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Jüdische Presse · 1924-12-12 · 49-50 (12.12.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
49-50 (12.12.1924)
Date
1924-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JÜDISCHE PRFII Redaktion u. Administration 1 Wien, 11.,Leopoldsgasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Oanzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Ooldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei KL 70, Schweiz Frcs. 10r Amerika Dollar 2, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen fflr Oesterreich : Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; fflr Polen: Postaparkasaenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170: für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag. Konto Nr.53.386; für Jugoslawien:Poatsn>..An1t A gram, Ko. N. 40.217: f.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc & Co für Floren? 81 Co, Bukarest; für die Schweiz: Postacheckk. Luzern Vll. 1470. Nr. 49/50 Wian-Bratisiava, 12. Dazambar 1924 ,ביה רענה־םרעססבורג כרו כסלו תיפ״ה IO. Jahrg« Chronik den Woche. Nach einer Meldung der ״J e w i s h Time s“ hat der britische Kolonialminister A m e r y an Sir Herbert Samuel eine Mitteilung gerichtet, wonach das Kolonialamt bereit sei^J fcie jüdische Gemeindeverordnung mit der Bedingung zu ratifizieren, dass Sir Herbert Samuel zu einigen kleinen Aenderungen z u s t i m m t. Eine dieser Aenderungen bezieht sich darauf, dass die Agudas Jisroet eine besondere Schechita-Organisation haben soll — Rabbi K u k hat auf seiner Heimreise aus Amerika nach Erez Jisroel in England und in der Schweiz einige Tage verbracht. In England hat er Agudisten gegenüber erklärt, dass er seit Gründung der Aguda Mitglied derselben ist. In der Schweiz konferierte Rabbi Kuk auch mit einigen Aguda-Führern. — Sir Georg Fletcher Mac Mum, der Generalquartiermeister in Indien, äusserte sich, dass er gar keine Kenntnis davon habe, zum Oberkommissär von Palästina, als Nachfolger Sir Herbert Samuels vorge■» schlagen zu sein. — In der Nacht des 2. Dezember wurde ein jüdischer Kolonist namens Fischer in der Nähe der Kolonie Rechoboth in Judäa ermordet aufgefunden. —* Die Uebersiedlung der Slobotkaer Jeschiwah nach Chebron in Erez Jisroel macht weitere Fortschritte. Es sind weitere acht Bachurim angelangt, so dass zurzeit 24 Schüler sich in Chebron befinden. Mit dem neuen Transport ist der berühmte Gaon aus Tauroggen mitgekommen.-Aus Kalisch sind einige agudistische Textilindustrielle in Tel Awiw; angelangt, um dort eine Textilfabrik zu errichten. — ״Poel Hamisrachi“ in Petach Tikwah hat in seiner vierten Hauptversammlung am 12. Cheschwan nach scharfen Debatten beschlossen, in die allgemeine Arbeiterorganisation einzutreten. — In der Siedlung B’nei Brak hat Agudas Jisroel einen Cheder errichtet, der zur allgemeinen Zufriedenheit wirkt. Das Budget dieser Erziehungsanstalt wurde bereits von der Frankfurter Erez Jisroel-Zentrale der Aguda bestätigt. — Die Sijumfeier auf Pessachim wurde sowohl in Jerusalem wie in Tel Awiw von den dortigen Ortsgruppen der Agudas Jisroel feierlich begangen. — Die erste allrussische Konferenz für jüdische Erziehung und Kultur ist nach fünftägiger Beratung am 2. Dezember in Moskau geschlossen worden. Für die jüdischen Schulen in den Sowjetrepubliken wurde die jüdische Sprache bestimmt. Es wurden ferner Beschlüsse über die Her- Stellung jüdischer Schulbücher, die Benützung des jüdisehen Theaters als eines Erziehungsmittels und die Förderung einer Antibourgeoiserziehung der jüngeren jüdisehen Generationen gefasst. — In den Ländern der Sowjetunion wurden sehr drückende Steuern für religiöse Beamten und Institutionen eingeführt. Wegen Nichtbezahlung dieser Steuern wurden bereits einige Rabbiner vor Gericht gestellt. — Die Sowjets in der Ukraine haben ein Dekret herausgegeben, laut welchem der Gruppenunterricht in der Religion verboten ist. Auch für den Einzelunterricht müssen die Melamdim eine besondere Bewilligung einholen. — Das tschechoslowakische .Ministerium für Schulwesen hat das Gesuch um Bewilligung eines Reformrealgymnasiums mit hebräischer Unterrichtssprache in Munkacsevo, verworfen. — Unter dem Namen ״Hoeschkol“ ist das erste Heft einer talmudischen Zeitschrift, die speziell dem Dafjomi Schiur gewidmet ist, erschienen. Herausgeber Samson Vogelmann; zu bestellen per Adresse: Dawid Libermann, Jaroslaw, Grinwaldska 14, Malopolska. — Der im 87. Lebensjahr verstorbene Lederfabrikant Albert Kätscher in Wien hat. sein gesamtes Vermögen, das ungefähr 20 Milliarden Kronen beträgt, den folgenden vier jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen in gleichen Teilen hinterlassen: Israel. Frauenverein für Greisenfürsorge, Blindeninstitut auf der Hohen Warte, Taubstummeninstitut und Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen. — Das Central Relief in New York hat 52.127 Dollar für die Jeschiwoth' und Talmud Thoras für den Monat November bestimmt. — Die englische Presse führt eine schwere Kampagne gegen die Einwanderung von Fremden überhaupt, insbesondere aber gegen die Einwanderung von osteuropäisehen Juden. — Am Sonntag den 23. November fand in Magdeburg auf Anregung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden die Gründungsversammlung eines Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege Sachsen- Anhalt statt. — Max M. Warburg in Hamburg hat gegen den nationalistischen Reichstagsabgeordneten Theodor Fritsch, einen Elirenbeleidigungsprozess angestrengt. Fritsch wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nalevki und Nuris. In seiner Jerusalemer Abschieds rede betonte Prof. Chatm W׳ei tzanan n, dass die Wiederbesiedlung Erez Jisroels ■nicht nach dem Ebenbilde von Dziika und Nalevki, ddn ׳markantesten dudenstrassen Warschaus, erfolgen dürfe. Was war die Veranlassung zu dieser Aeusserung Weitzmanns? Die PalästinaemWanderung hat in den letzten Monaten ihren Charakter verändert. Noch bis zum Frühjahr überwiegte das jugendliche, Parteizionistische Element. Jugend, halbwüchsige Knaben und Mädchen, bildeten die Mehrzahl der Aulim. Helle Auübauibegeisterung war nicht die alleinige Triebkraft ihrer Entschlüsse. ■Nicht zuletzt ■war es die Flucht vor dem jüdischen Städtele, die zur Einwanderung nach!Erez Jisroel führte. Dahehj^£» die Strenge der jüdisehen Lebenszucht, das allzu stille Milieu des Provinzstädtchens,!der Zwang zur Dienstpflicht in der Armee; in Erez Jisroel lockte die Ungebimdenheit des neuartigen Lebens, der fremdartige romantisqhe Rahmen der orientalischen ׳Landschaft und die Einordnung in das Leiben Gleichgesinnter. Freilich, harte Arbeit erwartete drüben den Einwanderer, czarna robota, Schwarzarbeit in!Sümpfen und Sfceinland. Aber lieber in Freiheit steirieklopfen als in Unfreiheit Gemoroh lernen: das war ausgesprochen -und unausgesprochen die Devise!der ׳Dreissigtausend, die seit der ׳Bekanntmaohung der Balfoiur-Deklaration nach Erez Jisroel drängten. Die Einwanderung der jüngsten Zeit, fast dreitausend per Monat, besitzt dagegen eine grundverschiedene soziale und kulturelle Zusammensetzung. Nicht junge Leute, sondern Baaleg Batim, Familienväter, ganze Familien waren es, die!mit ihrer geringen Habe, aber immerhin mit ׳Kapital ins Land kamen. Nicht!konsequente G-ttesleugner, sondern naive, fromme jüdische Kleinbürger. Das Volk, das in hundert Reden, in tausend Artikeln aufgerufen 1worden war, seine historische Heimat ׳wieder zu!besiedeln, ■das Volk — nicht die ״lntelligenz“, sondern wirklich ״das Volk“ — sandte seine typischen Vertreter hinüber, kleine, kleinste, unscheinbare ׳Leute. Menschen mit einem scheuen Emp׳f׳in׳den und einem straffen Willen; Juden mit einer helleuchtenden Schabbosseele und einem selbstsüchtigen ,Krämergehaben; Juden mit einem würdigen, bärtigen Antlitz und einem ■zerrissenen Kaftan. Juden. Einfache Juden. Nicht mehr — aber g-tflob auch nicht weniger: Jiden;nur Jiden. Diese neue Einwanderung kommt vielen sehr unerwünscht. Die Begründer der unglückseligen Personalunion zwischen dem Zionismus und den Ausläufern der Haskala sehen ihre Arbeit in Gefahr. Sie haben unter den grössten Schwierigkeiten in Erez Jisroel kulturelle Positionen zu errichten versucht, die der Verweltlichung des jüdischen Volkes dienen sollten. So lange junge Einwanderer, von Polen her entsprechend vorbereitet, ins ׳Land kamen, konnte die ״Hebräisierung“ des Landes als gesichert gelten. Jetzt aber, in der Zeit der kleinbürgerlichen Familieneinwanderung, fürchten sie mit Recht, dass die überwiegende Mehrheit des jüdischen Volkes verlangen ■wird, dass das ׳Leben in Erez Jisroel, in ihrem Eresz Jisroel, im Land ihrer gläubigen Väter, so jüdisch und so g-ttnahe gestaltet werden müsse, wie es dem Herkommen und der jüdischen Tradition entspricht. Die Frage der hebräischen Sprache steht n i c h t z u ׳r Diskussion. Man verkennt den Charakter des Kulturkampfes, der mit Ernst und Verantwortung wird ausgefochten ׳werden müssen, wenn ׳man das unendlich heikle Problem auf eine blosse Sprachenfrage zuzuschneiden versucht. Niemand wird es ernsthaft als das Erstrebenswerte hinstellen, dass die polnischen Juden das Polnische oder Jiddische, *die deutschen Juden das Deutsche und die französischen Brüder das Französische in Erez Jisroel pflegen und im Geiste dieser Goluskulturen ihre Kinder!unterweisen sollen. Erez Jisroel kann kein Sprachenbabel sein und die Juden!werden auch nicht das Esparanto als Verständigungsmittel heraniziiehen, wenn sie seit Tausenden von Jahren eine eigene, eine ihnen geheiligte Sprache, ein Losohaun Hakaudesch besitzen. Nicht um die Sprache handelt es sich, sondern um den Geist, in dem diese Sprache gelehrt wird. Die Fanatiker der hebräischen ßpracherneuerung haben ihrer eigenen Idee den denkbar schlechtesten Dienst dadurch erwiesen, dass sie die volkstümlichen ׳Losungen der bereitsx etwas antiquierten Haskalabewegung neuerlich aufgegriffen haben. Die Abkehr von der jüdischen Tradition, die von den protestantischen Pastoren übernommene Bibelkritik und die ׳hebräische Sprachbeiwegung sind heute e i n Ganzes,!und wenn die überwiegende Mehrheit der Nation dieser vdlksfremden, mit dem historisch gewordenen Judentum völlig unvereinbaren Bewegung Widerstand bis zum äussersten entgegensetzt und setzen wird, darf dies niemand verwundern. Wer den Kulturkampf provoziert, muss ihn auoh auf sich nehmen. Der kleinbürgerlichen Mehrheit der Juden ׳wird tzugemiutet, etwa in Form einer Beisteuer zum Keren Hajessod oder gar als palästinensische Gemeindesteuer Institutionen zu unterstützen, die sich die Zertrümmerung unserer jüdisehen überlieferten Kultur zur Aufgabe gemacht haben. Es gibt da nur eine Antwort: inkultur׳eilen Dingen kennt der gesetzestreue Jude keinerlei irgendwie geartete Gemeinsamkeit mit dem Gesetzesleugner. Nach dem Muster von Nuris, jener vielleicht wirtschaftlich vorbildlichen, aber kulturell radikal untraditioneilen Arbeiterkolo,nie, darf Erez Jisroel nicht besiedelt werden. Im Zentrum der jüdisehen Siedlung steht das Beth Hamidrasch. Wir bauen Erez Jisroel nicht um u nser twillen, sondern u m d e r ׳L e 11 r e w i 11 e n. Das ist der historisch bedeutsame Gegensatz ׳zwischen dem Jischuw des gesetzestreuen Juden und dem des Freigeistes. Dieser Gegensatz ist es, der die Besiedlung Palästinas heute lähmt und morgen fördern ■wird. R. W. An unsere Leser! Infolge eines unliebsamen Zwischenfalles musste die vorwöchentliche Nummer der ,.Jüdischen Presse“ ausfallen. — Eine reichhaltige Chaimka-Nununcr soll unsere p. t. Leser dafür entschädigen. Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE^ EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. 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