Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 33 (15.8.1924)
- Date
- 1924-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. JÜHSCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration 1 Wien, II., Malzgasse 12a. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. - Redaktionsschluss: Pür Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreiset Ganzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Goldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kd.70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 8, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Diner 100, Ungarn K 100.900. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich« PostaparkaasenamtWien, Konto Kr. 13.45S; für Polen: Poataparkaasenamt Warschau, Konto Nr. 190.40S; für Ungarn: Pottsparkaasenant Budapeat, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Poataparkaasenamt Prag. Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: PostM>.-Amt Agram.Ko.N. 40.217: f.Rnmlnien: Banca Marmaroach Blanc & Co für Floren« &Co,Bukareat;fürdieSchweizs Postacheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 33 Wien-Bratislava, 1s. August 1924 .ב*ה ויענה־פרעסססדג ט*ו אב תרם*ד lOn Jahrg. W i e am 15. Ab. Mit einem gewaltigen Akkord hebt die Zeit an, die uns von den Tagen der Trauer zu den Tagen des Ernstes, von den Tagen des Sichversenkens in das in vergangenen Tagen geborene Leid zu den Tagen des zagen Betens um werdende Gnade hrnüberleitet. 1 Trostes Wochen nennt der Volksmund diese sieben Wochen, zählend beginnen wir diie Periode des Frühjahrs und Sommers, tröstend und getröstet verlassen wir sie. Doch heisst das hebräische Wort nachem ׳eigentlich anderen Sinnes ■werden־ -o-der beziehamgsweise anderen Sinnes!machen; darin ist aber auch das wichtigste Erfordernis ■unserer Tage zium Audruck gebracht. Es tut uns bitter vonnöten, anderen Sinnes zu werden. Ist es beispielsweise nicht erschreckend, wie wenig an ehrlichem Gefühl der Entrüstung und des Schreckens der Mörd an de Haan ausgelöst hat? Wir sprechen nicht von den Roheiten, die sich einzelne entartete Parteigänger des Misrachi geleistet haben, indem sie gar, entsprechend dem Umfang ihres Wissens, die grause Tat aus religiösen Motiven zu rechtfertiger versuchten, und sich also zu Mitschul־ digen des annoch unbekannten Mörders machten. Davon vielmehr möchten wir sprechen, bei wie wenig Juden das Entsetzen darüber laut wurde, dass, nachdein G-ttveriieugnung und sittliche .Entartung bereits auf heiligem Boden eine Heimstätte gefunden hat, nun auch noch das dritte zerstörende Element, der Mowi* .seinen Einzug. gehalten hat Anderen Sinnes werden! Heiliges ׳Land mit den Augen schauen, die sich orientieren an dem Blick, der nach dem Wort der heiligen Schrift der Allmächtige selbst vom Beginn bis zum Ende des Jahres auf diesem Boden ruhen lässt. Ferner ist es höchste Zeit, eanzusehen, dass jüdisches Schicksal, einzig in seiner Art, im Sinne der letzten Dinge nicht durch die Völker der Erde, auch durch die Mächtigsten nicht, bestimmt wird. Und wenn auch das einst mit Recht auf seine Gerechtigkeit so stolze England sich jetzt anschickt, toller als die radikalsten jüdischen Sowjetkommissäre den wirklichen Religionstreuen die Ausübung selbst der Aufnahme in den Bund Abrahams unmöglich machen zu wollen (denn so interpretiert ein Kenner aus anderem Lager den Gesetzentwurf), wir wollen doch nicht verzagen. Aber es heisst wirklich anderen Sinnes werden! Wo bleiben die Proteste aller anständigen Juden, aller anständigen Menschen gegen diesen Akt der brutalen Gewalt? Wo bleibt der Schrei der Entrüstung gegen diesen Kulminations- Punkt, der Golus auf heiligem Boden? Wem zu Liebe schweigt man? Wo bleiben unsere englischen Glaubensgenossen, die sonst mit Recht auf ihr grosses Heimatland so stolz sind? Wo bleibt der Protest der sozialdemokratischen Partei, •die doch sonst allüberall auf dem Erdenrund programmatisch Freiheit der Religionsübung verkündet? Wo bleiben die so zahlreichen Juden in dieser Partei, die auch sonst so stark, ihre Prinzipientreue betonen? Sollten wirklich die handvoll fanatischer Parteipolitdker in Jerusalem a):l dieser Dinge schalten dürfen!? Soll es Norbert Bentwidh gestattet sein, einem Einheitsphantom zu Liebe die Inquisition des Mittelalters in Palästina wieder erstehen zu lassen? Freilich ist die zweite Aufgabe: ״Anderen ׳Sinnes machen“ noch schwieriger. Führern und Journalisten gilt dieses Wort •in erster Reihe ebenso, wie unseren Gesinungsgenossen. Es wäre wieder einmal an der Zeit, aufeukläreik wer denn«*#* 150 Jahre!) die Bin־ heit der jüdischen Gemeinsdiatft zerreisst und ■geschichtTich darzulegen, dass nur unter dem Zeichen der Thora diese Einheit war und nur so sie sein wird. Die Schuld beginnt bei denen, die sich so heftig dagegen sträuben, das Judentum als die höchste Gemeinschaft, als eine Religionsgemeinschaft zu begreifen und zu verkünden. Sind wirklich Blut und Rasse, Geschichte und Leid, Hass und Liebe ein höheres Ferment der Einheit, als das Wort des Allmächtigen? Einem hohlen Wort entstammt hohler Begriff; das ist der Fluch unserer Tage. Ein anderer Sinn könnte diesen Fluch zum Segen wandeln. Zehn Jahre Krieg. — Zehn Jahre Reliefarbeit. Die Liquidation des Weltkrieges wird Jahrzehnte beanspruchen. Die endgültige Liquidation der Kriegs־ hilfswerke ist bereits durchgeführt. Der Schaden an Menschen und Sachgütern, der grosse Zusammenbruch der Kultur- und Geisteswerte, der Ruin der Menschlichkeit wird aber i׳n langen, schweren Jahr- ׳zehnten gutgemacht werden müssen. Was das iüdische Volk in diesen zehn Jahren erlitten hat, wurde an anderen Stellen zu passenderen Gelegenheiten gesagt. Hier und heute wollen wir nur einer Institution und ihrem Wirken unsere Aufmerksamkeit schenken, deren Leistung das schönste Blatt in der Geschichte der jüdischen Kriegsmartyriologie bildet: Der Tätigkeit der Relief Comitees. Die drei in Amerika während des Krieges entstaridenen ׳Hilfsorganisationen, das sind: Der Central Relief, der Joint und •Peoplerelief brachten in den Jahren 1914 bis 1924 60 Millionen Dollar auf, im Durchschnitt also 6 Millionen Dollar jährlich. In den Kriegs- und Pogromländern Osteuropas befinden sich zirka 5 Millionen Juden, 'die auf eine!Unterstützung angewiesen waren. Die Judenschaft in Erez Jisroel wurde besonders ausgiebig mit der. Unterstützung ■bedacht. Wenn ■nun auch auf Grund dieser Statistik nur ein Dollar per Kopf und Jahr entfällt, so war es nichtsdestoweniger -eine gewaltige moralische Wirkung, die diese Unterstützung ausübte. Während der zehn letztverflossenen Jahre war die Unterstützung durch die Relief Comitees die letzte Hoffnung Tausender und Abertausender in ihrer grössten Not, der letzte Rettungsanker in Situationen, aus welchen es keinen Ausweg mehr gab. Der Joint, Vereinstag der ״Freien Vereinigung ffir die Interessen des orthodoxen Judentums“.*) Frankfurt a. M. Im Hörsaal der Synagoge Friedbergeranlage fand in den letzten Tagen des Monats Juni der ordentliche Vereinstag der ״Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“ unter Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Breuer statt. Nachdem der Schriftführer, Herr Rechtsanwalt Dr. J. Breuer, den Geschäftsbericht über die Tätigkeit der Vereinigung seit dem letzten Vereinstage im Juni 1921 erstattet hatte, den wir nächstens wiedergeben werden, entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Herr Lehrer Ehrenreich! (Langenselbold) brachte unter dankbarer Anerkennung der gewaltigen Leistungen der Freien Vereinigung für die Hebung dos jüdischen Lebens auf dem Lande eine, Anzahl Wünsche vor, die bei der Entsendung von Wanderlehrern beachtet werden müssten. Die Berück-! dichtigung dieser Wünsche wurde vom VorsUndslisch zugesagt. Herr Moritz A. Loeb aus Berlin legte in! längerer Rede die Gründe dar, die ihn, obgleich dem, Ausschuss der Freien Vereinigung angehörig, veranlasst hätten, an der Gründung einer neuen, die gleichen/ Ziele verfolgenden Vereinigung teilzunehmen. Die Freie Vereinigung habe den grössten Teil ihrer früheren Tätig* keitsgebiete, und zwar die politische Vertretung einerseits, die Verbreitung der Ideen andererseits an *) Verspätet eingelangt. den ״Bund gesetzestreuer Gemeinden“, beziehungsweise die ״Agudas Jisroel“ abgegeben, ln diesen Organisationen aber, die eine einseitig ״separatistische“ Richtung verfolgten, habe ,die Gemeindeorthodoxie nicht denjenigen Einfluss, der ihr innerhalb der Freien Vereinigung durch die Reorganisation von. 1907 zugebiiligt worden war. Auch in der Freien Vereinigung selbst sei dieser Einr fluss mehr und mehr zurückgedrängt worden. Er habe es für richtig gehalten, bereits heute vormittags in dei( geschlossenen Sitzung des Ausschusses zu erscheinen, um, bevor er sein Amt im Ausschuss der Freien Vereinigung niederlege, sich mit( dessen Mitgliedern auseinanderzusetzen, da ja nach seiner Ansicht nur die Wege ver'i schieden, die Ziele aber dieselben seien. Leider müsse; er feststellen, dass Vorstand und Ausschuss der Freien Vereinigung für seinen und seiner Freunde Standpunkt kein Verständnis hätten. 1 Herr Jakob Rosenheim antwortete im Namen des Vorstandes. Er kennzeichnete die Tendenz der Re* Organisation von 1907, die in loyalster Weise eingehalten worden sei. Die ausscheidenden Vorstandsmit* glieder aus dem Herrn Loeb nahestehenden Kreisen sind regelmässig durch Personen gleicher Gesinnung ersetzt worden und in einem Falle, in dem dies nicht geschah,' die Sphuld nicht auf seiten der Freien Vereinigung, sondern an der ablehnenden Haltung der Gegenseite. Redner betont, dass er gerade in der Uebertxagung der politischen und ideellen Vertretung an Gemeindebund und Agudas Jisroel ein willkommenes Mittel erblickt habe, um die Freie Vereinigung in der Beschränkung, auf die rein praktischen, nichtumstrittenen Aufgaben der Orthodoxie um so sicherer als gemeinsamen Boden für1 die Wirksamkeit der verschiedenen, sonst gegnerischen Richtungen zu erhalten. Was den ״Bund“ betrifft, so׳ war seine Gründung angesichts der neuen Reichsverfassung eine gebieterische Notwendigkeit, weil eine Ver* einigung von Einzelpersonen unmöglich mehr als legi•» time Vertretung von der Regierung anerkannt werden konnte. Der Bund ist ebensowenig ״separatistisch“ wie! die zahlreichen ihm angehörigen einheitlichen Gemeinden: er repräsentiert lediglich den Gedanken, dass die jüdische Gemeinschaft in allen Stücken dem Thoragesetz unter* worfen ist und nicht gleichzeitig Gesetzestreue und Will-! kür anerkennen darf. Hinsichtlich der Agudas Jisroel bedeutet es eine Begriffsverwirrung, wenn man die Welt•» aguda, die dem massgebenden Einfluss der polnischen und slowakischen Orthodoxie unterliegt, zur Beurteilung der innerpolitischen deutschen Fragen heranzieht. In der deutschen Agudas Jisroel aber sind alle persönlich Ge7 setzestreuen ohne Unterschied ihres gemeindepolitischen Standpunktes oder ihrer Zugehörigkeit zu anderen Organi* sationen völlig gleichberechtigt. Wer ehrlich Frieden will und nicht künstlich Kämpfe sucht, muss sich auf den!‘ Boden dieser Tatsache stellen. Nach allem erblickt Redner in der Gründung der von Herrn Loeb vertretenen Vereinigung einen unverantwortlichen Akt der Zerreissung und Zerklüftung der deutschen Orthodoxie, dessen Folgen bereits heute überaus! beklagenswert sind und dessen( Wiedergutmachung offenbar nicht in menschlicher Hand liege. Herr Rabbiner Dr. Auerbach (Halbenstadt) wirft{ Herrn Loeb und seinen Gesinnungsgenossen vor, dass sie selbst sich separiert haben, statt innerhalb der ״Freieni Bevor Sie eine Perücke kaufen, versäumen Sie es nicht Wiens GRÖSSTE Internationale KUNSTWERKSTÄTTE und BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE für PERÜCKEN, SCHEITEL U. TRANSFORMATIONEN ־» OTHMAR SCHIFF, WIEN, 1״ KXRNTN ERRING Nr. rS8aS.*a.ar.fflg"3 ־ ■uffsusvdiNn I Liefert eelt mehr eie anderthalb Jahrzehnten den vornehmeten orthodoxen Damen aller Linder Perücken. Speziellst In Brautscheiteln. Die Herstellung einer Jeden einzelnen Perüeke erfolgt aus GARANTIERT DAUERQEWELLTEM NATURHAAR, Individuell dem Geelohte engepasst. EN GROS Grosse• Leger u. reichhaltigste Auswahl in PerQoken modernster Frisuren. EN DETAIL V1 Ilm vor IrrofQhruwg «m »chfl»«e11> bltto denVorwmew OTHNIB und die « I