Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 48 (28.11.1924)
- Date
- 1924-11-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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WC■ messe Nr. 48 Seite 316 mmm J. titH, Wien, 11״ Hollanistrasl• 14 {«tMaittifte SteftotMliraaM) ÜA—t bÜl• KBoh•!!rieft ftrettatte und öegifcr des fcntääh erhOTidl damit iieschä'Witeft, wäre <fte Disfcussio« vertieft und erweitert. Oer Palästina-Bericht der Mandatskommission des Völkerbundes. Genf. (J. T. A.) Der J. T. A.-Vertreter hat Gelegen* heit genommen, in den Bericht der ständigen Mandats* kommission des Völkerbundes über das palästinensische Mandat Einblick zu nehmen. Der Bericht, der laut Vor* achrift an den Völkerbundsrat geleitet wird, fasst die Erge baisse der sechs Sitzungen der Mandatskommission zusammen, die am 28., 29. und 30. Oktober in Genf im Brisein des britischen Repräsentanten, Sir Herbert Samuels, äbgehatten worden sind und der Erörterung des schrift* Helten Berichtes der britischen Regierung vom Juni dieses Jahres gewidmet waren. Der Bericht betont in der Einleitung: Während alle änderen Mandate nur bezwecken, die allgemeinen Prinzipien des Artikels 22 des Völkerbundstatutes zu verwirklichen, ist das palästinensische Mandat mehr komplizierter Natur. Das Nationalheim für das jüdische Volk. Aus. der Einleitung des Mandatsvertrages sowie aus mehreren Abschnitten desselben geht klar. hervor, dass der Völkerbund über die Bestimmungen des Artikels 22 hinaus auch die Errichtung eines jüdischen Nationalheims kt Palästina durchgeführt zu sehen wünscht. Laut dem׳ Grundprinzip des Artikels 22 des Vertrages ist die oberste* Pflicht des Mandatars die, die Entwicklung des Mandats* territoriums durch eine Verwaltung zu sichern, die den Interessen der Einwohner entspricht. Darüber hinaus wird m den Bestimmungen der Deklaration vom 2. November J9I7 der Mandatar in Palästina angewiesen, ״die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina zu fördern, vorausgesetzt, dass nichts geschieht, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und den politisehet; Zustand der Juden m einem anderen Lande beeinträchtigen könnte*‘. %ie jüdische Einwanderung. Die Kommission wünscht die besondere Aufmerk־ samkert des Rates auf die Hauptfrage zu lenken, welche die ganze gegenwärtige Lage in Palästina zu beherrschen scheint: Die Kömmission hat davon Kenntnis genommen, dass in den letzten Jahren ein beträchtliches Zuströmen Jüdischer Immigranten nach Palästina stattgefunden hat. ^Dieser hauptsächlich aus dem östlichen Europa kommende fmoigrantenstrom gibt Palästina eine neue Bevölkerungs* sehichtv die trotz grossen Eifers und ihres Wunsches, an dem Wiederaufbau des jüdischen Nationalheims mitzuwiricen, weder die technische Uebung noch die Tradition hat,, um sich der landwirtschaftlichen Arbeit, deren Palästina am meisten bedarf, zu widmen. Laut Artikel 6 des Mandats soll die palästinensische Administration die jüdische Immigration unter angemessenen Bedingungen erleichtern und eine dichte AnsicdUmg der Juden auf dem Lande, einschliesslich der für öffentliche Zwecke nicht erforderlichen Staatsländereien, fördern. Diese Bestimmung macht es der palästinensischen Administration zur Pflicht, die jüdische Immigration nach Palästina sowohl zu fördern als auch zu regeln. Die Kommission ist glücklich, den von dem Mandatar zur Verwirklichung des in diesem Artikel zugrunde gelegten Prihxips gewachten Aitstraighhge!) &e Anerkennung iuszudrücken. Sie tat Jedoch verpflichtet, darauf hinzuwehen, dass die Immigratfonspolrtik des Müh datars zu einer akuten ÄffcftHinMfcfeottjg geführt litt Itidem die Zionisten ntft dieser PöDiHI hiebt ganz ztifrieden sind. Oie Zionisten SfcÜriehteh die ferirfcHrahg elftes jüdischen Nittlohalheims in PatÜtiria als die erste PfHcbt des Mandat!« und offenbaren daher eine fcew&ae Uftgedüld angesichts der zii Welten der Immigration und der Landbewilligung im Wege stehenden Schwierigkeiten. An* dererseits lehnt die arabische Mehrheit im Lande die Immigrationspolitik der Mandatarmacht ab und weigert sich, den Oedanken eines jüdischen Nationalheims an* zunehmen; sie sieht in der Tätigkeit der Administration ein Eingreifen in ihr Urbesitzrecht. Angesichts der der palästinensischen Administration zweifach auferlegten Pflicht wünscht die Kommission ihrer Anerkennung über die Gründlichkeit, treffsichere Klugheit und den Gerech* tigkeitswillen, mit' denen die Administration ihrer Pflicht nachkoramt, öffentlich Ausdruck zu geben. Der Widerstreit der Interessen zwischen Juden und Arabern. Der Widerstreit' der Interessen, der die Zionisten und die Mehrheit des arabischen Elements in der Frage der Immigration unvermeidlich in einen Konflikt bringen muss, ist auch im Zusammenhang mit einer Anzahl anderer Kundgebungen bemerkenswert. Was die Erziehung zum Beispiel anbetrifft, so beklagen sich die Juden, dass' der Mandatar den Arabern finanzielle Unterstützung gibt, die ihnen als ungewöhnlich gross erscheint. In der Frage der öffentlichen Arbeiten beklagt sich hinwiederum das arabische Element, dass die Juden eine Bevorzugung ge* niessen, selbst wenn diese Bevorzugung nicht von der Administration, sondern von der ■Zionistischen Organisation ausgeht, welche öffentliche Arbeiten auf eigene Rechnung ausführt. Wenn die Frage der Errichtung einer beratenden oder gesetzgebenden Körperschaft erhoben wird, lehnen die Araber ihre Unterstützung ab, wenn ihnen nicht eine ihrer numerischen Kraft entsprechende Repräsentation zu* gesichert wird. Die Administration kann jedoch infolge der Mandatsbedingungen nicht eine Mehrheit zulassen, die gegen die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina zu opponieren entschlossen ist. Die Kommission ist erfreut, berichten zu können, dass infolge de» Unparteilichkeit und Klugheit der Adrnini* stration, insbesondere des Oberkommissam, die Schärfe! dieser widerstreitenden Interessen gelindert worden ist. Die ״White Paper“-P01itik. — Zurückweisung der extremen Zionisten. Die Kommission hat den von dem bevollmächtigten Repräsentanten im Namen der Palästina-Administration entarteten Bericht mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, laut welchem die Administration die Pläne gewisser zionistischer Extremisten, die die Araber in Palästina durch die Juden verdrängen wollen, verwirft. Die Dektara* tion, welche die von der britischen Regierung in ihrer Korrespondenz mit der Zionistischen Organisation (Weiss* buch) ausgedrückten Ansichten enthält, und die von der Zionistischen Organisation am 18. Juni 1922 angenommen wurde, sollte nach' Meinung der Kommission ' die den Frieden des Landes gefährdende Unzufriedenheit lindern. Die Kommission nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, dass es im allgemeinen möglich gewesen ist, die bevollmächtigtcn Repräsentanten der arabischen Bevölkerung mit der lokalen Administration zu verbinden. Die Konimission hofft aufrichtig, dass des Oberkommissam Anstrengungen im Interesse der friedlichen Entwicklung des Landes in kurzer Zeit von Erfolg gekrönt sein werden. Besondere Bemerkungen. Die Kommission wünscht eine ausführlichere Information über die Administration Transjordaniens zu eriü!r•«. A a Bataataii. ■Mte •fcarscM4tliCfc• 8at*ttk*hie*• ua illitUliiidluc Billigst• TA« *jt&reilA 4IP* ft!r!äti!ri ftn•■ liehe« Bewieott j«ä•■ ÖilÄvuii wird loa lliii ftigMtellt. R4>Hnft B«m!h1|Q*. ffir ftinftn •hejian, Brtilillmfct brii uni zu :Mt. Jakob! Isok Horowlts ft David HaVbarstaia WUn, lt«, Liopoldifl!■8• 22• Talapbon 4 *•••21. hatten. Denn obgleich nicht alle Artikel des palästineusisehen Mandats auf Transjordanien anwendbar sind!, steht es immerhin unter britischem Mandat. Ferner wünscht dk־ Kommission eine ausführlichere Information bezüglich der Emigration und Immigration sowie eine Klassifizierung der Immigranten nach Rasse und Beschäftigung sowie Ursprungsort. Die Kommission nahm mit Befriedigung von den Erklärungen des bevollmächtigten Repräsentanten Kenntnis, dass er eine Arbeitsgesetzgebung für Palästina erwägt. Vom Kerea Hathora. Ausgabe von Coupons des Keren Hatbora. Die Keren Ha thora-Zentrale Wien hat cotsprechend einem Beschluss 41er Zentralratssitetsög in Krakau, durch den bekannten Künstler Uriel ®riibäum sogenannte Keren (Hathora-Coupons herstettai lassen, •deren Erlös •den notleidenden Lehranstalten des In- und Auslandes zugute kommen soll. Der E«twurf des Künstlers kann als vorzüglich geJungen hezeichnet werden. Die Vorderseite wird von zwei Ovalen geschmückt, Von denen eines das bekannte vom Keren H^thora gewährte Symbol darsteBt: Die beiden Bundestaleln inmitten des Weltalls, gemäss dem Worte unserer Weisen: אלמלא תודח לא נתקיימו" pfll ״ .שמיםWäre die Thora nicht. Himmel und *Erde hätten keinen Bestand.“ In ■der Mitte des Blattes ist der Beschluss der Krakauer Tagung verzeichnet, für das Jahr 5685 1001000 Dollar durch kleine und grosse Doflaratitdto, für das Budget des Kere!u Hathora aufoubringen. Das Ehrenpräsidium des Keren Hathora hat mit eigenhändiger Unterschrift die Mahnung zugefügt: ״Es ׳ist heilige PfÜcht eines jeden Juden, zur Aitfrechterhaitung unserer Thöräfchr- Stätten und zur Linderung der dort herrschenden Not, wenigstens einen Coupon im Jahre m erwertfen/‘ Rabbi Israel Meir ftakohen (Ghofez Qia&m), Rabbi Israel Friedman«, Ozortkow, Raäbb. Abraham M0ffdw chai Alter (Gerer Rebbe). Die Rückseite enthält e»1 schönes Bild ׳mit charakteristischen Gestalten aus dem Jeschiwchleben, zur Tl]|1strienmg des Tsjrtnid- Wortes: בא ואראך היך תלמידי חכמים עוסקין בתורה מתוך הדחק ,Komm und schau, unter welchen Opfern Thora weist: sich dem Studium widmen.“ Es gelangen zunächst zur Ausgabe: 10.000 ä 0,5 Dollar, 20.000 ä 1 Dollar, 5000 ü 5 DoKjar, 5000 ä 10 DoÖar, 3000 ä 25 Dollar, 2000 ä 50 Doüar, 1000 ä 100 Dollar, 500 ä 200 Ddlar, 100 a 500 Dollar, 10 ä 1000 Dollar. Ein jeder ist 0190 in! der Lage, wenigstens einen Schein zu erwerben. Vota Getingen der Aktioa wird es abhängen, ob der Keren Hathora (Be grossen Anforderaitgen, die an Ihn gestellt werden, erfüllen kan» und so möge jung und alt sich in den Dienst der Sache Ste len, Die Augen von zehntansenden Bachurim sind auf den Keren Hathora gerichtet und harren der Hilfe! ward, da er gleichzeitig Rabbiner von Lackenbach und Kobersdorf ׳war. Ferner befinden sich hier die zttm Tel! sogar mit Gittern versehenen Gräber der •geadelten Familie Schey, deren Denksteine neben den! hebräischen Text auch einige deutsche In- Schriften enthalten. Mein Führer versichert mir, dass solche Steine ,׳mit nichtheöräischen Inschriften nicht mehr zur Aufstellung zugelassen werden, und das wäre nur begrüssenswert, wenn es auch sonst Hand .in Hand ginge mit einem Erstarken •jüdischen Gefühls in dieser Gemeinde, die einst ebenfalls Sitz jüdischer -Geistigkeit war. Doch damit ist es jetzt sehr schlecht bestellt; nur einige wenige Knaben lernen Thora und im übrigen lebt und denkt die Jugend des Ortes unjüdisch. A!m vergangenen Tischa ׳b’Aw, da ein Fussbalknatch der vereinigten jüdischen und deutschen Eussballspöeler Laokenbachs gegen Oedenburger Gäste, da-s man aus Sporthöflichkeit nicht verschieben zu können meinte, stattfinden sollte, wusste sich der strengfromme •und durch seine Schriften sehr bekannte Rabbiner R. Jehuda Kraus nicht anders zu helfen, als indem er den Fussball durch den Schamines besohlagnafomen*kess. Freilich ahnte der gute Mann, da eben nicht erst Jetzt, sondern schon Vtei früher, etwa gelegentlich der Tulpenbewegjung im Jahre 1906, hätte verhindert werden sollen, dass die jüdische Jugend allen Modetorheiten «nd Schlagwörtern haridi&e, nicht, dass die Jugend vorsichtig genug sein* würde, noch einen zweiten ]Bail zu besitzen, mit dam auch das Spiel ansgetragen wurde ... (Fortsetzung folg!.) Bemerkung. In der letzten Nummer der ״Jüdischen Presse“, im Feuilleton ״Urlaübstage im Burgenland“, löst der Artikelschreiber die nach Nennung von Ortsnamen übliche Abbreviatur יע״א in יבנה עייני אדן auf. Da nun diese unrichtige Analyse merkwürdigerweise fast allgemein Eingang gefunden hat, dürfte es nicht ohne Interesse sein, wenn ich berichtige, dass diese Buchstaben, basierend auf dem Prophetenwort (ודרשו את שי*ום העיר (ירמיה ב״ט יכוננה עליון אמך" in אשר הגליתי אתכם שמת והתעללו בעדה aufzulösen sind, denn in obiger Deutung, da עיר feminin ist, müsste es heissen pR תבנה עירנו. Hingegen bei Nennung von Städten in ארץ ישראל besteht der Brauch, nach den Ortsnamen die Buchstaben תובב״א das heisst (תבנה ותכונן במהרה בימינו אמן) zu setzen. M. Kunstadt. Aus dem Kloster in eine Jeschiwoh. Das ״Lodzer Tagblatt“ bringt in einer seiner jüngsten Nummer folgende interessante Schilderung des Lebens eines jüdischen Findelkindes: Der Vorsitzende des Schomrei Schabbos-Vereines in Lodz ist vor einiger Zeit mit der Betreuung eines jungen Ger betraut worden, welches eine geradezu legendarische Vergangenheit hinter sich hat. Ueber dessen Leben und die Vergangenheit erfahren wir aus authentischer Quelle folgendes: Der junge Oer, der vor seinem Uebertrrtt Henrik Tusch geheissen hat, nennt sich jetzt Salomon ben Abraham Tusch und wurde im Jahre 1904 geboren. Bald nach der Oeburt begann auch das Lefd des Kindes. Es wurde in einem Findelhaus untergebracht. Bei Vollendung seines vierten Lebensjahres wurde der Knabe einem Kloster übergeben, in welchem er bis zum 17. Lebensajhre verblieb. Dort würde er als Mönch erzogen und für den priester* liehen Beruf vorbereitet. Im Kloster wurde dem Knaben auf dessen Stirn ein kleines Kreuzzeichen angebracht. Dieses Zeichen ist heute auch nicht mehr zu entfernen, so dass er heute bereits als Jude das Zeichen des Kreuzes an der Stirne trägt und es durch langes Haar zu verdecken trachtet. Im Kloster erlernte der Knabe lateinisch, polnisch und deutsch und beherrscht diese Sprachen vollkommen. Während 9eines langjährigen Aufenthaltes im Kloster war es ihm nicht möglich, dasselbe ein einziges Mal zu verlassen. Dies geschah wahrscheinlich deshalb, weil man gewusst hatte, dass Tusch von Juden Stämme. Der Jüngling führte im Kloster das Leben eines Asketen. Von 6 Uhr abends bis Mitternacht schlief er in einem Sarge. Von halb 12 Uhr bis 3 Uhr früh ver* richtete er die Gebete, um dann den Rest der Nacht weiter im Sarge zu verbringen. Der Tag wurde von Gebeten lind dem Studium heiliger Schriften ausgefüllt. In seinem 16. Lebensjahr erschien dem jungen Tusch im Traume seine verstorbene Mutter, und sagte ihm: Du bist ein Jude. Gehe zurück, von wo du gekommen bist. Als er erwachte, schien ihm dieser Traum lächerlich und derselben Meinung war auch der Prior des Klosters, der ihm riet, sich diese Sachen aus dem Kopf zu schlagen und weiter seine Arbeit zu verrichten. Der Traum wiederhotte sich jedoch und Tusch begann darunter sehr zu leiden. Um diesem ein Ende zu machen, hielt er nach Mitteln und Wegen Umschau, um das Kloster verfassen zu können. In einer Nacht gelang es ihm, durch die