Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 31 (1.8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mmm m₪m ־'*VW '• '••rw mmm pp!iPfipgeyiMiii»Wi&flg^?q1^ Nr. 31 iOMgqBHggge Sdte 213״ Zuschriften an die Redaktion. (Für die Veröffentlichungen in dieser Rubrik übernimmt tile Radaktion keine Verantwortung.) An d&t verehrliche Redaktion der ״Jüdischen Presse“ in Wien. Ich ersuche hiffl. um die Veröffent- Hebung nachstehender Zeilen: M. Griinwald, dier ״verantwortHche“ Redakteur der ״Jüdischen Wochenschrift“, dem offiziellen Organ der Misrachd-Verbände in den Donau- und Balkanländern, und Mitglied der Misrachi-Exekufcive für die Donau- und Balkanländer, hört nicht auf, mich in seinem Blatte zu verleumden. Obzwar ich alles Recht hätte, über das Urteil des seinerzeit stattgefundenen Schiedsgerichtes über eine Verleumdung des Grünwald, ׳Kritik zu üben, habe ich den Schiedsspruch respektiert und geschwiegen. Obzwar erwiesen worden ist, dass Grünwalds Verleumdung, dass ich an den Chaluzim Eirpresung geübt hätte, keine Grundlage hatte, habe ich keine weiteren. Konsequenzen daraus gezogen, im Bewusstsein,;dass es wohl in affen Ländern, wo Malkiel Grünwald ״tätig“ war, bekannt ist, weicher Art von Menschen Grünwaid zuzurecfanen sei und was man über Verleumdungen und Lügen GrünwaLds zu denken hat. Dass Grünwald noch weiter versucht, hrich um ,Ehre und Brot zu bringen, ist verständlich, wenn׳ man die moralisehe Beschaffenheit Grüniwalds kennt. Ich bringe hfemit zur Kenntnis* dass die Behauptungen Griinwalds in der jüngsten Nummer der ,Jüdischen Wochenschrift“ über mich und über die Tätigkeit“ des Löwenstein in der Aguda usw• nichts anderes als infame Verleumdungen und niederträchtige Lügen sind, auf die ich weiter nicht eingehen will. Ebensowenig will ah zu ׳Gerichte mit einem Grünwald gehen. Es steht dem Grünwald, dem ״verantwortlichen“ Redakteur der ״Jüdischen Wochenschrift“ und Mitglied der!Misrachä-Exefcutlve für die Donau- und Balkanländer frei, mich dazu zu zwingen. Elias Grünberg. Palästinakalender tttr 5685 Wie bereite ■eit einer Reihe von fahren hat aneh in diesem Jahre die PaUUtinazentraie der Agudas Jiaroel für das Jahr 6686 einen geschmackvoll ausgestatteten Wochenkalender hersteUen lassen. Der Kalender ist gegen Einsendung von Mk. 1.־— von der Palästinaientrue der Agudas Jisroel Frankfurt am Main, Eschenheimer Anlage 8i| erhältlich. Mit Rücksicht auf die kleine Auflage empfiehlt eich baldige Bestellung. Psllstiuintnls der Agsdss Jlnroel Frankfurt a. M. T6CHECH0-SL0 W AKEL 10300000« Eine wichtige Entscheidung des Obersten Verwaltungsget ichtshofes inPrag. In dem Tätigkeitsbericht, den der Präses der orthodoxen Landeskanzlei, Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Weber, am 15. Siwan in der Jahres- Versammlung der Landesrepräsentanz erstattete, wies er auf die Anstrengungen, die von gegnerischer Seite immer noch gegen den Bestand der orthodoxen Gemeindeorganisation und die Geltung ihres längst bestätigten Statuts gemacht werden, mit folgenden Worten hin: ״Vier Jahre sind es vor einem Monat geworden, dass die orthodoxe Organisation durch die regierungsbehördliche Sanktion des Landesstatutes die volle staatliche Anerkennung erlangt hat, und immer noch können wir nicht sagen, dass wir Orthodoxen ein von unseren Gegnern unbehelligtes beschauliches, ruhiges Leben führen können, immer noch obliegt unserem Zentralbureau eine zweifache und doppelte Aufgabe, die auf uns als die Leiter desselben schwer auf den Schultern lastet, eine Doppelaufgabe, die wohl in die knappen Worte: Abwehr nach aussen und Ausbau im Innern zusammengefasst werden kann, die aber eine ungeure gewaltige Verantwortung involviert. Wie bei der Gründung der Organisation diese zwei Momente unserer ganzen Tätigkeit die Richtung gewiesen haben und wir mit der einen Hand die geplanten Anschläge gegen die Orthodoxie zurückgewiesen, mit der anderen Hand alles aufbieten mussten, um die Anstalten und Einrichtungen zu schützen und zu pflegen, die ein geregeltes orthodoxes Leben zur ersten Voraussetzung hat, so können wir auch heute keine dieser beiden Hände in den Schoss legen und die weitere Entwicklung allen möglichen Zufällen überlassen.“ Wie eine Illustration zu diesen Sätzen wirkt eine Eingabe, die vor einiger Zeit von einer n e 010gen Gemeinde an den Obersten Verwaltungsgerichtshof in Prag gegen das orthodoxe Landes- Statut gerichtet wurde. Die Absicht war, die Gründüng einer orthodoxen Gemeinde prinzipiell unmöglieh zu machen und obendrein auch anderen nichtorthodoxen Körperschaften einen Modus zu schaffen, durch Eingaben an die Behörden des Landes die autonomen Rechte der orthodoxen Organisation und der ihr angeschlossenen Gemeinden anzutasten. Im besonderen war es unseren nichtorthodoxen Freunden nicht erst heute, sondern vom Beginne an stets daran gelegen, den Paragraphen der orthodoxen Statuten aus der Welt zu schaffen, der die Erneuerung und Wiederherste 1lung orthodox-jüdischer religiöser Gemeinwesen auch in solchen Orten gewährleistet, in die während der letzten Jahrzehnte der Geist der Neologie eingedrungen war und die sodann von den Neologen als ״erobertes“ Gut für ewigen Erbbesitz betrachtet wurden. Die Neologen hofften, eine החזרת עטרה לישנה sei für alle Zeiten ausgeschlossen, wo sie einmal eine Majorität erlangt, und die noch so alte, noch so ehrwürdige Gemeinde der orthodoxen Gemeinde- Organisation abwendig gemacht haben. Durch Zwang sollten die frommen Juden, deren religiöses Gewissen sich dagegen aufbäumt, im Abfall von der väterlichen religiösen Tradition zu verharren, an die neologe Gemeinde gefesselt und an der N e u g r ü ndüng von eigenen orthodoxen autonomen Gemeinden verhindert werden. Das orthodoxe Organisations- Statut, das für solche Repatriierung der Orthodoxie die Möglichkeit schafft, sollte nun neuerdings angegriffen werden. Ausserdem sollte wieder einmal der Gesamtheit der gesetzestreuen Gemeinden das ihr statutarisch gesicherte Recht, sich als 0״ r t h. i s r. Konfession“ zu bezeichnen, bestritten werden. Die höchste juridische Instanz unserer Republik, der Oberste Verwaltungsgerichtshof, wurde von seiten der Neologie angegangen, das entscheidende Wort zu sprechen. Glücklicherweise legt unsere^ Republik Wert darauf, ein RechsStaat zu sein,*in dem mit dem Reohte von Personen und Körperschaften nicht nach Willkür umgegangen wird. Der Oberste Verwaltungsgerichtshof hat die Angreifer abgewiesen und ihnen die Legitimation endgültig abgesprochen, sich um Bestimmungen von Statuten zu kümmern. der sie selber organisatorisch nicht unterworfen sind. Ein schlau erdachter Stoss gegen die Orthodoxie ist damit abgeprallt. Gottes Hand schützt die Orthodoxie. Bewiesen ist aber wieder einmal, dass die thoratreue Judenheit unseres Landes und die Leiter der orthodoxen Gemeinden wachsamen Auges ihre heiligsten Güter hüten müssen. Solange die Gegner der Orthodoxie —י in welchem Lager sie sich auch befinden mögen — sich nicht überzeugt haben, dass die Orthodoxie unter allen Umständen treu zusammenhält und ihre Organisation gegen jeden Angriff zu beschützen entschlossen ist, werden wir wieder und immer wieder Veranlassung haben, den alten Warnruf ertönen zu lassen: איש לאחליך ישראל! Die tschechoslowakische Presse Ober Oberrabiaer Schapira. Der Eindruck, den der Sanoker Raw während seines kurzen Aufenthaltes in Bratislava auf die gesamte jüdische und auf einen grösseren Kreis der nichtjüdischen Bevöikerung in Bratislava und Umgebung gemacht hatte, steht Immer noch im Vordergründe des öffentlichen Interesses. Seine Vorträge bilden überall den Gesprächsstoff. Die Orthodoxen sprechen mit Bewunderung von seiner talmudischen Gelehrsamkeit und der Begeisterung, die seine glänzenden Reden für die Bestrebungen der Agudas Jisroel geweckt haben. Die offenen und geheimen Gegner der Orthodoxie und ihrer organisatorischen Stärkung durch die Aguda verbeissen die Zähne und stellen ihn (nach erprobtem Vorbilde) als ״Ausnahme*4 unter den Agudisten hin. Von den bisher unorganisierten Juden unserer Stadt melden sich viele zum Anschluss an die Agudas Jisroel an. Auch die politischen Tageszeitungen llessen es sich nicht nehmen, je nach ihrer politischen Tendenz, die Oeffentlichkeit auf die Persönlichkeit und die jüdischen und allgemeinpolitischen Ideen dieses Agudaführers aufmerksam zu machen. Die in jüdischen Fragen unverkennbar unter zion ist isch e m Einfluss stehende ״B. Z. am Abend“ vom 22. Juli versieht ihren Bericht mit der Ueberschrift ״Ankündigung einer neuen politischen Riehtlinie der Orthodox!e?“ und schreibt: ״Ein hervorragender Vorkämpfer der jüdischen Politik weilt seit einigen Tagen in Bratislava. Rabbi M e i r Schapira, der berühmte Sanoker Rabbi, einer der prominentesten Führer der Orthodoxie in Polen, Gründer der Lubliner Jeschiwah, Abgeordneter des polnischen Sejms. Er konzentriert auf sich seit seiner Anwesenheit das allgemeine Interesse der hiesigen orthodoxen Judenschaft. Schon am Freitag wurden seine zwei Vorträge — ein thalmudischer und ein jüdisch-politischer — durch Flugzettel bekanntgegeben. Es wurde angekündigt, dass der letztere Vortrag auch für Damen zugänglich ist; ein Umstand, der lebhaftes Interesse hervorgerufen hat, da an den orthodoxen Versammlungen Damen nicht teilnehmen sollen. Von diesem Rechte machten auch viele Damen Georauch (selbstverständlich in einem besonderen, durch einen dichten Vorhang abgeschlossenen Raum! Red. d. .1. P.) die grossen Lokalitäten des Etablissements ״Belevue“ waren von Interessenten trotz der grossen Hitze überfüllt. Rabbi Meir Schapira, ein noch ganz junger, 35jähriger Mann, eine energische Erscheinung, ein hervorragender Volksredner, erscheint um 3 Uhr und fängt seinen zweieinhalbstündigen Vortrag im jüdisehen Jargon an. Er führte die grossen Probleme, die die beiden Lager des Judentumes, Zionisten und Agudisten, immer und immer beschäftigen, aus. Er berichtet über die Ziele der Agudah, deren Aufgabe er in der Verstärkung des jüdisch-religiösen Lebens im privaten wie im politischen Leben betrachtet. Die Orthodoxie ist nicht gegen den Aufbau Palästinas, jedoch für ein religiöses Palästina, wo die Religion nicht als Privatangelegenheit betrachtet wird. Die Religion war und ist immer das konservierende Mittel des Judentumes. Um dies zu beweisen, wirft er einen kurzen Rückblick auf * die jüdische Geschichte und betont die historische Wahrheit, dass gerade in der Zeit der grossen Bedrängung die schönsten Blüten der jüdischen Wissenschaften gediehen. Ein Maimonides, Jehuda Halevi und die vielen Grössen der jüdischen Literatur waren auch Anbeter und Besinger Palästinas, aber auch von Religiosität durchdrungen. Die Orthodoxie soll — sagt Rabbi Schapira — mit keiner jüdischen Fraktion zusammenarbeiten, welche die Religion als Privatangelegenheit betrachtet. — Der Vortrag des Orthodoxenführers dürfte in unserem jüdisch-politischen Leben grosses Aufsehen erwecken, zumal es den Anschein hat, dass seine politische Enunziation keine blosse Privatmeinung ist, sondern vielmehr eine Ankündigung einer neuen politischen Richtlinie der amtlichen orthodoxen Führerschalt darstellt. Wenn dies der Fall wäre, so dürfte dies eine neue Phase in unserer jüdisch-politischen Bewegung bedeuten. Ob diese Phase eine Phase der Entwirrung sein wird, werden die kommenden Ereignisse zeigen.“ Offenbar auf Grund des obigen Berichtes schreibt die extrem demokratische, jedoch ln ihrem Verhalten gegenüber der Orthodoxie oft ebenfalls von zionistischen Sonderbestrebungen beeinflusste ״L i d 0 v 6 N 0 v i n y“ unter dem Titel ״Aufgaben der orthodoxen Juden in der Slowakei** (nach der Uebersetzung der ״Selbstwehr“) folgendes: ״Die Bratislavaer Juden erhielten den Besuch des Herrn Meir Schapirö aus Sanok, Galizien, der zwei Vorträge in Bratislava hielt, einen talmudischen und einen jüdisch-politischen. Rabbi Schapirö legte dar, dass, solange er die Führung des orthodoxen Judentums innehabe, er die Festlegung des Judentums auf orthodoxe Bewegung setzen werde. Die orthodoxen Juden sind deshalb nicht gegen den Wiederaufbau Palästinas, aber sie wollen ein religiöses Palästina, wo das Religionsbekenntnis der jüdischen Bürger nicht eine Privatangeiegenheit jedes Einzelnen wäre. Deshalb dürfen die orthodoxen Juden mit keiner jüdischen Gruppe arbeiten, welche auf einer anderen Grundlage stehen. Schapirö spricht im jüdischen Jargon, aber zur allgemeinen Ver- Wanderung haben sich auch die Damen zu kommen erlaubt, welche sonst von allen orthodoxen Versanrmlungen ausgeschlossen waren. Wie man sieht, ist die Slowakei das gelobte Land der Klerikalen aller Bekenntnisse. Der Slowake, Hlinka, will aus der Slowakei ein katholisch-christliches Königreich dieser Welt machen, der deutsche Bischof Schinzel aus Olmütz geht zu diesem Zwecke für die Deutschen nach der Slowakei und der Abgeordnete Myslivec, ein tschechisch-klerikaler, in Vertretung des Prager Erzbischofs Kordäc, und die kalvinischen Magyaren wollen in der Slowakei den Einfluss ihrer Pastoren erhalten und sichern, und heute kam noch der galizische Rabbiner hergefahren, um sich der slowakischen Juden zu vergewissern.“ Herr Oberrabbiner Schapira hat, wie allen Anwesenden bekannt — nicht ein einziges Wort über die politischen Richtlinien der slowakischen Judenheit gesprochen. Das ganze ist eine zionistische Erfindung, ebenso wie der noble Ton von dem ״hergefahrenen galizischen Rabbiner“ (siehe weiter unten!) der ureigenen Denkart unserer Prager Zionisten angepasst erscheint. * Was Oberrabbiner Schapira wirklich ist, welchen Eindruck er auf unvoreingenommene objektive Beobachter macht, wie er sich zu den bewegenden Ideen und den Organisationen des Judentums in der Gegenwart stellt und welchen politischen Stand- Punkt er und die anderen agudistischen Abgeordneten im polnischen Sejm vertreten, das schildert in geradezu plastischer Weise Redakteur Josef F a b i k in der ״Pressburger Zeitung“ vom 23. Juli in Form eines brillanten ״Gesprächs mit dem Raw vonSanok“, das wir hier seiner Wichtigkeit wegen vollinhaltlich wieder geben: ״Einer der prominentesten und dabei jüngsten Mitglieder des Babbinerkollegiums in Polen, dessen Ruf die Landesgrenzen längst verlassen hat, Meir S c h apiro, der Raw (Rabbi) von Sanok, weilte einige Tage in Pressburg. Ein berühmter Führer der Orthodoxie, der Agudas Jisroel, eine eindrucksvolle Persönlichkeit, trotz seiner — 36 Jahre. Sein Vortrag in Pressbürg, dem auch Damen beiwohnten, wird unter der hiesigen Judenschaft nicht ohne Nachwirkung bleiben. Denn gesprochen und überzeugend gesprochen hat der Raw von Sanok. Was ist er? Es ging ihm ein Ruf, wie etwa der eines Wunderrabbis voraus, doch bescheiden lächelnd wehrte er alle meine diesbezüglichen Fragen ab — er gab nur zu, dass das Volk zu ihm ströme, weil er ein Richter ist in allen guten und bösen Dingen. Wer ist Raw Schapirö? Es erscheint selbstverständlich, dass er Mitglied der polnischen Nationalversammlung ist, dass er den Ruf eines Gelehrten besitzt — trotz seiner erst 36 Jahre. Wer aber Raw Schapirö, der Wirkliche, ist. das will ich hier erzählen: — Vor nicht langer Zeit wurde ihm von der Kultusgemelnde in Warschau der Rabbinatsstuhl angeboten. Der Rabbinatsstuhl der grössten jüdischen Gemeinde der Welt! Rabbiner in Warschau! Nur sollte Schapirö sich nicht mehr für die Agudas Jisroel exponieren — für den Rabbistuhl. Schapirö ging und blieb Raw von Sanok, blieb Schapirö selbst. Seine Anwesenheit und sein öffentliches Auftreten in Pressburg hinterlässt eine tiefe Spur, dazu steht er zu fest am Boden der jüdischen Tradition. Ein Kämpfer derselben, mk dem Mute und der Zähigkeit seiner Jugend.