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Jüdische Presse · 1924-07-18 · 29 (18.7.1924) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
29 (18.7.1924)
Date
1924-07-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V.b.b. JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion und Administration: Wien, II.. Malzgasse 12a - Telephon 49.054. Tschecho-Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Für Artikel Sonntag, rar Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Oanzjährig: Für Oesterreich K80.000, Deutschland Ooldmark 8, Polen Zloty 8, Tschecho-Slowakei Kd. 70, Schweiz Frcs. 10, Amerika Dollar 2, Italien Lire 25, England Shilling 7, Rumänien Lei 800, Jugoslawien Dinar 100, Ungarn K 100 000. Einzelnummer öst. K 2.000. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenantWien, Konto Nr. 13.45S; ffir Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschecho-Slowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217: f.Rnmftnien: Banca Marmarosch Blanc 81 Co für Florenz ft Co, Bukarest; für die Schweiz: Postscheckk. Luzern VII. 1470. ■r. 29 | Wien-Bratislava, 18. Juli 1924 .ב*ה ויענה־םרעםםבורג יו תמוז תים*ד IOa Jahrg. Schützet die Gemeinden! Die jüdische Kehilloh, einst in Erez Jisroel der natürliche Rahmen der Lebensentfaltung unseres Volkes, wurde nach dem Zusammenbruch ins Golus hinübergerettet. Da wuchs sie noch und ward zur Kehilloh K e d a u s c h o, zur ״heligen“ Gemeinde. Die schrecklichen Jahrhunderte der Zerstreuung konnten den festen Grundlagen dieser ״heilige n“ Gemeinde nichts anhaben. Die Angriffe von aussen hatten vielmehr die Mauern der Gemeinde zu einem! festen Bollwerk werden lassen, das allen Kindern der Gemeinde Schutz und Schirm ward. Diese ״heilige“ jüdische Gemeinde bildete mit ihren Lehrhäusem und Wohlfahrtsanstalten den Quell reichen Innenlebens in der äusseren Armut jener düsteren Jahrhunderte. Was der Feind von aussen nicht erreichen konnte, ward der jüdischen Gemeinde von innen zugefügt. Die Assimilation der liberalen Aufklärung im 19. Jahrhundert ergriff einzelne Glieder der Gemeinde, welche die alte Mutter, die jüdische Kehilloh, in zeitgemässe Modekleider stecken und sie so verjüngen wollten. Diese individuelle Assimilation hat zu allererst die Grundfesten der alten jüdischen׳ Kehilloh erschüttert. Der Aufstieg des Nationalismus in Europa hat es bewirkt, dass viele Söhne des jüdischen Volkes sich und ihr Volk als eine Nation׳, gleich den anderen, begriffen. Der erste Wortführer dieser nationalen Assimilation, Theodor Herzl, hat mit dem Schlachtruf ״Erobert die Gemeinden!“ den Ansturm der jüdischen Nationalisten gegen die Gemeinden eröffnet, die bereits durch die Reiformbestrebungen der liberalen Assimilanten unterwühlt war. Noch hatte die nationalistische Brandung nicht ihren Höhepunkt überschritten und schon zieht der neue Feind im •Osten, die jüdischen Sozialisten, mit der •Lehre Marx‘ in der Hand, gegen die jüdische Gemeinde, die auf den Grundsätzen! der Lehre Moses aufgebaut ist, los. Es ist die Tragik der Geschichte, dass nun in Erez Jisroel gerade unter englischer Herrschaft, die sonst die edle Verteidigerin menschlicher Gewissensfreiheit ist, eine! Gemeindeordnung geplant wird, die allen Riehtungen, die bisher der religiösen Gemeinde so viel Schaden zugefügt haben, Tor und Tür öffnet. Bloss die Verteidiger der alten jüdischen Kehilloh Kedauscho, die in den finsteren Jahrhunderten des Golus der leuchtende Ausdruck des Gottgewollten Lebens unseres Volkes war, sollen von der Schwelle gewiesen werden. ,Es ist jüdische Tragik auch im heiligen Lande, für das Selbstverständlichste im •jüdischen Volke, für das unbehinderte Leben auf Grund der Thora kämpfen zu müssen. Die thoratreue Judenheit wird für diese selbstverständliche Lebensnotwendigkeit mit allen Kräften eines spontanen Selbsterhaltungstriebes kämpfen. Nicht nur diie thoratreue Judenheit des heilägen Landes, sondern auch die Orthodoxie deir ganzen Welt, soweit sie mindestens in Agudas Jisroel organisiert ist, wird, gestärkt durch die Erfolge des Wahlkampf es in Polen, alle ihre Kräfte sammeln, um in dem Entscheidungskampfe, wo es um die älteste, erhabenste, umfassendste jüdische Institution, um die Kehilloh Kedauscho geht, auch siegreich zu bleiben. Zur neuen Gemeindeordnung in Erez Jisroel. Von unserem Londoner Korrespondenten. Der High Commissioner in Jerusalem und das Kolonialamt in London sind fest entschlossen, den Juden oder richtiger gesagt einem Teil der Juden in Palästina eine Gemeindeordnung zu geben. Das ist der einzige Rest, der von der Balfour-Deklaration geblieben ist. Keine sichere politische Stellung, keine Erleichterung der Einwanderung, aber ein Judengesetz, dessen sich vielleicht sogar das reaktionäre Preussen von 1847 schämen würde und welches Be- Stimmungen enthält, die selbst in der dunkelsten Zeit des zaristischen Russland niemals ersonnen wurden. Wenn dieser Entwurf Gesetz werden sollte, so wird die Gewissensfreiheit in Erez Jisroel den Zionisten als freie Beute hingeworfen; statt d!es Landes wird ihnen die Thora zur freien Verfügung preisgegeben. Wie wir aus sicheren Quellen!!erfahren, benutzt Sir Herbert Samuel seine Anwesenheit in London, um zunächst den Entwurf zur Regelung der Gemeinde- Verhältnisse in Erez Jisroel mit dem Kolonialamt durchzubesprechen und ihn sodann einer allgemeinen öffentlichen Kritik zu unterstellen. In London wird allgemein behauptet, dass der nun bekannte Entwurf, der nicht nur bei den Rabbi Chaim Sonnenfeld! nahestehenden, sondern bei allen orthodoxen Kreisen Bestürzung hervorgerufen hat, nur durch eine Indlsfkretion veröffentlicht worden •ist. Dafür spricht schon die Erkenntnis, dass •dieser Entwurf solche Ungeheuerlichkeiten juristischer Art enthält, dass keine Behörde ihn zum Gesetz erheben kann. Es h'eiisst zum Beispiel unter A. I.: ״Die Juden Erez Jisroel errichten eine anerkannte Rechtsgemeinschaft, die das Recht hat, zur Führung der reiigiösen und1 weltlichen Angelegenheiten der jüdischen Gemeinschaft eine religiöse und •eine weltliche Behördeorganisation zu schaffen.“ In der Tat ist das Gesetz nur für diejenigen vorgesehen, die sich (vergleiche C. 6) dem Nationalrat amschliessen wollen. Wir haben demnach nur mit einem Gesetz für den rein völkisch orientierten Teil der palästinensischen Judenheit zu rechnen. Dass der Entwurf die Prätention erhebt, als ob er die jüdischen Verhältnisse überhaupt in Palästina regeln wollte, ist eine unbewusste Täuschung. Jenen Juden aber, die einer auf Grund des vorliegenden Entwurfes organisierten Gemeinde aus Gewissensbedenken nicht angehören wollen, wird die Regelung ihrer religiösen Bedürfnisse durch Schaffung einer dem wirklichen jüdischen Zibur Rechnung tra* genden Kehilloh in ausserordentlicher Weise erschwert. Nach dem Entwurf soll nämlich! ״jeder Volljährige, der seinen Namen aus den® Verzeichnis gestrichen sehen will, binnen Monatsfrist nach Veröffentlichung bei tbm Bureau des Nationalrates1 eine entsprechende Erklärung abgeben“.!In zivilisierten Staaten beschritt man einen anderen Weg; man hat von denjenigen, die unter das Sondergesetz fallen wollen, eine dahingehende Erklärung verlangt. Das Schlimmste an dem ganzen Entwurf ist aber, dass diejenigen Juden, die sich dem Nationalrat nicht unterwerfen wollen und sich aus dem Verzeichnis des Nationalrates streichen lassen, überhaupt aüsi nicht vorhanden betrachtet werden. Ueber ihre rechtliche Stellung wird im vorliegenden Entwurf kein Wort verloren. Wir glauben allerdings, dass sie genau so wie die Christen! und Anhänger des Islam in Palästina; Der Traum des Rabbi. ^Fortsetzung.) Er schien nach Worten zu suchen. Zum ersten Male erfuhr ich, dass auch •dieser Mann einer menschliehen Schwäche unterliegen könne, aber meine mit Verwunderung gemengte Genugtuung darüber wurde im Keim erstickt, als ich einem Blick aus seinen Augen begegnete, der mir das Blut im Leibe erstarren in achte. Ich wurde an das Wort des Talmuds erinnert, dass ein Blick töten könne. Aber im nächsten Moment hatte sich der Priester gefasst. Mit sanfter Stimme sagte er: ״Lassen wir den Streit über Buchstaben. Im Geiste allein liegt •die ewige Wahrheit, die nicht wir finden, sondern die uns ergreift. Nur die Liebe kann die Erlösung bringen. Ein Strahl1 der . Gnade von oben, und alle Finsternis, die uns umfängt, schwindet, Licht, Klarheit strömt in!das Herz und ■Satans Macht ist gebrochen für immer. Nur dem Glauben folgt die Erkenntnis.“ Betroffen hörte!ich diese Entgegnung, die eigentlich keine war. Mir schienen diese Worte dunkel. 'Und sie blieben es mir auch, so sehr sie sich mir ins Gedächtni׳s prägten, so oft ich sie mir wiederholte. Aber ich sohwieg. Aus Schüchternheit, denn der Priester hatte in seinem Wesen allein schon Imponierendes; und dann überdies kam mir der Gedanke, es könnte den Anschein haben, :ich wolle den Priester zu meinem Glauben bekehren, wie Wahnsinn vor. Und doch fühlte ich ׳es zugleich, dass die Verteidigung, die Abwehr zugleich den schwersten Angriff enthalte. Wie der Priester mein Schweigen deutete? Ich weiss es nicht. Aber ich merkte, dass er von da an in seinen Gesprächen mit mir!zumeist bei anderen Themen, namentlich bei den Leiden, die die Söhne Israels unverschuldet erleiden, verweilte. Eines Tages empfing er •mich in ungewöhnlich feierlicher Miene. ״Ich will Ihnen nicht länger vorenthalten — begann er — was seit langem schon unausgesetzt meinen Geist beschäftigt, a׳n dessen Verwirklichung ich mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln arbeite. Sie werden das Geheimnis hüten, das weiss ich, denn ich habe Sie geprüft; ich verlange auch keinen •Eid von Ihnen, dass Sie schweigen ... Es raubt mir die Ruhe meiner Seele, wenn ich erfahren muss, wie bald!da, bald dort schlechte Juden, darunter selbst Frauen und Kinder, als Opfer des Fanatismus, der Verleumdung, des Vorurteils und der ׳Un- Wesenheit gemordet werden, noch dazu angeblich zur höheren Ehre unserer Religion. •Die Unseligen ahnen nicht, dass sie durch!ihr Tun Gott lästern und ihre Seele der ewigen Verdammnis preisgeben. Wenn ich so denke, was sollen dann die Glaubensgenossen der Gemarterten, der Beraubten, der Ermordeten fühlen? Aber was könnte ich alle! gegen diese mächtige, nur hie und da vorübergehend gehemmte Hasströmung, die Israel bedroht, ausrichten? Die Stimme des einzelnen würde erfolglos verhallen, ja vieleicht ihn selbst in Gefahr stürzen. Den Kampf gegen diesen verbrecherischen Wahn aufzunehmen, dazu gehören die Kräfte vieler Gleichgesinnter, die vor allem von der Ueberlzeugung durchdrungen sind, unserer •heiligen Religion zu dienen, wenn sie den Verfolgten helfen.!Die Priester unserer Religion sind in erster •Reihe •die Berufenen, die Verpflichteten, dieser Schmach ein Ende zu bereiten. Ich stehe nicht allein mehr da. Schon ist es mir gelungen, das Einverständnis mit vielen Berufsgenossen herzustellen, die, von den gleichen Gefühlen und Gedanken geleitet, zum Hdile unserer Kirche an diesem Rettungswerke zunächst im Stillen und Geheimen mitarbeiten wollen. Es •gilt vor allem, die Priester zu erkennen, die reif für diese erhabene Idee sind, und wann die Zeit gekommen sein wird, mit vereinten Kräften für sie eintreten. Es ist gesorgt dafür, dass diese Werbetätigkeit nicht an die Grenzen eines Landes gebunden bleibt.“ Der Priester teilte mir auch manche Einzelheiten seines gewaltigen, weltumspannenden Planes mit und schloss: ״Dieses Werk bedarf natürlich grosser, viel, viel Zeit umfassender Vorbereitungen. Was in Jahrhunderten gesündigt wurde, dessen Heilung kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Aber sie wir<| kommen die Zeit, wo die Besten unseres Priester- Standes in allen Ländern und in allen Sprachen von der Kanzel, dem Katheder, dem Beichtstühle aus dife - Wie»!.— -— Ktratnerfintf Dir. 4 (gegesiier ica 8»u1 irtttti), cti. ' DU grösste tnurMtienaU Kunstwerksrötte für ■־—— Perücken. 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