Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 35 (29.8.1924)
- Date
- 1924-08-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 238 Nr. 35 Anwesenheit Weitizmanns in Amerika hat ,Wandel geschaffen. Die amerikanischen Bankiers und Geldgeber haben ihre Bedingungen gestellt, die auf einer New Yorker Palästina-Konferenz amerikanischer Juden am 17. Februar d. J. formuliert wurden. Das grosse zionistische Aktionskomitee hat in seiner Märztagung zu der amerikanischen Konferenz folgende Steilung genommen. ״Die zionistische Organisation erblickt in diesen Tatsachen einen wichtigen Schritt vorwärts auf dem Wege der Heranziehung der gesamten Judenheit zur Mitarbeit am Aufbau der nationalen Heimstätte, die ihre erste Ausdruokform in der Schaffung eines Jewish Council für Palaestina finden soll, Das A. C. fordert daher die Exekutive auf, ihre Bemühungen zur Bildung eines Jewish Councils mit aller Energie fortzusetzen.“ Nach diesem Beschluss wollte die Majorität des grossen Aktionskomitees die Monopol- Stellung der Jewish Agency uneingeschränkt für sich selbst behalten. Bloss ein Council soll gemeinsam mit den übrigen an Palästina interessierten Körpersch'aften und Persönlichkeiten gebildet werden. Die Amerikaner haben selbstverständlich diese Zumutung zurückgewiesen und an ׳der jüngsten Aktionskomitee־ Sitzung im Juni ist Dr. Weitzmann neuerdings für die klar formulierten Forderungen der Amerikaner mit Entschiedenheit eingetreten. Es gelang ihm auch, seine Forderungen trotz heftiger Opposition durchzusetzen. Nach verlässlichen Berichten wurde nun in Uebereinstimmung mit dem amerikanischen Komitee als unabänderlicher Grundsatz festgesetzt, dass die zionistisehe Organisation ,in der Jewish Agency und in allen ihren Neben- und Unterkörperschaften 50 Prozent der Sitze innehaben soll, es sei denn, dass die zionistische Organisation selbst eine Aenderung in diesem Arrangement vorschlägt. Die zionistische Organisation wird die Hälfte der Mitglieder aller Organe der Jewish Agency nach Gutdünken ernennen; sie allein hat das Recht, ihre Vertreter in die Agency zu entsenden oder sie zurückzurufen. Die legislative Körperschaft der Jewish Agency ist der Jewish Council, der sich aus 150 Personen zusammenset'zt, von denen die eine Hälfte allein von der zionistischen Organisation, die andere Hälfte von den Juden der verschiedenen Länder und den grossen in Palästina arbeitenden Organisationen ernannt werde. 40 Prozent der Sitze für die Nichtzioriisten, das sind 30 Sitze von 75, sollen von der Judenschaft ׳der Vereinigten Staaten eingenommen weden. Jede Vermehrung der nichtzionistischen Mitglieder im Council über die Zahl 75 hinaus wart automatisch eine entsprechende Vergrösserung der Zahl der zionistischen Repräsentanten zur Folge haben. Die Exekutive der Jewish Agency setzt sich aus 14 bis 16 Mitgliedern zusammen. Der* Präsident der zionistisehen Organisation ist zugleich der Präsident der Agency-Exekutive. Der Präsident leitet die politischen Agenden. Wie aus diesen Bestimmungen zu ersehen ist, wird die zionistische Monopolstellung selbst in der Exekutive der Jewish Agency, wohl der Form nach, aufgegeben, die zionistische Machtstellung aber hinlänglich geschützt. Trotz dieses Umstandes konnte weder ein einstimmiger, noch ein klar eindeutiger Beschluss des A. C. erzielt werden. Einen endgültigen Beschluss soll der 14. Zionistenkongress, der aber nicht, wie Weitzmann verlangt hat, schon im Winter, sondern erst im Sommer nächsten Jahres stattfinden soll, fassen. Es soll noch hervorgehoben werden, dass der High Commissioner von Palästina, Sir Herbert Samuel, in einer Sitzung des Aktionskomitees erschienen ist und sich über die Jewish Agency folgend geäussert hat: ״Was die Vorschläge über Erweiterung der Jewish Agency betrifft, so sei es wünschenswert, dass auch die nicht in der zionistischen Organisation vertretenen Juden für den Aufbau des jüdischen Nationalheims durch die Jewish Agency herangezogen werden.“ Bei dieser Gestaltung der Dinge wird man nach aller Wahrscheinlichkeit auch an die Zentralleitung der Aguda herantreten. Agudas Jisreol selbst hat zur Frage der Jewish Agency anlässlich ihrer Breslauer Zentralratssitzung im Dezember 1922 Stellung genommen und die Bedingungen einer etwaigen Beteiligung an der Jewish Agency folgend formuliert; ״Die Ent- Sendung eines Vertreters oder mehrerer Vertreter in die Jewish Agency ist für Agudas Jisroel nur dann möglich, wenn a) gleichzeitig die im Mandat nur als vorläufig vorgesehene Monopolstellung der zionistischen Organisation für beendet erklärt wird, b) wenn jede Majorisierung in Angelegenheiten, die von der A. J. religiöser Natur oder mit der Religion im Zusammenhang stehend bezeichnet werden, ausgeschlossen wird.“ Die Kenessio im El ul vorigen Jahres hat die Breslauer Beschlüsse in bezug auf die Jewish Agency feierlich bestätigt. Der in dem ersten Teil des Beschlusses ausgesprochene Wunsch nach Beendigung der Monopolstellung der zionistischen Organisation scheint wohl der Erfüllung entgegenzugehen. Die zionistische Organisation ist nun einmal gezwungen, ihre Monopolstellung aufzugeben. Es ist festzustellen, dass der N e u t r a 1 i s i e r u n g s p r 0 z e s s def Jewish Agency im besten Gange ist. Seit dem Sommer 1922 bis zum Sommer 1924 ist die Erkehhttiis, dass die zionistische Organisation allein Erez Jisroel nicht aufbauen kann, Gemeingut der Zionisten gewor- ראש השנה »2 wünschen Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Kunden, Giften und Bekannten כתיבה וחתיווה טובה in der ,Jüdischen Presse“. Sie ersparen Mflhey Perto und Zeitaufwand. Dagegen ist der Neujahrswuosch in der ,Jüdischen Presse“ billig und erfüllt vollkommen den beabsichtigten Zweck. a Das Inserat laut nebenstehendem Muster kestet eiaschliesslicn aller Steuern nur K 50.000 resp. Ke 25. b Jakob Eisenstein u. Frau Wien, II., Schreig. 12 Isak Adler Selchwarenhandlang Wien, II., Czerning. 9 Da wir nur eine bestimmte Anzahl von Druckseitm für diese Neujahrawünsche reservieren können, empfiehlt es sich, ehestens den untenstehenden Bestellschein auszufüllen und in einem Briefumschlag an die Adre«*e: ״Jüdische Presse“, Wien, II. Bez., Malzg. 12 a, oder Bratislawa, Turnerg. 14, zu senden. -Ausschneiden! --- B estellschein . . _ ״ Wien, II. Malzg. 12 a Ad d־״ .Jüdische Presse‘, b״u.i,w., rurnerg.lt Ich bestelle biemit einen Rosch-Hascbono-Glückwunsch K 50.000 Muster a), b) zum Preise von gyjjj־- Name: Genaue Adresse: Besondere Wünsche: am Unterschrift: AUFRUF. Sammeltag für das Kriegswaisenhaus in Baden. Die finanzielle Krise, in die unser gesamtes Wirtschaftsleben geraten ist, hat leider auch unseren Kriegswalsenfonds erfasst, so ■dass düe Weiterf ü h r u n g des Badener Wai senfoiaai s e׳s arg gef ä h r d ׳e t erscheint. Um die Mittel zur Fortführung des Betriie- ׳bes zu erlangen, hat sich ein Zentral-Hilfskomitee gebiiilldet, d׳em es gelungen ist, die Bewilligung zu elinam am Sonntag den 31. August 1924 sta/tttömdenden Häuser-Satnrn eitag zu erlangen. Gleichzeitig ־werden in allen übrigen Kuro r!t e in und׳ sonstigen Städten Niederösterreichs und des Bungenlanldes Sammlungen angeregt, an denen sich unsere Glaubensbrüder in weite st gehendem Auismassse beteiligen mögen. Ein günstiger Erfolg bedeutet die materielle Rettung unserer herrlichen Schöpfung. Daher ist es Ehrenpflicht jedes einzelnen, sich mit allen Kräften in •den Dienst der edlen Sache zu stellen! Der Vorstand des KrIiegswaisenfonicLs der Agudäs Jisroel. AN UNSERE P. T. LESER! Wir machen unsere Leser auf die in unserer heutigen Nummer veröffentlichten M i 11 e 11 u ngen der Adas Jisroel (Schiffschul) aufmerksam. Wo •rhätt man don wirklien naturgetreuen SCHEITEL? Den bskiimten Spezialisten künstlicher Haarsrbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es naeh jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel betsustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Tiuachung nach- Snhmt sind. Nach einem Betuche in dem Ateher den wnt Bella wird •ich jede orth. BrautJfeiehten und freudigen Herzen• entseküesaeo. das eigene Hau abschneiden zu Usien und einen Scheitel tu tragen. Die Data» Werden iüth Betuche de• naehstehCbdMi AteUm köftfehst angsfadan« waaelhtf Modell• kastenles ausprohiart werden, Franz Balla, Wien, I1T., Gusihausstrasse 26 Telephon 68-9-18 Bitte beaohten! Infolge der bevorstehenden Zollerhöhungen, die eine bedeutende Preissteigerung der Stoffe und Zugehöre verursachen wird, in es empfehlenswert, jetzt schon die H»rbgt- und Winterkleider anzuschaffen. Zur Besichtigung meines bereits fertigen Lagers von כשף gearbeiteten Kleidern und meines bestsortieiten Vorrates von Stoffen für Massbestellung^n, lade ich ein P. T. Publikum •in. Hochachtungsvoll 1■ Stern t Herrenkleider. Wien, II., Glockeng. 25. Tel. 46913. den, und da die übrigen Teile und Gruppen des jtidisehen Volkes politisch nicht mehr so unreif sind, sioh von der zionistischen Organisation vertreten zu lassen, muss auch die jüdische Vertretung als Monopolstellung der Zionisten aufgegeben und eine neutrale Jewish Agency gebildet werden. Wenn auch nun die formelle Seite des in Breslau ausgesprochenen Wunsches des Zentralrates der Aguda der Erfüllung nahe ist, erachten wir den Zeitpunkt für eine Beteiligung der Agudas Jisroel an der Jewish Agency für noch nichtge kommen. Wir würden es sogar vom Standpunkt der politischen Moral für sehr wünschenswert erachten, dass, vorausgesetzt, dass diese Ansicht von der verantwortlichen Zentralleitung der Aguda geteilt werden würde, dies mit aller Klarheit ausgesprochen werde. Wir möchten unseren Standpunkt folgend begründen: Agudas Jisroel hat programmatisch erklärt, für Erez Jisroel zu arbeiten und auf Grund ihrer Prinzipien an der Besiedelung des heiligen Landes teilzunehmen. Diesem Willen hat auch die Kenessio einen feierlichen Ausdrück verliehen. Es sind nach wie vor ernste Anstrengungen gemacht worden, um diesen Willen in lebendige Tat umzusetzen. Es ist aber zurzeit, bei aller Würdigung des bisher Geleisteten, noch nicht sehr bedeutend, was Agudas Jisroel an sogenannter praktischer Arbeit in Erez Jisroel geschaffen hat. Das Ausmass ihrer Beteiligung an der Bildung der jüdischen Agentur im gegenwärtigen Zeitpunkte könnte aber sicherlich nur an der Wirklichkeit der vollbrachten Leistung und nicht an der Möglichkeit latenter Energien und künftiger Schöpfungen gemessen werden. Nun glauben wir, dass eine Beteiligung der Aguda an der Jewish Agency auf Grund der wirkliehen Leistungen die künftigen Mög- 1 i c h k e i t e n agudistischer Schöpfungen in Erez Jisroel nicht fördern, sondern unbedingt hemmen würde. Aus folgenden Gründen: Agudas Jisroel selbst steckt organisatorisch noch in den ersten Anfängen; der weit grösste Teil der «orthodoxen Judenheit konnte bis zum heutigen Tage organisatorisch noch nicht erfasst werden. Zwanzig Jahre misrachistischer Arbeit konnte diese orthodoxen Massen von der Richtigkeit der Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nicht überzeugen. Instinktiv lehnen diese Massen die zionistische Organisation als Vertretung des jüdischen Volkes und als die richtige Vetikörperung des Erez Jisroel-Willens des jüdischen Volkes ab. Agudas Jisroel hat nun die h i s 10 r i s c h e A u fgäbe, diese einstweilen unorganisierten orthodoxen Massen zu erfassen und die so gewonnenen Kräfte für alle Gesamtheitsaufgaiben des jüdischen Volkes ׳nutzbar zu machen. Agudas Jisroel hat auch auf diesem Gebiete bereits grosse Erfolge aufzuweisen. Wir «sehen aber auch, dass schon heute, da die Agudas Jisroel von der gesamten zionistisch-misrachistischen Presse ob ihrer Ablehnung der zionistischen Organisation so heftig angefe’indet wird, bedeutende orthodoxe Führer Misstrauen ׳gegen die Aguda wegen ihres Erez Jisroel-Willens haben, indem sie die Aguda mit der zionistischen Organisation, mit Misrachi in eine Linie stellen. Würde nun Agudas Jisroel sich an der Bildung der Jewish Agency beteiligen und somit eine gemeinsame Körperschaft mit den Zionisten und Misraohisten bilden״ ohne genügende Sicherheit der Respektierung ihrer religiösen Grundsätze, dann würde Agudas Jisroel dem Schicksal von Misrachi verfallen und eine Opposition von rechts bekommen, die sie u m ihrebedeutsamste und wichtigste Mission, um die organisatorische Erlassung der orthodoxen Judenheit bringen würde. Dies würde praktisch bedeuten, dass ei* grosser Teil der orthodoxen Judenheit in seiner Lethargie verharren und diese grosse Energiequelle auch für Erez Jisroel verschlossen bleiben würde. Man könnte wohl dieser Argumentation folgendes entgegenhalten: Zugegeben, dass die bisher unorganisierten orthodoxen Massen von einer an der gemeinsamen Jewish Agency beteiligten Aguda nicht mehr erfasst werden könnten, so würde dooh die Mehrheit der bereits organisierten Agudisten gewaltige Vorteile für Erez Jisro׳el bringen. Man denkt ja in diesem Zusammenhänge, dass dann Aguda und Misrachi, eventuell auch andere politisch-neutrale, a׳ber konservativ gesinnte Körperschaften eine gemeinsame Front bilden könnten und so besonders der religiös-konservativen Charakter des Aufbaues im heiligen Lande t retten könnten. Ueber diesen Einwand lässt sich folgendes sagen: Es ist eine allgemeine Erfahrungstatsache, dass die Opposition, und die religiöseil Gruppen würden sicherlich zunächst in Opposition sein müssen, sich hauptsächlich auf das Kritisieren be- #י