Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 10 (1924)
- Issue
- 29 (18.7.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 196 JÜDISCHE PRESSE Nr. 29 sich als religiöse Gemeinschaft etablieren können. Allein es scheint die Befürchtung nioht unberechtigt, dass die Wohltat, welche das Mandat den Bekennen! aller Religionen in Palästina einräumt, die selbstverstündliche Wohltat ungehinderter Religionsausübung, der Orthodoxie versagt bleiben׳ soll. Man höre und staune. Die ßchechita dürfen sie nicht ausüben, vielmehr wird diese als Monopol einer 'Organisation überantwortet, die zumindest religiös an der Schechita gar kein Interesse hat, abeT in der Schechita eine ergiebige Steuer quelle zugeiwtiesen erhält. Man denke und staune. Diejenigen Juden, die innerhalb der Ortsgemeinde aus religiösen Gründen besondere religiöse und kulturelle Institutionen beanspruchen, können diesen Anspruch in bezug!auf eine unabhängige Sehechitah nicht geltend machen. Sie sollen durch die Taxe für die Schecäitah gezwungen sein׳, die Institutionen der Urnen aus religiösen! Gründen verpönten Ortsgemeinde und1 des Nationalrates zu unterhalten. Allein, man geht noch!weiter: selbst wenn die orthodoxen Mitglieder sich entschliessen könnten, diese Taxe für eine eigene Schechita zu entrichten, soll ihnen dies verboten werden mit der fadenscheinigen Ausrede: Da die Schechita im Kommunalschlaohthause stattzufinden habe, kann ausser den Funktionären dieser Kommune überhaupt niemand zur Ausführung der Funktion zugelassen werden. Angesichts dieser Tat- Sache können wir es nioht glauben, dass irgend! eine englische Stelle sich zu einer derartigen Vergewaltigung der Gewissensfreiheit hergilbt. Wo erhält man den wirklioh naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialisten künstlicher Haararbeiten für orthodexe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungefi Scheitel herzustellen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster Täuschung nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn BaUa wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschliessen, das eigene Haar* abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Qi# Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers hüflichst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Frans Balla, Wien, IV., Gussbausstrasse 26 Telephon 68-912־ Haben vielleicht etwaige Argumente gegen das längst abgestorbene Volk diese Verfolgungen gegen seine heutigen Abkömmlinge, welche plötzlich nicht nur ihrer Zuständigkeit, sondern auch ihrer Nationalität nach Rumanen sein sollen, veranlasst? Diese Verfolgungen, welche gar nichts scheuen: Ausschliessung aus allen noch so? geringen Staatsämtern, Einführung des Numerus clausus usw. / Wenn aber die Herren Antisemiten diese unschuldigen ״reinen Rumänen“ — entfernte Nachkommen Israels — nur deshalb verfolgen, weil sie ihrer mosaischen Religion treu geblieben sind, warum berufen sie sich dann mit grossen Worten auf den Nationalismus, warum gestehen sie nicht ein, dass sie es nur aus Fanatismus tun? Was sollen wir aber so viele Argumente anführen, wenn uns so viel Tatsachen zur Verfügung stehen? Ini ihrer ganzen Literatur* führen die Herren Antisemiten die denkbarsten Argumente dafür an, dass die Existenz des jüdischen Volkes eine Gefahr für die ganze1 Menschheit bedeute. Ihrd ganze Tätigkeit richtet sich gegen die Solidarität des jüdischen Volkes, welches, allen naiven Völkern zum Trotz, auf der ganzen Erde als׳ ״Einheit“ lebt. Sie reden fortwährend von der grossen Gefahr, welche Rumänien bedrohen würde, wenn das in Rumänien lebende jüdische Volk nicht durch eine ganze Serie von einschränkenden Gesetzen, wie mit einem eisernen Gitterzaun umzäunt, im Zügel gehalten wäre. So berühren sich die Extreme: Die Feinde der Juden treffen sich hier mit deren Freunden, denn alle fordern die Anerkennung der rumänischen Juden als ״Volk“, trotzdem sie kein eigenes Territorium besitzen. 1 Erkennen Sie, meine Herren, auch Ihrerseits, als aufgeklärte Söhne des zwanzigsten Jahrhunderts, diese unabänderliche Wahrheit: die Existenz der Juden als Volk. Gestatten Sie nicht, dass in Grossrumänien eine solche( Fälschung, wie e% die Bestreitung der Existenz eines Volkes wäre — eines Volkes, welches vor aller Welt lebt — in Rumänien möglich wird! Gestatten Sie nicht 'eind solche offensichtliche Gewalttat, welche die ganze zivilisierte Welt verurteilen würde! In Ihren Händen liegt heute die Ehre und die Würde Rumäniens, von Ihnen erwarten wir, dass dieses Blatt in der Geschichte dieses Landes rein bleibt. j Nennen Sie Ihre jüdischen Landsleute, welche für die Vereinigung aller Rumänen ihr Blut vergossen haben, und auch heute bereit sind, für das geliebte Vaterland( jedes Opfer zu bringen, bei ihrem natürlichen, ihrer Ethnographie entsprechenden Namen! Natürlich aber nicht so, wie es die Antisemiten tun, als Gegenstand für Angriffe,1 Repressalien, sondern als! Axiom zur Herstellung der Wahrheit, und indem Sie ihnen jene Rechte geben, welche! in den Friedensverträgen für die Minoritäten vorgesehen! wurden, indem Sie sie als gleichberechtigten Stamm behan־ dein, indem Sie sie als gleichberechtigte Söhne Gross-f Rumäniens betrachten. 1 Dies ist Ihre Pflicht, meine Herren, im Namen der Menschlichkeit und als Führer des rumänischen Haupt• Stammes. , ' Meine Herren! Als Vertreter der Nationalität, welche wirklich zu den Minoritäten Rumäniens gehört, erkläre ich, dass die §>§ 7 und 61 des jUnterrichtsgesetzes ganz verfehlt sind. Es wird darin die Or&ndung von Ele-f mentarschulen in den mehrsprachigen Gebieten in Aussicht genommen, in welchen' die Unterrichtssprache die der jeweiligen Bevölkerung sei, ferner wird die Ernennung eines Religionslehrers für die Kinder anderer Konfession! in Aussicht genommen, jedoch sind diese Paragraphen derart verfasst, dass all dies nur vom Gutdünken des Ministers, d. i. von den jeweiligen politischen Strömungen! und Kaprizen abhängt. > Ein solches Prinzip müsste aber lin einem zivilisierten Lande präzis und genau umschrieben werden, damit dessen Anwendung' nicht umgangen und desse Uebertretung verhindert wird. Wir fordern vom Pariament ein unzweideutiges Gesetz. Statt Karten! Wir laden höfliebst alle Terwandtsn, Freunde und Bekannte rar .בר מצוד unseres Sohnes נן!ן י*ראל (Karl), welche am (19 Juli) בלק *D ך> rav אי״ה um 7 Uhr früh in der Sebiffschule (II.» Grosse Schiffsasse 8) stattfinden wird, eia. 3ס3ף ,?TVTT גרסא קדי׳יון דף ליב pmv nvjr דכמיות um halb 6 Uhr nachmittags, L, Wipplingerstrasse 8/1. SariBr Ailtr Bad Frtv. Rede des Oberrabbiners Senator Zirelsohn Aber die Minoritätenfrage. Oberrabbiner Senator Zirelsohn, Präsident der rumänischen Landesorganisation der Agudas Jisroel, hielt im rumänischen Senate die nachstehende Rede, die bei allen Parteien die grösste Beachtung gefunden hat. Mit dem Ausdruck ״Minorität” bezeichnen wir bekanntlich jene kleinen Volksstämme, welche, neben dem die Mehrheit bildenden Hauptstamm eines Staates lebend,1 letzterem untergeordnet sind. Mit dem Worte ״Volk“ bezeichnen wir aber eine zahlreichere Menschenmenge gleicher Herkunft, welche, seit Jahrhunderten vereinigt, eine ethnische Einheit bildet. Der Besitz eines eigenen; Territoriums in einer anderen Gegend bildet keine unbedingte Charakteristik für das Bestehen eines Volkes. Nicht das Volk ist dasjenige, welches ohne besonderes Territorium nicht leben kann, vielmehr kann das Territorium ohne Volk nicht als kultiviertes Land bestehen. Ungeachtet seines Bodenbesitzes ist daher jedes Volk unbedingt berechtigt — unter welcher Herrschaft es immer leben mag — zu bestehen und sich seiner Eigenart entsprechend zu entwickeln. Leben wir doch in diesem Jahrhundert im Zeichen des Fortschritts! Jedes Hindernis, welches der Staat einem seiner Volksstämme in den Weg der freien Ausübung dieses^ Rechtes legt, bildet eine Verletzung dessen Nationalgefühls; solche Verletzungen können aber in einem zivilisierten Lande nicht gestattet sein. Haben wir jenen Grad der Kultur erreicht, der jede Art von Gewalttat verurteilt! — da die1 Gewalt nur als Erbschaft des Mittelalters! gelten kann — so ist es ganz gleich, gegen wen sieb diese Gewalt richtet; gegen einen dem Staat untergebenen Stamm, welcher irgendwo ein Territorium besitzt, oder gegen einen, der kein solches Territorium hat. Von dieser Voraussetzung ausgehend, erscheint es uns klar wie Sonnenlicht, dass die Rechte der Minoritäten, welche in dem von Rumänien unteischriebenen Friedensvertrag umschrieben sind, sich,auf alle dessen Volksstämme ausdehnen, ohne Rücksicht darauf, ob dieselben Territorium besitzen oder nicht, da der Bodenbesitz keinen Ein■» fluss auf die Existenz eines Volkes hat. Es ist dies eine ganz logische Annahme, welche; schon daraus hervorgeht, dass in dem internationalen Vertrage, welcher eine solche hohe historische Bedeutung hat, von einem Unterschied zwischen ,den verschiedenen Minoritäten des rumänischen Staates nichts erwähnt ist, was zweifellos der Fall wäre, wenn ein solcher Unter-: schied beabsichtigt worden wäre. , ן Kann also diesbezüglich keine Einwendung gegen erwähnten Standpunkt erhoben werden, so ist es nicht, zu bestreiten, dass auch die Judenschaft Rumäniens zu dessen Minoritäten gehört. ' Die Juden bestehen als ״Volk“ seit über 3000 Jahren: Sie finden bereits im Alten ,und Neuen Testament, inj der Geschichte, in der Literatur aller Völker usw. Er-, wähnung. Bei aller Anhänglichkeit und Liebe zu ihrem Adoptivvaterland lebten sie bisher überall als eigenes Volk, welches sich durch Herkunft, anthropologische Eigenart,׳ Religion der Lehre, die selbst den Feind zu lieben gebietet, in dem Sinne lehren und deuten werden, d!ass keiner mehr zu dem Glauben gelangen kann, man dürfe dlie Abkömmlinge des Volkes, dem unsere Propheten, unsere Apostel entstammten, Hass und Abscheu entgegenbringen und es sei eiin!gottgefälliges Werk, wenn man ihnen Hab und Gut ia selbst dias Leben raubt ׳und ich sehe nahen die Zeit, in der man den Abkömmlingen Abrahams, Isaks und Jakobs, der Heiligen unserer Kirche, nicht nur die Schwere, sondern auch die Segnungen des Gesetzes und des Rechtes empfinden lässt, wo kein Schimpf- und Spottwort ihre Kinder trifft und liebevolle Gefühle em Band um alle Menschen schlingen. Dem (Herbeiführen dieser Zeit ist mein Leben gewidmet . . .“ Entzückt und! bis In!das Innerste erschüttert lauschte ich der mit flammender Begeisterung gesprochenen Rede des Priesters. Welche Worte des fiankes ich stammelte — ich weiss es nicht. Sie schienen dem Priester zu gefallen. HerzKch meine Hand ergreifend, sagte er: ״Aber das grosse Ziel, dem wir zustreben, bedarf auch der gleichzeitig beginnenden ׳Mitwirkung seitens der Juden.“ Meinen fragenden (Blick auffamgend, fügte er hinzu: »,Wie dies gemeint ist, darüber wollen wir morgen weiter sprechen. Es ist spät geworden und ich bin ein wenig ermüdet“?*rtsetauc folgt) Glaubensbekenntnis, Tradition, Sitten, Gewohnheiten und Sprache von den anderen unterscheidet. Das Gegenteil zu behaupten und ,festzustellen, so wie es das! Unterrichtsministerium mit Bezug auf die jüdischen Elementarschulen zu tun bestrebt ist, und den( Standpunkt zu vertreten, dass eineinhalb Millionen rumänischc Juden nicht bloss treue Untertanen Rumäniens' seien, sondern echte Rumänen, wäre ,eine Fälschung der Geschichte, ein Attentat auf die Wahrheit, welches viele Jahrhunderte hindurch Bestätigung gefunden hatte, schliesslieh eine Missachtung dieses Volkes, welches die Welt um di-* grössten Genies in allen Zweigen menschlicher Tätigkeit bereichert hat. 1 Gegen eine solche himmelschreiende Fiktion werden nicht nur die Juden der ganzen Welt, sondern die ganze zivilisierte Menschheit protestieren. Es ist leicht, sehr leicht, die verschiedenartigsten Ausreden zu finden, um den Machtgelüsten des Stärkeren gegenüber dem Schwächeren Genüge zu tun. Die Geschichte aber, dieser unparteiische Richter, der stets den! aus solchen Vorwänden gewebten Schleier lüftet, entdeckt immer die sich darunter versteckende Gewalttat, welche sie dann als mittelalterliche Barbarei kennzeichnet. Meine Herren, diese Barbarei wäre nicht mehr möglieh, würde nicht die rumänische Regierung aus dem( völlig fiktiven Vorwand heraus, dass die Juden kein eigenes Territorium besitzen, die der Wahrheit trotzende Behauptung aufstellen, die Juden — dieses Volk, welches sich auf dem Horizont der Menschheit so stark hervorhebt — würden gar nicht als Volkseinheit existieren;) wenn diese sich beute auf die Bajonette stützende Regierung nicht bestrebt wäre, das alte, doch immer junge jüdische Volk, welches im Laufe so vieler Jahrhunderte der Assimilation widerstand, in den rumänischen Hauptstamm aufgehen zu lassen. Dieser schon lange überlebte Obskurantismus ist im Zeitalter des Fortschrittes, ץ im Namen des Wohlergehens dieses Landes mit aller Entschiedenheit zu verwerfen. Nicht nur die Vernunft und die Logik, die ethnographisch-historische Wahrheit strafen obenerwähnte fiktive Begründung Lügen. Die Regierung selbst hatte am 26. März v. J. gelegentlich der Annahme der neuen Konstitution das im ״Monitorul Oficial“ Nr. 56! vom 19. Mai veröffentlichte Gesetz gebracht, welches das jüdische Volk unte die durch die Friedensverträge geschützten Minoritäten mit folgenden Worten reiht: ״Die juridische Lage aller Einwohner der angegliederten Provinzen erscheint durch die erfolgte Vereinigung und durch die Friedens Verträge geregelt, und fand diese Regelung bereits in den Wahlgesetzen dieser Provinzen ihre erste Anwendung.“ 1 Nach einer solchen Anerkennung ist jeder Versuch, das von dem Parlament und von der Regierung feierlich' angenommene Gesetz zu umgehen, ganz unmöglich. Es ist nicht mehr denkbar, unter der Maske eines besonderen Regimes die früheren Verfolgungen gegen die1 Judenschaft in den neuen Provinzen und im alten Königreich wieder aufleben zu lassen. f Ich gehe noch weiter und sage Ihnen, meine Hc^renj dass in dieser Angelegenheit die eifrigsten Verteidiger der Juden die Antisemiten selbst sind. Sie erkennen una| als eigenes Volk an, sie bekämpfen uns als ״solches“^ sie erkennen uns als Semiten an, deshalb dieses so giftige ״anti“ mit allen seinen Waffen schwersten Kalibers. Würden wir, die nirgends auf der Welt ein eigene►' Territorium besitzen, plötzlich als reine Rumänen noch einmal auf die Welt kommen, so mussten auch sie ilu* so scharfes ״anti“ aufgeben. Wenn die semitischen Juderi in Rumänien nicht existieren, wenn hier nur Riftaänen! leben, ״Rumänen“, deren Ahnen vor zweitausend Jahren ein anderes, eigenes Land hatten und ein besonderes semitisches Volk bildeten, mit wem kämpfen dann die heutigen Antisemiten? Kämpfen sie mit einem Volke, welches schon lange Land und Boden verloren und aus diesem Grunde nicht mehr besteht? Kämpfen die Rumänen gegen die Juden, nur weil diese Nachkommen eines schon längst verschwundenen semitischen Volke• sind? . | Brautausstattungen Billigst« Binkaaferaelle ia Leinenand Damaetwaren, CkiffiM, ••wie in Taschenm!d Tieekttchem etc. Leepold Leierer »1•(J2Ä griee), Teleph•■ <1-8-71