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Jüdische Presse · 1924-09-26 · 39-40 (26.9.1924) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
39-40 (26.9.1924)
Date
1924-09-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39/40 x JÜDISCHE PRESSE Seite 263 Seidenstoffe Samte, Jaokenfaittmr in Preis, Auswahl und Qualität uairratchft im Seidenbaus Kontorner Wien, I., Flacherstiege 3 u. II., Taborstrasse 14. Die Landesofganisationen der Agudas Jisroel haben die Pflicht, nach dem Leistungsvermögen ihrer MitgliAler zu Beginn eines jeden Vierteljahres von der;Zentrale eine Anzahl Couponbücher zu erwerben. Diejenigen Landes- Organisationen, die dieser Pflicht nicht nachkommen, verlieren das Anrecht auf Unterstützung ihrer Jeschiwoth durch die Zentralkassa. Das Landesdirektorium des Keren Hathora haftet persönlich für die von ihnen übernommenen Coupons. Die Herstellung der Coupons wird dem Direktorium übertragen mit der Massnahme, dass siej die faksimilierten Unterschriften unserer hervorragenden rabbinischen Führer tragen. Es ist mit Strenge darauf zu achten, dass bei allen Versammlungen für Keren Hathora diese Couponhefte vor allen anderen Sonderaktionen abgesetzt werden. 2. Der Zentralrat ersucht die Keren Hathora-Zentrale, den Aufbau der einzelnen Landeszentralen in der ,Weise durchzuführen, dass allen Ortsgruppen Keren Hathora- Kommissariate angegliedert werden, die die Arbeit für Keren Hathora auszuführen haben. 3. Bis spätestens Chanuka muss die Konstituierung der Landesdirektorien und Kommissariate an allen Orten* an denen sich Orts- und Jugendgruppen befinden, erfolgt sein. Die Länder, die dieser Bestimmung nicht ent: sprechen, verlieren den Anspruch auf jegliche Unter- Stützung der auf ihrem Boden befindlichen Lehrstätten. 4. Der Zentralrat bittet den Rabbinischen Rat, bestimmte Tage als Widmungstage in den Synagogen aller Welt zu bestimmen. 5. Zur Bearbeitung der auf der Zentralratstagung in Krakau angeregten wichtigen pädagogischen Fragen (Lehrer, Mädchenerziehung usw.) sollten Chanuka pädagogische Konferenzen in einzelnen Ländern zusammentreten. 6. Die einzelnen Landesorganisationen sollen das Recht haben, die Zahl der im § 8 des Keren Hathora: Statuts festgelegten Mitglieder zu erhöhen. 7. Der G. A. wird aufgefordert, das Direktorium der allweltlichen Keren Hathora-Zentrale sofort gemäss § 8 der Statuten wählen zu lassen. Resolutionen betreffend Gemeindeverfassung in Palästina. Krakau. (A. J. P. B.) Der Zentralrat der Agudas Jisroel anerkennt, dass die Frage der Gemeindeverfassung in Palästina keine örtliche Angelegenheit ist, sondern eine allgemeine, welche das ganze Judentum in der Diaspora berührt; nachdem die Versammlung aufmerksam den Gesetzentwurf des Nationalrates in Palästina geprüft hat» hat sie folgendes beschlossen: 1. Das Gemeindegesetz des Nationalrates widerspricht in seinen Grundprinzipien den Satzungen der (Thora und den Prinzipien des religiösen Gesetzes, und darum musste sich die, Aanfang Tammus unter ׳dem Vorsitze ■des Radliner Raw, des Ghofez Chaim und Rabbi Chairn Oser Grodzensky׳, Wilna, stattgefundene Rabbinerkanfereniz zum Probleme der vollkommenen Entfremdung der Arbeiterschichten vom religiösen Judentum, Stellung nehmen. Es ist hier nicht die Stelle, darüber ein Urteil zu fällen, ob richtige Mittel zur Beseitigung dieses Zustandes gewählt wurden; die Tatsache, dass man zu diesem Problem Stellung genommen hat, ist der Beweis dafür, dass man die Gefahr, die von dieser Seite droht, in erhöhtem Masse empfindet. In Kangresspalen ist man in dem Kampfe weiter gegangen; man hat von orthodoxer Seite versucht, religiös gesinnte Arbeiter in einer eigenen Organisation, Paale Erminei Jisroel, zusammenzufassen. Das Hauptzentrum dieser Organisation, ist die grosse Industriestadt!Lodz, wo die religiöse Arbeiterschaft bereits einen Vertreter in den Stadtrat entsenden und bei!den Gemeindewahlen im Sommer einen Vertreter in die Kultusgemeinde delegieren konnte. Das religiöse Judentum im Osten empfindet immer stärker und stärker den Druck, den die sozialistischen Gruppen auf Schulen, auf Familie und nun auch auf Lehrhaus und Synagoge ausüben. Aber selbst mit dem Abflauen der nationalistischen Hochflut sind die Gefahren noch nicht gebannt. Denn dann ist damit zu rechnen, dass die sozialistische Jugend dem thoratreuen Judentum sowohl in Osteuropa wie in ׳Erez Jisroel grosse und bittere Sorgen auferlegen wird, ln diesem Urteile machen uns jene Erscheinungen, die man im innerjüdischen Kampfe vielfach beobachten konnte, nämlich d׳ass die äusserst links orientierten sozialistischen Parteien aus taktischen Gründen einen gewissen Kontakt mit äusserst rechts orientierten religiösen Parteien stehen, nicht irre. Tatsache ist es, dass die sowohl von rechts wie von ■links bekämpften jüdiscbnaiionalen Parteien immerhin, da die Berührungspunkte ‘ zwischen diesen!mehr bürgerlich-nationalistischen Parteien und der Orthodoxie bedeutend häufiger sind, heftiger bekämpft werden. Zwischen ist es unmöglich, diesem Gesetz seine Zustimmung zu geben. ' u 2. Das Judentum iu der Diaspora ist verpflichtet* alle geeigneten Mittel zu ergreifen, um das Judentum im Heiligen Lande vor der Gefahr dieses Gesetzes fcu schützen. 3. Die Versammlung beschliesst, die Aufmerksamkeit des all weltlichen Judentums darauf zu lenken, dass es gegen die Bestätigung des Gesetzentwurfes des National“ rates seinen Protest einlege. 4. Die Versammlung beschliesst, mit einem Protest gegen dieses Gesetz auch an die englische Mandatarmacht heranzutreten. 5. Der Zentralrat erklärt sich mit der Einbringung des vom G. A. ausgearbeiteten Gesetzentwurfes einverstanden. 6. Der Zentralrat anerkennt, dass dem Waad hoir aschkenasi alle Rechte als selbständige Gemeinde verbleiben müssen, solange der Gesetzentwurf der Agudas Jisroel, der auf der Grundlage der Thora aufgebaut ist, keine Zustimmung erlangt hät. 1 7. Der Zentralrat spricht den Rabbonim des Waad hoir aschkenasi, insbesondere seinem Oberrabbiner J. Ch. Sonnenfeld sein Vertrauen aus. Er betrachtet es als Pflicht, der Agudas Jisroel, dem Rabbinat die wirtschaftlichen Mittel zur Erhaltung seines Beth Dins in der heiligen Stadt Jerusalem zur Verfügung zu stellen und ebenso zur Erhaltung der selbständigen orthodoxen Gemeinden in allen Städten des Heiligen Landes. 8. Der Zentralrat dankt der Delegation der grossen Rabbonim aus Polen, die im vergangenen Winter im heiligen Lande geweilt hatten, für ihre hingebungsvolle und energische Arbeit, um Frieden zwischen den Frommen in Jerusalem zu stiften. Der Zentralrat drückt seine Erbitterung darüber aus, dass der Vergleichsvorschlag, wel״ chen die Delegation der grossen Rabbonim vorgelegt hat und welchem die beiden Parteien von vornherein! ihre Zustimmung gegeben hatten, vom Beth Din des Rabbiner Kuk nicht angenommen wurde. , Resolutionen betreffend Hasspropaganda in Erez Jisroel. Krakau. (A. J. P. B.) 1. Der Zentralrat erhebt den schärfsten Protest gegen die Schmähungen gewisser Pamphletisten und Zeitungen gegenüber den ehrwürdigen Wo erhält man den wii'kliea naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla״wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschlossen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflichst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Fv&nx BallaP Wien? IVa? Gusshausstrasse 26 Telephon 5812־9־ den nationalistischen und sozialistischen Parteien ist nebst den ideologischen Differenzen auch die Frage der Sprache strittig. Bei jenen wird das Hebräische in erster Linie gepflegt, bei diesen das Jiddische. Diese Sprachenfrage kommt sowohl an den Schulen wie auch in anderen Aeusserungen des öffentlichen Lebens zur Geltung. Zwischen Nationalisten und Orthodoxen ist weniger die Sprache als die Stellung zur Religion das Kampfobjekt. Das Bestreben der Nationalisten, den religiösen Charakter des jüdischen Volkes und die vieltausendjährige religiöse Verfassung zu verwischen, und das jüdische Volk im VÖlkerleiben als nur durch rasseramässige Zusammengehörigkeit verbundenes Volk himzustellen, drängt die Orthodoxie in Kampfstellung. In Litauen hat sich dies in dem Kampf um die Jeschiwoth gezeigt. Die Orthodoxen wollten an dem alten Charakter und der hergebrachten inneren Verfassung dieser Schulen nichts ändern lassen. Sie blieben in diesem Kampfe ganz allein, ebenso wie in Polen, wo es sich im grossen Kampfe um den Charakter der jüdischen Gemeinde rezeigt bat, dass nur die Orthodoxie noch die alte echt jüdische Verfassung dieser ältesten und grossartigsten Golusorganisation unseres Volkes zu verteidigen weiss. Die Gemeindewahlen in Polen haben sowohl alle Freunde wie alle Feinde der alten jüdischen Kehila mobilisiert. Es war dies eine grandiose Kraftprobe, die mit einem knappen Sieg der religiösen Richtung endete. Unter dem Eindruck des Kampfes in Polen haben sich auch die Feinde der religiösen Gemeinden in Wilna gerührt; ihre Versuche scheiterten aber ׳an dem energischen Willen des Wilnaer Rabbi, so dass sie auch dort einstweilen nichts erreichen kannten. Mit dem Ausgang der Wahlen ist aber der Kampf keineswegs abgeschlossen. Die Säkularisierung des jüdischen Volkes schreitet unter sozialistischen und nationalistischen Einflüssen in beängstigendem Masse fort. Ja auch Ereiz Jisroel bleibt hievon nicht verschont, wo diese Bestrebungen in allen Aeusserungen des jüdischen Lebens nach Geltung ringen. Das religiöse Judentum führt zurzeit auch Scheitel und Pagenköpfe an■ naturgekraustem Haar tambouriert, ankenntlich im Tragen und unverwüstlich. Minimale Regie, kleine Preise. Bei Berufuog auf die ״Jüdische Presse“ & Prozent Nachlass. Anna Weiner, Wien, II., Rotensterngasse 10/16. Gaonim im Heiligen Lande und insbesondere gegen; die in Jerusalem erscheinenden, sich orthodox nennenden Organe, die nicht aufhören, Lüge und Verleumdung gegen die Orthodoxie zu verbreiten. 2. Der Zentralrat spricht seinen tiefsten Abscheu über den Mord an Prof, de Haan aus. Er richtet an! die gesamte jüdische Welt und an die gesamte Presse das dringliche Ersuchen, in der persönlichen Bekämpfung politischer Gegner innezuhalten, damit die Saat des Hasses1 nicht weiter im. jüdischen Lager verbreitet werde. Der Zentralrat hält es für seine Pflicht, vor aller Welt kundzutun, dass er dem Ermordeten ein ewiges Andenken׳ und ewige Dankbarkeit für sein unerschrockenes, selbstloses Eintreten für die Rechte der unabhängigen Orthodoxie im heiligen Lande wahren wird. Resolutionen betreffs sozialer Arbeit. Krakau. (A. J. P. B.) Der Zentralrat ersucht den G. A., den Aufbau eines einheitlich sozialen Hilfswerkes der Agudas so bald wie möglich durchzuführen. Schlussreden. Krakau. (A. J. P. B.) Trotz der vorgerückten Stunde herrscht im Saale lebhafte Stimmung. Oberrabbiner L e w i n, der die Abstimmungsdebatte, die über drei Stunden dauerte, mit meisterhafter Hand leitete, erhob sich zum Schlusswort. In einer glänzenden Rede fasste er die Ergebnisse der Tagung zusammen. Die Beschlüsse können noch so gut überlegt und vernünftig sein, sie sind wertlos, wenn sie nicht durchgeführt werden. Er hofft, dass die nächste Zentralratstagung mit Berichten beginnen wird, dass alle Beschlüsse durchgeführt wurden. Dann dankte er den Mitgliedern für ihre Arbeit und den Rabbinern, die gekommen sind, um mit ihrem Rat der Ver- Sammlung beizustehen. Die Gastfreundschaft der Krakauer Kultusgemeinde, wie der Diensteifer der Orts- und Jugendgruppen in Krakau hat er in besonders warmen Worten hervorgehoben. Nach ihm sprach Rabb. Dr. P. K o h n und gab seiner inneren Befriedigung Ausdruck, dass es ihm gegönnt war, die Früchte jener Saat in Polen ztj geniessen, an deren Ausstreuen er mittätig war. Nachdem seitens der rabbinischen Vertreter Rabbi Meier Don Plotzki, der Ostrowor Raw, seine guten Wünsche der Versammlung übermittelt hat, ergriff Herr Rosenheim das Wort, und hat im Namen der Leitung in feierlicher Weise, die Erklärung abgegeben, mit erneuter, aus dem Vertrauen des Zentralrates geschöpfter Energie, an die schwere Arbeit der Realisierung der wichtigen, die Organisation und Finanzen betreffenden Beschlüsse zu gehen. Nachdem Prasident Oberrabb. Lewin, Sambor, die Tagung geschlossen hat, erhob sich die Jugend zu einer stürmischen Ovation, die in einem von religiösen Gesängen begleiteten Mizwohtanz endete. in Erez Jisroel einen defensiven Kampf, aber m dem kleinen Land stossen ’ die Gegensätze noch heftiger aufeinander, sind die Parteileidenschaften noch heftiger entfesselt als in den Golusländem. Der Mord an Prof, de Haan, dessen Täter noch immer nicht bekannt sind, ist ein tief trauriges Symptom dieses bis zur Siedehitze ׳gesteigerten leidensohäftlichen Kampfes. Die Bestrebungen, in Erez Jisroel endlich ein jüdisches Gemeindegesetz zu schaffen, sammeln die Parteien, seit dem entscheidenden Kampfe, auf beiden Seiten. Die nationalistischen und sozialistischen Kreise wollen den Stempel ihrer Anschauung diesem Gemeindegesetz aut drücken und eine mehr weltlich-politische Ge- ׳meuide ins Leben rufen. Dagegen kämpfen die Orthodoxen mit aller Energie für die Rettung des religiösen Charakters der jüdischen Gemeinde auch in Erez Jisroel. Dass in Deutschland die Differenzierung und Zer- Splitterung im orthodoxen Lager auch in diesem Jahre durch die Gründung der Achduspartei zugenommen hat, ist wahrscheinlich dem Umstande zuzuschreiben, dass die kleine deutsche Orthodoxie meistens aus Führern ohne Armee besteht, die rein ideologischen Erwägungen einen grösseren Raum einräumen, als es die Notwendigkeiten des religiösen Judentums gebieten. Doch diese Nebenflüsse und Seitenströme können die grosse Linie der Entwicklung nicht stark beeinflussen. Das thoratreue Judentum stellt in dem gewaltigen Kampfe für seine äusseren Güter. Der wirtschaftliche Druck, der so viel Opfer von den Sabbathaltenden verlangt, die wachsende Schwierigkeit eines wahrhaft jüdischen Unterrichtes in den Ländern mit Staatlichem Unterrichtszwang, die Erschütterung der alten Grundlage der jüdischen Familie, die Stürme gegen ehe ' alte Verfassung der jüdischen Gemeinde, all das äusserte sich im Jahre 5684 mit soloher!Macht, dass alle Kräfte der Orthodoxie zusammenstehen müssen, um diesen wachsenden Gefahren mit Aussicht auf Erfolg entgegentreten za! können. Du die nicht orthodoxen jüdischen Gruppen sehr stark unter dem Einfluss der Strömungen stehen, die die 6EDENKET DER WAISEN! Spendet anlässlich der hohen Feiertage für die Badener jüdisohen Waisenhäuser

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