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Jüdische Presse · 1924-08-22 · 34 (22.8.1924) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
34 (22.8.1924)
Date
1924-08-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Stftfr,,?33 jumscac presse In Miskolc, fast der grössten orthodoxen Kultus• gemeinde Ungarns, hat heute die feierliche Grundsteinlegung zum neu zu erbauenden jüdischen Hospital statt• gefunden. An der Feierlichkeit beteiligten sich auch Vertreter der Kommunal-,und Sanitätsbehörden. Das Krankenhaus wird 100 Betten umfassen und zur Hälfte als Sanatorium eingerichtet. Die Bau- und Einrichtungskosten beanspruchen viele Milliarden, doch ist der grössere Teil durch Stiftungen der dortigen Gemeinde und Chewra Kadischa, sowie sonstiger Körperschaften und Privatpersonen schon aufgebracht. Den Rest hofft man durch weitere edelherzige Beiträge beschaffen zu können. A-־ch. Budapest. Die zumeist christlichen Weinproduzenten Ungarns wandten sich jüngst deputativ mit der Beschwerde an den Ackerbauminister, dass ein grosser Teil ihres Produktes ihnen darum am Halse bleibe, weil sie nach Polen, welches unter den heutigen Verhältnissen noch das hauptsächlichste Absatzgebiet für Ungarweine wäre, kaum etwas exportieren können; dies wieder finde darin seine Erklärung, dass man hierzulande den polnisehen Weinhändlern, die zumeist Juden seien, die Ein־ reiseerlaubnis teils überhaupt verweigert, teils ihren Aufenthalt in Ungarn bloss auf einige Tage beschränkt, so dass sie fast ganz wegbleiben. Die Petenten baten daher gegen diese immense Schädigung der ungarischen Volks- Wirtschaft um Abhilfe. Der Ackerbauminister, den auch seine Gegner nicht sonderlicher Judenfreundlichkeit beschuldigen können, versprach der Deputation, sich zugunsten ihres berechtigten Verlangens bei seinem Kollegen, dem Minister des Innern, verwenden zu wollen, da für Passvisa und Aufenthaltsbewilligung dieser kompetent sei. \ A—ch. Budapest. Der Telekiplatz, der Eastbroadway von Budapest, hatte seinen grossen Toten. Scholem Freund ist gestorben. Er kam als Jüngling aus Galizien in den1 Strudel der tobenden Grosstadt. Arbeitete sich mit Fleiss, Bravheit und Ausdauer tüchtig in die Höhe, blieb bescheiden, gut und fromm. Darum weinte bei seiner Lewaja am 15. Aw der ganze Telekiplatz. Tausende folgten seiner Bahre und fanden sich ein am neuen Beschachajim, wo nur bitteres Schluchzen, schweres Seufzen — denn einen anderen Ausdruck für die Trauer gestattete der *tag nicht ־־ Rabbi Scholem hinausgeleiteten in die Welt der ewigen Wahrheit und wahren Einigkeit. Budapest. Mit der Tölgyeser Rebbezen Resele Hirsch ist eine wahre Esches Chajil gestorben. Nur durch ihren einzigartigen Opfermut, der jeden Kampf uiid alle Not mit der Ergebenheit einer Märtyrerseele ertrug, war es ihrem Manne und ihren Kindern möglich, das ganze Leben der heiligen Thora zu widmen. Sie hatte keinen Wunsch und kannte kein anderes Verlangen, als dass ihr Haus ein Mikdasch meat werde, wo der süsse Sang der Gemoros in allen Skalen erklinge. Sie kannte keine Frauenrechte, sie begnügte sich mit ihren Frauenpflichten. Sie nahm ihrem Manne die kleinen Lebenssorgen ab, damit er unter dem Ganzen nicht zusammenbreche. Fromm war sie und rein, gut und bescheiden, still und zufrieden und hauchte ihre Seele am Schabbos Kodesch aus. Der Tölgyeser Raw konnte, da er ans Krankenbett gefesselt, im Spital lag, seiner Rebezzen nicht die letzte Ehre geben. Rabbi Jonathan Steif und Dr. Abrahamsohn sprachen, tief erschüttert, an ihrei* Bahre. H. A. ©001 Bücher ]0^01 Mesechet ״Owous“ mit dem Kommentar ״Mussar Israel“, von Rabbiner Israel Benjamin Feivelson, Rabbiner in Saukenay (Siauli) Litauen. S. 150. Selbstverlag des Verfassers. Rabbiner Feivelson ist kein der jüdischen Lesewelt, Insbesondere Litauens unbekannter Autor. Er hat in seinen zwei Bänden Homilien zu den Festtagen bewiesen, dass er es versteht, der ersten Forderung Rechnung zu tragen, dass wir von einem agadischen Werke verlangen, dass es zeit gemäss sei im besten Sinne des Wortes. Auch in diesem seinem Kommentar zu Pirkie Owous versteht es der Autor, trotz der Fülle der vorhandenen Kommentare, neue überraschende Gesichtspunkte geltend zu machen, die sich ungekünstelt aus dem Texte ergeben. Vielseitigkeit des Inhaltes, eine schöne Sprache, die sich zuweilen zu poetischem Schwünge erhebt, packende Gleichnisse bilden seine besonderen Vorzüge, die das Buoh jedem Leser, ganz besonders aber Lehrern und Vortragenden wertvöll machen. Der Verfasser ist ein Mitglied des Zentralrates der Ägudas jlsroel in Litauen und in weiten Kreisen der Aguda durch sein Hervortreten bei der Kenessijoh Gedauloh rühmlichst bekannt. E. Handbuch der Jfidischeit Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege 1924. Das Bureau für Statistik der Juden hat die umfangreiche Materialsammlung für das Handbuch noch nicht abgeschlossen. Von einer ganzen Anzahl von Gemeinden, Wohlfahrtseinrichtungen, Bildungsstätten, Organisationen und Vereinen stehen die ausgefüllten Fragebogen bedauerlicherweise noch aus. Es liegt zweiffeilos im grössten Interesse weitester jüdischer Kreise, dass das neue Handbuch ein recht vollständiges, übersichtliches! Werk darstellt, welches sowohl als praktischer Führet und Ratgeber dienen, als auch einen wertvollen Ueberblick über das gesamte jüdische Leben in Deutschland, wie es sich in den zahlreichen Gemeinschaften spiegelt, gewähren soll. Die Lösung dieser Aufgabe ist jedoch nur möglich, wenn alle Kreise der Judenheit Deutschlands sich an der Mitarbeit rege beteiligen. Es wird dringend gebeten, die übersandten Fragebogen, sorgfältig ausgefüllt, dem Bureau für Statistik der Juden, Berlin C. 2, Rosenstrasse 2—4, zurückzusenden. Ebenso werden Einrichtungen, die etwa keine Anfrage erhalten haben sollten, ersucht, Selbstmeldüng zu erstatten und Fragebogen einzufordern. Praktikant!aus gutem Hause, aibsolv. Bürgersohfüler, sodort aufgenammen. Kleiderhaus Goldstein, VII.. Kaiserstrasse 40. Samstag geschlossen. lüdische Köchin für streng orthodoxes Haus, wird als Stütze der Hausfrau gegen sehr gute Bedingungen sofort aufgenommen. Eventuell nur tagsüber. Kleiderhaus Goldstein, 7. Bezirk, Kaiserstrasse 40. leeeeseeal TS CHECH O-SLOWAKEl Die Juden als ״Minderheit“ im Staate. Minister des Aeussern Dr. Benes unterhielt sich vor kurzem mit dem Korrespondenten der New Yorker zionistischen Zeitung ״Der Tog“, Wladimir Gross mann, über die rechtliche Stellung der Juden in der tschechoslowakischen Republik. Begreiflicherweise interessierte den Korrespondenten in erster Reihe die Auskunft des Ministers! über die Frage, die nach zionistischer Anschauung die wichtigste unter den ״Galuthproblemen“ ist und die nicht nur die Führer der Juden, sondern auch die Staatsmänner der ״Wirtsvölker“ (wie der zionistische Terminus lautet) unausgesetzt beschäftigen müsste, nämlich die Juden als ״nationale Minderheit“. Wir gestehen es offen: Wir nichtzionistischen Juden regen uns bei diesem Problem nicht sonderlich auf. Wir haben weit grössere Sorgen und weit wichtigere Anliegen. Praktisch ist diese Frage für das Wohlergehen der Juden in unserer Republik, für ehre geistige und religiöse Freiheit, für ihre bürgerliche Gleichberechtigung und für ihre wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeit so gut wie belang- 1 o s. Wir Juden wissen und haben niemals aufgehört zu wissen, dass wir in unseren Lebenseinrichtungen sowohl als Einzelindividuen wie als grössere oder kleinere Gruppen der jüdischen Gemeinschaft den anderen Völkern gegenüber tatsächlich eine ״Minderheit“ sind. Dieses Mindeheitsbewusstsein lebt stark in allen lebendigen Gliedern des jüdischen Volkes und bestimmt entscheidend seine Stellungnahme zu den grossen geistigen und sozialen Problemen der Gesamtmenschheit. Dieses Bewusstsein hat aber nur für die Gestaltung unseres inneren jüdischen Lebens und höchstens auch noch für unser Verhalten gegenüber der Majorität Bedeutung. Keineswegs aber sind wichtige Interessen des Judentums davon abhängig, ob in den Grenzen unserer Republik die soziologische Einzigartigkeit“ des ״Judenproblems“ volle staatsrechtliche Anerkennung findet oder nicht. Es liegt nach dem Empfinden der grossen Mehrheit der jüdischen Bürger unserer Republik wohl kaum eine Notwendigkeit dafür vor, dass das ״Judenproblem“ in d e m Sinne, wie es die Zionisten und die — Rassen antisemiten aufgefasst wissen wollen, zum politischen Problem der Gesetzgebung wird und Unheil stiftet. Was die Zionisten wollen, ist nicht etwa die Wahrung unserer Eigenart und ihre gesetzliehe Sicherung vor Unbill und Beeinträchtigung durch Assimilationszwang. Denn dazu bedürfte es nicht erst der Schaffung ganz neuer politischer Probleme in den Einzelstaaten unserer Diaspora und der künstlichen Erregung nationalistischer Wünsche und Forderungen bei den jüdischen Massen. Die Eigenart und Einzigartigkeit des historischen jüdischen Volkes liegt keineswegs in der politischen Problematik seiner nationalen Einordnung in die Völkergemeinschaften und Staaten, sondern vornehmlich in seinen religiösen und geistigen Lebenszielen. Unser religiöser Lebensinhalt gestaltet und formt unsere Gemein- Schaft und verleiht ihr ein scharf unterscheidendes Gepräge Gerade wir thoratreuen Juden haben während Jahrtausenden bewiesen, wie teuer und heilig uns unsere Eigenart ist und welche Opfer wir für ihre Erhaltung zu bringen imstande sind, wenn die bedroht erscheint. Wir haben auch niemals versäumt, jede Möglichkeit auszunützen, die sich bot, um im Wege der Gesetzgebung Sicherheiten für die ungehemmte Pflege unserer Eigenart zu erlangen. Die jüdische Gemeinde und ihre Institutionen, die jüdischen Vereine und Verbände, die jüdischen Schulen und Lehrhäuser, der jüdisehe Sebbat und die Freiheit der Religionsübung, und nicht zu allerletzt die Autonomie unseres Gemeinschaftslebens auf traditioneller reiligöser Grundlage, das sind die Voraussetzungen für die Bewahrung unserer Eigenart und s i e wollen wir inmitten der Völker unserer Zer- Streuung als gleichberechtigte Bürger der Staaten gesetzlich gewährleistet wissen. Das sind unsere Forderungen als ״Minderheit“ zur Lösung der ״soziologischen Eigenartigkeit“ des;,Judenproblems“, sofern diese Lösung von der Gesetzgebung der einzelnen Staaten abhängt. Andererseits wissen wir, dass es letzten Endes ausschliesslich an uns selber liegt, unsere Eigenart, den Typus Jude zu erhalten und sie vor jeder Art von Verkümmerung zu bewahren. Wie wir dies zuwege bringen sollen und können, darüber enthält unsere heilige Thora sehr genaue Vorschriften. Befolgen wir nur gewissenhaft die Anordnungen der Thora und beachten wir netreu die ״Umzäunungen“, die unsere Weisen um unsere nationale und religiöse ״soziologische Einzigartigkeit“ gezogen haben, so wird eine Regelung unserer bürgerlichen Rechts- Verhältnisse im Staate nicht im entferntesten so kompliziert sein, wie sie jetzt dem Minister und noch manch anderem wohlwollenden Beurteiler des Judentums in der Gegenwart erscheint. Die Mittel, die such zur Erhaltung des Judentums dreitausend Jahre so vorzüglich bewährt haben, würden auch in Zukunft nicht versagen. Das ist allerdings die Ansicht des schlicht und gerade denkenden orthodoxen Juden, dem die schönen Schlag- Wörter der nationalen und nationalistischen Kämpfe, die ausserhalb des Judentums toben, den gesunden Sinn für die Notwendigkeiten des jüdischen Lebens nicht völlig genommen haben. Die Zionisten und jüdischen ״Nationalisten“ freilich denken über all dies anders und die Art; wie Aussenminister Dr. Benes auch dem zionitischen Fragesteller gerecht werden wollte, zeugt von seiner entgegenkommenden Höflichkeit und diplomatischen Klugheit. Minister Dr. Benes berief sich auf die allgemeine Regelung der Rechte der Minderheiten, wie sie in den Be- Stimmungen des Friedensvertrages und namentlich in unserer Verfassung niedergelegt ist. ״W i r werden Wörtlich die Bestimmungen des Vertrages erfüllen, aber niemand hat das Recht, auf Grund irgendwelcher übernommenen Pflichten mehr zu verlangen“, sagte er, nach dem Wortlaut, den der Berichterstatter in der ״Selbstwehr“ mitgeteilt hat. Speziell über die Juden soll sich der Minister in einer Weise geäussert haben, die die Befürchtung aufkommen liess, als ob der Minister sich die ganze nationalistische Ideologie für seinen Hausgebrauch angeeignet hätte. Er soll nämlich nach der ״S e 1 b s t w e h r“ gesagt haben: ״Was die Juden betrifft, so beachten wir sie als eine Nation, die alle Rechte bei uns geniesst, welche ihr der Minderheitsvertrag zusichert. Selbstverständlich werden wir nichts dagegen unternehmen, wenn ein Teil der Juden zu einer nichtjüdischen Nation neigen sollte, aber —1 wie ich bereits gesagt habe — die jüdische Bevölkerung als solche wird in unserem Staate a 1 s eigene Gruppe betrachtet.“ Dieser Wortlaut erweckt seiner Terminologie nach den Eindruck, als ob unsere Republik die zionistischen Bestrebungen zur Um- Wandlung der jüdischen religiösen Gemeinschaft in eine areligiöse oder von der Zugehörigkeit zu einer jüdischen Konfession völlig unabhängigen nationalistisehen ״nationalen Minderheit“ bereits bis zur äussersten Konsequenz durchgeführt hätte. Dies schien um so erstaunlicher, als weder die Bestimmungen des Vertrages noch die der Verfassung und auch nicht die geltenden Gesetze über Juden und Judentum von alldem auch nur ein Sterbenswörtchen enthalten. Trotz der Beunruhigung, die durch die Veröffentlichung der ״Selbstwehr“ in weitesten Kreisen hervorgerufen wurde, enthielten wir uns einer Aeusserung, weil es uns unwahrscheinlich schien, dass Minister Dr. BeneS solchergestalt das im Sinne •des Motivenberichtes zur Verfassungsurkunde als Plus gedachte Recht der Juden, sich auch in bezug auf ״Nationalität“ als ״jüdisch“ zu bekennen, in ein Minus verwandeln sollte. Die Paragraphen 128, 130 und 132 der Verfassung boten den Juden unserer Republik als religiöse Minderheit jede Gewähr für die Erfüllung ihrer politischen, religiösen und kulturellen Bedürfnisse sowohl als Einzelpersonen wie als Minderheitsgemeinschaften und legen ihnen überdies in sprachlicher Beziehung keinerlei Zwang auf. Und nun sollten sie und sollten namentlich ihre Schulen nur dann den jüdischen Charakter behalten können, wenn sie sich allen Nachteilen einer jüdischen ״Minderheitsnattonalität“ auch in bezug auf ihre Sprache unterwerfen. 'Wir waren dessen sicher, dass der Minister nicht mäumeti werde, die Mitteilungen der zionistischen ״Selbstwehr“ zu berichtigen. Ind der Tat veröffentlichte wenige Tage darauf die ״Tschechoslowakische Korrespondenz“ neue Mitteilungen, die den Standpunkt und die Aeusserungen des Ministers in wesentlichen Punkten in ein ganz anderes Licht stellen. Ihrer weittragenden Bedeutung wegen sei die Notiz hier wörtlich wiedergegeben: ״Im Anschluss an das jüngst von Aussenminister Dr. Benes einem Vertreter der ״Selbstwehr“ gewährte Interview über die Wahrung der Minderheitsrechte der Juden schreibt die ״Tsüheohoslow. Korresp.“, dass die Juden hi der Tschechoslowakei als Nation anerkannt werden, dass aber auch die Assimilationsbestreöungen nicht gehindert werden. Darin liege kein Widerspruch, denn dieser zweifache Standpunkt sei mit Rücksicht auf das soziologische Wesen der Judenfrage im Westen

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