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Jüdische Presse · 1924-09-26 · 39-40 (26.9.1924) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 266 Nr. 39/40 ft 51. Die Tätigkeit des Zentralstes soll in stetem Ein- Vernehmen mit dem Rabbinisdien Rat erfolgen. Den Ent* stheidungen des Rabbinischen Rates, die unter Berufung auf die Gesetze der Thora ergehen, hat er Folge zu. lebten. 8 52. In die inneren Angelegenheiten der Ortsgemeinden hat der Zentralrat sich grundsätzlich nicht einzumischen; 4. Abschnitt. Finanzwesen. § 53. Die Ortsgemeinden erheben zur Deckung ihres etatmässig festgesetzten Jahresbedarfes Steuern und Gebuhren nach Massgabe der von der Delegiertenversammlung erlassenen und vom Hohen Kommbsär genehmigten Richtlinien (§8 41 und 43). Der Jahresbedarf der zentralen Organe wird in Form von Zuschlägen auf die Ortsgemeinden entsprechend der Zahl ihrer Mitglieder umgelegt. Der Eingang, aus den Zuschlägen ist an den Zentralrät unverzüglich abzi*■ führen. Die Delegiertenvetsammlung kann beschliessen, dass ein Teil der OrtsgemeindegebtUiren an den Zentralrat abzuführen ist 8 54. Gebühren können für die Benützung aller Institutionen der Ortsgemeinden Oder der Kehillah erhoben werden. 8 55. Lebtungsschwachen Ortsgemeinden können aus der Kasse des Zentralrates Vorschüsse oder Zubussen bewilligt werden. 8 56. Die staatlichen Behörden sind berechtigt, die Finanzgebarung sowohl der örtlichen wie auch der zentralen Kassen einer jährlichen Kontrolle zu unterziehen. BERICHT über die Tätigkeit der Agudas Jisroel im Quartal Siwan, Tamus, Aw. Die Ermordung Prof, de Haans. י Montag den 30. Juni — am 29. Siwan — wurde Prof. Dr. Israel Jakob de Haan, Mitglied der Agudas Jisroel, als er nach dem Maariw-Gebet die Synagoge des Schaare Zedek-Hospitals verliess, von unbekannten Tätern durch Revolverschüsse ermordet. Die ruchlose Tat hat in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen und in jüdischen Kreisen, besonders aber in jenen der Orthodoxie, grenzenlose Erbitterung hervorgerufen. Die Täter konnte man bis zum heutigen Tage nicht eruieren. Obwohl nun weder die Person des Mörders noch die Motive der Tat einwandfrei fest-!zustellen sind, wird allgemein angenommen, dass der Mord einen politischen Hintergrund hat. Prof. Dr•. de Haan stand nämlich in den letzten Jahren im Mittelpunkt einer ge-!lässigen leidenschaftlichen, politischen Kampagne. Besonders in den letzten zwei Jahren, da er ganz uneigennützig für die Interessen der nach vollkommener Unabhängigkeit strebenden orthodoxen Gruppe unter der Führung von Rabbi Chaim Sonnenfeld dem Prof, de Haan grenzenlose Verehrung entgegenbrachte, kämpfte, stieg der Hass in den antiagudistischen Kreisen gegen Prof, de Haan ins Grenzen- 10®. Seine persönliche Ehre wurde in gröblichster Weise tagtäglich besudelt. Obwohl sein bedingungsloser Idealismus: seine fanatische Wahrheitsliebe und seine persönliche Ehrenhaftigkeit allgemein bekannt waren, wurde er von seinen Gegnern als ein im Solde der Araber stehender Verräter des jüdischen Palästina tausendfach verleumdet. Die scheussliche Tat hat erst gezeigt, welch tiefe Wirkung diese Hasspropaganda ausgelöst hat. Agudas Jisroel hat Ihren Protest gegen diese ruchlose Tat im Wege der Exekutfve in England zum Ausdruck gebracht. Während des Trauermonats, besonders an seinem Schlüsse, wurden grosse Trauerversammlungen abgehalten, die man von antiagudistischer Seite zu stören versuchte. All diese Störungsversuche haben aber nicht vermocht, die Stimme der Trauer und der Erbitterung ob dieser schrecklichen Tat zu unterdrücken. Agudas Jisroel wird diesem mutigen Kämpfer für die Interessen der unabhängigen Orthodoxie ein ehrendes Angedenken bewahren. Der Kampf um das Gemeindegesetz in Erez Jisroel. Die Rechtverhältnisse der jüdischen Gemeinden und die Stellung der jüdischen Gemeinschaft in Erez Jisroel sind noch immer nicht gesetzlich geregelt. Die herrschende Gruppe im jüdischen Lager unter der Führung des Nationalrates (Waad Leumi) möchte ein Gesetz erwirken, gegen welches von orthodoxer Seite schwere Bedenken gehegt werden. Es soll betont werden, dass nicht nur die Agudas Jisroel nahestehende unabhängige Orthodoxie, sondern alle thoratreuen Kreise mit schwerer Sorge auf diese Bestrebungen blicken. Es ist gelungen, sowohl die palästinensisehe wie die zentrale Regierung von der Sanktionierung eines Gesetz י$, das eine eklatante Vergewaltigung der religiösen G;Wissensfreiheit bedeuten würde, bis zum heutigen Tage abzuhalten. In den jüngsten Monaten ist nun, angeblich durch Indiskretion, ein Gesetzentwurf bekannt geworden, der von Waad lleumi stammen soll und dessen Grundsätze die düstersten Befürchtungen der Orthodoxie in reichlichem Masse rechtfertigen. Gegen diesen Gesetzentwurf hat Agudas Jisroel in Erez Jisroel wie auch in der ganzen Welt einen energischen Kampf begonnen. In Erez Jisroel wurde ein Buss- und Bettag als Protest gegen den Gesetzentwurf abgehalten. Es wurden ferner seitens aller Landesorganisationen Protestversammlungen veranstaltet und scharfe Protestresolutionen gefasst, welche der englischen Regierung zur Kenntnis gebracht wurden. Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Leiter des Zentralbureaus der Agudas Jisroel in Wien, hat seine Londoner Anwesenheit benützt, um ■in einer privaten Unterredung dem High Kornmissioner Sir Herbert S a m u e 1 auf die Gefahr aufmerksam zu machen, die durch ein eventuelles Gesetzwerden dieses Entwurfes der Orthodoxie droht. Als Folge dieser privaten Unterredung wurde seitens der Agudaleitung Sir Herbert Samuel ein Gesetzentwurf übermittelt, der nach einem Schreiben des High Kommissioners einer ernsten Prüfung zugeführt wird. Es ist zu hoffen, dass all diese Schritte nicht ohne Erfolg bleiben und die grosse Gefahr von der palästinensischen Orthodoxie und so von der Orthodoxie der ganzen Welt wird abgewendet werden können. Gegen die Kalenderreform. Das Memorandum, welches der Gesohälftsführende Ausschuss der Agudas Jisroel in Angelegenheit der Kalenderreform an den Völkerbund gerichtet hat: enthält nebst dem kritischen Teil auch einige positive Vorschläge, die geeignet sind, die Vorzüge der geplanten Kalenderreform ohne Schädigung des Sabbatgedankens zu sichern. Im wesentlichen geht der Vorschlag dahin, dass s^tt der Einführung eines, respektive zweier wochenloser, sogenannter weisser Tage, wodurch erreicht werden soll, dass alljährlich dasselbe Datum auf denselben Wochentag fällt, nach je sechs Jahren eine Schaltwoche eingefügt werde. Der Vorschlag beruht darauf, dass die Einführung von weissen Tagen den Sabbat tag auf Montag, beziehungsweise Dienstag und Mittwoch verrücken würde, hingegen bei Einschaltungen von ganzen Wochen die siebentägige Woche und somit der Sabbattag unberührt bleibt. Man hofft, dass der Vorschlag ernste Beachtung finden wird. Jewish Agency. Die Frage der Jewish Agency ist durch die jüngsten Beratungen des zionistischen Aktionskomitees, das beschlossen hat, die amerikanischen Vorschläge nach einer Umbildung der Jewish Agency zu akzeptieren, wiederum im Vordergrund des Interesses getreten. Dipse amerikanischen Vorschläge sehen eine 50prozentige Beteiligung der Nicht- JOdisebe Brüder und Schwestern! נאולה תתנו לארץ Denket anlässlich der hohen Feiertage an Geulath Hooretz und kaufet Euch in dem von der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel in Emek Isroel zum Verkaufe angebotetien Gebiete Boden, der auf Euren Namen intabuliert und somit Euer Eigentum wird. Die Siedlung liegt inmitten jüdischer Kolonien, ist für Pflanzungen gut geeignet, mit genügenden Wasserkräften versehen und eignet sich nach Ausspruch unserer ökoriomischen Berater ganz ausgezeichnet für Kolonisationszwecke. Da im ganzen;4000 Dunam zum Verkaufe ausgeboten sind und die österreichisehe Landesorganisation ein entsprechend grosses Gebiet als geschlossene osterreichische Siedlung erwerben will, ist es notwendig, sich sofort mit der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Wien, II., Malzgasse 12 a, (Telephon Nr. 49-0-54), ins Einvernehmen zu setzen. Ueber Wunsch können die p. t. Parteien vom Sekretär des Palästinawerkes zwecks genauerer Information besucht werden. Der Präsident der Erez Jisroel-Zentrale der Agudas Jisroel für Oesterreich: Rabb. Jos. Baumgarten. SSSSSB&SSaGSaSBBSSSaSSSBSSS Die nächste Nummer der ,Jüdischen Presse*4 erscheint Freitag den 12. Tischrl. 5685. Zionisten an der Exekutive und an allen Körperschaften der Jewish Agency vor. Nach dieser Sachlage Ist anzunehmen, dass Agudas Jisroel ebenfalls eine Einladung zur Bildung der Jewish Agency erhalten wird. In einzelnen Landesorganisationen, so in Polen, ist man bereits an Agudas Jisroel herangetreten. Da die Jüdische Telegraphen-Agentur die Meldung verbreitet hat, dass der Hauptgegenstand der Zentralratssitzüng in Krakau die Stellungnahme der Aguda zur Jewish Agency sein soll, sah sich das Zentralbureau der Aguda veranlasst, folgende Berichtigung, aus der man auf Stellungnahme der Aguda zur Frage der Jewish Agency schliessen kann, zu veröffentlichen: ״Es,ist unrichtig, dass die Tagung des Zentralrates in Krakau sich vor allem mit der Stellungnahme der Aguda zu der Jewish Agency beschäftigen soll. Die Tagung in Krakau stellt vielmehr die durch die Satzung für die Jahre ohne Kenessio Gedaulo vorgeschriebene regelmässige, Zusammenkunft des Zentralrates dar und es werden in erster Reihe innenorganisatorisehe Fragen sein, die auf der Tagesordnung stehen. Zur Frage der Jewish Agency nochmals Stellung zu nehmen, liegt für Agudas Jisroel vorläufig keine Veranlassung vor, nachdem die Kenessio Gedaulo die Bedingungen, unter denen eine Mitwirkung für Agudas Jisroel in Betracht kommt, durch Bestätigung der Breslauer Beschlüsse formuliert hat. Dagegen werden zweifellos die gesamten wirtschaftlichen und politischen Erez Jisroel-Probleme einen sehr weiten Raum auf der Zentralratstagung einnehmen. Keren Hathora. Während der Berichtsperiode hat sowohl die organisatorische wie die Werbearbeit für Keren Hathora nennenswerte Erfolge aufzuweisen. Anlässlich des Schebuothfestes wurde in Oesterreich wie in anderen Ländern eine Keren Hathora-Woche veranstaltet. Wenn auch der materieile Erfolg in den mittel- und osteuropäischen Ländern nicht sehr bedeutend war, hat doch zu jenem Zeitpunkt die Wirtschaftskrise ׳ihren Höhepunkt erericht, so ist vom organisatorischen Standpunkte der Versuch, bestimmte markante Sabattage alsW'idmungstage für den Keren Hathora zubestimmen' hoch einzuschätzen. Während des Monats Siwan hat Oberrabbiner Kalmanowitsch, Rakow, eine Propagrmdareise im Rheinlande und in Belgien mit gutem Erfolge unternommen, ln Holland hat zu derselben Zeit Regierungsra: K r c p p e 1 aus W'ien mehrere Vorträge gehalten, die für der» Keren H׳׳.tnc־a neue Anhänger warben. Auch der materielle Er.olg war jefriedlgend. Rabbiner Dr. Winkler, Christiania hat die jüdischen Gemeinden N orwegens bereist, um für Keren flathora werben. Oberrabbiner Seimdeputat S 0 h a p 11 a war im Monat Tamus auf der Durchreise nach Frankreich und London in Wien und Bratislawa, wo er öffentliche Vorträge zugunsten des Keren Hathora hien. Seine Referate in Strass bürg haben geradezu überwältigende Begeisterung für Keren Hathora erweckt. Rabbiner Schapira setzte dann seine Reise nach London fort, wo er noch zurzeit für Keren Hathora arbeitet. Sowohl Oberrabbiner Kalmanowitsch wie Oberrabbiirer Sohapira haben dafür gesorgt, dass die von ihnen geschaffene Stimmung nicht als Strohfeuer verraucht, sondern durch Gründung von Keren Hathora- Komitees ständig erhalten bleibe. So wurden in Köln unter dem Vorsitz von Dr. Mayer, in Antwerpen, unter der Leitung von Kopel Spira Komitees zur Weiterarbeit für Keren Hathora gegründet. DafJomiSchiur. .! Wie bekannt, hat die Kenessio allen Agudisten zur Pflicht gemacht, jeden Tag ein Blatt Gemoroh als Schiur Daf jomi zu lernen. Der Sijum auf Massechet E r u b i m fand am 28. Tamus statt. Dieses Ereignis wurde in allen Gruppen mit einem intimen Fest gefeiert. Es ist ein Jahr nach der Kenessio mit Freude festzustellen, dass der Gedanke immer weitere Kreise für sich erobert. Gedeihliche Entwicklung der Beth Jakob- Schulen. Der Mangel an geeigneten Erziehungswerken für Mädchen macht sich in Polen immer mehr fühlbar. Sowohl die grosse Rabbinerkonferenz in Wilna, Anfang Tamus, wie 1die Krakauer Besprechung der galizischen Rabbiner haben sich hauptsächlich mit der Bekämpfung des erschreckend zunehmenden Abfalles von der alten Sitte und Tradition frommer jüdischer Frauen eingehend beschäftigt. Die Quelle dieser Abfallbewegung ist der Mangel an richtigen Erziehungsanstalten für Mädchen. Die Beth Jakob- Organisation will durch Gründung von Mädchenschulen und durch Schaffung von entsprechender ■Literatur dem Uebel steuern. Die Gründung von solchen Beth Jakob- Sohulen hat in der letzten Zeit erfreuliche Fortschritte gemacht und es ist zu erwarten: dass mit ■dem nächsten Schuljahr mehrere Beth Jakob-Schulen gegründet werden. Die Beth Jakob-Organisation gibt unter dem Namen ״Beth Jakob“ (L. G., Frydensohn, Lodz, Alexandrowska 28) ein orthodoxes Frauenjournal heraus, das als Sprachrohr dieser Bestrebungen gilt. (Forts, folgt.) Kunerol, das reinste Speisefett aus Kokosnüssen, ist leicht verdaulich, ausgiebig und nahrhaft, wird vom Anbeginn des Pressens der Nüsse bis zur Fertigstellung und Verpackung unter strenger Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner S. B. Ehrenfeld, Mattersdorf, erzeugt und daher in jeder strenggläubigen jüdischen Familie. mit Torliebe verwendet.

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