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Jüdische Presse · 1924-08-15 · 33 (15.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
33 (15.8.1924)
Date
1924-08-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 224 JÜDISCHE PRESSE Nr. 33 wie er gekürzt und populär genannt wurde, gab den Hungrigen Speise und Trank, den. Verjagte:; und Cbdaehlosen eine Ruhestätte auf der Wanderung, den Kranken ein Bett und die lindernde Arznei. Ja noch mehr. Nicht nur für das leibliche Heil sorgte der Relief, sondern wendete seine Aufmerksamkeit auch vielen hunderten jüdischen Schulen zu, die in diesen Jahren dem jüdischen Kinde gleichzeitig das Heim gewesen sind. So hat sich der Relief um das leibliche und geistige Wohl der Judenheit in den Kriegs- und Pogromländern Osteuropas die grössten Verdienste erworben. ׳Diese 60 Millionen Dollar haben viel Unglück und grosses Leid verhütet. Sie haben es ermöglicht, dass die Judenheit Osteuropas sich heute am Aufbau der zerstörten Güter beteiligen kann. Mit besonderer Genugtuung soll hier festgestellt werden, dass die Idee und auch die Ausführung zu den zwei grossen amerikanischen Hilfswerken, des Central Relief Comitees und des Joint Distribution Comitees in den Kreisen der Orthodoxie (Oheb Zedek) entstanden sind. Doch nicht nur dem jüdischen Volke allein kamen die grossen jüdischen Hilfsinstitutionen zugute. Auch viele Hunderte nichtjüdische Institutionen erhielten aus den Mitteln der Reliefs grosse Summen, die so aus jüdischen Händen in Hände von Nichtjuden flössen. Die in Chicago erscheinende jüdische Zeitung ״The Daily Jewish Courier“ behauptet in einer Besprechung der Tätigkeit des Reliefs, dass dem amerikanischen Judentum durch die Arbeit der Relief mehr geschenkt wurde, als es selbst gegben hat. Das amerikanische Judentum hat sich durch dieses grosse philantrophische Werk mit einer grossen Tat zum wahren Judentum bekannt. ״Nur von diesem Stand- Punkt“, sagte ״Jewish Courier“, ״ist die Grösse und Bedeutung der Relieftätigkeit zu ermessen. Die Relief-Arbeit hat uns freigebige Hände geschaffen, grosse Herzen und gute Seelen. Wir haben es erlernt, grosse Summen auszugeben, und als wir die Kunst des Gebens erlernt hatten, gaben wir nicht nur für den Relief, sondern auch für andere Zwecke, für wichtige Zwecke, wie z. B. für unser eigenes jüdisches Schulwerk und besonders für Erez Jisroel.“ Dieser Standpunkt ehrt die amerikanische Oeffentlichkeit. Nichtsdestoweniger ist es jedem klar, dass die Leistungen des Reliefs, das osteuropäische Judentum vor dem Untergang gerettet haben. Gerade im Zeitpunkt, als die grossen philantropischen Institutionen in Amerika endgültig liquidieren, wird die zweite jüdische Welthilfskonferenz in Karlsbad eröffnet. Es wurde schon früher erwähnt, dass die grosse Idee der amerikanischen Hilfswerke im Schosse der Orthodoxie geboren wurde, und dort zur Tat reifte. Bald aber bekamen andere Elemente den überwie- ׳senden Einfluss, und von diesem Augenblick an begannen die Klagen über Parteilichkeit bei der Verteiluug der Gelder, und über eine Politik, die dort vollkommen deplaciert war. Der zweiten jüdischen Welthilfskonferenz droht eine grössere Gefahr. Denn schon den Initiatoren dieser Konferenz muss leider eine vollkommene parteipolitische Einstellung zum Vorwurf gemacht werden, die nicht nur eine einheitliehe Tätigkeit unmöglich macht, sondern die Welthilfskonferenz auf das Niveau einer Parteikonferenz herabdrückt und ihre Tätigkeit paralysiert. Die Orthodoxie hat, dies wird auch von gegenerischer Seite anerkannt, auf dem Gebiete der Fürsorge Grosses und Vorbildliches geschaffen. Auf ihre aktivste Mit- Wirkung darf die Welthilfskonferenz nicht verzichten. Nur wenn die heutigen Leiter der Welthilfskonferenz jedwede Politik und Parteilichkeit ausschalten, nur dann kann die Welthilfskonferenz an ihr grosses, Vereinigung“ ihre Wünsche und Ansichten mit der nötigen' Energie zu vertreten. Herr Moritz A. Loeb erwidert auf die Rosenheimschen Ausführungen im wesentlichen, dass es sich bei der Beurteilung der hier in Betracht kommenden Fragen um Imponderabilien handle. Die Stimmung gegen( den einseitigen Geist, der die Leitung der Freien /Vereinigung beherrsche, habe mit innerer Notwendigkeit zur Gründung der neuen Vereinigung führen müssen. Dassf man in Frankfurt diese Misstimmung nicht genügend be■» achte, sei das eigentliche Unglück. Auf der Tagesordnung des Vereinstages standen ferner Ergänzungswahlen zum Ausschuss und Vorstand; Es scheiden, durch- Los bestimmt, aus dem Vorstande aus: die Herren Rabbiner Dr. Breuer, Jakob Rosenheim, Jakob Strauss und Josef Wohlfahrt, aus dem Ausschuss durch Amtsniederlegung die Herren Rabbiner Dr. Auerbach (Halberstadt), Dr. med. Calvary, M. A. Loeb (Berlin)* während sechs weitere Ausschussmitglieder seit den* letzten Vereinstage leider heimgegangen sind. Von verschiedenen Mitgliedern wurde der Antrag gestellt, die Vornahme der Wahlen zu vertagen, um da־, durch das Ausscheiden des Herrn Loeb — die beiden anderen Ausschussmitglieder waren bereit, sich wieder wählen zu lassen — zu verhindern und eine erneute Prüfung der Frage zu ermöglichen, ob die durch die Gründung der Achduth hervorgerulene Spaltung der Orthodoxie nicht beseitigt werden kann. Die Abstimmung ergab eine ziemlieh erhebliche Mehrheit für den Vertagungsantrag. Dem Vorstand ‘ bleibt es überlassen, den Termin für den neuen ' Vereinstag derart zu bestimmen, dass auf eine starke' Beteiligung zu rechnen ist. . 1 ' ־־־ .׳־■—׳ ׳ ■ j, ' ■ '׳.״■׳ Wo erb&It man den wlrklioii naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten kflpstlieher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach Jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn Balla wird sieh jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschlossen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höfliebat eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Balla, Wien, IV», Gusshausstrasse 26 Telephon 58-9-12 schwer erreichbares Ziel gelangen. N׳ur dann kann die zweite Welthilfskonferenz die grosse Arbeit der amerikanischen Relief Comitees fortsetzen. Nur dann werden die Wunden der letzten Jahrzehnte rasch verheilen. Das palästinensische Gemeindegesetz. Der ״Israelit“, das Zentralorgan für das orthodoxe Judentum in Frankfurt a. M., bringt in seiner jüngst erschienenen Nummer folgenden Artikel zur Frage des jüdischen Gemeindegesetzes in Palästina: ״Wir haben in voriger Nummer einige Enthüllungen veröffentlicht, die der Sekretär des Jerusalemer ״Waad leumi“, Tschemowitz, in einer Ver- Sammlung in Haifa über die Vorgeschichte und die Tendenz des Gemeindegesetzentwurfes zum besten gegeben hat, und es erscheint nicht überflüssig, über diese interessanten Offenbarungen auch an dieser Stelle ein Wort zu sagen. Zum ersten Male wird hier von der berufenen Stelle, dem ״Waad leumi“, selber bezeugt, dass die Gewissensfreiheit der Orthodoxie bei der konservativen englischen Regierung ,höher eingeschätzt und als unveräusserliches Rechtsgut mehr ׳respektiert worden ist, als von seiten einer angeblich neutralen, de facto durchaus parteiischen Körperschaft, wie sie der ״Waad leumi“ darsteMt. Baldwin und sein Ministerium waren es, die den sogenannten jüdischen ״Nationalrat“ darüber belehren mussten, was Gewissensfreiheit heisst. Diese Erfahrung ist nicht neu für uns in Deutschland nun ganz und gar nicht. Es ist nur wertvoll, sie als הודאתל ,דין von denn Siekre-־ tär des Nationalrats vorgetragen zu hören. Wir aber fragen: Hatte Raibbi Chajim Sonnenfeld demnach nicht recht, wenn er die Unabhängigkeit orthodox-jüdischer ק דש ^Stiftungen bei englischen oder moslemischen Gerichtshöfen besser gegen Vergewaltigung gesichert glaubte, als in den Händen von Juden, denen in ihrer Gegnerschaft gegen die Orthodoxie der Masstab für Recht und Billigkeit leider völlig verloren gegangen ist? Aber das ist noch nicht der wichtigste Punkt in den Tsobernowitzschen ׳Bekenntnissen. ׳Bedeutungsvoller ist die Feststellung, dass der ״Waad leumi“ mit seinefn Gesetzentwurf in der Tat beabsichtigt, den individuellen Austritt, zwar auf dem Papier — wohl unter dem Druck der Regierung — zuzugestehen, ihn aber in geradezu machiavellistischer Raffiniertheit praktisch unmöglich zu machen. Herr Tsdhernowitz erzählt ganz treuherzig, dass die jüdisehen ״Einzelnen“, die sich einfallen lassen könnten, vom Austrittsrecht Gebrauch zu machen, ja gewisse unabweisbare religiöse ״Bedürfnisse“ haben: Ehe- Schliessung, Mila, Beerdigung in קבר ישראל Die vom Staat anerkannte offizielle Kehilla braucht daher nur die Befriedigung dieser Bedürfnisse unmöglich zu machen, um die renitenten Orthodoxen mit tätlicher Sicherheit in die Mehrheitsgemeinde hineinzuzwingen. Man verweigert diesen guten Leuten die religiöse Trauung, verhindert die Besohneidung ihrer neugeborenen Kinder (ähnlich wie zu den Zeiten des Antioohos Epiphanes) und lässt ihre Leichen unbestattet liegen (just wie die Römer vor Bethar). Für diejenigen unter unseren Lesiem, denen diese Extravaganzen eines ins Krankhafte gesteigerten nationalistischen Terrors unglaublich erscheinen, setzen wir aus dem Berichte des zionistischen הארץ (Nr. 1493) die Stelle im Wortlaut hieher:בדי *לא ליתן מקום ליחידים רבים כאלה בכל קהלה וקהלה׳ חורשה הקהלח שלא למלא את כל הצרכים, לאליהם זקוק היחיד בקהלה, כגון סדור קידושין, מילה, קבורה ועוד. Wollen aber die solchergestalt zum religiösen Tod Verurteilten sich selber zusammenschliessen, um nach dem Diktate ihres Gewissens auf eigene Kosten die Insitutionen ׳zu schaffen, die in allen Kulturstaaten der Welt jedes Minjan gesetzestreuer Juden nach freiem Belieben sich erstellen darf, so erscheint in den paradiesischen Gefilden des vom ״Waad leumi“ versklavten Palästina sofort der Büttel des Staates und erklärt den ausgetretenen Einzelnen: "אולם אין• ליחידים אלה הרשות לסדר לחם קהלה מיוחדת." Besonders charakteristisch scheint uns dabei die Aufnahme der מילה unter diejenigen Gegenstände, auf die der zionistisch-liberale ״Waad leumi“ seine liebevolle Fürsorge zum Zwecke der Verfolgung der Orthodoxie konzentrieren will. Dass man die שחיטה zu Steuerzwecken monopolisiert, die Ehe- Standsmatrikel als Hoheitsrecht einer machtlüsternen ״Kehilla“ ansieht und den Friedhof benutzt, um den Befreiungskampf der Orthodoxie zu stören, ist nicht ohne Vorbild in der jüdischen Geschichte. Aber מילה? Soll etwa der;::dische Vater, der sein Kind בבריתו של א״א einführen will, erst einer gebührenpflichtigen Genehmigung des Herrn Tsdhernowitz oder des ״Misrad hara'banuth“ bedürfen? Hier lauern, ebenso wie hinter d׳em .״ועוד des Herrn Sekretarius, noch Geheimnisse, deren Enthüllung wohl nach dem Eindruck der bisherigen Erklärungen nicht so bald zu erwarten sein wird. Jedenfalls zeigt die Tschernowitzsctoe Rede, dass die führenden Geister des ״Waad leumi“ in ihrem Entwurf ein taugliches Mittel erblicken, um jede wahre religiöse Freiheit im neuen Palästina durch einen pseudo-religiösen Bureaukratismus zu erwürgen und sich für den notwendig gewordenen Verzicht auf politische Vorherrschaft in Erez Jisroel durch ein nationalistisches Zwing-Uri im Innern der jüdischen Gemeinschaft zu entschädigen. Wozu die Aguda gut ist. Da nach allgemeiner Anschauung weiter, zionistischer Kreise, Misrachi eingeschlossen, das grösste Unglück des jüdischen Volkes die Existenz und die Tätigkeit der Aguda ist, müsste man annehmen, dass in Amerika, wo die Aguda einstweilen keinen allzu grossen Raum im jüdisch-öffentlichen Leben einnimmt, eitel Glück unter den Juden und ungestörter rriede unter den jüdischen Parteien herrscht. Schon die oberflächliche Lektüre der Zeitungen belehrt uns aber eines anderen. Das offizielle Organ der zionistischen Organisation in Amerika. ״Das jüdische Volk“ berichtet in seiner Nummer vom 25. Juli von einem verbissenen Kampf zwischen Missachteten und Zionisten. Der Wortführer der Misrachisten, Rabbiner Kaplan, behauptet folgendes: Die ökonomische Lage des Misrachi ist so kritisch geworden, dass die endgültige Schliessung aller Bureaus bevorsteht; zur Hälfte sind diese bereits aufgelassen. Nun glaubt Rabbiner Kaplan, dass diese bedauerliche Tatsache die ״allgemeinen“ Zionisten verschuldet haben, deren Führer Lipsky auf der Pittsburger Konferenz seinen Anhängern triumphierend mit- ,geteilt .hat, dass,, Misrachi in Amerika bereits tot ist; es fehlt bloss noch, dass man ihn zu örabe träge. Er (Lipsky) würde aber, sobald hiezu die Möglichkeit vorhanden ist. diese ״Mizwah“ erfüllen. Diese gute Absicht hegt nicht nur Lipsky allein, sondern viele unter den allgemeinen Zionisten. Erfreulicherweise ist Misrachi in Amerika noch nicht so weit. Er setzt sich zur Wehr. Rabbiner Kaplan selbst führt nun schwere Geschütze für Misrachi ins Treffen; eine der stärksten Waffen ist ein Hinweis auf Agudas Jisroel. ״Wenn,“ führt Rabbiner Kaplan aus, ״der grössere Teil der hiesigen Rabbiner nicht den Standpunkt der Misrachi, sondern jenen der Aguda teilen würden, könnten die Lipskys selbst mit der Balfour-Deklaration, selbst mit Sankt Remo und dem Mandat, in keine einzige orthodoxe Synagoge, sich Eintritt verschaffen. Ueberall, wo noch konservative Juden eine geistige Atmosphäre geschaffen haben, hat Misrachi die Toren dieser jüdischen Festungen dem Zionismus geöffnet. Das sind Orte, wohin sie früher nie gelangten und wo Leute auch nur Zutritt suchen, um von den frommen Juden das Geld zu holen. Sollte Misrachi untergehen, so wie die allgemeinen Zionisten es wünschen, würden die Gegner des Zionismus ihr Haupt erheben und kein zionistischer Agitator könnte mehr die Schwelle einer orthodoxen Schul, eines orthodoxen Vereines oder eines orthodoxen Hauses betreten.“ Wir hoffen, dass der böse Streit auch diesmal, wie immer, zwischen den Bundesgenossen eine friedliche Lösung finden wird. Uns erfüllt es immerhin mit Freude, dass schon die blosse Existenz der Agudas Jisroel dem Misrachi so gute Dienste leistet. hl uiintRtnmniiiinnL( misse 7. bis 14. September 1924. GflliWE EMESGEIEGENGEII EÜR DILE Hl«. Reichste Auswahl! LANDWIRTSCHAFTLICHE MUSTERSCHAU Boden-, Forst- und Gartenprodukte Ausstellung für Kleintierzucht Ausstellung für Nahrungs- und Genussmittel. Auskünfte and Messeausweise durch dia Wiener Messe A.־G., Wien VII.

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