Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 32 (8.8.1924)
- Date
- 1924-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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; * V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JÜDISCHE m Redaktion und Administration ז Wien, II., Malzgasse 12 a. - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Qanzjährig: Für Oesterreich K80,000, Deutschland Ooldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 26, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100.000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; f.Rumftnien: B&nca Mcrmarosch Blanc & Co für Florenz ft Co, Bukarest;für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. Nr. 32 Wien-Bratislava, 8. August 1924 ,T6v1 אב rt ביה ויענודםרעססבורג 10■ Jahrg• Die Probleme der Zeniralratstagung. Am 16. Elul (15. September) findet in Krakau die Zentralratssitzung der Agudas Jisroel statt. Da der Zentralrat in einer Zeit zusammentritt, in der wichtige allgemeine jiidisehe Probleme erörtert werden, haben wir uns an führende Persönlichkeiten der Agudas Jisroel mit der Bitte gerichtet, sich über die Probleme und Aufgaben der Zentralratssitzung zu äussern. Robert Müller schrieb einmal ׳in einem gedankenschweren Artikel über die Politisierung Oesterreichs das gute Wort, die Politisierung einer Gemeinschaft heisse das Abmessen der privaten Lage jedes Einzelnen an den grossen bewegenden Kräften und Ideen. Müller fügt noch hiezu, dieses Ahmessen müsse rational sein, das heisst, es müsse ohne Rast sich vollziehen bis zur gänzlichen Gleichstellung dieser beiden Interessengebiete des Einzelnen und der Gesamtheit. Unsere Leser werden verstehen, dass diese Erklärung fast vollkommen übereinstimmt mit dem, was wir unter KlaH-Arbeit begreifen, und dass nichts dringlieber, aber auch nichts leichter ist, als eine Politi־ sierung der Orthodoxie. In diesem Sinne wurde von der Aguda zu einer Zeit, in der alles sich in Einzelinteressen aufzulösen drohte, die Politisierung der Orthodoxie begonnen, in diesem Sinne und zu diesem Ende treiben wir Politik. Und gerade, weil es unsere Politik nicht gestattet, dem ״sacro egoismo“, der in trügerischer Form als Selbsterbaltungsnotwendigkeit heiliggesprochenen Selbstsucht Raum zu gewähren, gerade deshalb sind wir das Ziel so vieler Angriffe. Der Kampf unserer Tage auf allen Gebieten, vom Völkerbunid an bis zur kleinsten KebiUa geht immer wieder lezten Endes darum, ob es denn nicht genügt, wenn die im ersten Satz geforderte Abmessung irrational bleibt, d. h. wenn ein Rest dem nackten, rücksichtslosen Egoismus zugestanden wird. Auf diesem Standpunkt steht der moderne Nationalismus mit dem ziemlieh klaren Verlangen, dass jener Rest grösser ist, als der der Menschengesamteit dienende Teil der Interessen. Und die falschen Propheten eines jüdisch-völkischen Nationalismus gehen dieselben Bahnen. Mit diesen Gedankengängen muss sich die Zentrairatstagung vertraut machen» wenn sie mit ihrer Aufgabe, das Programm der Aguda immer mehr und mehr in die Wirklichkeit umzusetzen, einen Schritt vorwärts kommen will. ״Die Politisierung der Orthodoxie“, das müsste der einzige Punkt der Tagesordung sein. Unter diesem Namen und unter diesem Gesichtspunkte müssten alle Gegenstände betrachtet und erledigt werden. Zunächst organisatorisch. Während der Zionismus das ganze Innenleben in den Dienst eines äusseren Erfolges stellte — die Besten dieser Hoffnung, dass nach Erreichung des Zieles auch die Bedürfnisse der Seele wieder mehr Berücksichtigung finden werden — also das Judentum als die treibende Kraft negierte, um die Judenheit, den einzelnen Individuen grosser Bewegungsfreiheit und Hemmungslosigkeit in der Betätigung des Lebens z!u verheissen, misst Aguda alles au der Idee des Judentums. Aguda muss ferner die in den einzelnen grossen Siedlungsgebieten entstandenen Verschiedenheiten in bezug auf die Politisierung — immer wieder im Sinne der einleitenden Erklärungen aufzufassen — sorgfältigst respektieren und muss dies auch organisatorisch zum Ausdruck bringen• Selbstverstündlich birgt diese Aufgabe ungeahnte Schwierig• keiten in sich• Es ist Pflicht des Zentralrats, die Organisation so auszugestalten. dass auch die verschiedenen Agudaprovinzen ihie Pflicht, sich restlos in den Dienst des ganzen zu stellen, aufnehmeu und betätigen. Nur so kann der auf etwa sieben Provinzen verteilte Gesc'häftsiführende Ausschuss seiner Aufgabe reibungslos gerecht werden< Aeusserlich muss dies durch einheitliche Ausgestaltung einer Zentrale, eines Vororts, und durch engste Zusamamenarbeit dieser Zentrale mit dem Rabbinischen Rat in Erscheinung treten. Eine so gestaltete Zentrale musste dann das Problem lösen, die Politisierung der Orthodoxie zur Politisierung der Judenheit sich ausdehnen zu lassen. Es wäre ein vergebliches, hoffnungsloses Beginnen, dieses Bestreben in solche Organiationen zu tragen, die nur und ausschliesslich die Judenheit kennen. Denn dieser Irrtum ist der Anfang vom Ende auch des Individuums als Glied der Judenheit. ׳ Wo aber immer auch nur eine Spur vom wirklichen Judentum vorhanden ist, da muss die Aguda, die sich gefestigt und erstarkt, den Weg suchen, um das Judentum zum vollen Sieg zu führen. Teilnahme an der Welthilfskonferenz, Bewertung der Bedeutung der Jewish Agency, Verhandlungen mit anderen Organisationen, all dies sind Einzelpunkte, Etappenstationen, bei denen stets sorgfältigst geprüft werden muss, ob die heute so oft erstrebte, so viel gepriesene Neutralität nicht eine Verhüllung der einseitigen Judenheitsbetonung ist. Diese Prüfung ist das Alpha und das Omega der Agudapolitik. P. K. Die jüdische Welthilfskonferenz. Berlin. (J. T. A.) Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird mitgeteilt: Die Einladung zu der für den 21. August nach Karlsbad einberufenen II. Jüdischen Welthilfskonferenz, die die Exekutive der Welthilfskonferenz in Paris an die Welthilfskonferenz nicht angeschlossenen zentralen jüdischen Organisationen ergehen Hess, hat in den führenden Kreisen dieser Organisationen Befremden hervorgerufen. In diesen Kreisen hält man dafür, dass in Anbetracht dessen, dass die vorgeschlagene Tagesordnung buchstäblich aller Sondergebiete der gesellschaftlichen Tätigkeit, (Gesundheitsschutz, landwirtschaftliche Arbeit, Berufsausbildung, kooperative Bewegung, Emigration u. a. m.) umfasst, eine solche Konferenz nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie von Anfang an als eine gemeinsame Konferenz aller auf den betreffenden Gebieten tätigen jüdischen Organisationen organisiert wird. In den letzten Tagen haben in Berlin Beratungen zwischen den Zentralverwaltungen der Verbände ״ORT“, ״OSE“ und Zentralverband für die jüdischen Berufsgenossenschaften Osteuropas stattgefunden, in deren Resultat die genannten Organisationen das folgende Schreiben an die Exekutive der Welthilfskonferenz gerichtet haben: ,.Wie wir aus der vorgeschlagenen Tages- Ordnung ersehen, wird die Konferenz über Fragen des jüdischen Gesundheitsschutzes, der jüdisehen professionellen Schulen, der Landwirt- Schaftstätigkeit, Hilfe durch Arbeit, Kooperation Der Traum des Rabbi. (Fortsetzung.) ״Was wünschst du, Marianne?“ fragte, sie finster anblickerid, der Priester. ״Seine Nichte zog ein verschlossenes Schreiben aus der Tasche, reichte es ihm mit den entschuld!־ genden Worten: ״Ein Brief des Bischofs, den sein Diener soeben überbrachte; er soll sehr, sehr dringend sein, sagte er, aber ich erlaubte nicht, dass er selbst eintrete.... Und die Mutter hatte vor Schmerzen wieder das Bett aufsuchen müssen, das sie kaum erst verlassen.. ״Und die Magd, wo ist die?“ fragte der Priester. ״Die ist um diese Zeit in der Kirche,“ antwortete das Mädchen. Dabei streift mich ihr Blick, so unwillkürlich erwartend, daß zwischen der Entfernung der MagcT und meiner Anwesenheit ein gewisser Zusammenhang bestehe. Der Priester hatte inzwischen das Schreiben geöffnet, das wohl nur wenige Zeilen enthielt. Erregt murmelte er, nachdem er diese überflogen: ״Ia, ja... das ist in der Tat sehr dringend.“ Er dachte einen Moment nach. ״Geh’ auf dein Zimmer, mein Kind,“ sagte er dann zu seiner Nichte, die sich rasch entfernte. Zu mir sich wenden, meinte der Priester nachdenklich: ״Ich möchte heute unser Gespräch nicht abbrechen, ohne Ihnen noch einiges bemerkt zu haben. .... Ich werde trachten, bald zurück zu sein; erwarten Sie mich hier und lesen. Sie inzwischen in diesem Werke, damit Sie sich nicht langweilen.“ Er reichte mir ein Buch und verliess eilig das Zimmer. Ich war nicht weiter als bis zum Titel des Buches gelangt, als die Türe sich wieder öffnete und die Nichte des Priesters eintrat. Ihr tiefes ׳Erröten, die zitternde Stimme, mit der sie mich anredete, bewiesen nur zu deutlich ihre Verlegenheit, ihre Fassungslosigkeit. Aber mit einer mächtigen Willensanstrengung überwand sie diese, und was hörte ich aus ihrem Munde?... Ach, Rabbi, meine Feder stockt, und obwohl die glühenden Worte des Mädchens noch heute, wie in Erz geprägt, in meinem Gedächtnisse haften, will ich sie nicht wiederholen. Genug, dass ich, während mein Herz von bitterer Reue zerfleischt ist, vor Eurem heiligen Sinn das Bild sündhaften Tuns entrollen muss..., die sündhaften Worte will ich sparen.... Was sollte ich alles hören! .... Aus unklaren Andeutungen entnahm ich, dass ein grosses Geheimnis das Herz des Mädchens bedrücke, sie sei die ׳Herrin eines grossen Vermögens, über das sie unbeschränkte Verfügung habe, da׳ss sie aber durch einen furchtbaren Eid gezwungen sei, darüber und über noch manches andere zu s'chweigen.... Aber sie sei bereit, alles, alles für mich zu opfern! Sie habe, ohne dass Ihr Onkel eine Ahnung davon habe, mich sehen können, wenn ich bei ihm war, sie habe unsere Gespräche angehört, und sie — liebe mich! Sie wolle lieber sterben, als auf diese Liebe verzichten.... Das Mädchen beschwor mich, ich möge zu ihrem Glauben übertreten, sie wolle dann mein Weib werden... Als ich nur mit einem Schütteln des Kopfes antwortete, brach sie in Tränen aus, schwur mit tausend Eiden, sie wolle au!s Liebe zu mir das grösste Opfer bringen, wolle Jüdin werden und mit mir ziehen, wohin immer. Ich möge mit ihr fliehen; sie bezeichnete in stürmischer Hast den Ort — die Wohnung ihrer alten Amme — wo wir, ohne Gefahr entdeckt zu werden, alles nähere zur Fluoht besprechen könnten. Mein Schweigen brachte sie ausser sich, sie schwur, sie werde sich töten, wenn ich sie von mir stosse. Ihre Worte hatten einen ersohütternden Klang, ihre Tränen hätten einen Stein erweichen können. Aber ich bat sie doch nur immer wieder, sie möge von ihren törichten, wahnsinnigen Plänen ablassen. Ihrem Schmerze gegenüber fand ich keine harten Worte, aber sie merkte wohl, dass ich ferne davon war, auf ihre Vorschläge einzugehen. Da umfing!sie mich mit ihren Armen und 'hre leidenschaftliohen Küsse brannten auf meinem Gesohte... Ich war jung .... meine Gedanken verwirrten sich .... ich duldete ihre Küsse... erwiderte sie... Da schreckte uns ein lauter, wuterfüllter Schrei auf. Der Priester stand vor uns. Wir hatten sein Eintreten überhört. Sein Antlitz war verzerrt; seine blutunterlaufenen Augen hatten einen fürchterlichen Ausdruck. Ich glaube, er hätte, wäre eine Waffe bei der Hand gewesen, uns beide ermordet. ״Gemeiner Verführer! Schändliche Dirne! — das waren die ersten Worte, die sich seinen Lippen entrangen. Mit geballter Faust näherte er sich seiner Nichte, und diese Faust wäre erbarmungslos auf ihr zartes Gesicht heralbgesaust, wenn ich 1dem Rasenden nicht noch rechtzeitig in den Arm gefallen wäre. /Y a% 4V N +## ~ Dit grösst* iattrnatioaal* Kimstwtrltstitie für - binar Scnin packen, $d>elt«l und Cransformatioiieii VF Dl/III ▼9■ ^'▼1/■■■ 6a «nt — <» lesall / Bttn«st« €UttwH<wene / PI« BtisteHM« »■« a«n«t. «wraewffltti« lUWftwr — ״ Wim 1♦ ׳ — Kiratamtag ßr. * (*«*alter «<a! 1*1*11tt$M1), c*1. im•«!liefert teil aebr alt aadertbalb sabrsebatea de« aoraebaitea orthodoxe« Dauea aller ESader Perlcke«. spexlalüt la Bra1t4cbettela» Bleie «erde« der midebeafrliar Nit oeiblllfeader €i«1cbN»a «aebteaaebt. ■V» 0■ oor mefgbraag iw «bitte«, wtie de» Pot»««ea OTHMASt 1ad die Hdreote aeaai «a beaebtea» -^a