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Jüdische Presse · 1924-09-26 · 39-40 (26.9.1924) · page 9

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39/40 Mb 309 Was hat Agudas-Jisroel in Wien geleistet? Nadh 4er Konferenz in Kattowi/tz wurde in Wien «ine Aguda^Gruppe gegründet, deren Tätigkeit durch den Ausbruch des Krieges zuerst ganz •unterbunden, dann gehemmt worden war. Führende Mitglieder der Agudas Jisroel in ׳Gaihnen, die beim Kriegsbeginn nach Wien flüchteten, verbanden sich hier jedoch mit den Wiener Mit- .gliedern und entfalteten zunächst eine Tätig- .kelt, die sich auf die Flüchtlings'für- .sorge erstreckte.;Beschaffung von Mazzos, koscherer Kost für die Flüchtlingslager war die erste Aufgabe, die mit bestem Gelingen gelöst wurde. 26 Talmud Thoras für Flüchtlings- ’kin der wurden gegründet.!Interventionen!bei /Behörden, die ׳den Auf enthalt der Flüchtlinge in Wien regelten, haben grossen Erfolg gehabt. 11m Jahre 1919 konnte endlich an eine regel- .massige programmatische Tätigkeit der Wiener Aguda geschritten werden. •Der Vorstand, der sich . aus allen Schichten der Bevölkerung und allen Lands* mannschaften zusammensetzte, führte vor allem die :Eröffnung des Waisenhauses in Baden durch, das die galizische Aguda Jisroel vorbereitet 'hatte. Im Badener Waisenhaus wurden eine Anzahl von Waisen nach Kriegsopfern untergebracht, die dort eine erstklassige Erziehung und Verpflegung erhalten. Die Badenei Anstalt hat sich im Laufe der Zeit zu .einer Höhe emporgesohwungen, welche diese Anstalt ״als mustergültig weit und breit bekan-ntge- .macht hatte. Die nächste grosse Aktion der Aguda war die ,Beförderung von 2000 Flüchtlingen ,aus dem Heiligen!Lande zurück in ihre Heimat. Ein grosesr Teil von ihnen wurd mit Näh- und Strickmaschinen sowie an- *deren Werkzeugen versehen, um in der -Hermat die primitivsten Arbeitshilfsmittel zu!besitzen. Durch Vorträge, Besprechungen und persönliche Einwirkung wurde der Gedanke der Aguda, der Ziel ״Zusammenfassung der ־strengreligiösen Judenschaft zur Lösung aller jüdi- *sehen Fragen im Geiste der Thauroh“ ist, zum Gemeingut gemacht. Die schwer organisierbare orthodoxe Judenheit wurde zur positive n Leistung für Thora Awodah und Gemilas Chassodim vereint. Angriffe auf Juden und Judentum von innen und aussen wurden abgewiesen. /Die Durchführung der Kenessio Gedaul oh, dieser mächtigen, dauernden Eindruck und Einfluss auf die 1Förderung echter Jüdischikeit ausübenden, Manifestation des Lebe1’sw;; cns und der Lebensfähigkeit des orthodoxen Judentums, war eine Glanzleistung, die mit kolossalem Aufwand an Zeit, Mühe und Kosten verbunden war. * Das Jüdische Hilfswerk wurde gegründet, das verlassene Kinder dem sittlichen und leiblichen Untergang entzogen hat und selbe zu guten Juden und Menschen erzieht. Die russische!Lebensmittel-Aktion, die deutsche Fürsorgeaktion wurden d׳urchgefü'hrt •und biefür •Milliarden aiufgebracht. •Dass in W i e n h e u t e 18 T a 1 m u d T h 0 r a existieren, dass verschiedene Erz•iehungsinstitute, die früher von Judentum nichts wussten, jetzt jüdisch geführt werden, ist der Mitarbeit und zum grossen Teile der Initiative der Agu- -dah-Kreises zu verdanken. Die Errichtung von Lehrwerk- Stätten und eines Durch׳wandererfaeimes, die Einrichtung eines zweiten Waisenhauses, die Unterstützung der Jeschiwas im Burgen 1 and, die für un->e׳v Wiener Jugend das Thorastudium erleichtern, all das sind Zweige der Tätigkeit des Wiener Agudas Jisroel. Welch ungeheure Summe von Arbeit darin liegt, all diese Dinge zu schaffen, zu leiten und •besonders die nach Milliarden zählenden Gelder aufzubringen, ist kaum zu ermessen. Dass jeder Jude, aus Ost und West, aus Nord und Süd in der Aguda Hilfe durch ■Rat und Tat findet, ist allgemein anerkannt. Gegenwärtig! st d i e A k t i o n f ü r H u n- ► derte von Flüchtlingen, die von der Aguda eingeleitet wurde,, einem allgemeinen Komitee, dem auch Agudas Jisroel angehört, übertragen, we.ches l.׳t ff entlieh diese ungemein schwierige Angelegenheit zu gutem Ende bringt. Die Ausbreitung und Unter- Stützung einer orthodoxen Zeitung wurde mit Erfolg unternommen. Die schönste Schöpfung der Aguda in Wien ist die Bildung einer Jugendgruppe, die über 1000 junge Leute zählt und für die jüdisch-sittliche Erziehung von grösster Bedeutung ist. Die intensive Beschäftigung dieser (jungen Leute mit unserem heiMgen Schrifttum, diesem Lebenszweck jüdischen Lebens, deren eifrige Mitarbeit an allen Arbeiten ב״ח D«r Vorstand und die Schulleitung der 1rJeuod Hathorft“ (II., Neetroyguse 11) wünschen allen Freunden nnd Gönnern der Schule j-QItt כתיבה וחתימה/ und hüten während der Festtage die Unterrichtsanstalten mit grösseren Spenden (beim Ruf sur Thora) zu bedenken. der Aguda, deren unbegrenzte Bemühung auf sazöalern und humanitärem Gebiet macht sie zu einem um entbehrlichen gewordenen Faktor des Wiener jüdisehen Lebens. Dass die Aguda Wien an allen!Arbeiten der Zentralleistung der Aguda teilnimmt, erscheint selbstverständlich. Seit der Kenessio Gedaulo ׳hat die Tätigkeit der Aguda für Keren Haturoh und Erez Jisroel sich lebhaft entwickelt, letztere unter steter Betonung, dass auch der Jischuw Hajoschon, durch die Unterstützung der in Erez Jisroel leben ־.kn Talmude Chachomin in imrner reichlicherem Masse zu erfolgen hat. Sind es doch diese Männer, deren Fleiss im Studium der heiligen Thora eine Sühne dafür bilden soll, dass wir in Europa durch die Schwierigkeiten der Lebenshaltung leider nicht in der Lage sind, soviel zu ,Jemen“, •als geboten ist. Wir haben im vorstehenden kurz die umfassende Tätigkeit der Aguda, deren Arbeit erst vor fünf Jahren begonnen werden konnte, skizziert. ׳Die ungeheuren Summen, die aufgebracht wurden, sind zum grössten Teile von. wenigen Wiener Herren, von unseren Freunden in der Tschechosdo׳wakei, Deutschland, Holland und Schweiz aufgebracht worden. Unsere Wiener Gesinnungsgenossen (es genügt, mit der Arbeit der Aguda zufrieden zu sein, aber ihr, aus welchem Motive immer (noch •nicht) beizutreten, um unsere Gesinnungsgenossen zu sein, glauben wir doch, dass unser Programm, das aller יראים ist) haben uns materiell wenig unterstützt. Möge doch!jeder J׳uide, dem ׳an der Erhaltung echter Jüdischkeit gelegen ist, unsere Thora- und humanitären Anstalten, unsere Aktionen mit Arbeit und Geld!unterstützen und uns auch die Mittel für die. Erhaltung der Organisation, der lokalen sowohl als der zentralen zur Verfügung stellen, da die Olganisation der ■Halt aller unserer Tätigkeit ist. Die ׳bevorstehenden ימי הדין, •zu denen wir allen eine כ״וח״ט wünschen, mögen (jeden Ehrlichen יהודי anregen, nachzudenken über die Notwendigkeit eines כגום לצדיקים נאה להם והגאה לעולם um über die unbedingte Verpflichtung diese Vereinigung לשם שמים aus allen Kräften geistig und materiell zu fördern. W. P. Geistiger Aufbau. Zu einer Zeit, da man den Kulturniedergang [Europas in wenigen Jahren viel tragischer beobachten konnte, als es sich die ärgsten Pessimisten vorgestellt;haben, ist es nicht nur selbstverständlich, sondern von eminenter Bedeutung, dass Limud Hathauro mit grösserer Intensität betrieben werde, als bisher. Es gilt nicht!nur, Bestehendes zu erhalten, sondern man muss Schwankenden starken Rückhalt bieten und all denen, denen die Erkenntnis ■unserer althergebrachten Jüdischkeit neu aufzudämmern beginnt, Kraft einflössen, sich wieder, ganz im Geiste grosser Ahnen, dem Thorastudium zu widmen. Es bedarf heute wohl keiner journalistischen Aufklärung mehr, um die jüdischen Massen für das Jeschiwoh- Lernen zu gewinnen. Man weiss bereits, dass die Zukunft des jüdischen Mannes ihre Grundlage auf der Jeschiwoh empfängt. Kein jüdischer Vater, der in entsprechenden materiellen Verhältnissen lebt, lädt heute die schwere 1Verantwortung auf sich, sein Kind frühzeitig oder überhaupt einer Jeschiwoh zu entziehen. Und wenn es heute in Wien noch immer Knaben gibt, die eine ausländische jüdische Lehrstätte nicht aufsuchen, so liegt das in erster Linie in oft misslichen finanziellen Verhältnissen des Familienvaters, der sich dieses grosse, aber unbedingt notwendige Opfer bei bestem Willen nicht leisten kann. Hier muss wieder, wie alljährlich, der Tifereth Bachurim diskret helfend eingreifen. Wie der jüdische Vater, so ist die jüdische Gemeinde verantwortlich, wenn sie eines ihrer Kinder aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf die Jeschiwoh geschickt hat. Sie wird in diesem Menschen ewig einen lebendigen Vorwurf sehen. Jeder einzelne in der jüdischen Gemeinde ist somif als deren integrierender Bestandteil verpflichtet, sein möglichstes dazu beizutragen, dass der Tifereth-Bachurim nie in die Lage komme, sich aus Mangel an ,Geldmitteln einer so grossen Unterlassung schuldig zu machen. Der geistige Aufbau kann nach den grossen Zerrüttungen der letzten Jahre nicht auf die schwachen Schultern einzelner gelegt werden, sondern es ist eine' Last, die alle freudig tragen helfen müssen. r! Es erscheint ebenso als Pflicht jedes Jehudi, bei der Wahl seiner Angestellten absolvierte Jeschiwah-Bachu* rim vorzuziehen. Die Erfahrungen der letzten Zeit) haben bewiesen, dass die Kaufleute in all (solchen fällen die besten Erfahrungen gemacht haben. © NACHRICHTEN. Hakenkreuzterangriff au! die ]üdischen Lehrwerkstfttten der Agudas Jisroel in Wien. Wien» (A. J. P. B.) Am• 21. September •um lalö 2 Uhr früh brachen Hakenkreuzl/er in die in Meid- Ing, Edelsinngasse 5, befindlichen jüdischen Lehrwerktätten der Agudas Jisroel gewaltsam •ein, bcxmlbardierten das LehirUngspensionat •mit Steinen, zertrümmeTten sämtliche Fenster des Schlafsaales und brachen hiedurch einigen Zöglingen leichte Verletzungen >ei. Den aus dem Schlaf geweckten älteren Lehriingen gelang es mit Hilfe der telephonisch avisierten 3olizei zwei der Rowdys festzunehmen). Die inzwischen!zur Hilfe herbeigeeilten Arbeiter verprügelten sie, so dass säe von der Polizei in Schutz genammen werden mussten. Die polizeilichem Erhebungen wurden sofort aufgenommen /und die beiden Hakencreuzler deim Landesgerichte eingeliefert. Die Vertretung der Jüdischen Welthilfskonferenz auf dem Kongress der Internationalen Union für Kinderhilie. Wien. (J. T. A.) Zu dem am 6. Oktober hier beginnenden!Kongress der Internationalen Union für Kdnderbiilfe wurde auch die jüdische WlelthiMskonfereniz edngedaden. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Annahme der Genfer Deklaration. Wie wir erfahren, wird die Delegation der jüdischen Welthüfskonferenz aus folgenden 10 Mitgliedern bestehen: Zwi Aberson, Prof. Chajes, Prof. Eisler, Dr. Deutschländer, Dr. Gelber, Prof. Ehrmann, Anita Müdler, Frau Matzner, Dr. Peker und H. Pappenheiim. Pastor Sarre über Hans Herzl. Wien. (J. T. A.) Der baiptistische Geistliche, Pastor Sarre, der am 20. Juli die Taufe an Hans Herzl vornahm, sagte dem J. T. A.-Vertreter, er habe, als er den Taufakt vomahim, keine Ahnung gehabt, dass der Täufling der Sohn Theodor iHenzis sei. Erst 14 Tage nach der Taufe sagte es ihm ein Mitglied seiner Kirahengemeinde, eine alte Frau von 70 Jahren namens Purg, die vor 25 Jahren in dem Hause Dr. Herais bedienstet war. Erst in der vorigen Woohe sandte Pastor Sarre an Hans Heral auf dessen Ersuchen eine Mitgliedskarte ■nach London. Hans schrieb, er wolle mit den baptistischen Kreisen Londons Geselligkeit pflegen. — Der Pastor enzählte weiter, Hans Henzi habe ihm gesagt, er hätte keine Ahnung vom Mosaism.us und seine religiösen Bedürfnisse seien deshalb unbefriedigt geblieben. Drei Monate vor der Taufe war er ,schweigsamer Gast!bei den Andachtsübungen in der baptnstisohen Kirche gewesen. Derascho in Kobersdorf. Herr Isidor Lö׳wi, Kultusbeamter aus Wien, der einige Wochen hier zum Sommeraufenithalt weilte, hielt ש׳ פ׳ עקב!in unserem Jugendfortbildungskurse dn der üsr. Volksschule einen sehr gediegenen, vom jüdischen Geiste sprühendem, lehrreichen Vortrag. Der gute Ruf, welcher Herrn Löwi auf diesem Gebiete voranging, lockte eine unzählige Zuhörerschaft (heran, die den Vortrag mit (Beifall und besonderer Anerkennung anhörte und nur bedauerde, dass dieser schon nach einer Stunde endete. K. J. Tagung des Verbandes gesetzestreuer Jugendvereine Bayerns. Am Sonntag, den 14. September fand in Ansbach die Verbandstagung des Bayrischen Verbandes gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine in der Agudas Jisroel-Jugend- Organisation statt. Es war die erste Tagung! dieses Verbandes, der nunmehr eineinhalb Jahre besteht und, die bayrii sehen Jugendgruppen umfassend, mit trefflichen Erfolgen an dem Ausbau ddr Agudas Jisroel-Jugendorganisation mitwirkt. Erschienen waren etwa 300 Gäste aus Nümberg, Furth, Regensburg, Würzburg, Ansbach, Brückenau, Gunzenhausen, Treuchtling, Ellingen, Berolzheim, Sugenheim, Adelsdorf, Altenmuhr, Wittelshofen, Heidenheim, Thüngen usw. Nach einem Schiur, der morgens um 8 Uhr die Tagung einleitete, und nach verschiedenen Begrüssungsansprachen erstattete. Gustav Münz im Namen der Verbandsleitung den Tätigkeitsbericht. Eine ausgedehnte Diskussion, die sich daran anschloss, füllte den Rest des Vormittags aus. Nach Tisch eröffnete den Reigen der Redner Dr. Max Cohen, Köln (Mitglied des Organisations- Vorstandes in Köln), mit einem Vortrag über ״Jüdische Gebotserfüllung“. In begeisternden Worten suchte er darzutun,■ dass Hislahawus und Jiras Haschern, verbunden mit der richtigen Erfassung der Mizwaus, nur die richtige» Gebotserfüllung verbürgen können. Sodann sprach Ehrw. Rabbiner Dr. Brader, Ansbach, über Agudas Jisroel. An Hand einer schönen Midraschstelle führte er in (grossartiger, fesselnder Weise aus, wie Mischpot und Zedokoh die zwei Programmpunkte der Agudas Jisroel seien. Mischpot, das Recht, das leider erst erkämpft werden־ muss in Dingen, die das jüdische Volk .betreffen, entscheidendes Wort mitsprechen zu dürfen, und ״Zedokoh“, die dem Volksganzen und seiner Erhaltung irt körperlicher wie geistiger Beziehung dienende Fürsorge. Henry Pels, Hamburg, sprach sodann als Abgesandter des Landesdirektoriums des Keren Hathora in Deutschland über die Bedeutung des Keren Hathora und seine Ziele. Moritz Klugmann, Nürnberg, referierte sodann iml Namen der Palästinazentrale über deren Tätigkeit für EreaJ Jisroel. A16 ״Neilohredner“ begann sodann Max Gutmann* Nürnberg, seinen Vortrag über ״Reparationsprobleme und

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