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Jüdische Presse · 1924-08-08 · 32 (8.8.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
32 (8.8.1924)
Date
1924-08-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 218 JÜDISCHE PRESSE Nr. 32 und Emigratton — alles Sonderfächer, die in das Gebiet der Unterzeichneten Organisationen fallen — Beschlüsse zu fassen haben. In der Erwägung, dass sowohl die Vorbereitung der erwähnten Programmpunkte, für die Konferenz als auch deren Behandlung ge• wünschten Beschlüsse nach der Konferenz zur Voraussetzung haben, dass diese Arbeit durch alle Organisationen, die auf den betreffenden Gebieten des jüdischen Lebens wirken, gemein• sam getan wird, drücken wir unser Befremden darüber aus, dass Sie zum Schaden der Sache keinen Versuch gemacht haben, sich rechtzeitig mit den betreffenden Organisationen zu ver• ständigen. Was die Angelegenheit selbst betrifft, so halten wir dafür, dass eine Kondlnlerung der Tätigkeit der jüdischen gesellsch^ftlchen Organisationen heute nötiger ist denn je. Auch wir sind sehr in der Frage der Schaffung eines jüdisehen Weltverbandes zu den oben erwähnten Zwecken interessiert. Die geplante Konferenz wird nur dann eine Berechtigung haben, wenn sie nicht allein nominell, sondern auch faktisch eine gemeinsame Konferenz aller in Betracht kommenden Organisationen sein wird. Wir sind überzeugt, dass die Konferenz nur dann die ihr vorgezeichneten Aufgaben | wird erfüllen können, wenn sich die interessierten gesellschaftlichen Organisationen auch schon an dem Prozess ihrerVorbereitung und Organisierung beteiligen und sowohl an ihrer Struktur als auch an ihrem Charakter und ihrem Programm mitwirken. Damit noch, solange es Zeit ist, eine Uebereinstimmung erzielt wird, schlagen wir Ihnen vor, schon in d ennächsten Tagen nach Berlin eine Konferenz einzuberufen, an welcher die Unterzeichneten Organisationen, die Sie zur Konferenz eingeladen haben, teilnehmen und auf welcher die die Konferenz berührenden wichtigsten Fragen durchberaten werden. Dieser Schritt der abgenannten drei grossen Organisationen wirft ein grelles Licht auf die eigenartige Methode, ׳mit welcher die jüdische Welthilfszentrale arbeitet. Um die Situation richtig beurteilen zu können, muss man ׳sich vor Augen halten, dass zwischen ״Ort“ und der jüdischen Welthilfszentrale keine guten Beziehungen bestehen. ״Ort“, Gesellschaft zur Förderung von Handwerk und praktischer Arbeit unter den Juden, wurde vor vielen Jahren in Russland gegründet und da sie hauptsächlich praktisahe Ziele verfolgt, Hess sie sich von den Zionisten und von den Anhängern der hebräichen Sprache ncht ins Schlepptau nehmen. ״Ort“ wurde vielmehr in diesem stillen Kampfe die Hochburg der antizionistiscen Jiddischisten. ״Ort“ gewann auch eine zahlreiche Anhängerschaft in Amerika, und so gelangte sie zu einem grossen Einfluss. Als vor einigen Wochen sich ״Ort“ mit einem Aufruf an die jüdische Welt wandte, hat Haolam ״Ort“ wegen ihres Wider- Standes gegen den zionistischen Einfluss scharf angegriffen. Da nun wiederum die Jüdische Welthilfszentrale unter der Präsidentschaft Leo Motzkins den Versuch macht, die philantroytiischen Anstalten unter verhüllte Parteiherrsohaft zu bringen, zu diesem Zwecke eine zweite Welhilfskonferenz nach Karlsbad einberuft, weisen die oben genannten antizionistischen und apolitischen Organisatonen in dem obigen Schreiben an die Welthiifszentrale auf die Unkorrektheiten hin, ide schon in der Vorbereitung der Konferenz und Zusammenstellung ihrer Tages- Ordnung, sicherlich aus parteipolitischen Zwecken, begangen worden ist. Dieser verhüllte Kampf um die Vorherrschaft im jüdischen Leben, dieser Missbrauch philantropMscher Arbeit zu politischen Zwecken, ist auch vom Standpunkte der Agudas Jisroel sehr beachtenswert. Einer unserer Mitarbeiter hatte Gelegenheit, mit dem derzeitigen Spezialisten Fra/* MtyftUqher Haanrbqiten tjfr Mia, ist es n^ja^zehnt^ Öem bekai orthodoxe F|iu«p, lapgen Bemflhugen enftteft genmsen BctyeifBj narzt die dem eigesenHaare mit Venufflffehditer Tüuschung’&ldfc־ Ssahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des «fri Bqljh wird |icb je<|e ort&. Braut leichten und freudigen Herzens entjy^e/taen, <U* eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höüichat eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Bctfla, Wien, IV., Gu88hau8straa8e 26 Telephon 58-9-12 Elender Jude, schrie er, und Sie verführen meine Nichte... sie ׳wollen sie abtrünnig ihrem Glauben machen, mit ihr fliehen! Wissen Sie nicht, dass ich Sie dafür dem Henker ausliefern kann?“ Ich wollte etwas erwidern, aber bevor ich stammelnd noch das Wort gefunden, das mich entlasten konnte, ohne das Mädchen zu beschuldigen, war Marianne ihrem Onkel entgegengetreten und hatte mit scharfer Betonung ihm die Worte ins Antlitz geschleudert: ״Der Jude da hat mich zu keiner Abtrünnigen machen wollen ... er ist auch nicht mein Verführen Nicht er ist strafbar . . ״Schweig’ 'Lügnerin! — donnerte ihr der Priester zu — und fort mit dir! Geh’ auf dein Zimmer. Mit dir werde ich später abrechnen. Erst aber muss ich mit diesem Juden fertig werden.“ Mit gebieentder Hand wies er seiner Niohte die Türe. Sie gehorchte. Aber sie wandte sich an der Schwelle nochmals um und sagte: ״Vergessen Sie nicht Onkel, ich kann es mit einem heiligen Eide beschwören, dass ihn — sie wies auf mich, während sie, “wie zum Abschied grüssend, mir einen innigen Blick zu warf — keinerlei Schuld trifft. Ihn nicht! Ich schwöre es. Und Sie wissen, was ein Eid für mich bedeutet!“ Höhnisch auflaohend rief ihr der Pirester nach: ״Wir wollen es afowarten, wenn man im gegebenen Falle mehr glauben würde: dem Worte des Priesters oder dem Eide der . . . — er suchte nach dem’ Ausdrucke — verliebten Närrin.“ (Fortsetzung fotet.) Leiter der Keren Hathora-Zentrale der Aguda, Herrn Schulrat Dr. Leo Deutschländer, der früher im litauischen Unterrichtsministerium tätig war und als Delegierter des jüdischen Nationalrates von Litauen an der ersten WelthilifSkonferenz teilgenommen hat, über diese Angelegenheit zu sprechen. Herr Doktor Deutschländer machte die folgenden überaus beachtenswerten Mitteilungen: Ich bedaure sehr, dass die Jüdische Welthiifszentrale nicht jene apolitische soziale Zusammenfassung der jüdischen Hilfstätigkeit geworden ist, die sie zu werden versprach. Bei der ersten Welthilfskonferenz vor vier Jahren war ich als Vertreter Litauens mit dem damaligen jüdischen Minister Dr. Soloweiczik und Vizeminister Dr. Rachmilewicz anwesend. Dr. Nathan Birnbaum, der Vertreter der Agudazentrale, protestierte vom Präsidententisch aus gegen die Arr, Vorbereitung und Zusammensetzung der Konferenz, die so solche offenkundigen parteipolitische Tendenzen enthüllte, dass Dr. Broch während der Tagung seinen Sitz im Präsidium niederlegen sich gezwungen sah. Während der verflossenen vier Jahre hat Agudas Jisroel durch die Gründung von ״Hilfswerken“, ״sozialer FürsorgesteHen“, ״Waisenhäusern“ und ״Werk- Stätten“ in Mittel- und Osteuropa, gewaltige Lei- Stengen vollbracht, die jeden Arbeiter auf sozialem Gebiete mit Staunen erfüllen. Der auf der Kenessio Gedaulo in Wien gegründete Keren Hathora hat während der verhältnismässig kurzen Frist seines Bestehens für die schwer leidenden jüdischen Thoralehranstalten bisher schon erhebliche Zuwendungen aufgebracht. Die Welthiifszentrale hat selbstverstündlich nicht unterlassen, einzelne unserer Hilf s werke zu der Karlsbader Konferenz einzuladen. Die eingeladenen agudistischen Körperschaften Werden, soweit wir unterrichtet sind, der Einladung auch Folge leisten, da die Zentralleitung der agudistischen Hilfswerke der Ansicht sind, dass die Hilfstätigkeit völlig apolitisch sein muss; sie hat ׳bloss das Bestreben, dahin zu wirken, dass die Führung von Wöhlfahrtsanstalten den Thoragesetzen entsprechen muss, dass die jüdische Tradition respektiert werde. Unsere Vertreter werden nebst dieser grundsätz- ■lieber Förderung auch in geeigneter Weise die parteiisch politische Einstellung der Welthiifszentrale aus zuschalten zu suchen, was allein'die Gewähr für ein erspriessliches Zusammenarbeiteg aller grossen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen gibt. Die Vorbere'itung der jetzigen Konferenz, die Verteilung der Einladungen und der Referate bietet für den Eingeweihten einen bedauerlichen eklatanten Beweis für einseitige parteiische Einstellung des grossen Unternehmens. Wir bedauern diesen Umstand um so mehr, als Agudas Jisroel, die auf sozialem Gebiete eine gemeinsame Arbeit für möglich hält, hiedurch in eine schwierige Situation geraten muss. R. Wir Verräter! Herrn Nahum Sokolow, dem Sprecher der zionistischen Exekutive, gewidmet. Wir Verräter, die wir starr und stark am Gotte Israels und seiner heiligen Thora mit allen Fasern unseres Lebens hängen, wir Verräter, die wir trotz aller Pein und aller Qual, die uns von Feinden und eigenen Brüdern zugefügt wird, das Banner unseres Gottes, die Thora Hakedoscho, hochhalten werden für alle Zeiten, wir Verräter werden eines Sinnes sein und eine Tat werden wir mit Gottes Hilfe vollbringen: Die Erhaltung und Verteidigung des Thoragesetzes bis zu ihrem endgültigen, vollkommenen Siege im Volke Israel und in der ganzen Welt. Wir Verräter werden mit allen Mitteln des Geistes, mit aller Kraft der Ueberzeugung das Werk aller jener stören und verhindern, die nicht sehen wollen, dass ihr Werk gegen das Werk Gottes ist, dass unter ihren Händen das Licht der heiligen Thora verlöschen muss, dass unter ihren Füssen die einzige Kraft, die das auserwählte Volk durch die Jahrtausende am Leben erhielt, sich in Todeskrämpfen windet. Wir Verräter werden mit aller Kraft gegen die Vernichtung jüdischer Gläubigkeit, jüdischer Lehre, jüdischer Sitte, jüdischen Empfindens, jüdischen Wissens, jüdischer Zucht, jüdischer Familie bis zu unserem letzten Atemzuge kämpfen. Wir Verräter werden ״konsequent die Einheit der jüdischen politischen Front“ durchtrechen, solange diese Jüdische politische Front“ weder jüdisch noch politisch ist und solange diese Front, die Front der Sabbatentweiher, der Thoraschänder, der bewussten Feinde alles religiös Positiven im Judentum ist. Wir Verräter werden mit aller Kraft zu verhindern suchen, dass unser heiliges Land zum unheiligen Tummelplatz bolschewistisch-nationalistischatheistischer Parteimacher wird, wir werden zu verhindern suchen, dass an der Stelle, wo einst der Tempel stand, am Sabbat Automobile rattern, dass an der Stelle, wo unsere Helden einst mit den Worten Schma Jisroel! den heiligen Erdboden mit ihrem heiligen Märtyrerblut tränkten, dass an diesen Stellen für den Unglauben in hebräischem Gewände neue Kanzeln errichtet werden. Wir Verräter werden zu verhindern suchen, dass in dem Lande, wo einst, als von einem jüdischen Volke kaum eine Spur mehr vorhanden war, ein Häuflein Männer sich niederliess und das Wort Gottes lehrte und lernte und so mit Hilfe des Gotteswortes das Volk vor dem Verderben rettete, dass in diesem Lande Schulen erbaut werden, in denen jüdische Jugend zu Feinden des alten jüdischen Volksgeistes erzogen wird. Wir Verräter werden uns weder einschüchtern noch a’bschrecken lassen durch gesprochene oder geschriebene Worte. Wir Verräter werden dafür kämpfen, dass das Wort: Ki mizijon tejze Tauroh, udewar adoschem mijeruscholajim in Erfüllung gehe. Darum werden wir ״Verräter“ immer und immer wieder mit aller Kraft gegen die ״Volk sb e g 1 ü c k e r“ kämpfen. Der Sieg aber wird Gottes sein. k. Die Ermordung Prof. Dr. de Haans. Verhaftungen im Zusammenhang mit der Mordaffäre Prof, de Haans. Jerusalem. (A. J.P. B.) Die Polizei hat mehrere Verdächtige verhaftet, darunter ־ zwei Journalisten, die bereits vor mehreren Wochen ein Attentat gegen de Haan geplant haben und einen Chaluz namens Jakob GussmannJ Gedenkfeier nach Prof• de Haan• Wien. (A. J. P. B.) Der Ablauf vom Trauermonat nach Prof, de Haan wurde in vielen Orrtsgruppen zum Anlass genommen, der Persönlichkeit Prof, de Haans und seines tragischen Schicksales zu gedenken. Auf eine An* regung von ״Kol Jisroel“ in Jerusalem wurde anlässlich der Siumfeier, nach Abschluss von Massoches Erubin, gleichzeitig auch eine Trauerkundgebung nach Professor de Haan veranstaltet. Weitere Pressestimmen zur Ermordung de Haans Lemberg. (A. J. P. B.) Hugo Bergmann veröffentlicht einen Artikel in dem Hisachduth-Organ, ״Volk und Land“, wo er scharf den Mord an de Haan verurteil^ und seinem Erstaunen Ausdruck gibt, dass der Mord so wenig wirkliche Erregung in den jüdischen Kreisen hervorgebracht hat. Die Zeitungen verurteilen wohl in offiziellen, wohlgefügten Sätzen die Schandtat, aber man verspürt nichts von der elementaren Entrrüstung, die jeden Juden, ohne Parteiunterschied, ob dieser Tat erfüllen müsste. Der Artikelschreiber empfiehlt, den F0rderungen anderer Gruppen und Anschauungen mehr Verständnis entgegen zu bringen und so zur Entgiftung der Atmosphäre beizutragen. Symptome. Untenstehend bringen wir charakteristische Teile aus dem letzten Bericht Jacob Israel de Haans an das ״Handelsblad“. Dieser Brief trägt das Datum: Jerusalem, den 20. Juni: § 23 des Mandats. Der Zionismus hat, durch misrachistische Propaganda, stets behauptet, dass ein jüdi* scher Staat, oder etwas, das ihm gleicht, den grossen Vorteil hat, dass niemand aus Brotsorgen heraus ge* zwungen sein soll, die Sabbat* und Festtage zu schänden. Zum grossen Teil ist dies auch wahr. Niemand wird ge* zwungen, an Sabbat- oder Festtagen in einer jüdischen Institution zu arbeiten. Und was nun den § 23 betrifft: jüdische Beamte, die bei der Regierung beschäftigt sind, werden regel* massig gezwungen, an Sabbat und Festtagen zu arbeiten. Am grossen Versöhnungstag haben Maschinisten die Lokomotiven bedienen müssen. Und ein jüdischer Polizist wurde wegen Dienstverweigerung am grossen Versöhnungstag schwer bestraft. Natürlich hat man Proteste losgelassen. Aber die Leiter der verrschiedenen Departements erklären Brautausstattungen Billigste Einkaufsquelle in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Taschen- und Tischtüchern etc. Leopold Lederer stiege 5 (nächst Salzgries), Telephon 65-3-71

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