Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 48 ÜflPKCHE PRESSE Seite 317 ■י■ ייו«ויייי>י^ו«>ן F BRTIGE , HERREN- KNABEN- KINDERKLBIDBR Maisabtellung bis zu den feinsten englischen Stoffen. Feinste, eleganteste Ausführung / Neueste Modejoumale liegen auf / Auf Vermeidung von שעטניז wird streng geachtet / Um geneigten Zuspruch bittet hochachtungsvoll J. STERN, II., GLOCKENG. 25. Tel. 46-9^3 ■arm nnumjmrTaTawir m f ~! ~1 ~!—■r - Die Scheine sind bei der Keren Haflhora- Zentrale, Wien, II., Leopoldisgasse 26, und bei alten Landesdirektionen eiihättiidi. Vom Tage, ®®® Dzika und Nalewki. Das Werdende in seiner Bedeutung zu erkennen, ist Aufgabe der ernsten Publizistik. Im zionistischen Lager fängt man jetzt an, sich gegen die sogenannte kleinbürgerliche Einwanderung nach Palästina zu wehren. Menschen, die in Palästina wirklich nichts anderes wollen, als sich eine neue Heimstätte zu gründen, die fernab von der Politik ihren Weg suchen, sind nicht gern gesehen. Chaim Weizmann kleidet* das in die Worte: ״Es dürfte in Palästina keine Dzika f. Nalewki geben.“ Dzika f. Nalewki sind die wichtigsten jüdischen Strassen, oder, wenn man will, die Hauptghettostrassen in Warschau, welche augenfällig der dortigen Lebensgemeinschaft auch ein religiöses Gepräge verleihen. Wer einigermassen die jüngsten fünf Jahre miterlebt hat, der weiss, was die Forderung bedeutet, dass die zionistische Organisation diese Art der Einwanderung regulierend in die Hand nehmen muss; was also bisher immerhin mit einer Art Verschleierung geschehen ist, das soll jetzt offenkundig legitimiert werden, das heisst also, dass nur wohlerprobte, areligiöse Kulturzionisten zur Einwanderung nach Palästina zugelassen werden. Die zionistischen Journalisten machten kein Hehl aus dieser Ausführung, und zwar, wohlgemerkt, 1m Namen des nationalen Geistes. Das also ist das Werdende, das sich immer noch erkühnt, mit solchen Absichten und Gedanken von einer Heimstätte des jitdischeu Volkes zu sprechen. ® NACHRICHTEN. Die Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel in Warschau. Warschau. (A. J. P. B.) Sonntag den 19. Cheschwan fand in Warschau eine Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel statt. Es nahmen teil die Herren S. Ros^nbaum, M. Privves, Sejmabgeordnete Elia Kirschbraun, M. Kaminer, J. Trockenheim, P. Lewin und M. Rosenstrauch. Namens der Wiener Zentrale war Rabbiner Tobias Horowitz erschienen. Zur Durchführung der Beschlüsse in der Zentralratssitzung in Krakau wurde nach einem eingehenden Referat von Rabbiner Tobias Horowitz eine grosse Propagandaaktion zur Intensivierung der (Tätigkeit der Agudas Jisroel in Polen beschlossen. Hauptsächlieh wurden folgende Massnahmen vorgeschlagen: Es! sollen in allen grösseren Städten Propagandaversammlungen abgehalten werden, in welchen neben prominenten polnischen Persönlichkeiten der Orthodoxie auch ausländische Vertreter aus dem G. A. referieren sollen. Die Herren Jakob Rosenheim, Leo Wreschner, Julius )Holländer,' Heinrich Eisemann und Dr. Salamon Ehrmann sollen entsprechend ihrer Zusage aufgefordert werden, möglichst bald zu genannten Zwecken nach Polen zu kommen. Gleichzeitig soll Herr Dr. Deutschländer in Bialystok und ,Wilna die dort eingeleitete Keren Hathora-Aktion fördern. Rabbiner Dr. J. Pollak soll in Ostgalizien tätig sein. Etwa 30 Persönlichkeiten aus Polen und Galizien haben sich bereit erklärt, auch in kleineren Städten die Aktion zU hohen Mauern des Klosters zu fliehen. Er begab sich in das nahegelegene Städtchen und bat in einem Hause, dessen Besitzer ein Jude war, um Aufnahme. Ferner flehte er den Besitzer in deutscher Sprache um Hilfe art und erzählte diesem seine Lebensgeschichte. Der Wirt beherbergte ihn, gab ihm auf seinen Wunsch andere Kleider und führte ihn nach Stanislavvow, wo er ihn dem dortigen Rabbinat vorstellte. Der dortige Rabbiner sprach sich gegen den Uebertritt aus und wollte Tusch die Verantwortung für seine Handlung überlassen. Vier Monate lang verbrachte Tusch in der Stadt und lebte in den schlechtesten Verhältnissen. Als er jedoch immer wieder bei seinem Wunsche beharrte, entschloss sich das Rabbinat, die Behörden und die Leitung des Klosters von der Sache zu verständigen und die Oeaehraigung zu erwirken. Diese langte auch an, worauf der Uebertritt stattfinden konnte. Knapp hierauf begab sich Tusch nach Bialystok, wo er lange Zeit krank im Spitale lag. Von Bialystok kam er nach Lodz und wurde dort vom Strikower Rebben aufgenommen, unter dessen Obhut er sich heute befindet. Der junge Ger, der heute 19 Jahre alt ist, und von den Hausinsassen des Rebben, Schlojmale genannt wird, zeichnet sich durch grosse Frömmigkeit aus und kleidet sich auch in altjüdischer Tracht. Er will ein Chossid werden und lernt gegenwärtig in einer Lodzer Jeschiwah. Aus den Dokumenten erwies es sich, dass Tusch der Sohn einer jüdischen Mutter und eines christlichen Vaters sei. Sein Grossvater mütterlicherseits jedoch war Rabbiner im galizischen Städtchen Sigit. An unsere P. T. Abonnenten!! Das Kalenderjahr 1924 nähert sieh seinem Ende. Trots vielfacher Aufforderangen und Mahnungen hat nooh ein Teil unserer Abonnenten die Abonnementgebühr nicht bezahlt. Den minimalen Betrag dieser Gebühr, die mit Rüoksioht auf die sohleohte wirtschaftliche Situation unter den Herstellungskosten unseres Blattes gehalten wird, kann ein jeder leisten, verpflichtet sind dazu aber alle diejenigen, die erstens ein ganzes Jahr das Blatt erhalten haben und uns nioht schädigen wollen, zweitens alle diejenigen, die es wissen, in welohen grossen Kämpfen sich die Orthodoxie befindet, und die es wissen, dass heute der Kampf um Dass Weemunoh unbedingt mit den modernen Mitteln der Zeitung geführt werden muss, falls er Erfolg haben 8011, und schliesslich alle diejenigen die in ihrem Hause eine echte jüdische Zeitung haben wollen, nm über die wichtigsten Ereignisse im Jadentum und der jüdischen Orthodoxie unterrichtet zu werden. Wir appellieren daher an alle unsere Abonnenten, die bis heute die Abonnementgebühr noch nicht bezahlt haben, dieses sofort zu tun. fördern. Auf das Wiedererscheinen des ״Jud“ sollen zunächst alle Kräfte konzentriert werden, zumal die linksorientierten Druckereien durch einen Beschluss ihrer Gewerkschaft jede Arbeit für die Orthodoxie verweigern, um so durch einen Boykott jedwede Tätigkeit im Interesse der Orthodoxie unmöglich zu machen. Die seit einigen Monaten mit Hilfe der polnischen rabbinischen Autoritäten emsig betriebene Hilfsaktion zugunsten der notleidenden Lehrhäuser hat bis jetzt den Betrag von annähernd 4000 Dollar ergeben. Der Sturm au! die Jisroel. Lehrwerkstätten der Agudas - Ein mildes Urteil.’ Mittwoch den 26. d. M. fand vor einem Senat des Landesgerichtes I unter Vorsitz des Hofrates Dr. Karn e r t die Verhandlung gegen die drei Hakenkreuzler Willibald Akamphuber, Wilhelm Infeld und Karl Jakl, statt. Die drei Genannten haben in der Nacht vom 19. auf den 20. September d. I. die Lehrwerkstätten der Agudas Jisroel in welchen Pogrom Waisenkinder zu Handwerkern ausgebildet werden, gestürmt, mit Steinen gestürmt, zahlreiche Fensterscheiben eingeschlagen und unter den Kin* dern eine Panik hervorgerufen. Akamphuber und Infeld wurden zu je zwei Monaten, Jakl zu vier Monaten Arrest bestraft. Die Verurteilung erfolgte bedingt mit dreijähriger Bewährungsfrist. (Es wäre wohl interessant zu erfahren, wie dieses milde Urteil der drei Hakenkreuzler, deren Tat auch' schlimmere Folgen als Fenstereinschlagen haben konnte und auch haben sollte, begründet wurde. Jedenfalls ist das sehr milde Urteil ein charakteristisches Beispiel der Rechtsverhältnisse in Oesterreich.) Bevorstehnder Rücktritt Sir Herbert Samuels. London. ״Morning Post“ meldet, dass Generalmajor Sir George Fletcher Mac Mumm anfangs nächsten Jahres als Nachfolger von Sir Herbert Samuel Oberkommissär von Palästina wird. Von der Kerän Hathora-Zen träte. — Eintritt Grossrabbiners ML Friedmaan in die Keren Hathora- Zentrale. Wien. (A.J.P. B.) Grossrabbiner Markus Friedmann, der seit jeher die Arbeit des Keren Hathora mit grossem Interesse verfolgt hat, hat einer .Berufung in die Weltzentrale des Keren Hathora Folge gegeben. Jakob Rosenheim und Salfy Gugenheim in Wien. Wien. Mittwoch sind die Herren Jakob Rosenheim und Sally Gugenheim in Wien eingetroffen. 700-Jahrieier der Stadt Zülz (Mokim Zacfik). Die alte deutsche Stadt Zülz (Mokim Zadik) kann im kommenden Jahre auf ein 700jähriges Bestehen zurückblicken. Viele emsige Hände rühren sich schon heute, um diese Jubiläumsfeier zu einer imposanten zu gestalten. In Anbetracht des Umstandes, dass die Judenschaft auf Grund der ihr seitens der damaligen Besitzer der Wo erhält man den wirklien naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel berzusteilen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entsehliessen, das eigene Haar absohneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers hüflichst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Balla, Wien, Gusshausstrasse 26 Telephon. 68-9-18 PELZWAREN eigener Erzeugung solidester Ausführung. Uebernahme aller Art Reparaturen und Umarbeitungen. PelzhausTeltler SL״.» geschlossen שבך! Herrschaft Zülz verliehenen Vorrechte י am H., 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts sich frei entfalten konnte, daraufhin den ausschlaggebenden Faktor in der BevÖlkerung der Stadt Zülz bildete und so weit über Schlesiens Gaue als Judenstadt mit dem noch erhaltenen historischen Judenfriedhof bekannt wurde, soll der jüdischen Kultur bei Niederlegung der Geschichte der Stadt Zülz und bei der Jubiläumsfeier selbst eine besondere Stätte eingeräumt werden. Um alle ehemaligen jüdischen Mitbürger und sonst interessierte Persönlichkeiten von den geplanten Festlichkeiten unterrichten zu können, ist es erwünscht, dass diese alsbald ihre Adressen an den Propagandaausschuss der 700-Jahrfeier zu Händen des Buchdruckereibesitzers Paul Jendretzke in Zülz einzusenden. Eine Minenexpiosion in Kowno. Kowno. In dem bei Kowno in Litauen gelegene Munitionslager Freida hat sich Montag früh eine f urclitbare Explosion einer riesigen Menge unbrauchbarer Minen ereignet. Bis jetzt ist bekannt, dass 15 Persone« darunter 5 Zivilisten,in Stücke zerrissen worden sind. Man vermutet, dass sich unter den Trümmern noch mehr Tote befinden. Die Explosion war so gewaltig, dass in Kowno tast sämtliche Fensterscheiben zertrümmert und in der ganzen Stadt grosser Schaden verursacht wurde. Das Zwangssonntagsruhegesetz in Litauen aagenominen. Kowno. In der Sitzung des litauischen Sejm vom 18. November wurde das Gesetz über die Sonntagsruhe in dritter Lesung angenommen, so dass das Gesetz nunmehr in Kraft ist. Laut diesem Gesetz ist an den Sonntagen und christlichen Feiertagen jede Art Handel und Gewerbe streng verboten. Nur in bezug auf. den Unterricht in jüdischen Schulen an den Sonntagen1 wurde eine Erleichterung gewährt. Die Juden Litauens sind genötigt, nunmehr zwei Tage in der Woche zu feiern. Wie bereits gemeldet wurde, hat die jüdische Protestaktion gegen das Sonntagsruhegesetz, die am Tage vorher in allen litauischen Städten stattgefunden hat, einen ungemein eindrucksvollen Verlauf genommen. In allen Synagogen wurden Andachten abgehalten. Sämtliche Geschäftslokale waren geschlossen. Die Polizei hatte volle? Bereitschaft. Gegen mehrere jüdische Kaufleute wurde von der Polizei in Verbindung mit der Protestaktion eine Untersuchung eingeleitet. Auch in der Redaktion der Kownoer Tageszeitung ״Ydische Stimme“ wurde eine Untersuchung durchgeführt. Die antijüdische Politik in Litauen. Kowno• (J. T. A.) Die endgültige Annahme des Zwangssonntagsruhegesetzes seitens des litauischen Sejm hat unter der jüdischen Bevölkerung auch deshalb grosse Besorgnis hervorgerufen, weil nach der Lage der Dinge das Gesetz unzweifelhaft eine antijüdische Spitze hat. Die Kownoer Tageszeitung ״Ydische Stimme“ schrieb am Tage der Abstimmung in einem Leitartikel ״Hände weg“ 11. a.: ״Der Angriff auf Juden, auf jüdische Existenzen, auf jüdische heilige Werte wird immer vehementer. Mit jedem Monat mehren sich die Härten. Unsere Nationalautonomie wird liquidiert, unsere nationalen Rechte werden verletzt, man ruiniert unsere Existenz, beleidigt unsere Sprache, unsere Ehre, unsere Menschenwürde. Die judenfeindlichen reaktionären Kräfte sind obenauf. Man versucht, die jüdische Gemeinschaft aus ihren vielhundertjährigen eingebürgerten ökonomischen und kulturellen Positionen herauszubringen... Die Verfasser des Gesetzprojektes wissen ganz gut, wie teuer den Juden der Sabbat ist, wie ungeheuer schwer es ist, zwei Tage in der Woche zu feiern; sie wollen uns vor ein gefährliches Dilemma stellen: Entweihung des Sabbat oder ökonomischer Ruin... Hände weg! Bezähmt Euern antisemitischen Hass und lasset es nicht zu, dass der Name der litauischen Republik entweiht wird.“ Konferenz der Zelrei Jisroel in Kowno. Kowno. (A. J. P. B.) Anfang Marcheschwan fand in Kowno eine sehr zahlreich besuchte Konferenz der Z£irei Jisroel in Litauen statt. Auf Einladung der Leitung hielt unter anderem Oberrabbiner Kahnemann aus Poniewierz eine grosse Rede über die Aufgaben der orthodoxen Jugend, die als Kulminationspunkt der Konferenz bezeichnet wird. Einen wichtigen Teil der Beratungeh bildete die Frage des Anschlusses der Zeirei Jisroel an die Jugend- Organisationen der Agudas Jisroel. Polnische Priester gegen das Dekollete. Wien. (A. J. P. B.) Wie der ״Doar Hajom“ meldet, haben polnische Priester beschlossen, nach dem Beispiel der Rabbiner in Polen eine energische Aktion gegen die sittenverletzende Mode zu unternehmen. ' Es wurde beschlossen, im polnischen Sejm einen Gesetzentwurf einzubringen, nach welchem die Schneiderinnen sowie Arra■- gierung von Geschäftsauslagen durch sittenverletzende moderne Damenkleider mit grössten Strafen belegt wer־־ den sollen. Der Kauf vou Pelzwaren Ist Vertrauenssache. Darum kaufe jeder diese nur bei einer reellen und gewissenhaft*■ Firma. 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