Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 46 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 JÜDISCHE PRESSE. Seite 305 Gefühl für die Selbständigkeit der Orthodoxie auch in den Kreisen, die dem ״Religiösen Block“ nahestehen, lebt, nicht erreicht worden sein. Wird dieses Gefühl den Wahltag überdauern, wird es sich vertiefen und erstarken, so ist zu hoffen, dass die Vertreter der verschiedenen! orthodoxen Richtungen gerade von diesem Gefühl geleitet* sich in der Kultusstube zu einer Einheit finden werden. Dann werden die einen das Kompromiss, die anderen die unverhältnismässig grossen Geldopfer nicht zu bereuen haben. Die Verbrüderung auf der Grundlage der Selbständigkeit der Orthodoxie ist jedes Opfer wert. ©I NACHRICBTBi Ifl Eine Agudadelegation in Genf. Genf. (A. J. P. B.) Anlässlich •der Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes ׳weilten von der Leitung der Agu'das Jisroel die ׳Herren Jakob Rosenheim ׳und Sally Guggenheim hier, um die Interessen der gesetzestreuen Judenheit zu vertreten. Die Herren hatten eingehende Aussprachen mit Sir Herbert Samuel und den massgebenden Stellen des Völkerbundes. Ausbau der Jugendorganisation in Deutschland. Köln am Rhein. (A. J. P. B.) Am 2. November trat die Leitung der Agudas Jisroel-Jugendorganisation in Köln zu einer Vollsitzung zusammen, in der die aktuellen Fragen der Aguda-Jugend behandelt wurden. Für den Fuldaer Bezirk wurde Herr Dr. Leopold Herz angestellt. Bezirk Kassel, Sachsen und Mittelfranken soll in Kürze besetzt werden. Für den 7. Dezember wird eine Besprechung der Grosstadtgruppen in Kassel einberufen. ״Rettet die Jugend für die Thora“ wird die Devise eines am 1. Jänner stattfindenden allgemeinen Werbetages sein. Der Bundestag der P. J. J. A. ist für §ommer 1925 in Aussicht genommen. Elija Schischa ז״ל♦ Einem tückischen Leiden ist am Montag den 13. Marcheschwan (10. November) in Wien, Elija (Eduard) Schischa aus Oedenburg, im Alter von kaum 24 Jahren erlegen. So jung der Heimgegangene war, so viel Schweres hat er erlebt, um als wahrer סהיר wieder von dannen zu ziehen. Ohne die Freuden des Lebens auch nur richtig kennen gelernt zu haben, hat er der Bitternisse genug erlebt. Im zartesten Kindesalter verlor er seine Mutter, und kaum dem Kindesalter entwachs en, seinen Vater Rebb. Awrohom Schischa. ףל Bald darauf stellten sich die Vorläufer seiner Todeskrankheit ein. Durch sein bescheidenes und freundliches Wesen erwarb sich der Heimgegangene unter den Bachurim in der Galanthaer Jeschiwoh, an der er lernte, und in Wien, wo er nachher arbeitete, unter seinen Gesinnungsgenossen in der Aguda- Jugedgruppe eine grosse Zahl von Freunden, die den furchtbaren Schmerz seiner zärtlichen Geschwister und Familie, an denen er mit der ganzen Liebe seines jungen Herzens hing, aufrichtig teilen. Die לךח fand Dienstag den 14. Cheschwan in heimatlicher Erde in Mattersdorf statt. תנצב״ה Die SchuÜrage in Fiume. Fiume. Wir vernahmen von kompetenter Seite, dass die Gentili-Raform ״׳ den Volksschulen der ״Grenzstädte“ dieses Schuljahr nie•1t in Kraft tritt.■Demnach wurde auch in Fiume von der Errichtung einer jüdischen Schule vorläufig abgesehen. Der Kampf um das Radomer Rabbinat. Radom. (A. J. P. B.) Die endgültige Besetzung der Rabbfnerstelle in Radom hat einen grossen Kampf heraulbeschworen. Herr Rabbiner Kestenberg, de״ se'c liinge*־er Zeit die Agenden des Rabbiners in Radom ve־s^11׳i ist ein Anhänger der Aguda. Da nun die endgültige Besetzung gegeben ist, schaltet frommer Wunsch in den drei kleinen und doch so bedeutungsvollen Buchstaben יכנה עימו אמן) יע׳א) das Gebet ein, es möge unsere Stadt wiedererbaut werden ... Wir haben nicht umsonst am Tage der Trauer die Stätte, die so viel versunkene Grösse birgt, besucht, da wir sie mit der Gewissheit verlassen, dass uns selbst auf Gräbern noch die Zuversicht ewigen Höffens spriesst. Am Abend des 9. Ab, beim Schein funkelnder Sterne erfuhr ich aufs neue, warum wir den loben, der, wie er den Mond ewig sich erneuern lässt, auch sein Volk immer wieder zu neuem Glanz erweckt, bis es einst wieder als Sonne leuchten und wärmen wird. Und eine besondere Bestätigung erfuhr dieser mein Glaube, als die Bachurim der Mattersdorfer Jeschiwa mit ihren jugendfrischen Kehlen nach Kidusch Lewana in chassidischer Weise den Sa.bbatgesang טובים מארות שברא אלקינו anstimmten. Ja, diese Jünglinge in ihrer frommen Begeisterung sind ebenbürtig den Gestirnen, dem himmlischen Heer der Diener des Höchsten, und sie werden auch, wenn sie nur richtig geleitet und gehörig ausgebildet werden, so dass das himmlische Feuer in ihrer Brust nicht vorzeitig im Sumpfe des Berufslebens erstickt, weiter die Nacht unseres Golus erhellen! III. Reiseidyll. Mein Reiseziel ist das südliche Burgenland und so fahre ich durch das nach dem Venediger Abkommen durch ״Volksabstimmung“ zuletzt doch dieser Stelle akut wurde, hat der orthodoxe polnische׳ Rabbinerverband, Agudoth Harabbomm, ef׳n ־ K1*R1Ut׳b׳u1g erlassen, welche die erworbenen Rechte R<v'!bin:r Kestenbergs schützt. Die zionistischen Zeitungen hebet« ehe heftige persönliche Kampagne gegen Rabbiner Kr■ rdenb׳■;! g eröffnet. Der in seiner persönlichen Ehre angegriifene RabbhTer hat die betreffenden Zeitungen auf&rorJcr: v.;r einem Ehrengericht ihre Anklage zu beweisen. Jubiläutnsnummer von ״Beth Jakob'*. Lodz. (A. J. P. 13.) Das einzige orthodoxe Frauenjournal, die Monatsschrift ״Bctii Jakofb“, hat den ersten Jahrgang vollendet. Die Monatsschrift hat von Nummer zu •Nuipmer sowohl an äusserer Form wie an ■gediiegenem Inhalt gewonnen. Den zweiten Jahrgang beabsichtigt ״Beth Jakob" mit einer Festnummer zu begännen. Ein neues orthodoxes Wochenblatt in Wilna. Wilna. (A. J. P. B.) Mit dem 12. Tischrt ׳begann ein orthodoxes Wochenblatt ״Das Wort" rn Wilna zu erscheinen. Als Herausgeber zeichnen M. Kralle lind J. Schub, als Redakteur Jakob Mowsahowitz. Grosse Siumfeier der galizischen Zeire Emune Jisroel. Drohobycz. (A. J. P. B.) Die Sium-Hasclnr-Fe.er der Zeire Emune Jisroel fand in diesem Jahr? in Drohcbyez statt. Sie war eine eindrucksvolle Der onsfral‘on für Limud Hathora. Der Zentralrat der Agudas Jisroel wurde durch seinen Präsidenten Oberrabbiner Lewin Sambor vertreten, der in einer glänzenden Ansprüche die B*:deutung des Tages würdigte. An der Feier nahmen di: angesehensten Führer der Orthodoxie sowohl de. Stadt Drohobycz wie vieler aaiderer Städte teil. Die Di ohobyezer Ortsgruppe hat sich sowohl durch die vorbe: ütirng des'Festes wie durch die Bewirtung der Gäste ausgezeichnet. Für eine Jeschiwah in Przemysl. Przemysl. (A. J. P. ß.) Wie ״Der jüdische Weg', das Organ der Zeire Emune Jisroel, mitteilt, wird fiir die Errichtung einer Jeschiwah in Przemysl eine grosse Aktion eingeleitet. Der Aufruf des Grossrabbinc s aas Sadagora für die Aguda im allgemeinen und für Keren Hathora im besonderen macht einen günstigen Eindruck und fördert die Arbeit der Aguda unter den Sadagoraer Chassidiin wesentlich. Ein Rabbiner in Russland wegen Herabsetzung jüdischer Sowjetschulen unter Anklage. Riga. (.1. T. Ä.) Auf Verlangen der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei haben die ■Behörden gegen den •׳Rabbiner־ von Pawolatsch, Distrikt Belo-Zerkov, ein Verfahren wegen öffentlicher Herabsetzung der staatlichen ■jüdischen Sowjetschulen eingeleitct. Der Rabbi- 11er soll ■behauptet haben, dass die jüdischen Kinder in den religionslosen Staatsschuld! schliesslich der Taufe entgegengebracht werden. Der Rabbiner forderte die jüdische Bevölkerung auf, diese Schulen zu boykottieren und ihre Kinder in religiöse Schulen zu. schicken. Als eine Gruppe jetzt in Amerika ■wohnender früherer Einwohner von Pawolatsch dem Rabbiner eine Summe von 150 Dollar für jüdische Zwecke sandte, verwendete der Rabbiner das Geld fiir den Umbau des Beth Hamadratli, damit dieses auch als Schule für jüdische Kinder dienen könne. 40 Dollar von diesem Gelde, ■das ■der Rabbiner zur Zeit der Einleitung des Verfahrens noch nicht ausgegeben hatte, sind von den Behörden■ beschlagnahmt worden. Gefahr der Judenausweisung aus dem Dotiez-Revier. Riga. (J. T. A.) Das Präsidium des allukrainäscheri Sowjetexekutivkomitees bestätigte das Gesetz wegen Aus- Weisung der nichtarbeitenden Elemente aus ■den Arbeiterrayons des Donezcr Kohlengebietes, um die Wohnungskrisis im Arbeitsgebiet zu lösen Da die Mehrheit der jüdinoch bei Ungarn verbliebene Gebiet der Hauptstadt des Burgenlandes: Oedenburg. Nomen est omen. Der einst so belebte grosse Bahnhof dieser uralten Stadt, die — nebenbei bemerkt — auch ihre jüdische Geschichte hat, liegt wirklich öde und verlassen da und während der halben Stunde, die ich da am Fenster des plombierten Waggons stehe, spaziert über den weiten Perron, der früher, in den Jahren der Vorkriegszeit, von Offizieren und sonstigem eleganten Reisepublikum nicht minder belebt war als von ungarischem Landvolk in seiner malerischen Tracht und mit seinen unvermeidlichen riesigen Tragkörben — ein Hahn auf und.ab und ein Grenzfinanzwächter gähnt ein paar Dienstminuten herunter. Der Bahnhof sieht ,aus, als läge er im Kriegsgebiet unseligen Andenkens, und wenn mir auch um die Offiziere der alten Armee nicht leid ist, deutet seine Verödung nur zu sehr darauf hin, dass auch aus der von ihrer reichen Umgebung abgeschnittenen Stadt alles Leben geschwunden ist. Der Zug nimmt ausser dem langen Verweilen in Oedenburg übrigens auch beim Betreten und beim Verlassen des ungarischen Gebietes längeren Aufenthalt, da alle Waggonfenster untersucht werden müssen. Denn wenn eines als beschädigt befunden werden sollte, müsste vor Verlassen des betreffenden Staatsgebietes noch ein diplomatischer Akt ein*• geleitet werden und so etwas gehört ebenso wie die ganze Reise ins südliche Burgenland zu den Dingen, die Weile haben wollen. (Fortsetzung folgt.) Achtung I Neue Adresse! Oie Redaktion und Adninist! ilion der ״JOdiscleii Presse1' befinden eich Wien, II.! Leopoldsgasse 26 1. Stiege, 1. Stock, Telephon Nr. 4594'4״♦ sehen Bevölkerung im Donez-Gebiet in den Gruben nicht beschäftigt ist und demnach zu den ״nichtarbeitenden" Elementen gezählt wird, ist sie der Gefahr der zwangsweisen Ausweisung ausgesetzt. Forderung nach Beschlagnahme der Brodsky-Synagoge in Kiew. Moskau. (J. T. A.) Die in Kiew stattgefundene Konferenz der sogenannten unparteiischen jüdischen Arbeiter hat eine Resolution angenommen, in der die ukrainische Regierung ersucht wind, die Brodsky-Synagoge in eiinen Arbeiterklub umzuwandeln. 111 der Resolution wird gesagt, die Tatsache, dass der Millionär Brodsky die Synagoge erbaute, beweise ׳die nahe Verwandtschaft zwischen Kapital und Religion. Infolgedessen sollte die Synagoge als eine kapitalistische Institution atbgeschafft und das Gebäude der arbeitenden Klasse zur Verfügung gestellt werden. Ausschluss wegen Teilnahme am ״Seder“. Riga. <J. T. A.)• •Von einem jüdischen •Kommunlisten namens Lew,!der in xien vergangenen Passah-Tagen an einer antireligiösen Kampagne tätigen Anteil genommen hat, wurde nacliträgläch in Erfahrung gebracht, dass er seine religiöse Verwandten ■mit Mazzo versorgte und selber ■dem Sedcrabend ׳beiwohnte. Er ׳wurde deswegen a׳us!der kommun ist:isahen Partei ausgeschlossen. Sein Appell an die Exekutive der kommunistischen Partei der Provinz Hornel uni die Wiederaufnahme in die Partei wurde abschlägig ׳besclueden. Der Kommunist Lew erklärte!in seinem Appell, dass er den Bitten seiner Frau nachgeben musste,!die!ihm eine Verweigerung ihres Wünschen nicht verziehen hätte. Er habe nachgegeben, um den Ehefrieden zu erhalten. Das Provinz-Exekutivkomfitec hat diese Gründe nicht gelten lassen und hat den Beschluss des Ortskomitees bestätigt. Der Präsident des eng isch-jüdischen Deputiertenrates gegen das ״Jüdische Votum‘*. London. (J.T. A.) Am 26. Oktober wurde hier eine Sitzung des englisch-jüdischen Board of Deputies abgehalten. Der Präsident Herr H. S. 0• Henriques wünschte jenen Mitgliedern des Board, die in das Parlament kandidieren allen Erfolg. Er führte dann aus: Die Juden als Gemeinschaft haben keine offizielle Sympathie fiir irgend eine bestimmte politische Partei. Sie geben ihre Stimmen als Engländer, nicht als Juden ab. Es bestellt keine Veranlassung für ein jüdisches Votum. Die Juden gemessen hier völlige Freiheit. Es war stets ihre Pflicht gewesen, das ihnen verliehene Wahlrecht im Verein mit ihren Mitbürgern auszuüben. Sie müssen auch jetzt von der Riicksicht auf das Allgemeinwohl des Landes, das auch ihr eige-!!־es ist, sich leiten lassen. Die jüdischen Kandidaten sind fast gleichmässig auf die drei politischen Parteien verteilt und das entspricht auch der allgemeinen Stimmung unter, den jüdischen Wählern. Herr H. B. Cohen führte aus, er stimme den Bemerkungen des Vorsitzenden zu, möchte aber gern eine Frage stellen: ״Wie ist es, wenn ein Kandidat Antisemit ist; sollte man ihn unter Umständen wählen?“ Der Vorsitzende antwortete: ,Wenn Sie denken, ■dass der Antisemitismus dem Lande abträglich ist, werden Sie selbstverständlich gegen ihn stimmen.“ Präsident Calles erneuert sein Siedlungsangebot an jüdische Kolonisten. New York. (J. T. A.) Präsident Calles von Mexiko der vor einigen Monaten vor Antritt seiner Europareise durch die Jüdische Telegraphcn-Agentur ein viel beachte.- tes Angebot an jüdische industriele und landwirtschaüliehe Siedler, nach Mexiko zu kommen, gemacht hatte, sandte unter dem 28. Oktober an das New Yorker-Bureau der Jüdischen Telegraphen-Agentur neuerdings eine Bot• schaft, in welcher er als der nunmehr amtierende Präsi* dernt der Republik Mexiko seine Einladung an die jüdi- Wo erhält man den wirklioa naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschlossen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflichst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos auiprobiert werden. Franz Balla, Wien, IV., Gusshausstrasse 26 Telephon 68-9-12