Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 39-40 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 270 Nr; 39/40 / Judenfrage“. Ein solches Problem bestehe auch inner• halb des Judentums. Denn was das Mittelalter an physischer Kraft und die Emanzipation an kulturellen Werten vtfwüstet haben, muss wieder gutgemacht werden, In meisterhafter Weise zeichnete er mit jugendlichem Feuer die Mängel und Schäden der Zeit und zeigte auch die Wege, wo die Reparation wieder einsetzen muss. Dieser letzere Teil, der die Eigenart der bayrischen Landgemeinden, der ältesten pCehillos in Deutschland, 60 wundervoll nachfühlte und der damit auch die (Ziele des bayrisehen Verbandes wiedergab, war von besonderem Beifall begleitet. Gegen Abend musste die glänzend verlaufene Tagung geschlossen werden, nachdem noch Herr Julius Sichel, Nürnberg, die besonderen Grüsse der Nürnberger Ortsgruppe, und Herr Sekretär Posen die Grüsse im Namen des württembergisch-badischen Landesverbandes der Agudas Jisroel der Versammlung zur Kenntnis brachten* Begeistert zog die Jugend von dannen, gestärkt durch das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit in gemeinsamer Pflichterfüllung. Die Tagung war ein bedeutender Punkt in der Geschichte der Agudajugend Deutschlands. Dr. Nathan Cahn ז״ל* Vor einigen Tagen verstarb ebenso plötzlich in Darmstadt in jungen Jahren der dortige Rabbiner Doktor Nathan Cahn, ein Sohn des allbekannten Fuldaer Rabbiners Cahn. Rabbiner Dr. Cahn hatte noch am Abend vor dem Ableben einen Vortrag über Thora und Talmud gehalten. Erst vor kurzer Zeit trat er den Rabbineiposten in Darmstadt als Nachfolger des vor vor kurzem verstorbenen Rabbiners Dr. Moses Marx an. Er stand einige Tage vor der Hochzeit mit der Tochter eines angesehenen Rabbiners. Landrabbfaerwab!. Hannover. *Nach!dem Tode des Landrabbiners Dr. Gronemann blieb das Laridrabblnat für die Bezirke Hannover nnid Lüneburg länger ats sechs Jahre unbesetzt. Neben den politischen Umwandlungen bot die grösste Schwierigkeit die Bestimmung des Gesetzes, dass ׳die Syuagogen-Gemeinde Hannover drei (Kandidaten vorsohlagen musste, •von denen die Gemeinden der Provinz einen zu wählen hatten. Da tür die Synagogen-Geaneinde Hannover die Wahl ■eines .anderen als ihres langjährigen Ortsrabbiners Dr. Freund, der schon 18 Jahre amtierte, untunlich erschien, richtete sie ein Gesuch an den Minister, sie von dieser Bestimmung izu befreien. Fast afäe Gemeinden hatten sich diesem Anträge angeschlossen und so genehmigte 'der Minister die Präsentation •des Dr. Freund als einzigen Kandidaten, der am 3. September d. J. von den Vertretern der Gemeinde zum Landrabbiner gewählt wurde. Ein junger Jude als Eioamter der Deflation In Deutschland. Berlin. (J. T. A.) Im wirtschaftlichen Teil der grossen Berliner Zeitungen sind in der letzten Zeit oft Artikel über die Rotte des Michael-Konzerns in der deutschen Deflation erschienen. Die Zeitungen weisen darauf hin, dass Im Gegensatz zu Hugo Stinnes und anderen grossen deutschen Industrie- und Handellshäusern, die sich während der Inflation ungeheuer bereichert und jetzt in der Zeit der Deflation sehr viel ihrer Aktivität edngebüsst haben, ■der Michael-Konzern geradezu in der Epoche der Gesundung des deutschen Finanzwesens ■eine grosse Rotte spielt. Der Leiter des Michael-Konzerns, Herr Jacob Michael, ist in Finanz- und Industriekreisen der meistgenannte Mann. Wo es etwas zu ׳sanieren gibt, wo grosse Summen notwendig sind, um eine Sache in Schwung zu bringen, da vermutet man eine Beteiligung Michaelis. •Jacob Michael ist am 26. Februar 1894 in Frankfurt am Main als der Sohn eines ■.gesetzt st reuen, begiüterten! jiidisohen Kaufmannes geboren und ist selbst streng religiös. Als 20'jä'hräge.r junger Mann wurde er zu Beginn des Krieges als Soldat eingezogen. Damals erschloss er der deutschen Kriegs- und Zrv#wirtschaft •das bisher unbekannte Wolframlager im Sächsischen Erzgebirge. Einige Jahre später errichtete er zunächst in Frankfurt, dann in Berlin ein Handelsgeschäft, die Firma J. Michael & Codie sich schnei! ausdehnte. Noch während des Krieges wurden im neutralen Ausland Filialen eröffnet. Die Firma besass schon hn Jahre 1923 30 Fabriken, dazu ein internationales Filialnetz. Als die Inflationskrise vorüber war und die Zeit der Deflation eintrat, beschältigte sich die Firma mit!umfangreichen Finanzierungen von in die Geldklemme geratenen Unternehmungen und hat auf (fiese Weise das deutsche!Wirtschaftsleben ungeheuer gestützt. Michael war auch der Finanzier der Reichspost während der Stabälisierungskrisis. Jm Februar 1924 gründete Michael die Industrie- und Privatbank. Die Zeitungen stellten fest, dass der 301jährige Michael schon heute in der ersten Reihe der deutschen Finanziers steht und dass alles dafür spricht, dass sein Weg noch nicht den Höhepunkt erreicht hat. Der polnische Rabbinerverband und die Jewish Agency. Warschau. (J. T. A.) Der Zentralrat und der Vollzugsaussohuss des Rabbinerverbandes in Pollen beschäftigte sich auf seiner letzten Plenarsitzung mit •der Frage, ob die Einladung der Zionistischen Organisation Polens, dass sich der R abbin erverband an der ״Pro-Palästina-Konferenz“ beteiligen soll, anzunehmen sei. Die Konferenz wird bekanntlich zu dem Zweck Unberufen, um die Vertreter der polnischen JudenheM für die Jewish Agency in Pajä$tfti§, zu wählen. Die Diskussion gestaltete sich sehr ־ War unmöglich, zu einem Einvernehmen m gelangen. Um eine Spaltung unter den Rabbinern zu vermeiden, wurde ein Kampromfissvorschlag angenommen, ZidivIWteiMHM. Die wahlberechtigten Mitglieder der Kultus*• gemeinde werden aufmerksam gemacht, dass das Wahlrecht von der Zahlung der Kultussteaer per!923 oder 1924 abhängig ist Dto 9teaee muss bis zum 28. September L J. bezahlt werden . wonach die Frage der Beteaügung der Rabbiner an der Pro-Palästina-Konferenz so lang« hinausgeschoben wird, als bis autoritative orthodoxe und rabbinisohe Organisationen anderer Länder 0u der Frage Stellung genommen haben. Die Warschauer und Lodzer Israelitische Kultusgemeinde für die notleidenden Emigranten in Wien. Wien. (A. J. P. B.) Das Zentralhilfskomitee für die Emigranten in Wien wandte *sich durch einen ׳speziellen Abg^starodten an die Lodzer und Warschauer Kultusgemeinde!mit der Bitte, dem Zentral1hiäfskamit1e׳e bei!seiner schwierigen Arbeit httfredch zur Seite ׳ziu stehen. Sowohl die Lodzer als auch •die Warschauer Kiultusgemetode haben einen grösseren Betrag für dl« notleidenden Emigranten in Wien bewilligt. Konflikt in der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Grosswardein. Seit einigen Jahren wühlt ein Kampf zwischen den Mitgliedern der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Grosswardein. Seitdem nämlich jüngere Leute, sonst jüdische Menschen, gegen den Willen des Oberrabbiners und gegen den .Willen der massgebenden Persönlichkeiten der Gemeinde, den Misrachiverein gegründet haben.. Der Kampf verschärfte sich noch mehr, als die Misrachisten bei des Gemeindewahlen — gemäss der alten Parole ״erobert die Gemeinden“ ־־־ in Aktivität getreten sind, und wobei es ihrien auch gelang, durch verschiedene Wahltricks und durch grosse Versprechungen — von denen selbstredend keine einzige eingelöst worden ist — den Sieg davonzutragen. Es sind in die Repräsentanz und den Vorstand dieser grossen und ehrwürdigen jüdischen Gemeinde solche Leute gewählt!worden, die absolut kein anderes Verdienst haben, als dass sie Misrachisten sind, hingegen sind solche Männer, die Jahrzehnte hindurch für da9 Wohl und Gedeihen der Gemeinde gearbeitet und den Löwenanteil an dem Aufblühen der Gemeindeinstitutioneil haben, völlig ignoriert worden, einzig und allein aus jenem Grunde, dass sie Gegner des Misrachi sind. Und so ist die Leitung dieser grossen jüdischen Gemeinde in die Hände von jenen übeigegangen, die zu einer solchen! Organisation gehören, welche von einem jeden orthodoxen Rabbiner des Landes, ohne Ausnahme, verpönt wird1, und stehen heute an der Spitze dieser echt orthodoxen jüdisehen Gemeinde solche Leute, die — auch die Besten unter ihnen — jene Teilung und separate Organisierung der Orthodoxie, die im alten Ungarn die ,Besten und Grössten des Judentums durchgeführt haben, belächeln bekritteln. Dies alles hat zur Folge gehabt, dass ial dieser Gemeinde, die einst zum Muster des Friedens und der Eintracht diente, heute Uneinigkeit und Zwietracht herrschen. Die Jahreskonferenz der zionistischen Organisation Transsylvaniens hat am 6. und 7. d. M. in Grosswardein getagt. Samstag vor der Konferenz hat Herr Oberrabbiner Fuchs im Lokal der Schasschevra einen Vortrag gehalten/ in welchem er sich auch mit dieser Jahreskonferenz beschäftigte. Er gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck* dass die Misrachisten, unter denen doch wahrhafte Jereim sind, ihre Augen noch imiper nicht geöffnet haben und noch immer nicht einsehen wollen, dass sie in der zionisti״ sehen Organisation nichts erreichen können, noch immei* nicht zu der Einsicht gelangt sind, dass es durchaus nicht gestattet ist, einer Organisation anzugehören, deren rein nationale Richtung zum unermesslichen Schaden des religiösen Lebens führt, einer Organisation, die in ihren Verfügungen im Heiligen Lande die wesentlichsten Religionsgesetze ignoriert. Er appellierte an das religiöse Gefühl der besseren Misrachisten, uttd bat sie, eine golche Richtung weder materiell, noch moralisch zu unterstützen. Die Worte des Herrn Oberrabbiners machten auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Man hat 6ich wohl der Täuschung nicht hingegeben, dass die Misrachisten auf einmal Kehrteuchmachen werden; man hat dies gar nicht erwartet, dies wäre ja auch unmöglich gewesen. Jedoch hat man gehofft, dass sie zur besseren Einsicht gelangen und allmählich den Rückzug antreten werden. Weit gefehlt! Sonntag nachmittags bat die zionistische Konferenz begonnen, und als erster Programm¬ ALLEN VERWANDTEN, FREUNDEN, GASTEN UND BEKANNTEN WÜNSCHEN כתיבה וחתימה טובה MOSES KOKISCH UND FRAU BAD GASTEIN SAN REMO VILLA EUGENIA CORSO CAVALOTTI Unseren p. t. Kunden und Bekannten wünschen wir herzlichst כתיבה וחתימה טובה Selehwarenfübrikanteii Bisen & Hönigsber Wien, II., Haidgasse 5 punkt ist ein feierlicher Gottesdienst in der Grossen Schuf, der orth. Gemeinde festgestellt worden. Der Gemeinde- Vorstand Hess zu diesem Zwecke bei hellichtem Tage die Schule feierlich beleuchten, und der Gottesdienst hat unter feierlichen Aeusserlichkeiten stattgefunden. Mit Rücksicht auf den tags zuvor gehaltenen Vortrag, des Herrn Oberrabbiners hat diese Verfügung des Gemeindevorstandes־ einen äusserst schlechten Eindruck auf jeden gemacht. Der Herr Oberrabbiner kam zur Minchazeit in die Schul» ging jedoch nicht hinein, sondern verrichtete das Gebet ausserhalb der Schule, und nach dem Gebet tadelte er in scharfen Worten das Vorgehen des Gemeindevorstandes», er bezeichnete dies als eine Abweichung von der bisherigen Richtung als eine Verletzung der alten jüdischen Traditionen der GemeindeJ und als eine Beleidigung des grösseren Teiles der Gemeindemitglieder, die gegen diese Richtung sind, und erklärte, so lange nicht die Schwelle der Schule übertreten zu wollen, bis dies nicht gutgemacht wird. Die Anwesenden bereiteten dem Herrn Oberrabbiner eine grosse Ovation, welche sich am anderen Tage im Lokal der Schasschevra wiederholte, bei welcher Gelegenheit die vornehmsten Mitglieder der Gemeinde den Herrn! Oberrabbiner ihrer Treue und Hingebung versicherten. So weit ist es in dieser alten, ehrwürdigen jüdischen. Gemeinde gekommen. G. P—m. Wie Ussisciikin unter den Orthodoxen Propaganda macht. Leipzig. Wir stehen im Monat EIuJ! Da wird «ine Rede in der orthodoxen Schul in der Kei'lstr. angekündigt. Ussischkin wird sprechen. Darüber allgemeines Kopfschütteln. Dieses Kuriosum lockt eine zahlreiche Menge nach der Keilstr. Nach Mäncha ■besteigt der Redner die ׳Kanzel und ׳beginnt über •die Notwendigkeit der Palästinaarbeit z׳u sprechen. Besonders sei die Orthodoxie ׳dazu verpflichtet. Hört man recht? Auch Ussischkin bekennt sich zur Orthodoxie, die die Majorität im ׳jüdischen Volke bildet. Er will, dass Erez Jisroel orthodoxer, jüdischer wird. Aber schuld an den Uebelständen hat die Orthodoxie, besonders die Aguda. Ueberhaupt die Agudas Jisroel hat es ihm angetan. Sie stört die Arbeit, lügt, hat nichts geleistet, hat •weder Land noch Geld, noch Schulden, absolut nichts, nichts. Die Zuhörer sehen sich an und schweigen. Im gleichen Ton geht es eine Weile fort, bis Ussischkin, an die Sidra ׳anknüpfend, auf Arnalek zu sprechen kommt.. Die Polemik gegen ׳die Orthodoxie erreicht ihren Höhe- Punkt, als Ussischkin!wörtlich das Schicksal Amaleks auf die Orthodoxie anwendet. Er sagte unter anderem: Wie es!bei Arnalek geboten wird כר את אשר עשה לך עמלק Gedenke, was dir Arnalek getan usw., so wird noch! in späteren Zeiten gesprochen weriden: כור את אשר עשו לך היהודים האלה• Bei diesen Worten setzte ein Tumult ein, der in Tätlichkeiten auszuarten droht, und nur die Ehre des Bethauses verhindert Aergeres. Die schärfsten Entrüstungsrufe wunden laut van denen, die ein Chili ul Schern Schomaim in einer orthodoxen Schul nicht dulden woHte. Die Rede Ussischkins wurde unterbrochen und es wahrte eine halbe Stunde, bis •er seine Rede kurz beendete. Und nun fragen!wir: Gibt es eine grössere Provokation, als In einer orthodoxen Schani die Orthodoxie von ׳der Kanzel herab zu verdammen? Und das alles geht!mit Einwilligung eines orthodoxen Schulgabbes. Die erste Rede Ussdsohkins in Deutschland und das die Einleitung? Wir haben genug davon! Für die Dienstfreiheit jüdischer Beamter an den hohe* Feiertagen. — Ein Schreteen an Präsident CooMidge. New Xork. (J. T. A.) Das jüdische Kongress— mitglied Celler hat an den Präsidenten Coolidge das folgende Schreiben gerichtet: ״Im Postwesen der Vereinigten Staaten beschäftigte Beamte jüdischen Glaubens»• die im vorigen Jahre an dem jüdischen Neujahrs- und Versöhnungsfest von ihrem Dienst fortgeblieben waren» wurden ohne Umstände entlassen. Ich habe mehrere dieser Fälle mit dem Postdirektor der Stadt New Xork!und darauf mit dem Generalpostdirektor in .Washington besprochen* aber alle meine Anstrengungen waren erfolglos. Man hat mir entgegnet, dass Beamte anderer Konfessionen ebenfalls an den Feiertagen ihre Arbeit tun müssen. Ich fordere Sie auf, über diese empörenden Zustände eine Untersuchung einzuleiten und ein solches Vorgehen unmöglich zu machen, damit Ihre Worte mit Ihren Taten übereinstimmen.“ Znoa&me der orthodoxen Einwanderung 2h Erez Jisroel.!Jerusalem. (A. J. P. B.) In!den letzten Wochen sind viele!agudSstisctie Aidim 1זנ Erez Jisroel angefangt. Die Aguda-Ongane in Erez Jisroel (haben Ihre Versorgung in den ersten Tagen!übernommen.!Der letzte Transport kam an, als gerade Sn «dem Jerusalemer!Bureau der Aguda der Abschluss des grossen Badenkaufes In!Emek JirsroeL gefeiert wurde. Ein Memorandum an den Völkerbund über die UnatK hängigkeit Palästinas. Gent (J. T. A.) Emir Shakib Arsian, ein prominenter syrischer Nationalist und Führer der Drusen-Bevölkerung. des Libanon, hat am 17. September dem Völkerbund ein Memorandum unterbreitet, in welchem folgendes gefordert wird: Evakuierung der britischen Truppen aus ׳Palästina und der französischen Truppen aus Syrien; Annullierung der britischen und französischen Mandate über die genannten beiden Länder und Anerkennung des Rechtes dieser Lander, in einen Verband mit allen anderen arabischen Ländern zu treten. Der Emir hat das Memorandum im- Namen des Syrisch-Palästinensischen Kongresses, der in Kairo getagt hat, vorgelegt.