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Jüdische Presse · 1924-09-12 · 37 (12.9.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
37 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 250 \v^mrn,mnmw ך- -י•--־יי■«*- י HERREN- KNABEN- KINDERKLEIDER I Mass&bteilung bis zu den feinsten englischen Stoffen. Feinste, eleganteste Ausführung / Neueste Modejournale 1 liegen auf / Auf Vermeidung von שעטניץ wird streng geachtet / Um geneigten Zuspruch bittet hochachtungsvoll' I J. STERN, II., GLOCKENG. 25. Tel.4«'9'13 erst hier zu erfahren, dass ihnen zuhause ebensogut hätte geholfen werden können. Jeder von uns kennt die Massen von stellensuchenden Arbeitslosen und Emigranten, die sich aufs Geratewohl in irgendeine westliche Grosstadt durchschlagen, um erst hier zu hören, dass sie einen falschen, kostspieligen Weg genommen haben, dass <d׳er Arbeitsmarkt hier überfüllt ist und dass ihnen gerade in diesem Augenblick hier nicht geholfen werden kann. ■Eine richtige, zentralisierte Information würde das Uebe! der ״wilden Wanderumgen“ vielleicht nicht aus der Welt schaffen, aber wenigstens auf ein erträgliches Mass herabbringen können. Und schon das wäre genug. Ich spreche nicht von den Unsummen vergeudeter Gelder, die bisher dieses Konto belasten. Ich spreche von der sanitären und ׳moralischen Gefahr, die der wochenenlange nutz- und sinnlose Aufenthalt in der Grosstad't ׳mit sich führt, und von dem haltlosen Proletentum, das er erzeugt. 2• Aus der informativen ergibt sich die kopulative Funktion des Verbandes. Die an'gedeutete Zusammenarbeit der Landeszentralen mit der Pariser Exekutive wird — namentlich bei plötzlichen Kata- Strophen, aber auch sonst — eine planmässige Fest- Stellung und Zuweisung neuer Aufgaben, eine ökonomische Aufteilung der verfügbaren Kräfte ermögliehen. 3. In die selbständige Funktion des Verbandes fäli’t als erste, dringliche Verpflichtung die Auffüllung vorhandener Lücken im Länderhilfswerk. Es gibt genug Beispiele *dafür, dass einzelne Länder ihr Hilfswerk noch nicht in •moderner Weise entwickelt und sich aus alter Gewohnheit im Uebermass auf die Hilfe des Auslandes eingerichtet haben. Hier heisst es, die bodenständigen Kräfte zur Selbsthilfe zu organisieren. 4. Endlich die vierte, die sittliche Funktion• Sie enthält und umfasst alle übrigen. Sie ist die edelste, verheissungsvo-llste Aufgabe des künftigen Weltverbandes: die Ausschaltung aller persönlichen, lokalen und parteilichen Sonderinteressen, der Kampf gegen die schädliche Zersplitterung, die Erziehung zu einer allgemeinen, reinen Humanität. Bei einer genauen Durchsicht dieser vier Funktionen, aus denen sich eine Fülle von höchst •notwendiger und durchführbarer Sozialarbeit ergibt, mache ich die angenehme Entdeckung, dass sie ohne Gel!d — oder fast ohne Geld — erfüllt werden können. Voraussetzung ist nur die Willigkeit der bestehenden Hilfswerke, deren Autonomie auch ich in keiner Weise angetastet sehen möchte. Der Weltverband soll sie Ja, der Dichter hofft Ruhe zu linden. Wie alles hier im Lande ganz anders ist. Sieh' doch, wie die Na׳ur Frieden atmet. Und er besingt die Herrlichkeiten der Natur. Sonne, Mond und Steine. Woher empfangen alle Licht? Alles, alles wird dur :!!leuchtet vom Glanze Gottes Augesichts. Die Sterne weit und klar Das tiefe T11 dort unen. Sei ruhig: vor Gottes Angesicht, Flüstert alles: Friede, Friede“. Plötzlich. Ein Aufschrei. Auch hier' bin ,oh der tut gequälte Main. Mich martert das Rätsel und seine Euthii'lung. Was nutzt mir schliesslich die Eririllimg? Immer, immer tra.bt m cl: stolzer Wahn. Und Gott schickt ihn. den Satan. Den oöven Trieb. Die Verführung. In heiligsten Augenblicken flüstern sie lockend. Soll er denn niemals Ruhe finden? Gott: warun sendest du n׳ir ruhe’osc Sange, Die mich in unseren heiligsten Gebeten stören? 1Ach, heil‘ mich doch von all meinem Verlangen Und schenk mir Friede. Und immer wieder blinzelt Satan. Hiob. Hasses Aufbegehren. Was, hier in Jerusalem, der heiligen Stadt? *) de Haan: Jerusalem (L. Sänger, Vertag, Frankfurt. JÜDISCHE PRESSE alle ia nur aus ihrem - bewussten oder absichtslosen — Gegeneinander zu einem ehrlichen, freundliehen Miteinander bringen, also den lange erwünschten, autoritativen Vermittler spielen. Ein kleiner, aber -nicht unwichtiger Schritt auf dem Weg zu diesem Ziele wäre schon damit getan, wenn die dem Weltverbattdie angeschlossenen Örganisationen auf ihren Briefschaften und Druckschriften einen gemeinsamen, von •Künstlerhand gezeichneten Stempel trügen und daneben einen kurzen einprägsamen Satz, *der ihn näher erklärt• ln der Praxis könnte dieses unscheinbare Ding seine Wunder tun: es könnte die einzelnen Hilfswerke vor dem Widerstand bisheriger ״Konkurrenten“ schützen, diese vielleicht gar fallweise zur Mitarbeit bestimmen und den Aktionen aller Beteiligten den ideellen Beistand des WeftVerbundes verleihen . . . Ich komme zum Schlüsse: Ich glaube an die Zukunft des Weltverbandes. Und eben deshalb darf ich auch nicht an jene allgemeine Müdigkeit des Gebers glauben, von der liier mehrmals gesprochen wurde. Ich sehe nur eine gründliche Veränderung — auf Seite des Helfers und des Hilfesuchenden. Die maschinengewehrmässige •Herstellung von Waisen und Witwen hat augehört. Aber die Maschinengewehre haben vollkommene Arbeit geleistet, die Witwen und Waisen sind geblieben• Und daneben abenteuerliche Mengen anderer Kriegsware. Das Elend ist mir allmählich geräuschlos geworden. Unsere Arbeit!muss sich darnach entrichten, auch sie muss geräuschlos werden. Der Terror der grossen Worte und Zahlen hat — wie Frau Müller schon gesagt — keine Wirkung!mehr. An Stelle der Hilfe durch Proklamationen, muss die Hilfe durch Organisation treten. Sie muss statt extensiv jetzt intensiv!betrieben, muss in jedem Falle Aufbau werden. Und sie muss im neuen demokratischen Geiste unserer Zeit sich in unermüdlicher, überzeugender -Arbeit an die grossen Massen wenden. Denn wenn erst die Massen das Neue: eine Organisation aller tiefer ־־־־ also ihren eigenen sozialen Spiegel — im Wdtverban.de erkennen werden, dann wird ihnen durch uns und uns durch sie geholfen wer- Wo erhält man den wirklion naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haarerbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach jahrzetintelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nach* geahmt sind. Nach eineth Besuche in' dem Atelier des Herrn Balla wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschlossen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höüichxt eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Balla, Wien, IV., Gusshausstraase 26 Telephon 58-9-12 ln Amsterdam war sie mir heilige Stadt. Hier ist es eine Stadt geheimnisvoller Strassen. Er will Ruhe finden. Er Will. I!st das Gerechtigkeit: tut das Rechte und -muss höllische Seelenqualen erdulden? Gott, warum lässt du mich die Stimme der Verführung hören? Gott, bestehst du •überhaupt? Willdes Aufbäumen. Prometeus. Grenzen der Menschheit. Alles nebeneinander. Auf, ab. A׳uf, ab. Vierzeiler von rasendem Hasse -folgen. Hass gegen sich. Hass gegen alles. Warum schickst, Gott, den Satan du mir, auch nach Jeruschalajim, der heiligen Stadt? Und daun wieder Resignation. Der Prediger sprach: ״Eitelkeit der Eitelkeiten“. War‘s denn nacht eitel, dass er‘s aufbewahrte? Dichter: lass von Gedichten ab und auch Gebeten. Kein Lied ist ewiger, als die sich drehende Erde. Ob Gott besteht und ob er hört Das Flehen meines gebrochenen Wort‘s? Ob er nicht bebt, wenn ich schluchzend flehe? Gott allein weiss es. Nun singt er: wenn das Leben vorbei ist, ist alles vorbei. Geroiesse das Leben. Koheletstimmung. ״Geh, iss in Freuden dein Brot, trink •frohen Herzens den Wein, denn Gott hat sich schon längst mit deinem Tun abgefunden.... A11 das, was du mit eigner Kraft tun kannst, tue. Denn im Grab, wohin du gehst, gibt es weder Tat noch Berechnung, •Kenntnis und Weisheit.‘ (Kohelet Kap. 9). — V. Heimweh nach Holland. Wen11‘s weder Tag noch Nacht ist, Bevor die Sterne am Himmel steh‘n, Wenn der Wind so wundervoll sacht ist, Lass‘ ich meine Träume nach Holland geh‘n. Es ist unmöglich, alles zu bringen.!Erhört Gott seine Gebete? ״Kehre zurück. Ich habe dir vergeben.“ In Holland war es gesprochenes Wort. Jerusalem.... hier!blüht das heiPge Leben. Die Klagemaiier.... Gott hat mein Beten erhört. Und dann •geht‘s immer weiter. Immer weiter. Schlaflose Nächte. Angst vqr dem. was kommen wird. Der Verführer an der Klagemau«r. Heiligster Friede wechselt mit grausamster Unruhe der Seele. Die Verführung. Nr. 37 Verein für die jüdischen Intereeeen Rheinlnnde (E. V. Coln, Hohenstaufenring U | Unser ״Verlag des jüdischen y<11k«freundeeu lässt einet von Herrn Rabbiner Dr. WolfCöln bearbeiteten Pentateuch Cammentar in Druck gehen. Dieser Commen ar 80)1 in einzeln Wochen abachnitten in Broschürenform erscheinen. Voraussichtlich all tftonatljch eine Broschüre mit einem Wochenabschnitt. Preis! für jede Broschüre Mrk. 0.60 pf. Abonnieren aj# eofor in unserem Bureau: Cöln, Hohenstaufehring 14. Postscheck konto Cöln 50648. den- Und diese gegenseitige Hilfe wird von Dauer sein. Ich verkenne nicht die Mühe, •die uns bevorstellt. Aber die Idee der gemeinschaftlich tätigä Humanität wird verwirklicht werden, aus eine-m seht reellen Grunde: weil sie verwirklicht werden muss Denn jeder von uns weiss, dass sonst aVle Hilfswerke zugrunde gehen. Wir haben keine Wahl. Um schweisst im Augenblick die bittere Notwendigkeit zusammen, morgen wird es, so hoffe ich, die freie herzensfro'he Brüderlichkeit sein. Ich glaube, das ist keine Utopie. Und wäre es eine, sie wäre wert, sich ihr völlig hinzugelben. Denn am Anfang jedes grosser Fortschrittes steht die Utopie. Und die Utopie von heute sind die Wahrheiten von morgen. Die erste Jahreszeit Dr. Rosenaks. In •dieser Woche jährte sich der Tag, an dem -die jüdische Welt d!ie ersciitternde •Kunde vom Tode Dr. Leo• poikl Rosenaks durcheilte. Auf der Rückreise von Amerika starb -er an Bord des Schiffes; er, der hinübergegangen war, um den vertriebenen Brüdern eine Zukunft, der Heimatlosen eine neue Heimat zu bereiten, kelirte nicht mehr in sein Bremer Haus, zu der seiner harrenden Ge• mein-de zurück. Er starb in der Fremde, ein Opfer seine! unermesslichen Menschenliebe, die ihn bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit getrieben hatte. So ist er einer von den vielen im jüdischen Volke, die beim Dienst an W-erk, mitten in der Ausführung guter Taten plötzlich den Leben entrissen wurden. Ich selbst habe Dr. Rosenek im Osten als Feldra'bbiner kennen gelernt, und ich schreibe diese Zeilen zur Ehrung seines Gedächtnisses, und um der Allgemeinheit fn die Erinnerung zurückzurufen, was Dr. R. für die Juden und -das Judentum während seines mehrjährigen Aufenthaltes •in Litauen geleistet hat. Es wäre vergebliche Mühe, wollte man!durch Aufzählung von ׳Einzelheiten aus diesem so taterfüllten, reichen Leben ein Bild seiner Persönlichkeit geben. Ich kann nicht mehr als versuchen, die Grundzüge des Wesens -dieses Mannes zu zeigen, so wie er sich uns damals von düsteren Hintergründe des litauisch-jüdischen Kriegselends abhob, von der •Kraft sprechen, die auf das gesamte wirtschaftliche und geistige Leben von ihm ausströmte, zu eine# Zeit, •da ׳in der entsetzlichsten äusseren Not alles geistige Sohaffen unterzugehen drohte, die Erziehung der Jugend darniederlag, die •Autorität des Alters erschüttert war. Mil! Die Sterne leuchten, es wird düster Im heiligen Jerusalem. Abendgebet. In Wlndgeflüster, •Hör‘ ich deine Stimme. Dem Leser graut es. Angstschweiss rinnt einem von Gesicht. Die Vierzeiler überschlagen sich. Letzter Halm: alles, alles kommt von Gott. Das Gute. Das Böse. Die Qualen. Der Verführer. Die Menschen haben Freud‘ und Leid geschieden, Doch Gott hält sie wie Tag und Nacht zusammen. Ich kenne die Freude. Ich kenne das Leid Und pr-eise Gottes Einzigkeit. Wer nie mit Gott gestritten, Der kennt das Glück des Unterliegens nicht. Jedoch, von schweren Herzenspeinen besiegt, Weiss ich zu gut nur: Meine Hilfe ist Gott. VI. Erschüttert legt der Leser das Buch beiseite. Nui -eftn Menschenleben? Das Leben einer ganzen Zeit rollt( ab. Dies Buch ist ein grausiges Schildern eines Kampfe! um Go־tt. In 900 Kapiteln. Jedes Gedicht ein Kapitel. SS< alle gehören zusammen. Darf man Gedichte aus dem Buche herausreisser und •dann Schlüsse ziehen? Dummheit und Boshei könnend. Und der Dichter? Musste er diese Gedichte;heraus geben. Er wollte es. Gibt sie auf eigene Kosten heraus War's klug? Was schert ihn Klugheit. Wahrheit will er Wahrheit, nichts als Wahrheit. Was ich geschrieben, bleibt geschrieben. Was ich einst Böses tat, es bleibt getan. Ich sterb‘ getrost. Doch sie, •die leben, Sollen mein Lied, mein Leid und Jammer versteh‘«. VII. Wie ein Motto jammerte es über dem Ganzen: Die nach mfir kommen, lesen m-eane Kwatreinc. Sie werden schaudern, wenn sie versteh’«, Mit welcher M;rieruag von Herzenspeinen Ich singend durch das Leben musste gch'n. ״Der Dichter. Wer mich versteht, versteht siel selbst. Penn siehe, ich bin nur euer tönend gewordene stummes Herz.“ Peter Alter,bürg sagt es einmal Da tönend gewordene stumme Herz. Ja, das ist es. ״Siebe! terl bin nichts anderes als Gottes Aufbewahrungsort für all verkümmerten und zerstörten Seelen.“ O, er liebt das Laad Und die jüdischen Me.,sehen. Die Talmudisten. Die Jemeniten. Bunt wechselt das Bild. Und der Sabbat in Jerusalem ״Wenn der Sabbat in unserem Leben das Heiligste ist, dann muss Sajb.tt in Jerusalern gewiss -das Al.erheiligsie sein.“*) Aber schau doch nur die!Menschen an. die nun irs Land komm(*!!. Die Kinder Zions. Reinster Idealismus bring1 sie ins i and. Wer leugnet es? Aber vor ihrer. Augen schweben etropärsche Ideale. Und er, Jaob Israel de!Hann, wollte doch fort, weit fort von aller europäischer Kultur, die Unsegen auf •die Erde brachte. Tritt ais der ji;:l;sch-nar'.׳nalistischen Organisation aus. Es sind europäische Juden, l ud er suchte jüdische Juden, die .len S;bbat und die Festtage zu heligen verstehen. Die, wie er. s'.clr zu Gott sehn׳ n. Die Gott suchen. — Misrachi. Agudas .;,.sroel. B&5IEB8

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