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Jüdische Presse · 1924-08-29 · 35 (29.8.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
35 (29.8.1924)
Date
1924-08-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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׳••"עגע»״£ JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration! Wien, II., Malzgasse 12a. - Telephon 49.054. Tachecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährig: Für Oesterreich K80.090, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 2b, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.900. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich! Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ka.N. 40.217; f.RamSnlen: Banca Marmarosch Blanc & Co für Florenz (k Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. *r. 35 Wian-Bratisiava, 29. August 1924 .ג*ה ויענודפחגםסבורג כ־ט אב תיס״ד IOa Jahpg. Wien, am 29. Ab. Segen oder Unsegen — es liegt in deiner Hand. Ein schweres und stolzes Lebensprogramm. Dreitausend Jahre kämpfen sterbliche Kinder sterblicher Mütter, indem sie sich dagegen sträuben, dieses Programm anzuerkennen, seine Konsequenzen auf sich zu nehmen. Während aber in früheren Zeiten diese Ablehnung vom Einzelmenschen ausging und sich auch nur auf den einzelnen Menschen erstreckte, war es unserer Zeit Vorbehalten, diese Absage an das jüdisehe Kulturprogramm des Allmächtigen auf die jüdisehe Gesamtheit auszuldehnen und eine fiktive Gesamtheitsvertretung zu schaffen, welche diese Absage zum einzigen Programmpunkt hat. Dass dieses V'erhältnis ,nicht in dieser Klarheit und Nüchternheit allenthalben erkannt ist, das ist das Kennzeichen einer Zeit des Unsegens. Die in den zehn Jahren Waffen- und Wirtschaftskrieges niedergetretene Persönlichkeit ist krank geworden und hat sich Geltungsbeweise geschaffen, für ,die eine Tiefe des Seelenlebens nicht eben sehr notwendig ist. Flachheit feiert Triumphe und sehnendes Verlangen der Seele, zum Segen zu werden, wird als Ausdruck eines ״weltfremden“ Idealismus Gegenstand des, ach, so billigen Hohnes. Wenn Seelenkrankheiten derart epidemisch auftreten, so ist das stets ein berechtigter Vorwurf gegen die Erziehungsmethode der Vorperiode. Das Krankwerden begann damals, als man gewisse Provinzen des Seelenlebens bewusst dem Einfluss der Thora zu entziehen versuchte, als man sich gewisse Reservationen des Innenlebens schuf, für deren Kulti/vatian man die Religion als nicht zureichend erklärte. In der Orthodoxie ,trat die Krisis dann ein, als man die nicht als strikte Gesetze, sondern nur in der Form guter Weiser des Lebensweges gegebenen Ratschläge, unserer alten ,Weisen s. A. als Ausgeburten naiver Welt- Anschauung zu betrachten und zu lehren begann. Im ersten Versagen der Emunas chachomim liegt der Keim! was man früher nur still verschwiegen im Innenleben sich vollziehen Hess, wurde aktuell, als | man auch ein Gebiet von Lebensäusserungen ent-!deckte oder vielmehr schuf, die sich fern von G־tt zu entwickeln und zu gestalten hätten. Und ׳die Thora wurde ein Volksgesetz und das ״Volk“ war nicht mehr eine Gemeinschaft der Diener des Allmächtigen, sondern schuf sich eine Politik, die ihre Wurzeln in dem Kalkül der Kabinette, in ,dem Wechsel der Bankiers suchte. Mit diesen wenigen Zeilen ist der Weg von Mendelssohn bis Herzl gekennzeichnet. Wer aber im Lager der Orthodoxie unwillig nachhinkte und müde seines Segensprogr^nmes geworden war, und schmachtet nach ״neuen Anregungen“, der ward eine Beute einer den amalekitisohen Staats- und Volksideen entlehnten Anschauungen, denn Segen und Unsegen — was hatte es ihm zu sagen? Nur die Elulliebe der jüdischen Gemeinschaft muss und kann Quelle der Gesundheit und des Segens sein. Nur wenn des Allmächtigen Name einheitlich und ausschliesslich das Programm der jüdischen Menschen und der jüdischen Gesamtheit ist — das ist des Midrasch tiefes Wort — nur dann ist der von Amaleks Kultur ausgehende Keim entgiftet. — Nur so wind die Welt ein Segen. Zar Frage der Jewish Agency. Wir bringen den beachtenswerten Aufsatz unseres J. P.-Mitarbeiters, ohne uns mit seinem Inhalt vollkommen zu identifizieren. (Red. der J. P.) Die Frage der ,Jewish Agency ist durch die jungsten Beratungen des grossen zionistischen Aktionskomitees wiederum in den Vordergrund der öffentliehen Diskussion getreten. Wir versuchen nun vom Standpunkt eines Agudisten, dem eine fruchtbringende Arbeit der Aguda für Erez Jisrael sehr am Herzen liegt, zu diesem Problem Stellung zu nehmen. Ueber die Jewish Agency sagt der zweite Absatz von Artikel 4 des Palästinamandates folgendes: ״Die zioni- 1 stische Organisation soll, so lange ihre Organisation^ und Verfassung nach der Meinung des Mandatars angemessen sind, als solche Vertretung anerkannt werden. Sie soll, im Einvernehmen mit seiner Britischen Majestät Regierung, Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der ׳Errichtung der jüdischen Nationalheimstätte zu heifen.“ Nach der Bestätigung des Mandats hat die zionistische Presse, aber auch verantwortliche Führer (Sokolow in seiner berühmten Berliner Rede) nachdrücklichst betont, dass nunmehr die zionistische Organisation die Jewish Agency sei. Diese Anschauung berücksichtigt bloss den ersten Teil des obzitierten zweiten Absatzes mit Hinweglassung aller darin befindlichen.Einschränkungen. Solange nur von zionistischer Propaganda die Rede war, war diese Deutung sehr vorteilhaft zu verwenden. Auf die Dauer aber haben weder die wirtschaftlichen Verhältnisse noch die politische Moral erlaubt, den zweiten Teil des vierten Artikels des Mandats ganz zu vernachlässigen. Schon während der zionistischen Jahreskonferenz im Jahre 1922 haben grosse Teile der zionistischen Organisation vor allem Präsident ׳Weitzmann selbst, dem Willen Ausdruck gegeben, mit anderen grossen jüidisehen Organisationen und auch einzelnen Persönlichkeiten zur Gründung einer wirklichen Jewisch Agency in Fühlung zu treten. ״Wir werden,“ sagte Doktor Weitzmann in seiner Eröffnungsrede, ״mit den jüdisehen Organisationen, mit den grossen jüdischen Gemeinden und mit den grossen jüdischen Persönlichkeiten und Parteien verhandeln und ich glaube, wir werden Erfolg haben, wir werden ihre Kraft für den Aufbau Palästinas gewinnen und eine gemeinsame Plattform zwischen uns und ihnen schaffen.“ Es kann als allgemein bekannt‘vorausgesetzt werden, in welche kritische Situation Dr. Weitemann ein Jahr später auf dem dreizehnten Zionistenkongress durch das konsequente Vertreten seiner Anschauung geriet. Tatsächlich hat aber der dreizehnte Zionistenkongress keinen wesentlichen Fortschritt zur Lösung dieser 1 überaus wichtigen Frage gebracht. Erst die jüngste Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) Entsetzt durch diese Drohung, stammelte ich die Frage: ״Warum sollen noch andere für mich leiden? Genügt es nicht, dass die Rache einen Unschuldigen vernichtet?“ Ein höhnisches Lachen begleitete die Antwort: ״Ihr Juden haltet doch zusammen, eure Losung ist: Einer für alle und so soll man es auch gegen euch halten.“ Ans den weiteren zornigen, zusammenhanglosen Worten des Priesters konnte ,ich entnehmen, ׳worauf seine Drohung ziele. Es seien gerade jetzt wieder mächtige Hände am Werke, im ganzen Lande eine Judenhetze und die ׳darauf folgende Ausweisung der Juden, dieser Feinde des christlichen Glaubens und des christlichen Volkes, herbei zuführen ... Er allein habe den entscheidenden!Einfluss, diese Massnahme zu verhindern oder auch zu beschleunigen, und von meinem Verhalten hänge es ab, woizu er sich entschliessen würde. Betäubt, verzweifelt hörte ich die furchtbaren Worte an mein Ohr dringen. Ich konnte nicht zweifeln, dass der Priester es ernst mit seiner Drohung meine und sicherlich ׳die Macht habe, sie in die Tat umzusetzen. Wo und wann war denn ein Anlass zu gering, um nicht, ׳wenn hochstehende Männer es wollten, eine Judenverfolgung zu arrangieren? Ich schauderte bei dem Gedanken, dass ich die Schuld daran wäre, wenn die Rache nicht mich allein, sondern Tausende meiner Glaubensgenossen träfe. — An mich, an mein Leben dachte ich in dieser Stunde nicht, das kann ich mit gutem Gewissen beteuern. Aber das ׳Los der anderen . . . Der Greise und der Kinder, die erbarmungslos ins Elend getrieben werden sollen, an 1das Los der vielen, die auf dem Wege zusammenbrechen, der vielen, die ׳bei solchen Gelegenheiten schon früher Opfer eines aufgehetzten, blutgierigen Pöbels werden. Ich bat den Priester um Bedenkzeit. Er beschied mich auf den nächsten Tag zur gleichen Stunde zu sich. ״Sie haben die Wahl“ — waren seine letzten Worte — ״der glückliche Gatte meiner Nichte zu werden oder sich und mit Ihnen Ihre Glaubensgenossen ins Verderben zu stossen!“ In der langen, qualvollen Nacht versuchte ich, meine Lage ruhig zu überdenken. Aber vergebens zerbrach ich mir den Kopf, einen rettenden Ausweg zu finden. Konnte eine Flucht, selbst wenn sie mir gelänge, die Gefahr, die meinen Glaubensgenossen droht, verscheuchen? Ich wollte den Rabbi, den weisen, grossen Rabbi, zu dessen ׳bevorzugtesten Schülern ich ׳an der Jeschiba zählte, auf suchen und ihn um seinen Rat bitten. Ich liess den Gedanken fallen. Ob ich gut daran tat, das vermöchte ich heute nicht mehr mit Bestimmtheit zu behaupten. Damals aber •meinte ich, es wäre sträflich, wenn ich den greisen Mann durch meine Bitte um Rat zum Mitwisser machte und dadurch vielleicht seine Seele in einem peinlichen Zustand triebe. Mein Entschluss war endlich gefasst: Ich wollte mich opfern und zunächst durch die Annahme der Taufe das Verhängnis von meinen Glaubensgenossen abwenden. Was dann weiter geschehen sollte, darüber hatte ich unklare, verworrene Ideen . . . Fest stand bei mir bloss, dass ich mit meinem Uebertritt kein öffentliches Schauspiel geben wolle, dem ׳beizuwohnen für mich härter gewesen wäre, als den grausamsten Tod zu erleiden . . . Die Taufe sollte vielmehr ganz im geheimen stattfinden, und zwar erst nachdem es mir gelungen sein würde, aus der Stadt zu verschwinden, ohne dass ein . Jude eine Ahnung hätte, was aus mir geworden sei . . . Auch der Gedanke, die wenn auch berückend schöne Nichte des Priesters als Gattin heimführen zu müssen, hatte für mich nichts Verlockendes. Im Gegenteil . . . mein ganizes Herz, gefesselt von innigen Erinnerungen an eine Unvergessliche, 'bedrängt überdies von einem hässlichen Verdacht, sträubte sich gegen diese Lösung. Dem Priester durfte ich dies allerdings, wenn ich seine Wut gegen mich nicht noch steigern ׳wollte, nicht gestehen . . . (Fortsetzung folgt-) Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN dis OTHMAR SCHIFF■ WIEN* I■» KÄRNTNERRING Nr* 6 u^pm!Miuwi1r>1״T1iBl> 1 ' ־ aufzusuchan I Liefert seit mehr als anderthalb Jahrzehnten den vornehmsten orthodoxen Damen aller Länder PerUcken. Speziellst In Brautscheifteln. Die Herstellung einer Jeden einzelnen Perücke erfolgt aus GARANTIERT DAUERQEWELLTEM NATURHAAR, Individuell dem Geslohte angepasst. 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