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Jüdische Presse · 1924-11-28 · 48 (28.11.1924) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
48 (28.11.1924)
Date
1924-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 318 jBMSeBE TWÜ6E. Nr. 48 Ein iüdteefces Brautpaar unter dem BaMacfeia erschascen. Warschau• (J. T. A.) Das Städtchen Budaucic im IWilnaer Kreis wurde durch den folgenden Vorfall in Auflegung versetzt: Am vergangenen Dienstag sollte die Trau lag der 22jährigen Sonja Katzelman, aer einzigen Tochter eines angesehenen jüdischen Kaufmanns, die vor kurzem die Universitätsstudien in Wilna beendet hat, mit eto«m jungen Mann aus Grodno namens Jachmana atattfinden. Die junge Braut war in den vorhergehenden Monatcn durch den Sohn eines benachbarten christlichen Gutsbesitzers mit Liebesanträgen verfolgt worden, sie wies1 aber den Zudringlichen immer wieder von sich und war sogar, um sich seinen Verfolgungen zu entziehen, für eine Zeitlang zu Verwandten nach einer anderen Stadt gereist. Erst wenige Tage vor der Trauung kam sie zurück. Als das junge Paar unter dem Baldachin stand, erschien der abgewiesene Liebhaber und gab aus einem Revolver je zwei Schüsse auf die Braut und den Bräutigam ab, die alle trafen. Dann tötete er sich selbst durch einen Schuss in die Schläfe. Die junge Braut erlag nach wenigen Stunden ihren Verletzungen, während über den Zustand des Bräutigams noch Ungewissheit herrscht. Das Leichenbegängnis der Braut hat unter der Teilnahme fast 4er gesamten jüdischen Bevölkerung der umliegenden Städte stattgefunden. Die Eltern der Braut sind jetzt schweren Verfolgungen seitens des Vaters des verschmähten Liebhabers ausgesetzt, der behauptet, sein Sohn sei durch die Zauberkünste ihrer Tochter in den Tod getrieben worden. Masseaentlassung der jüdischen Lehrer in Rumänien. Kischinew. (J.T. A.) Der bessarabische Bildungsinspektor erhielt eine Weisung des Unterrichtsministers! Anghelcscu, dass alle Lehrer, die die Prüfungen in Rumanisch nicht bestanden haben, zu entlassen sind. Meist werden jüdische Lehrer davon betroffen. Die Arbeit der JewsSektion. Warschau. (A. j. P. B.) Die jüdisch-kommunistische Sektion stellte bei der Staatsbehörde den Antrag auf Eröffnung eines Prozesses gegen den Rabbiner von Pewolatsch im Bezirke von Bialozerkiew. Der Rabbiner soll die jüdischen Regierungssowjetschulen schwer beleidigt haben. Er soll in einer Rede behauptet haben, dass die jüdischen Kinder, die in den Religionsschulen Unterricht nehmen, Kandidaten für die Taufe sind. Der Rabbiner hat auch die jüdische Bevölkerung aufgefordert, diese Schulen zu boykottieren und die Kinder ins Choder zu . schicken. Einige Zeit vorher hat der Rabbiner von seinen Landsleuten in Amerika 150 Dollar für jüdische Zwecke erhalten. Der Rabbiner benützte das Geld zur Restauration des Beth Hamid rasch, das in eine Talmud Thora verwandelt wurde. Diese Verwendung des Geldes wird nun als besonderes Verbrechen betrachtet. Die noch übrig gebliebenen 40 Dollar wurden von der Jew-Sektion konfisziert. Die Leiden der jüdischen Kommunisten. Warschau* (A. J. P. B.) Die jüdisch-kommunistische Presse in Russland beschäftigt sich stark mit der an den jüngsten jüdischen hohen Feiertagen festgestellten Des- Organisation des jüdische? Proletariats. Es gibt kein jüdi-* sches Proletariat, schreiben diese Zeitungen, ist die Lehre der letzten Feiertage. Mit ganz geringen Ausnahmen haben alle jüdischen kommunistischen Arbeiter die Arbeit aif diesen Feiertagen niedergelegt. Die Synagogen hatten seitens der jüdischen Arbeiter einen Massenbesuch gehabt, ln Jekalineroslaw fand eine geheime Konferenz der jüdisch-kommunistischen Führer statt, auf welcher die Massnahmen beraten wurden, die zur Bannung dieser Gefahr ergriffen werden sollen. Es wurde beschlossen, namens der jüdisch-kommunistischen Partei einen Protest an das jüdische Proletariat herauszugeben, in welchem gegen ״die Gläubigkeit an eine Gottheit“ seitens der jüdischen Arbeiter schärfstens vorgegangen wird. Ithamar Beo Awi über jüdischen Konservatismus. Jerusalem. (A. J. P. B.) Ithamar Ben Awi, der Sohn Ben Jehudas, eines der Schöpfer und Führer der Moderne in Palästina und Redakteur der täglichen Zeitung ״Doar Hajom“, schreibt anlässlich der Wahlen in England in der Nummer 27 vom 10. November unter anderem folgendes über die Entwicklung des Konservativismus bei den Juden: Das jüdische Volk muss unbedingt konservativ bleiben. Die Versuche, die Brücken zur Vergangenheit und zur Tradition abzureissen, sind lächerlich, aber auch verderblich. Ein Jude kann nur konservativ sein, etwas anderes schliesst die Möglichkeit, Jude zu bleiben, vollkommen aus. Ithamar Ben Awi schliesst den ' Artikel mit den Worten, kein Jude im neuen Heim darf sich der Vergangenheit schämen und muss sich stolz zum absoluten Konservativismus bekennen. Sprechsaal. Berichtigung. Zu der in der Rubrik ״Sprechsaal“ in unserer jüngsten Nummer enthaltenen Angelegenheit betreffs des Verhaltens der Misrachi bei den letzten Kultusgemeindewahlea waren uns zwei Zuschriften zugegangen. Auf Grund eines bedauerlichen Irrtums wurde unter einen fremden Artikel der Name des Herrn Hornstein gesetzt, was wir hiemit berichtigen. Wir bringen heute die Zuschrift des Herrn Hornstein. (Red. ״Jüd. Presse“.) Aus ״religiöser Block“ schon wieder ״Misrachi“. Endlich ist der Schleier gelüftet, und Misrachi erscheint vor uns mit offenem Visier, ln der letzten Nummer des Leiborganes der hiesigen Misrachi-Gewaltigen wird, mit grosser Aufmachung, der angebliche Wahlsieg des sogenannten ״religiösen Blocks“ als Sieg des Misrachi gefeiert und dabei, wohl aus Uebermut, Achduth Israel eine heruntergehaut. — Dass Misrachi jetzt noch die Gelegenheit sich nicht entgehen lassen will, seinen Gegner im Wahlkampfe anzurempeln, lässt den Verdacht aufkommen, dass die Freude über den ״glänzenden Erfolg“ vielleicht dach nicht ganz echt ist. Denn wenn ״religiöser B10ck“-Misrachi sich im Wahlkampf allerhand erlaubter und unerlaubter Kampfmittel bediente, so konnte dafür noch die Rechtfertigung gefunden werden, dass Misrachi im Bewusstsein seiner Schwäche die verzweifeltsten Anstrengungen machen musste, um seine Ehre und Existenz zu retten. Und so hat man es sich erklären können, dass Misrachi, um möglichst viele naive Seelen einzufangen, mit einer noch nie dagewesenen Freigebigkeit Mandate nach allen Seiten verteilte, dass er seinen ganzen Apparat in Bewegung setzte lind sogar die Jugend mobilisierte^ um dem Gegner den Garaus zu machen. Wenn man aber mit dem Aufgebot ganzer Armeen und dem Aufwand von so viel Mühe und Geld armselige ^wei Mandate erlangt, und dies erst mit Hilfe einiger, dem Achduth! entrissener Bethausvereine, so gibt das beileibe keinen Anlass zu Triumphen! Viel besser Hesse sich hier der Grundsatz an wenden: סיג לחכמה שתיקח״« Dass man aben nach .einem so schmählichen Durchfall es noch fertig bringt, den Mund so weit aufzutun, das ist nicht mehr Mut, das grenzt schon an Mut ohne Rückhalt. Markus Hornstein. צעירי אנודת ישראל ייגה Agndas Jisroel-Jttgendgruppe, Wien, II. Obere Donaustrasse 69, Eingang Flossgasse 1. Schiurira-Einteilung: Sonntag 7h 8h 8h מוסר jüd. Leben sf. דף יומי סם, שבת• Hr. Rabb. Dr. P. Rohn ״ A. Neufeld ״ Ludwig Breuer Montag ,/,8 h 8h 8h דינים דף יומי טס׳ שבת Hr. David Baumgarten ״ A. Neufeld n L. Breuer Dienstag 7*8 * 8h 8h איוב דף יומי טס׳ שבת Hr. Dr. L. Deutschländer ״ A. Neufeld ״ L. Breuer Mittwoch 78־ h 8h 8h הפטרה דף יומי מס׳ שבת Herr David Bondy , A. Neufeld ״ L. Breuer Donnerstag 8־7 8 8 10־7 Ausspracheabend דף יומי מס׳ שבת רמב״ן על התורה Hr. Rabb, Dr. P. Kohn ״ A. Neufeld ״ L. Breuer חרב ר׳ יוסף בימגארטען שליט״א Freitag 7 - דף יומי שבוצק׳ 7־U 3 4 חומש רש״י מנן אברהם Vortrag םוש׳ק Jede 1. u.8. Woche יסלוה מלכה 2. u. 4. WocneDiskussionsabend Herr David Bondy ״ N. Koblmaan Der Besuch des Lokales ist zur Zeit der Schämi■ und Vorträge allgemein gestattet; jedoch ausserhalb «fieser Zeit nur den Mitgliedern. — Geöffnet: שבת Sonntag von 10 bis 12 Uhr vormittags und ab 2 Uhr nachmittags* Montag bis Donnerstag ab 5 Uhr nachmittags, Freitag am 7 Uhr abends. Täglich von i bis € Uhr nachm. מס׳ פסחים הרח״ג ר• פישל אראק אב״ד דק״ק אזיראנא שליט״א 00 TSCHECHOSLOWAKEI Jacob Rosenheim in Bratislava. Em sehnsüchtiger Wunsch der gesamten orthodttxen Bevölkerung Bratislavas!und weiter Kreise der ׳benachbarten Gemeinden ward Sonntag, dien 3. Kislew in Erfüllung gehen. Jacoib Rosenheim, der gefeierte Vorkämpfer des Zusammenschlusses aüfler thoratreuen Jaidien des ganzen Erdballes ׳zu einem festgefügten ׳Bunde auf Basis der תירה הקדישה und d!er religiösen 'Pflichterfüllung, der verdienstvolle Bannerträger des orthodoxen Judlentums in Deutschland, der Schüler und tiefe und erfolgreiche Naohdleriker Rabbi Samson Rafael Hirschs זצ״ל und1 Ausdauer seines Gedlanikensystems auf die Probleme unserer Zeit, der Gründer und Führer der Agudas JisToel, dessen zündende Worte im Herzen Tausender glühende Begeisterung auslösten tmd1 die latenten Kräfte des glaube ns treuen jüdischen Volkes zu mächtigen Taten ׳für Gott und seine Thora, für Israel und seine Zukunft erwecken, hat endlich dem vielfach an ihn ergangenen Wunsche Folge gegeben, und sich bereit gefunden, am 3. Kislew in Bratislava einen Vortrag ׳zu halten. Jacob Rosen he im ist der Bratislavaer Judenhiedt nicht fremd. Die Rede, die er vor mehr als vier Jahren hier gehabten 11a>t, hallt heute noch m den Herzen all derer nach, denen es׳ gegönnt war, sie zu hören. Sein Name bedeutet im besonderen für die thoratreue Jugend ein Programm und sein Wort einen Wiltensausdruok des um das Banner der Thora geeinten jüdischen VoHkes. War begmssen in ihm •den jüdischen Führer, der die* Bezeichnung ״jüdisch“ in des Wortes edelster Bedeutung verdient. ברוך אתה בבאך וברוך אתה בצאתך! Der öffentliche Vortrag des Herrn Jakob Rosenheim über ״Das Judentum und seine Zukunft“ findet Sonntag, den 3. Kislew (30. November), kalb 3 Uhr nachmittags, im grossen Saale des Etablissements ״Bellevue“ statt. Jedermann ist willkommen. Es ist Vorsprge getroffen, dass den Vortrag *nter Beachtung der religiösen Anforderungen auch Damen anhören können. Laut den bis Schluss der Redaktion eingelangten Nachrichten wird die Beteiligung selbst aus entfernten Gemeinden sehr gross sein. Zahlreiche Rabbiner und Vertreter der Gemeinden haben ihr Erscheinen bereits angemeldet. פתיחה an der Bratislavaer Jeschiwa. Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Schreiber hielt Sonntag, den 26. Marcheschwan, die פתיחה des Winter ]Dt der Jeschiwa in Gegenwart des Rabbinates, des Gemeindevorstandes und zahlreicher Talmide Chachominu In üblicher Weise ermahnte er die Talmidim zum fleissigen Lernen, zu aufrichtiger יראת שמים und einer Lebensführung, wie sie der Jüngeren der תיח״ק geziemt. In eindringlichen Worten richtete er einen iwarmen Appell an die Baalebatim, die בחורים» die ihre Jugendjahre dem לימוד התירה widmen, in jeder Beziehung Don neuesten Wnnderscheitel trägt jede vornehme orthodoxe Dame. Alleinerzeuger ist der Spezialist für individuelle Brautftlsnren aus allerteiastem dauergewellten Naturhaar Carl Polak Damenfriseur Wien, IV., Schleifmühlgasse 3 Telephon: 57-7-78 Lieferungen von Perftoken! Traneformattonen etc. prompt und billigst fitr ln- und Ausland en groa a. ea detail. Bei Bestellungen von auswärts erbitte genaues Haarmuster und Angabe des Masses von e.nem Ohr zum anderen. Zur Besichtigung der neuesten Modelle werden die p. t. Damen höfl. eingeladen. Beaohten Sie gefälligst Hausnummer 8 zu unterstützen. Er erinnerte an die moralische und reisgiöse Pflicht eines jeden Juden, Beschützer dieser Jünglinge zu sein, ihr Ansehen zu heben und ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen auch dort, wo die Kritik Unvollkommenheiten im einzelnen wahrzunehmen glaubt. Die Jeschiwa erfülle ihre schwere Aufgabe in der G?grnwirt, nämlich die H :*•3nb'.!Jung tin׳*r br״-'- ten Schicht hingebungsvoller und frommer Talmide Chachomim, unter Ueberwindung mancher Hindernisse, die der Uneingeweihte nicht einmal bemerkt. Die בחירים leiden heute grössere materielle Not als zuvor. Es ist deshalb eine gebieterische Pflicht, den Schülern der Jeschiwa Rückhalt zu bieten, damit diese nicht vorzeitig der Kampf aufgeben und sich denen beigesellen, die in den Genüssen des Lebens ihre Jugendzeit verbringen. Die Worte Seiner Ehrwürden hinterliessen einen tiefen Eindruck bei allen Zuhörern. Die Jeschiwa hat im gegenwärtigen ם ן f sowohl zahlenmässig einen Zuwachs als auch in der Verwaltung einen zweckmässigen Ausbau erfahren. Zur Unterstützung der גבאים wurde ein Komitee von jüngeren Baalebatim gebildet, das die Aufgabe übernommen hat, den inateriellen Verhältnissen der Jeschiwa grössere Aufmerksamkeit zu schenken, ln erster Reihe soll die Mensa der Jeschiwa, die in Herrn Samek einen umsichtigen und opferfreudigen Verwalter besitzt, in die Lage versetzt werden, den erhöhten Anforderungen zu entsprechen. Ein Besuch in der Mensa am vergangenen שבת überzeugte den Berichterstatter von der tüchtigen und treuen Arbeit, die da zum Wohle der בחורים geleistet wird. In liebenswürdiger Weise gab Herr Samek dem Besucher jede Aufklärung. Die Mahlzeiten, die an die בחורים gegen äusserst geringes Entgelt verabfolgt werden, sind zwar nicht übermässig üppig, aber durchaus ausreichend. Ausserdem erhalten die unbemittelten Schüler nach dem Ausmasse der vorhandenen Mittel die Mahlzeiten vollständig kostenlos. Augenblicklich wird danach gestrebt, dieser Begünstigung alle בחירים teilhaftig zu machen, deren Eltern nicht in der Lage sind, für den Unterhalt aufzukommen. Allabendlich wird an die בחורים ein gutes, kräftiges, warmes Abendbrot unentgeltlich verabreicht. Hoffentlich bringt• die Aktion, die jetzt nach dieser Richtung im Gange* ist, den I gewünschten Erfolg. ז

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