne Sattel sicher dahinflog, vermag mich ■nur wenig über diese mutwillige Entweihung des Sabbat zu trösten. Am allerwenigsten Wird aber wohl jemals durch Poltern und Konfiskationen solchen Verirrungen Einhalt getan, sondern hier muss wohlvorbereitete Erziehungsarbeit einsetzen, die das gesetzestreue Judentum nicht als eine Religion der Schwächlinge und Stubenhocker, sondern als ein lebensvolles und zukünftsfrohes!Gebilde von Mark und Kraft lehrt, wenn der Verfall aufgehalten und unsere als ■Bollwerke so wichtigen Gemeinden im Burgenlande wieder im Glanz früherer Jahrhunderte ■dastehen sollen. Nur wirkliche Pädagogen, ■die mit brauchbaren Waffen, als es zur Zeit der Fall ist ausgerüstet sind und deren fleckenloser Charakter auch י nicht den leisesten Verdacht einer Tartüfferie aufkommen lässt, der bei dem gesunden kritischen Sinn ■des Menschen- Schlages, den diese burgenländischen Juden darstellen, alle •Erziehungsarbeit von vornherein unmöglich ■machen ׳müsste, können hier erfolgreich wirken. Dass diie besten Keime, die nur gepflegt werden wollen, in den Bewohnern unserer Schewa Kehilloth schlummern, beweist schon die interessante Tatsache, dass — abgesehen ׳vön R. Aki'ba ׳Eger, der bekanntlich in Eisenstadt geboren war — je zwei berühmte Mediziner •und Musiker im Burgenlande geboren sind und dass von diesen zwei Paaren grosser Männer, Hyrtl und Benedikt, Liszt und Hotel-Restaurant J. GUTH, Wien. II., Hollandstrasse 14 (ehemalige Stefaniestraese) Anerkannt baste KQohel :!, . Joachim, wieder je ■einer ein Jude ׳war. ■Die Juden des Burgenlartdes haben also, so 'klein ihr ׳Prozentsatz ■in der Landesbevölkerung auch ist, an geistigkünstlerischen Werten einen mindestens fünfzigprozentigen Anteil im Lande. Und die Begabung des grossen Klavier virtuosen Franz ׳Liszt, der im Jahre 1811 in Raiding, einem Dorfe in der Nähe von Lackenbach, geboren war, wurde wieder erst von dem reichen und weltkundigen Lackembacher Juden Rüben Hirschler entdeckt. Dieser Rüben Hirschler, dessen Nachkommen zu den hervorragendsten Judenfamilien Ungarns zählen sollen, liess dem kleiner״ Liszt in Lackenbach Klavierunterricht erteilen und hat damit der Kunst einen unschätzbaren Dienst geleistet. Aber auch von einer anderen, freilich mehr empfangenden Beziehung der Lackenbacher Juden zu einem :zweiten Grossen ־weiss die Lackenbacher Chronik zu berichten. Im Jahre 1829 kam nämlich ein grosser Teil der Lackenbacher Judengemeinde durch eine schreckliche Feuersbrunst um Hab und Gut. Der Schauspieler Siegfried Gottheit Koch (sein bürgerlicher Name war ׳Eckardt), der damals als Regisseur am Wiener ßurgtheater wirkte und dort den Konversationston einführte, •durch den diese •erste deutsche Bühne sich seither auszeichnete, verschaffte den Lackenbachern schleunige ■Hilfe aus Wien. Nicht umsonst war ja ■eine seiner Hauptrollen die des Nathan und schön sagt von ihm •die Dankadresse der Judengemeinde, die noch heute in der Gemeindestube zu sehen ist, er habe, ״ein Riese in der Kunst, Menschen darzustellen, sich selbst als Mensch noch schönere Lorbeeren gesammelt“.