Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 31 (1.8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Aufgäbe der Jugend ist es, schloss unter dem Beifall der Anwesenden der Redner, diesen Anfeindungen den ge• eigneten Willen der Weltorthodoxie gegenüber zur Stellung und durch Kampf zum Sieg, zu verhelfen. Herr Dr. M. Wundermann, der als nächster sprach, verband geistreich den Anfang der neuen Messechto mit dem Schluss der Beendigten um dann dem Wunsche auf die Fortsetzung solcher Simchos Ausdruck zu geben. Herr Moses Spitzer benützte die Gelegenheit, um in scharfen Worten die Angriffe, denen die Orthodoxie ausgesetzt ist, auf Grund der Tatsachen, zurück• zuweisen und deren gehässige Tendenz und Haltlosigkeit aufzuzeigen. Gleich Bar Kamzo in der Gemoro werden Verleumdungen in die Welt gesetzt, die vor der Oeffentlichkeit wie berechtigt aussehen, in Wirklichkeit aber haltlos sind und niederen eigenen Zwecken dienen. Herr Siegmund Stern gab namens des Jugendgruppen Vorstandes der Freude Ausdruck, trotz der allgemeinen Krise und gedrückten Stimmung ein Fest feiern zu können. Unter dem Beifall der Anwesenden schloss Redner seine herrlichen Ausführungen mit dem Wunsche, dass der nächste Sijum in Erez Jisroel gefeiert werden möge. Der durch Herrn Schiffmann in launiger Weise durchgeführte Verkauf des Benschen fügte dem moralisehen Erfolg einen bedeutenden materiellen zu. In angeregter Stimmung wurde die Feier lange nach Mitternacht geschlossen. Die Tagesordnung der zweiten jüdischen Emigrationskonierenz. Berlin. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, wird die auf Initiative des Vereinigten Komitees für jüdische Aus- Wanderung einberufene zweite jüdische Emigrationskonferenz vom 12. bis 16. August in Prag im Hause der dortigen jüdischen Gemeinde tagen. Das Programm der Konferenz ist folgendes: 1. Er- Öffnung durch Herrn Leo Motzkln; 2. Die Lage der jüdisehen Emigration (Ref. Dr. Silberfarb); 3. Bericht des Zentralkomitees (Emigdirekt) und der Landeskomitees, erstattet von Herrn Dr. S. Tiomkin; Die Lage in den Immigrationsländern; Referate werden von Vertretern der einzelnen Länder gehalten werden. Ueber die Lage ln den Vereinigten Staaten wird ein Hias-Vertreter sprechen; über Südamerika der Delegierte des Emigdirekt, Herr W. LatZki־ Bartholdi. Ferner werden Referate über Kanada, Palästina und Südafrika gehalten werden; 5. Die Zukunftsarbeit für die jüdische Emigration (Referent Ben Nathan); 6. Organisation (Ref. Dr. Brutzkus); 7. Budget (Ref. Dr. Lewis Epstein); 8. die Frage der Emigrationsbank (Ref. Dr. Jochelmann-London); 9. Bericht der Sektion für juridisehe, medizinische und Transportfragen; 10. Wahlen. Organisierung eines jüdischen Weltverbands für soziale Hilfe (Ref. D. L. Motzkin und J. Efraikin, Paris). Ueber russische Fragen werden auf der Konferenz sprechen: Professor SUberberg. Odessa; Dr. W. Adler, Odessa, und L. Bernstein, Kiew. Grosser Erfolg der Keren Hathora-Aktion ln Belgien und Rheinland. Antwerpen. (A. J. P. B.) Dank den Bemühungen des Rakower Raws, Rabb. Kalmanowitsch hat die Keren Hathora־Aktion sowohl im Rheinland wie hier in Belgien einen grossen Erfolg gehabt. In Köln ist ein Komitee unter dem Vorsitz von Dr. Mayer geschaffen worden, das die systematische Arbeit für Keren Hathora im Rheinlande leitet. In Belgien ist unter dem Vorsitz von Kopel Splra ein Arbeitskomitee auf breiter Grundlage gebildet worden. Die öffentlichen Vorträge von Rabb. Kalmanowitsch waren überall ausgezeichnet besucht und sie haben viel Interesse für die Jeschiwoth in Polnisch-Litauen wie für die Flüchtlinge aus Russland erweckt. Die Verteilung der Gelder geschieht durch Ra^bl Chaim Oser Grodzenski in Wilna. Konferenz agudistischer Bodenkäufer In Litauen. Kowno. (A. J. P. B.) Am 1. Tammus fand auf Einberufung der Palästinazentrale der Agudas Jisroel in Litauen eine Konferenz der Bodenkäufer in Erez Jisroel statt. An der Konferenz beteiligten sich 32 Delegierte. Die Konferenz hat nach zweitägiger Beratung beschlossen, die Aktion für den Bodenkauf weiter fortzusetzen und nach Einlage des halben Bodenpreises Delegierte nach Erez Jisroel zu schicken, um den Bodenkauf zu realisieren. Gleiches Recht für Jiddisch in Weissrussland. — Jüdische Sowjets. Moskau. (J. T. A.) In der letzten Sitzung des Zentral-Exekutivkomitees der Sowjetregierung Weissrusslands wurde beschlossen, dass sämtliche Sprachen der Einwohner Weissrusslands bei Amtshandlungen zulässig seien. Als die Sprache der jüdischen Bevölkerung gilt das Jiddisch. Es wurde ferner beschlossen, dass in allen Orten, wo Juden in Massen leben, jüdische Sowjetrertretungen gewählt werden sollen. Scharfe Warnung im Warschauer ״Jud“ gegen die Emigration über Wien. Warschau. (A. J. P. B.) Das orthodoxe Organ ״Der Jud“ bringt in seiner Nummer vom 14. Juli auf erster Seite eine Kundgebung, ln welcher das traurige Los jener Emigranten, die ohne vorgesöhriebene Papiere und ohne das nötige Geld, ihre Reise abgetreten haben, geschildert wird. Das Blatt warnt eindringlich vor einer derartigen Emigration. Vortragstournee Dr. Nathan Birnbaums in Polen. Warschau. (A. J. P. B.) Den ersten Vortrag über das Thema ״Wenn Jüden wollten verstannen“ hielt Doktor Nathan Birnbaum in Lodz Dienstag den 13. Tammus — 15. Juli — im überfüllten grossen Saale von ״Philharmonia“. Dem Vortrage wurde seitens aller Kreise des jüdischen Lodz ein lebhaftes Interesse entgegengebracht. Die mit grosser Lebendigkeit und Innerer Ergriffenheit vorgetragenen religiösen Gedanken Birnbaums haben auf die Zuhörer einen gewaltigen Eindruck gemacht. Nathan Birnbaum gab auch verschiedenen Journalisten lange Interviews, wovon zu entnehmen ist, dass er demnächst ein spezielles Werk über seine Stellungnahme zu den Erez- Jisroel-Fragen veröffentlichen will. Von Lodz aus begab sich Dr. Nathan Birnbaum nach Warschau. Vor Beginn des Vortrages hat ihn Herr Schachne Awrach begrüsst und diese Begrüssung gestaltete sich zu einer ebenso herzliehen, wie imposanten Kundgebung für Nathan Birnbaum. Auch sein Warschauer Vortrag fand, dank seines religiösen Inhaltes, der trotz der philosophischen Teile gut verstanden wurde, eine enthusiastische Aufnahme. Senator Mendelsohn über die Rechte der jüdischen Soldaten. Warschau. (A. J. P. B.) Anlässlich der Behandlung des Gesetzentwurfes über Pflichten und Rechte der polnischen Soldaten im Senat hat Senator Mendelsohn (Aguda) eine grossangelegte Rede gehalten, in welcher er gegen die Entrechtung der jüdischen Soldaten in der polnischen Armee mit grossem Nachdruck eintrat. Nach der Antwort des Kriegsministers, die nicht ganz befried!־ gend war, brachte Senator Mendelsohn folgenden Vorschlag ein: Der Senat verpflichtet die Regierung, alle geheimen Erlässe des Kriegsministers, die im Widerspruch mit den Grundgesetzen der Verfassung die Rechte der jüdischen Soldaten beschränken, zurückzuziehen. Die eigentlichen Ursachen des Konfliktes im jüdischen Sejmklub. Warschau. (A. J. P. B.) Sejmdeputat Dr. Silberstein (Hisachduth) nimmt in einem zum ״Konflikt im jüdisehen Kolo“ betitelten Leitartikel in dem Hisachduth- Organ ״Volk und Land“ zu den jüngsten Ereignissen im jüdischen Sejmklub Stellung. Er glaubt, dass die Differenzen bei der Behandlung der Minderheitsprojekte bloss die äusserlichen Ursachen des Konfliktes bilden. Artikel- Schreiber ist der Ansicht, dass einerseits die venschiedenartige politische Vergangenheit trennt die Abgeordneten von Kongresspolen von jenen, die in Galizien unter der Einwirkung des altösterreichischen Parlamentarismus ihre politische Schulung empfangen haben. Andererseits aber ist es der persönliche Ehrgeiz des Abgeordneten Reich aus Galizien und des Abgeodneten Grünbaum aus Warschau, der eine konsequente Politik des jüdischen אגיא דתעניתא צדקה IHR FASTEN AM 9. Av wird tum Segen, wenn Sie die für Speisen erspsrte Aasgab• dem MM“ KIRIN IRB JISROBL 'Vl zuwenden. Si• h• 1 f6n d• 4ureh jüdisch• Schalen erhalten, jfldUche AulUn anteietatsea, jüdi«oh• KolonHation «Brderai Oie •aama dlater Uatoaa Unielbetrlg» wird tleh » gran•• Lelatunge« geetaltea. Palästina-Zeitrale dar Agudas Jisroel Fosteoheok-Kdntp: Frankfart am Main Nr. 63.900. Klubs unmöglich macht. Die Rivalität dieser zwei Zionistenführer hat es mit sich gebracht, dass der jüdische Klub tatsächlich zwei Präsidenten hat, die sich gegenseitig befehden. Es ist kein Wunder, dass die Agudisten einen grossen Einfluss gewinnen, dort, wo zwei Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees gegeneinander intrigieren. Der konfessionslose Eid im polnischen Senat. Warschau. (A. J. P. B.) Die Einführung eines konfessionslosen Eides, den die Linksparteien des Sejm beantragten, wurde jetzt im polnischen Senat behandelt. Der Entwurf wurde vom Senat verworfen. Entscheidend waren die Stimmen der agudistischen Senatoren, die mit der Mehrheit gegen den Entwurf gestimmt haben. Für den Entwurf stimmten alle anderen jüdischen Senatoren inklusive der misrachistischen Rabb. Kowalski und Rubinstein. Anlässlich der Behandlung des Gesetzentwurfes im Sejm hat es bereits in jüdischen Kreisen grosses Aufsehen erregt, dass, obwohl Abgeordneter Farbstein (Misrachist) mit den Agudisten gegen den Gesetzentwurf gestimmt hat, Rabb. Brod (Misrachist) für den konfessionslosen Eid eintrat. Die Einigung im jüdischen Parlamentsklub wieder hergestellt. Warschau. (J. T. A.) Am 18. Juli fand eine Sitzung des jüdischen Parlamentsklubs statt, in welcher über die Taktik der jüdischen Senatoren während der kommenden Budgetdebatte im Senat beraten wurde. Bei Schluss der Sitzung stellte der Präsident des Klubs Dr. Leon Reich, mit Zufriedenheit fest, dass die Einigkeit im jüdischen Parlamentsklub absolut ungestört geblieben ist und dass der Klub seine Arbeit im Interesse der jüdischen Bevölkerung ungeteilt fortsetzen wird. Das jüdische Waisenhaus ln Konstantinopel abgebrannt, 200 Kinder obdachlos. Konstantinopel. (J. T. A.) Das jüdische Waisenhaus ist durch einen Brand zerstört worden. 200 Waisenkinder, die in einem Institut Unterkunft gefunden hatten, sind obdachlos. Glücklicherweise sind keine Menschenleben zum Opfer gefallen. Die Lage der Kinder ist verzweifelt, da die Gemeinde, gegenwärtig nicht das nötige Kapital besitzt, das Waisenhaus wieder aufzubauen. Der jüdische Frauenrat strebt ein Sabbatruhe-Gesetz für die Schuten an. New York. (J. T. A.) Die Schulen und höheren Bildungsanstalten in den Vereinigten Staaten werden vom Nationalrat der jüdischen Frauen aufgefordert, die Anberaumung von Prüfungsterminen an den jüdischen Feiertagen zu vermeiden. Ein Kalender der jüdischen Feiertage wurde in Verbindung mit diesem Gesuch an alle Schulautoritäten, sowie an die Schul-Superintendanten und Rektoren überreicht. Die Sektionen des Frauenrats in 233 Städten werden eine gesetzliche Regelung der Feiertagsbeobachtung in den Schulen durch Vermittlung der lokalen Religionskomitees anstreben. Der Streik in Tel-Aviv beigelegt. Jerusalem, (j. T. A.) Der Bauarbeiterstreik in Tel- Aviv ist am 22. Juli beigelegt worden, nachdem die Forderungen der Arbeiter bewilligt worden sind. Der Streik der Zimmerleute dauert noch fort, ebenso der Streik der in der Fabrik der Herren Krinizi beschäftigten Abeiter. Ein Beduinenstamm in Palästina wünscht zum Judentum überzutreten. Jerusalem. (J. T. A.) Ein Beduinenstamm, der den Namen Al Shmalni führt und jetzt in der Nähe von Safed sein Lager aufgeschlagen hat, wandte sich an die palästinensische Regierung mit dem Ersuchen, die Angehörigen des Stammes darin zu unterstützen, dass sie zum Judentum übertreten können. Sie seien nach ihren Traditionen Nachkommen von Juden und wünschen nun, zu dem Glauben ihrer Väter zrückzukehren. Kein Jude seit der britischen Besetzung in Palästina hingerichtet. Jerusalem. (J. T. A.) Wie die palästinensische Telegraphen-Agentur erfährt, sind seit der britischen Besetzung in Palästina laut amtlicher Feststellung 26 Personen wegen Mordes und bewaffneter Aktionen hingerichtet worden. Es befand sich kein einziger Jude unter diesen. Gegenwärtig sind 1418 Personen in den Gefängnissen Palästinas in Haft; davon sind 1377 Christen und Mohammedaner und 41 Juden. Sieben palästinensische Arbeiter zu Geiängnis und Landesverweisung verurteilt. Jerusalem. (J. T. A.) Sieben Arbeiter, der extremen Linken angehörend, wurden am 12. Juli in Haifa einem Verhör unterzogen, weil sie trotz polizeilichen Verbots eine .Versammlung abhielten. Sie wurden vom. Gerichtshof zu einem Monat Gefängnis und zur *Landesverweisung verurteilt. Gegen dieses Urteil ist Berufung eingelegt worden. Die schwere Lage der russischen Emigranten. Warschau. (J. T. A.) Die jetzt in Warschau weilende Hias-Delegation erhielt die Mitteilung, dass in diesem Jahre auf Grund der Quote nur 2248 Emigranten nach Amerika hineingelassen werden können. Da jetzt mehr als 10.000 russische Bürger in den verschiedenen Hafenstädten, meist schon mit amerikanischen Visen versehen, auf die Einreiseerlaubnis warten, hat der amerikanische Konsul in Riga, w~ die erste Etappe der russischen Emigration ist, telegraphisch alle amerikanischen Konsuln Europas aufgefordert, ein genaues Verzeichnis der Emigranten anzulegen, um fcstzustellen, welche von ihnen am ehesten das Recht auf Einreise haben. Die Hias-Delegation ist von ihrem Besuch in Danzig zurückgekehrt, wo sie die Lage der dort weilenden 400 russischen Emigranten untersucht hat. Das Programm der zweiten Jüdischen Welthifskonierenz. Paris. (J. T. A.) Das Exekutivkomitee der Jüdischen Welthilfskonferenz hat nun endgültig das Programm der zweiten Jüdischen Welthilfskanferenz, die vom 21. bis 27. August in Karlsbad stattfindet, festgesetzt. Aus demselben ist hervorzuheben: 1. Das Problem der Kinderhilfe (Ref. Dr. M. Peker und Frau Sejmabgeordnete Rosa Melzer). 2. Das Problem des jüdischen Gesundheitsschutzes (Ref. Dr. G. Lewin, Warschau); 3. Das Problem der Hilfe an die jüdische Intelligenz (Ref. Oberrabbdner Professor Dr. Chajes, Wien); 4. Das Problem der Wiederaufbauhilfe (Ref. Abg. Dr. Oskar Cohn und Jacob Leschinsky, Berlin); 5. Die Krisis der jüdischen Emigration (Ref. Dr. S. Tiomkin und W. Latzki-Bertholdi); 6. Die jüdische Philanthropie und die Beziehungen zu den internationalen humanitären Organisationen (Ref. Zevi Aberson, Genf); 7. Die Vereinigte jüdische Volksbank (Ref. Dr. S. Jocheimann, London); 8. Schaffung eines Rettungsfonds und יי