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Jüdische Presse · 1924-09-12 · 37 (12.9.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
37 (12.9.1924)
Date
1924-09-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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*י■ ׳■׳'.‘V״ V. b. b. uaivor8itä tsblbliothak I״/ yraazonsrlng. bok> ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II., Malzgasse 12 a. - Telephon 49.054. Ttchecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise < Ganzjährig: Für Oesterreich K 80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Ztoty 8, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer äst. K 2.000. Zahlungen ffir Oesterreich 1 PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; ffir Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; ffir Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tscnecho-Slowakel: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; ffir Jugoslawien: Postap.• Amt Agram, Ko. N. 40.217; {.Rumänien: Banca Marmarosch Blanc ft Co ffir Florenz ftCo,Bukarest; ffirdieSchweis: Postscheck!:. Luzern VII. 1470. «r. 37 Wien-Bratislava, 12. September 1924 .ביה ויענה־פרעסםבורג מ אלול תיפ״ד 10• Jahrg.; Wien, 13. Flui. Das!bezeichnendste Moment aller Nachkriegs־ Zeiten in der Weltgeschichte war ein Versuch, all die Schranken niederzureissen, welche vor dem Krieg in Sitte und Sittenreinigung der Menschen bestimmt hatten. Der psychologische Prozess ist klar. Die gemeinsame Gefahr, wohl auch die gemeinsame Ein- Stellung auf ein grosses, ideelles Moment nivellieren schon bei Beginn eines Krieges viele Unterschiede. Was früher gross erschien, bewährt sich nicht, was früher als Kleinigkeit, gewinnt wichtige Bedeutung. Nun gar in einem Land, das einen Krieg verloren hat! ln den Abgrund des Umsturzes der äusseren Autoritätsformen sinken sehr oft auch grosse innere Werte und es bleibt späteren Geschlechtern Vorbehalten, aus dem Trümmerfeld einer ganzen Generation das Gute, Ewige, Segensreiche, Heilvolle wieder aaiszaigraben. Wie müsste nun aber die Menschheit dem Leibenskünstler dankbar sein!, der in allem Umsturz das Gute und Grosse nicht etwa nur für sich, sondem für all seine Zeitgenossen und für die kommenden Geschlechter unversehrt gerettet hat• Dieser Lebenskünstler ist der thoratreue Jude, thoratreu nicht nur in Befolgung der Gebote, thoraitreu vielmehr auch in Weltanschauung und Lebenserfassung, thoratreu auch in dem Mut, diese Anschauung zu künden und zu vertreten, thoratreu in der Unbestechlichkeit und im Ausharren gegenüber einer Welt voll ׳Hohn und Verkennung. Ein Beispiel genüge. Auf keinem Gebiete haben die jüngsten fünf Jahre dem äusseren Anschein nach grössere Umkehr erzeugt, als auf dem der ״Stellung“ der Frau, wie man es zu nennen beliebt. Wir wünschten, dass einmal eine echt jüdische Frau ihr Votum Oie ״Kwatrijnen“ von Jacob Israel de Haan.*) I. Man muss des Dichters Leben kennen, um den sittliehen Mut zu bewundern, der sich in der Veröffentlichung dieser vielen hundert ״Vierzeiler“ offenbart. Zwingt jemand den Dichter, dieser Ergüsse geheimnisvollsten Seelenlebens dem täppischen, rohen Publikum vorzusetzen? Niemand. — Es sind Vierzeiler, von denen er wissen konnte,, dass sie, in Hände seiner feindlichen und böshassenden Brüder gelangt, ihm zum Schaden ausgenutzt werden konnten. De Haan war allzu klug, um all dieses nicht zu wissen. Und doch? Warum? Ihn zwingt Wahrheitsdrang. Wahrheit, nur Wahrheit. Er muss es sagen. Wahrheit!! — II. Des Dichters Lebensgang. Ein Kampf um Gott. Sein Vater jüdischer Religdonslehrer. Autokrat. Hält den Sohn streng zum gesetzestreuen Judentum an. Die Erziehung wirkt gegenteilig. Jacob Israel verlässt als Atheist das Elternhaus. Wind radikaler Zionist. Ergreift den Lehrerberuf. Arbeitet daneben schriftstellerisch. Bekommt mit dem Schulleiter pädagogische Auseinandersetzungen. Will nicht parieren. Man droht ihm Entlassung. Macht nichts. ״Wenn Sie ein Bauer sind, — ich bedanke mich dafür, Bauersknecht zu sein.“ Verlässt die Schule, gibt den Leb- *)Ueber den Inhalt der zuletzt von de Haan erschienenen Gedichte geht uns obensteheiide Besprechung zu, die es unternimmt, das psychologische Rätsel zu klären, wieso de Haan, trotz Abraten ihm nahestehender Kreise, es als ein Gebot innerer Wehrhaftigkeit empfand, den inneren Aufstieg seiner Seele, die inneren Kämpfe bis z!ur richtigen!Höhe des Baal Teschuboh lyrisch Ausdruck zu geben. in dieser Frage abgebe, eine stolze, vornehme, echte jüdische Frau, die von der ersten Frau Chawa den Beruf geerbt hätte, eine Kol chaj zu sein, ׳als Mutter a;»1 e s Lebenden sich zu begreifen, lebensstark alles von sich zu weisen, was des Sterbens Keim in sich trägt. Sie würde es wohl zunächst ablehnen, Waffen zu tragen, das Instrument des Tötens, denn also begreift einer der ältesten Erklärer das Thorawort, dass des Mannes Gewand nicht sein soll an einer Frau. Als Bote des Lebens soll sich die Frau begreifen, und jedes Leben ist keusch. Geräuschvoll, aufdringlich und auffallend sind nur die Symptome des Sterbens; die welkende Natur gleis-st bekanntlich in den lautesten Farben, die werdende hingegen leuchtet schlicht und sonnenfroh. Ach, wenn die Modekünstler wirkliche Leibenskünstler würden und ׳wenn unsere Zeit, sich entschliessen könnte, in der Kleidung ein Heiligtum der Verinnerlichung des Lebens zu erblicken. Und doch ist schliesslich die Exzentrizität in der Geiwandung nur ein׳ Zeichen einer ohnmächtigen Auflehnung gegen die Gesetze des Lebens, Keine Seele wehrt sich gegen das Sterben. Die Männer, die entgegen jüdischer Sitte barhäuptig promenieren, sind ebenso ein Opfer einer Zeit törichten Umsturzes, wie die Frauen, welche der Verinnerlichung des Lebens abhold, nur nach Geltung auf dem Markte des Alltags haschen, und' sei es nur durch starke Betonung der Schrankenlosigkeit in Aeusserlichkeiten• In fünfzig Jahren werden suchende Menschen der thoratreuen Frau dankbar sein^die einer irrenden Weit zum Trotz als Hüterin des e#ig׳־Lebenden und darum•׳ ewig Wahren sich bewährt hat. rerberuf auf. Nimmt einen Posten bei der staatlichen Reächsversicherungsg.Seilschaft. Jede freie Minute wird zur Weiterbildung benutzt. Die ersten Gedichte erscheinen. Die russische zaristische Regier mg ladet ihn ein, die Lage der politischen Gefangenen zu prüfen. Man erwartet von ihm natürlich prorussische Berichte. De Haan besucht die Gefängnisse. Die Regierung hat ihm einen Dolmetscher (zur Ueberwachung!) mitgegeben. Er aber spricht mit den Gefangenen englisch, das der Dolmetscher־ nicht versteht. De Haan schaudert, als er die wahre Lage der Gefangenen sieht. Knüpft Verbindung mit des Zaren Neffen an. Erwirkt für einige Erlass und Verkürzu ,n der Strafen. Aber nur für einige. Schreibt, heimgekehrt (1913), seine Anklageschrift .,Aus den russischen Gefängnissen“. Muss seine Beamtenstellung auf geben. W«rd Xt׳\rbeiter der Monatsschrift ״De Gids“. Arbeitet immer \v״!ter an sich. Nur nicht rasten. 1910, 35jährig, erlangt er den Doktor der summa cum laude. Wird im selben Jahr noch als Privatdozent für rechtskundige significa an der Amsterdamer Hochschule zugelassen. Hält Vorlesungen. Gibt Stunden. Veröffentlicht neue Gedichte Arbeitet journalistisch. Aber die innere Ruhe bleibt ihm versagt. Am Tag ersehne ich den Abend. Vielleicht steigt er mit kühler Milde nieder Und abends, keuchend anstatt labend, Ersehne ich den Morgen wieder. III. Nun findet er langsam den Weg zurück zu seinem Volke. Zum Judentum. Wie, ist er überhaupt noch Jude? Hat er doch hundertfach gefrevelt. Das Gesetz gehöhnt. Gibt es für ihn überhaupt noch innere Ruh(.׳? Wird je ihm verziehen werden? Wann? Wo? Tausendmal mag er sich‘s gefragt haben. Die Fragen quälen ihn. — In seinem Studierzimmer hängen zwei Tafeln mit hebräischen Inschriften: Der Weithilfsverband. Von Univ.-Prof. Dr. Max Eisler. (Schluss.) Bei der Aufstellung des Programms, bei deim Ausbau seiner Organisation, wird sich der Verband mit vielem Nutzen der Erfahrungen bedienen, welche ihm aktive Verbände von ähnlicher Tendenz, wenn auch kleineren Formats, schon liefern können. Ich denke ׳da vor allem an die zentrale ׳Wohlifahrtsstelle in Antwerpen, wobei ich keineswegs verkenne, dass dem Weltverband nicht nur grössere, sondern auch Aufgaben anderer, neuer Art bevorste'hen. Vielleicht ist es gut, diese vorerst allgemein zu überblicken, bevor ihnen das Statut, das zur Beratung steht, ׳eine praktikablere Fassung ׳gibt. Ich meine, dass sich die künftige Arbeit des Verbandes auf die folgenden vier Funktionen aufteilen lässt; 1. auf eine ,informative. Die Voraussetzung wäre schon hieflür, dass sich in jedem Gelbiet die wichtigeren Einrichtungen sozialer Hilfe einer Landeszentrale anschlössen und dass die Landeszentralen wiederum den Weltverband als ihren natürlichen Mittelpunkt zunächst für Informationszwecke, anerkennen. Wenn nun die Landesverbände ihre laufenden Noitstandsberichte untereinander austauschen und zugleich nach Paris kommen liessen, würde schon allein durch diese Korrespondenz eine ungemein nützliche und notwendige, prohibitive Hiftsanbeit geleistet werden. Um nur eine Beispielsreihe anzuführen: Jeder von uns kennt zahllose Fälle von kranken Leuten, die sich unter Entbehrungen!und Strapazen schlimmster Art aus Polen nach Wien schleppen, tim m ״Jisroel af al pi schechoto jisroel hu“ und ״Ubo lezijon gau־el Ul‘schowe Pescha bejaakob n‘um Haschern“. Das waren wohl die Antworten, die er sich gab. Er bleibt Jude. Es gibt eine Rückkehr zu Gott. Es gibt Sühne. Nur in Zion? Nein. Aber dort wird er Ruhe finden und vom Fluche der Unruhe erlöst werden. 1919. Als einer der ersten Pioniere fährt er nach Erez Jisroel. Ueber London. Italien. Die Vierzeiler erzählen es am Anfang. Möchte er doch nur Ruhe finden. Die Stimme Jerusalems: durch allen Lärm Tönt der Ruf, durch dunkle Nacht. Wie ׳die Mutter tröstet, wenn die Söhne klagen, Tröstet die Stadt der Städte unsern Schmerz. 0, lass mich Gottes Dichter sein, so lang‘ ich lebe Und singen möcht‘ ich ihm, so lange ich bestehe. 0, dass mein Lied, das ich mit Schmerzen gebe, Wie Opfenduft vergehe. IV. Nun ist er in Jerusalem. Hat das Gefühl von Zuhausesein gefunden. Der erste Sabbath. Durch deine Strassen Zieh‘ ich verwundert hin. Ein Fremder? Nein, nicht verlassen bin ich, Seit Gott mein!Flehen erhörte. An der Klagemauer. — — — — Meine Lippen küssen und die Hände streicheln Die Steine der ewigen Klagemauer. Freue dich! Als der Söhne ersten einer Komm‘ ich zu dir in dieser gesegneten Stunde. Gott kennt die Schmerzen, die alle Tage Das Herz beschleichen, dem vor der Nacht graut. Gott erhört alle. Doch zuerst die Klage Die an der Tempelmauer fleht. Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie1 es" nicht Wiens GRÖSSTE internationale KUNSTWERKSTATTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für ggä׳ PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN OTHMAR SCHIFF, WIEN, 1״ KXRNTN ERRING Nr. 6 aufzutuchen I Liefen seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder Perücken• Speziellst in Brautscheiteln. Die Herstellung einer Jeden einzelnen Perücke erfolgt •ui GARANTIERT DAUERQEWELLTEM NATURHAAR, In• dlvlduell dem Gealohte angepaast. EN QROS. Grosse• Lager u. reichhaltigste Auswahl In Pertloken modernster Frisuren• EN DETAIL. 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