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Jüdische Presse · 1924-11-21 · 47 (21.11.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
47 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 310 Nr. 47 JÜDISCHE PRESSE. ׳änt J, 6UTH, W(M, 11״ JföMdstrai•• 14 («halnalige Stefanie« tra«0) bell• Kflohol SB tagende Finan/kommission zur Festsetzung des Kriegs- Schuldanteiles der früher zum ottomanischen Reiche gehörenden Länder beendete am 9. November ihre Arbeiten. Fünf Millionen türkische Pfund sind als palästinensischer Anteil festgesetzt worden. — Scherif Sidi Ahmed, der grosse Scheich der Senussi des Sudan, ist am 12. November aus Damaskus in Jerusalem eingetroffen. Die Senussi sind eine mohammedanische Sekte, die ähnliehe Glaubensdogmen haben wie die Wahabiten. Beide gehören der als ״Ikhwan” bekannten inohemmedanischreligiösen Bewegung an. — Sir Herbert Samuel, der britische Oberkommissär für Palästina, der sich im Zusammenhange mit der Tagung der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes in Genf aufhielt, hat am 2. November Genf verlassen, um nach Palästina zurückzukehren und dort sein Amt als Oberkommissär wiedec anzutreten. jüdische Lehre und Lehrer. Rabbiner S. Kornfeld, dert vor kurzem sein Amt als Gesandter der Vereinigten Staaten für Persien niederlegte, traf dieser Tage in New York wieder ein. Rabbiner Kornfeld wurde vor 3 Jahren vom Präsidenten Harding zum Gesandten der Vereinigten Staaten für Persien ernannt. 111 Teheran hat Rabbiner Kornfeld sich oft für den Schutz der vom Pöbel bedrohten Juden eingesetzt. Am 29. Tischri 5685 wurde der neugewählte Rabbiner der orthodoxen israelitischen Kultusgetneiude in Bonyhady. Rabbiner Ahron Pressburg, der bisher in Papa gewirkt hatte, in sein Amt eingeführt. Grossrabbiner Israel Friedmann ist nach einem mehrvvöchentlichen Auf* enthalt in Polen, wo er die hohen Feiertage verbracht hat, nach Wien zurückgekehrt. — Aus Warschau lief die Beschwerde ein, dass der dortige Konsul 37 Rabbonim die Visa für Amerika verweigert hat und sie auf die allgemeine Quote verwies, obwohl Rabbiner ausserhalb der Quote einreisen dürfen. — Die Hauptsynagoge in Odessa ist einer Meldung aus Riga zufolge von den Behörden geschlossen worden. — Diverses. Die dänische Wissenschaft wird demnächst auf alten religionsgeschichtlicheu Stätten in Palästina Fcwrschungen und Ausgrabungen unternehmen. In erster Linie sollen Nachgrabungen in der alten Residenzstadt des Königs Saul, in Silo, erfolgen. — Am 8. November abends ist in London, wo er xu Besuch weilte, der über die Grenzen Russlands hinaus bekannte jüdische Gelehrte Alexander Braudo an Herzschlag verschieden. — Dr. David Cohen wurde von der holländischen Regierung zum ausserordentlichen Professor der klassischen Geschichte, insbesondere der hellenistischen Periode, an der Reichsuniversität zu Leeden ernannt. Jüdische Jugendfürsorge. Die Generalversammlung der Zentrale für jüdische Jugendfürsorge, die am letzten Sonntag im Sitzungssaal der Kultusgemeinde stattfand, hat dem Leiter des jüdischen Hilfswerkes der Agudas Jisroel, Herrn Universitätsprofessor Eisler Anlass zu einer Reihe grundsätzlicher Erwägungen gegeben, die er in nächster Zeit in mehreren Aufsätzen über die bisherigen Wege und künftige Ziele der Wiener jüdischen Jugendfürsorge in unserem Blatte zum Ausdruck bringen wird. citrgereichten 1-nscMten zur Korrektur erhalt ohne Rücksicht darauf, db sie auch mit •den tatsächlich zur Ausführung gelangenden Texten ׳ilberednstinnnen. gehört in ein anderes Kapitel), und ädh glaube^ dass auch in Zelem die Qiewra Kadisdha die Möglichkeit hätte, jeden Grabstein vor seiner Aufstellung auf die Korrektheit seiner •Inschrift zu prüfen, wenn sie nicht durch ihre Unterlassung ihre Gemeinde' und Zeitgenossen vor der Geschichte in den gänzlich unver- •dienten Verdacht der Unwissenheit!bringen will, ln Zelem selbst ist beispielsweise ausser dem Friedhof nichts zu finden, woraus auf das Alter der Gemeinde geschlossen werden könnte, da Urkunden nicht aufbewahrt sind, und auch der Friedhof weist keine Grabsteine auf, die, soweit sie überhaupt lesbar sind, älter wären als höchstens 350 Jahre. Vielleicht ist aber auch an diesem Unbefcümmertsein um historische Werte etwas Gutes; das Judentum ist diesen Mensehen viel zu lebendig, ais dass sie viel an seine Vergangeniheit dächten. Viel geschichtlichen Sinn tbektranoch Dinge, deren Duldung in dieser so gelehrten Gedet ׳Eisenstadt, da seine Gegenwart nicht mehr so ganz durohwärmt wird vom Pulsschlag!jüdischen Le׳־ bens; hier dagegen muss man das Judentum nicht erst als Museumsobiekt konservieren, es lebt, es lebt. (PortoefcomE folufiJ Schülerseibstmord. Der furchtbar tragische!Fall eitles jungen Menschen, •der freiwillig den Tod gesucht, nachdem er von einem Lehrenkollegiuim der von ihm besuchten Mittelschule mit einer ernsten Strafe belegt worden war, erschütterte die Schiilerweh und EltermveK Wiens. Auch wenn der 1111־ glückliche junge Mann nicht das Kind jüdischer Eltern gewesen wäre, so ist es doch unsere Pflicht, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Für das (iegensettigkeitsverhältnis von Lehrer und Schüler kennt die jüdische Lehre zwei Grundsätze. Es hat der Lehrer zu handeln nach den Worten: Meine Schüler sind meine Kinder; es liat der Schüler sich zu führen nach der Mahnung, die Ehrfurcht vor seinem Lehrer gleiche der Ehrfurcht vor G־tt. Wir gestehen gerne zu, dass das letztere wahrscheinlich sehr unmodern klingt. Eine Schülerwelt, der man mit Vorbedacht jedes innere Verliältnis zum Allmächtigen genommen hat, muss schliesslich dazu kommen, dass der Begriff Ehrfurcht hier überhaupt ganz entschwindet. Die Jugend von heute, die vielleicht in allernächster Zeit darüber abstimmen wird, ob den Eltern eine Erziehung zuzugestehen ist, wird dieses Erziehungsrecht dem Lehrer gewiss nicht einräumen. Das Einbeziehen der Jugend in das politische Getriebe rächt sich inrchtbar, ebenso die Meinung, dass man das Befehlen ohne das Gehorchen erlernen könne, ln dieser verzweifelteil Situation bleibt wirklich nur der eine Ausweg, dass die erziehende Welt es versucht, auf dem Wege selbstloser Liebe ihr schweres Werk in Angriff 7>u nehmen. Nur so äst zu hoffen, dass das Schulwesen nicht ganz aus den Fugen geht und dass die notwendige Paarung von Er- Ziehung und •Unterricht wieder •in den Stand gesetzt wird, edle Menschen gross zu ziehe 11. Schülerreden allein können dieses Werk nicht leisten. Eine ideale Lehrerwelt könnte cs versuchen. •Eine Pädagogik, die es ernst meint mit ihren Aufgaben, wird immer wieder in die Forderungen münden, die wir oben als das pädagogische A und O des jüdischen Gesetzes gekenm/eiclmet haben. Ein Froschmäusekrieg. 111 Wien ist ein Krieg ausgebrochen. Ein furchtbarer Krieg. Schon fliesst Blut — — doch nein, es fliessen mir Bäche von Tinte und Druckerschwärze. Keine Menschenleben werden vernichtet, aber ״Ehren“ und Ehrenmänner. Alles vollzieht sicht sich unter einem Getösei — Schrecklich! Es handelt sich um folgendes: Herr Oberbaurat Robert Stricker hat den Rabbinern und anderen Funktionären der Wiener Kültusgemeinde öffentlich den Vorwurf gemacht. — dass sie Geld nehmen, Trinkgelder, Schmiergelder, Nedowes usw. Er nannte die Rabbiner und andere Funktionäre der Wiener Kultusgemeinde ״Schnorrer mit der Thora im Arm“, ״uniformierte Schnorrer“, ״Schnorrer im Ornat“, ״Oeschmeiss, das man mit den Füssen traktieren müsse“ usw. Auf alle diese Epitheta ornantia antwortete der Rabbinerverband in einer langen, aber merkwürdig zahmen Entgegnung in der ״Wahrheit“, der ״Deutschösterreichisehen Wochenschrift für jüdische Interessen“. Dort werden die von Stricker als Trinkgelder bezeichneten Gelder ״Emolumente“ genannt, die als Teil der Bezüge den betreffenden Gemeindefunktionären zukommen. Der Kampf wird also auf das Gebiet rein sprachlichcr Differenzen verschoben: hie Trinkgeld, hie Emolumente. Dabei wird der wahre Tatbestand von beiden kämpfenden Parteien umgangen. Es handelt sich eben um trinkgeldartige Emolumente. Es ist allerdings ein sehr alter und trauriger Brauch, dass für alle rituellen Funktionen und für die Ritualien selbst, in vielen Gemeinden immer schweres Geld bezahlt werden muss; die Kultusgemeinden waren niemals in der Lage, diese Steuer von den Schultern der arg bedrückten Gemeindemitglieder abzunehmen. Gleichzeitig aber ist es natürlich, dass die Kultusgemeinden auch sichere Einnahmequellen haben müssen, die bei der bekannten Säumigkeit der Kultus- Steuerzahler von jenen Institutionen und Funktionen geleistet werden müssen, die eben lebensnotwendig für einen jeden Juden sind. So hat der Rabbinerverband in seiner Bezeichnung ״Emolumente“ unbedingt recht, Herr Oberbattrat Stricker aber mit seiner hitzigen Verschimpfierung absolut unrecht. Gleichzeitig hat aber Oberbaurat Robert Stricker mit \ Tausende Juden lesen die. ״Jüdische Presse“ Wenn Sie daher jüdische Kunden oder jüdische Gäste gewinnen wollen, so ver־ langen Sie sofort den unverbindlichen Besuch unseres Vertreters, der Ihnen einen Kostehvoranschlag über «in Inserat machen und den Text packend und wirksam kosltillos abfassen wird. seinem temperamentvoll geführten Stich ins Wespennest recht, wogegen der Rabbinerverband trotz seiner zahmen Abwehr im Unrecht ist. Denn es ist einem jeden einzelnen in Wien bekannt, dass eben mit diesen Emolumenten seitens einiger'sehr wenigen Beamten und rabbinischen Funktionäre ein Unfug und Missbrauch getrieben wird. Ja, es liegen Fälle vor, wo diese Emolumente nicht nur Trinkgelder, sondern Erpressungsgelder genannt werden müssten. Doppelt wehe z. B. ist allen, die sich scheiden müssen oder scheiden wollen. Doppelt und xfach wehe... Es ist also nicht recht von Herrn Oberbaurat Stricker, der ja sonst nicht viel für die Ehre und das Ansehen der Thora und ihrer Träger übrig hat und diesen Kampf nur aus politischen und, sagen wir, etwas demagogischen Absichten zu führen begann, wenn er ,den gesamten Rabbinerverband mit solchen unhöflichen Ausdrücken belegt. Recht hat Herr Stricker, wenn er die Herren energisch ersucht, diesmal sich nicht hinter der Thora zu verschanzen und diese gefällig aus dem Spiel zu lassen. Und recht hätte der Rabbinerverband, wenn er den nun einmal ausgebrochenen Kampf solange fortführen würde, bis die tatsächlich in Wien vorhandenen wenigen ״Schnorrer im Ornat“ aus seiner Mitte spurlos verschwinden würden. Die Angst beider Parteien um die Thora und ihre Ehre ist jedoch überflüssig. Diese ist auch in Wien in besseren Händen bewahrt. Nur 16 Dollar . . . Einem vielfach geäusserten Wunsche Rechnung tragend, hat sich die Welt zentrale entschlossen, bei dem Verkaufe des von der Agudas Jisroel in Emek Jisroel erworbenen Bodenkompiexes von 4000 Dunam Ratenzahlungen zu gewähren, wenn mehr als 5 Dunam abgenommen werden, und zwar kostet der Dunam nunmehr 16 Dollar, wovon 30 Prozent sofort und der Rest im Laufe eines halben Jahres zu bezahlen ist. Bei Barzahlung wird ein Nachlass von 1 Dollar gewährt. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel in Oesterreich. ®I NACHRICHTKK. fl Die Arbeit des Keren-Hathora. Wien. (A. J. P. B.) Nach den Feiertagen fand Sonntag den 9. November — 11. Cheschwan -- die erste grössere Sitzung der Keren Hathora-Zentrale statt, an welcher sich die Herren Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Rabbiner Beer Friedmann, Rabbiner Dr. Pollak, Rabbiner Tobias Horowitz, die Herren Wolf Pappenheim und Dr. Deutschländer beteiligten. Als Gäste nahmen an der Sitzung Grossrabbiner Markus Friedmann aus Sadagora und Dr. Nathan Birnbaum (Hamburg) teil. Herr Doktor Deutschländer referierte über die Arbeit in Rumänien, Polen und Deutschland und hob besonders die grosszügige und systematische Arbeit des deutschen Landesdirektoriums hervor. Ferner wurde über die in Krakau besprochene 100.000 Dollar-Aktion eingehend beraten. An der Plenarsitzung des Direktoriums und Verwaltungsrates für Deutschland zu Chanuka wird sich die Wiener Zentrale beteiligen; sie hat ferner Einladungen an die hervorragenden rabbinischen Autoritäten ergehen lassen. Auf Wunsch des Sadagorer Rabbi, der sein Erscheinen auf der Hamburger Tagung in Aussicht gestellt hat, wird die Zentrale auch in Galizien die Organisation des Keren Hathora in die Wege leiten. Rabbiner Dr. Pollak erklärte sich bereit, eine persönliche Wirksamkeit dort zu entfalten. Die Ver- Sammlung erledigte schliesslich eine grössere Anzahl von Subventionsgesuchen. Der ״Messiwtah“ in Warschau wurde ein grösserer Betrag bewilligt, ebenso der Landeskanzlei in Budapest für einige besonders schwer notleidende Jeschiwoth. Für die zerstörten russischen Mikwoaus. Wien. (A. J.P. B.) Herr A. J. Hornstein, der die Mikwahaktion der Agudas Jisroel leitet, erstattete dem GeschäftsfühVenden Ausschuss einen Bericht über die Lage in Russland. Das in Russland eingesetzte Komitee weist auf drei Richtungen hin, nach welchen die Aktion geführt werden müsste. Neue Mikwoaus statt der gänzlich zerstörten seien notwendig, ferner Ausbesserung der schadhaft gewordenen, drittens Beschaffung von Heizmöglichkeiten für die bestehenden. Der Referent betont indes, dass die Herstellung neuer Mikwoaus gewaltige Summen erfordert, so dass er diesen Weg zunächst nicht empfehlen kann. Mit Rücksicht auf die grosse Kälte kann ferner die Ausbesserung zurzeit nicht durchgeführt werden. Der Referent empfiehlt daher, ,momentan bloss den dritten •Weg zu beschreiten und die bestehenden Mikwoaus mit entsprechenden Heizmöglichkeiten zu versehen, so dass sie zumindest dreimal in der Woche benützt werden können. Nach vorsichtiger Rechnung sind in der Ukraine 200 Mikwoaus, die unversehrt sind und nur infolge technischer Unzulänglichkeit und Mangels an Heizmaterial in der kalten Winterperiode nicht betriebsfähig sind. Die Aktion möge sich einstweilen bloss auf diesen Punkt beschränken. Zu ihrer Durchführung sind 1000 Dollar monatlieh, d. i. für jede Mikwah 5 Dollar, notwendig. Auf Grund dieses Referates hat der Geschäftsführende Ausschuss be- ~־" Rudolf SCHIFF Naturhaar, garantiert AM unadUbar im Tr^en, Wien, 1. Bezirk, Kärntnerstrass• 8 liefen kurzfristig (eichet den StefiuitpleU, am die Ecke)

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