Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 47 (21.11.1924)
- Date
- 1924-11-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ORGAN FÜR OIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. V. b. b. nz°r18rl!£10*hak JÜDISCHE rntM?׳M. Redaktion u. Administration» Wien, II.,Leopoldsgasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. - Tel. 45-4-94. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140־. erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, rar Nachrichten Montag. Abonnementspreise > Ganzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Qoldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kö. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 300, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich! Posts Nr. 13.458; für Polen: Postsparka Nr,!90.400; für Ungarn: Postspari Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: 40.217; f.Prmänlen: Banca Mamar &C0, Bukarest; für die Schweiz: Po parfcassenamtWien, Konto ssenamt Warschau, Konto cassenant Budapest, Konto : Postsparkassen&mt Prag, Postsp.-Amt Agram,Ko. N. Dsch Blanc &Co für Florenz stscheckk. Luzern VII. 1470. äl1>. 47 Wien-Bratislava, 21. Moveaiber 1824 .ב״׳־. רעוח־פרעםםבורג כ־ו חשוץ תיפ״ה IO. Jahrr;• Weltpolitische Wahlen. Ein verhängnisvoller Irrtum sondergleichen wäre es. wollte man die so bedeutsamen wichtigen Kreisnisse in der allgemeinen Weltpolitik unmittelbar nach ihrem möglichen oder wahrscheinlichen Einfluss auf den Gang der jüdischen Dinge beurteilen; vielmehr sind diese Ereignisse zunächst in der •Bedeutung für das Land zu werten, in dem sie sich abgespielt haben. Dann wäre zu erwägen, welchen Einfluss sie wahrscheinlich auf den Gang der Weltpoliti'k ausüben, und aus der Summe der ■Resultate dieser beiden Erwägungen könnte erst ein Schluss darüber gezogen werden, welche Gestaltung ׳die jüdische Geschichte nach dem Eindruck des neuen Weltbildes annehmen werde. Es ist z. B. keine Frage, dass die Wiederwahl Coolidges zum amerikanischen Präsidenten weder eine Aenderung der Ehnwanderungspolitik noch ein Abweichen von!der Linie bedeuten wird, die verlangt, sich in ausseramerikanische Dinge möglicst wenig einzumischen. Ebenso sicher wird der neue Präsident, schon um die Einwanderung von Amerika abzulenken, jederzeit bereit sein, Sympathiekundgebungen für den Wiederaufbau Europas zu erlassen. Es steht aber auch andererseits fest, dass Coolidge niemals dulden wird, dass die bürgerliche Gleichberechtigung der in Amerika wohnenden Juden angetastet wird. Wir sind ferner überzeugt, dass der ׳neue Präsident die tiilifsbereitsdiaft der amerikanischen jüdischen Bürger für aHe Not der Juden in der ganzen Welt gerne sieht und fördert. So könnte •man sagen, dass die Bedeutung des politischen Ereignisses in Amerika für die jüdisehen Dinge in ■Amerika günstig, nach aussen von sekimdärer 1Bedeutung ist. fönen vollkommenen Umschwung der Dinge haben die Wahlen in England hervorgebracht. Ihre gesduchtliche Bedeutung liegt darin, dass nunmehr in der nächsten Periode alle englischen Dinge vom rein national-englischen Standpunkt aus geleitet werden. Der starke soziale Einschlag, den die jüngsten zehn Monate gebracht haben, wird zwar nicht ganz verschwinden, aber in stete Harmonie mit den englischen Wirtschaftsfragen gebracht werden. In der AussenpoHtik dürfte gleichfalls eine Wandlung eintreten. Wällend bisher versucht wurde, den Gang der Welt- Politik so zu gestalten, dass er möglichst wenig Beunruhigung für England ■in sich birgt, 'dürfte von jetzt ab das •Bestreben sein, die englische Interessen- Sphäre so in sich zu festigen, dass sie Erschütterungen, die von aussen herankommen. ungefährdet erträgt; es dürfte deshalb das Verhältnis Englands zu seinen Kolonien, Dominions (Kolonien mit ausgeprägter Selbstverwaltung) oder Mandatsgebieten enger sich gestalten. Von Mandatsgebieten ist Palästina das wichtigste für England, insbesondere wenn man erwägt, dass die Mandatspolitik sich unter der ständigen Kontrolle des Völkerbundes vollzieht. Da ferner ge- ■rade die Weltpolitik aus vielen Gründen an diesem Territorium Palästina mannigfach interessiert ist, so ergibt sich von selbst, dass die konservative Regierung Englands in diesem Mandatsgebiete ein Schulbeispiel ihres Wollens und Könnens erblickt. Aber gerade weil die konservative Regierung englisch um jeden Preis ist, dürfen wir zu ihr die Hoffnung hegen, dass sie den allergrössten Grundsatz der englischen Politik, den Grundsatz der Gewissensfreiheit, auch auf diesem Mandatsgebiet hochhalten wird, nicht zulassen wird, dass Juden gegen Juden auf einem von England verwalteten Gebiet Inqursitionsmethoden anwenden. So können und dürfen <wir die neue konservative Regierung begrüssen: for the sake of the Lord (für die Sache des Allmächtigen). Chronik der Woche■ .GohiSrrs - ״ Die jüngst in Paris stattgefundene ausserordentliche Jahresversammlung hat eine Neuwahl des Zentralkomitees der Alliance Israelite vorgenommen. Die ausgeschiedenen Mitglieder sind wieder gewählt worden. Es sind dies; die Herren: Präsident Sylvain Levy; die Vizepräsidenten Dr. Arnold Netter und Eugene See; Schatzmeister Raoul Montefiore. — in der neuen englischen Regierung sind zwei Juden vertreten, und zwar Major Sir Philip Albert Gustavo David Sassoon, der das Unterstaatssekretariat für das Luftwesen leiten wird, und Herr Arthur Michael Samuel, der das Amt des parlamentarischen Sekretärs für das Uebersee-Handelsdepartement übernommen hat. — Die ״Jüdische Volksbank״ in Rumänien hat beim rumänischen Finanzministerium die Erhöhung ihres Grundkapitals von 5 Millionen Lei auf 25 Millionen Lei angesucht. — Der Lemberger Stadtrat hat auf die lutervention der assimilatorischen Kreise hin, die bei den im Juni d. J. stattgefundenen Wahlen in die jüdische Gemeinde keinen einzigen Vertreter durchzubringen vermochten, diese Wahlen annulliert. — Auch in Lemberg wurde eine Beth Jakob Schule zur religiösen Erziehung gegründet. — Ein jüdisches Städtchen bei Minsk, Kaidanow, ist vollständig abgebrannt. Wanderung and soziale Hirte. Bis zum September dieses Jahres zählte die Ge- Seilschaft für jüdischen Gesundheitsschutz ״Ose154 ״ medizinisch-hygenische Anstalten, darunter allein 59 in Russland. — Das Mitglied der Zentralverwaltnng der Ge- Seilschaft für jüdischen Gesundheitsschutz ״Ose״ Dr. A. Rosenthal, ist nach Palästina abgereist, um die Tätigkeit des von der ״Ose” gestützten Pasteurinstitutes, wie die allgemeine sanitäre Lage der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu studieren. — In der letzten Sitzung des Direktoriums der Emigranten-Hilfsgesellschaft ״Hias״ wurde Dr. James Bernstein zum Leiter dereuropäische« Hilfsarbeit der ״Hias״ ernannt. — Am 9. November begann in New York eine Konferenz der amerikanischen Gruppe des Verbandes zur Förderung des jüdischen Handwerks und der jüdischen Landwirtschaft ״Ort”. — Am 5. November fand in Brüssel eine Sitzung der Amerikan Joint Reconstruction statt, jener Wiederaufbauorganisation, die vom amerikanischen Joint Distribution Committee und der Ica ins Leben gerufen worden war, damit sie das Werk des Joint in Europa fortsetzt. — Auf die Intervention der französischen Regierung hin hat sich die §chiffsgesellschaft bereit erklärt, den Hunderten jetzf im Hafen von Cherbourg weilenden jüdischen Emigranten, die durch das Inkrafttreten des Immigrations-Emschränkungsgesetz.es der Vereinigten Staaten nicht an ihr Reiseziel kommen konnten, die für die Ueberfahrt nach den Vereinigten Staaten geleisteten Gelder zurückerstatteii. — Dieser Tage ist in Amerika die erste Gruppe jüdischer landwirtschaftlicher Arbeiter aus Russland, Bessarabien und Polen eingetroffen. Sie sind gleich weiter nach verschiedenen Plätzen in Kalifornien und ins Orosono-Gebiet abgereist. Erez Jisroel. Laut den im palästinensischen Amtsblatt erschicnenen Zahlen, sind im Laufe des August aus Palästina 74 Leute ausgewandert, darunter 40 Christen, 5 Mohammedaner und nur 29 Juden. — Die in Konstantinopel Urlaubstage im Burgenland. Von L. Moses. (Fortsetzung.) 4. Deutschkreuz. Fromme Scheu liess und lässt auch heute noch den Namen dieses Ortes durch das hebräische ״Zelem“ umschreiben, und diese hebräische!Bezeichnung hat sich ■derart ■eingebürgert, dass sogar die Christliehen Bewohner der Gegend sie häufig anwenden. Die Landschaft trägt ׳hier schon sehr den Charakter der ungarischen Ebene. Lange vor der Ankunft in Zcrlem fälhrt der Zug an der Rudolfsquelle vorüber, *die einen guten Säuerling spendet. Das Wasser ׳wird in Flaschen versandt, und neben dieser Quelle soll sogar ein Kurhotel erbaut werden. Der Ort selbst aber bietet dem jüdischen Besucher eine angenehme Ueberrasähimg, denn während in Mattersdorf die Judenhäuser innerhalb des grossen Marktfleckens ein Viertel, und zwar das in sanitärer und auchin ästhetischer Beziehung unvorteilhafteste, bilden, ist hier die Hauptstrasse des Ortes gleichzeitig die Judengasse, und ganz Zclem erweckt solchergestalt den Eindruck eines kleinen jüdischen Städtchens, ■der noch verstärkt wird durch die im ganzen Gehaben sofort wahrnehmbare radikal sesefoestreue Richtung der Juden von Zelem, mit der dieser Ort sogar Mattersdorf noch ülbertrifft, und durch das eifrige Thorastudium bei jung und alt, bei den Baohurhn der Jeschiwa wie bei den Kaufleuten hinter ■dem Ladenpult. Auch hier suchte ich das בית הקברות auf und fand dort die Gräber vieler hervorragender Männer, so des Rabhi Mosche Halewi, der, ein Schwiegersohn Eleasar Kalirs, eines Enkels von Maharam Asch, nach 46jähriger Wirksamkeit als Rabbiner in Zelem 1m Jahre 1838 starb und dessen sieben Werke sein Grabstein in ebensovielen Versen rühmt, ferner des Rabbiners R. Menächem Katz-Prostitz (Prossnitz in Mähren), des Rabbiners R. David Friedmann usw. Interessant ist auch, dass hier ein R. Aron Leb ben; Joschia Clialfon ruht, der im Jahre 1782 als Ab Beth-Din in Zelem starb und in dem wohl mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Nachkomme des im 17. Jahrhundert in Wien ansässigen Arztes Elia Chalfan vermutet werden darf. Seine Schwester ■dürfte die zehn Jahre früher in Eisenstadt verstorbene Riwka, Tochter des Jehosehua Chalfan und Frau des Dajan R. Asriel Cohen, gewesen sein. Gewisse Eigentümlichkeiten hi der Ausgestal- | tung der Grabsteine lenkten vom kulturhistorischen Standpunkt meine Aufmerksamkeit auf sich; es werden hier sehr häufig als Aufschrift die Worte אבן בוכים oder אלון בכות mit dem •Bilde einer Trauerweide verwendet, und namentlich auf den Grabdenkmälern der hier sehr zahlreichen Lewiim fand ich nicht bloss die sonst übliche Abbildung einer Kanne, die in einem Waschbecken steht, sondern oft eine frei schwebende Hand, die aus einer ׳Kanne Wasser in ein Becken giesst, also nicht bloss Kultgeräte, sondern in Analogie zu den überall gebräuchlichen segnenden Priesterhänden die Darstellung einer für den Stamm des Verstorbenen charakteristischen H a n d 1 u n g. Ich fand aber auf dem jüdischen Friedhof von Zelein auch noch Dinge, deren Duldung in dieser so gelehrten Gemeinde nicht vermutet werden sollte. Man sollte es nicht für möglich halten, ■dass dort auf vielen Grabsteinene das Wort עיר (Stadt) mit א und das Wort חבר (Gelehrter) in der Form חבור (wahrscheinlich durch בחור (Jüngling) beeinflusste Verschreibung) zu lesefi ist. Ist vielleicht der Steinmetz von Zelem ein solcher Feind der Gelehrten und des Wissens, dass er jeden חבר für eine תטרח, eine Beule am Körper unseres Volkes, hält? ln Wien ist ein Korrektor fiir hebräische Grabscliriften angestellt (dass er bloss die Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE fflr PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN du OTHMAR SCHIFF, WIEN, I., KÄRNTNERRING Nr. 6 rSSBÄUäftrtSrS aufzusuch«n I Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen •Iler L&nder Perücken. Speziellst In Brautscheiteln. Die Herstellung einer jeden einzelnen Perücke erfolgt aus GARANTIERT DAUERGEWELLTEM NATURHAAR, Indlvlduell dem Gesichte angepaset. EN GROS. 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