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Jüdische Presse · 1924-07-11 · 28 (11.7.1924) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
10 (1924)
Issue
28 (11.7.1924)
Date
1924-07-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 188 JÜDISCHE PRESSE Nr. 28 gierung ein Memorandum ׳unterbreitet und zugleich an das Kolonialamt in London telegraphieret Es wird ersucht alle Mittel zu׳ ergreifen, um die Mörder Dr. de Haans ausfindig zu machen und' zu •bestrafen. Zu gleicher Zeit wird nachdWiddich ersucht, den ׳jüdischorthodoxen kommunalen Organisationen in Palästina volle Freiheit zu gewähren; das wäre d!as einzige Mittel, dem Konflikt zwischen den beiden jüdischen Parteien in Jerusalem Einhalt zu!gebieten. Der Lebenslauf de Haans. Amsterdam. (A. J. P. B.) Dr. de Haan ist im Jahre 1881 in Holland geboren. Sein Vater war Kantor, der seinen Sohn in echt religiösem Geiste erzog. Jakob Israel de Haan hat seine Laufbahn als Lehrer begonnen, später juristische Studien betrieben und ist im Jahre 1916 Advokat geworden. Er hat auch als Literat und Journalist in diesen Jahren viel gearbeitet, und Gedichte und Aufsätze in den holländischen Zeitungen veröffentlicht. Dr. de Haan nahm auoh einen hervorragenden Platz in der 'jüdisehen nationalen!Bewegung ein und!war führendes Mitglied des holländischen Misrachi• Als Misrachist fuhr er unter grossen Opfern im Jahre 1919 naoh Palästina. Dort bekleidete er edn Lehramt als Professor der Rechtswissenschaft an den Hochschul־ kursen der englischen Regierung. Allmählich bekannte er sich als Gegner der zionistischen Bewegung. Professor!Dr. de ׳Haan ist als Mitglied der orthodoxen!Delegation anlässlich des Besuches von Lord Northcliff in Palästina in die politische Oeffentliohkeit getreten. Da dieser Schritt zum ersten Male die grosse nichtjüdische Oeffentlichkeit auf die tiefen Gegensätze zwischen der Orthodoxie und der zionistischen Organisation aufrnerksam machte, unternahm die zionistische Presse eine unverantwortliche Hetze gegen die Orthodoxie dm allgemeinen und gegen die Mitglieder der Delegation im besonderen. Eine verbrecherische Organisation, die sich selbst als die ״Schwaitze Hand“ bezeichnete, überfielen den greisen Rabbiner!Bernstein, das Mitglied der orthodoxen Organisation bei Lord Northcliff, der schwer verwundet wurde. Diese Heldentat bildete den Auftakt zu den Versuchen, mit roher Gewalt die Stimme des alten Jisobuw zu ersticken. Sowohl Rabbiner Sonnenfeld wie Rabbiner Diskin erhielten Drohbriefe zugesandt, die mit den lieblichen an die russischen Zustände gemahnenden Namen, die .,Schwarze Hand“ unterzeichnet waren. Prof, de Htan erhielt folgenden Brief: ״De Haan! Hiedurch teile ich Ihnen mit, dass Sie, falls Sie unser •Land nicht bis!zum vierundzwanzigsten dieses Monats verlassen haben, gleich einen! gemeinen Hund tu. geschlagen werden. Ah? Ihre Bemühungen, den Schreiber dieses zu entdecken, werden nutzlos sein. Nutzlos werden auch alle Bemühungen sein, gegen uns sich zu schützen• Und wenn Ihr sogar mit Polizeiibeamten und Kriminalen Euch umgebet, wir werden trotzdem Euch treffen, um das heilige Gebot zu erfüllen: ״Und Ihr sollt das Böse aus Euerer Mitte wegschaffen.“ Daran denkt und vergesset nicht: Den vier- und'zwanzigsten. Denkt an diesen Tag! Die schwarze Hand.“ Selbstverständlich rückten alle anständigen Elemente möglichst weit von der ״Schwarzen Hand“ ab. Auoh das offizielle Organ ״Haarez“ hat sein Bedauern über diese Exzesse ausgedrückt, obwohl dasselbe Organ in seiner Nummer vom Jahre 1922 unter dem Titel ״Verräter“ wörtlich folgendes schrieb: ״Eine Sache steht fest. Der ganze Jischuw und auch unser Volk in der Diaspora muss diesen Verrätern Wo erhält man den wirklioh naturgetreuen SCHEITEL? Dem bekannten Spezialiiten künstlicher Haararbeiten für orthodoxe Frauen, Franz B a 11 a, ist es nach Jahrzehntelangen Bemühungen endlich gelungen Scheitel herzusteilen, die dem eigenen Haare mit verblüffendster T&uschuog nachgeahmt sind. Nach einem Besuche in dem Atelier des Herrn BaUa wird sich jede orth. Braut leichten und freudigen Herzens entschlossen, das eigene Haar abschneiden zu lassen und einen Scheitel zu tragen. Die Damen werden zum Besuche des nachstehenden Ateliers höflichst eingeladen, woselbst Modelle kostenlos ausprobiert werden. Franz Balla, Wien, IV., Gusshausstrasse 26 Telephon 68-9-12 zeigen (gemeint ist die orthodoxe Delegation), dass diese Elemente und diese Orthodoxie keinen Anteil und kein Erbe an unserem Volke besitzt. Verstossen und verbannt müssen sie aus unserer jüdischen Gemeinchaft sein, so weit sich diese erstreckt.“ Die Orthodoxie in der ganzen W׳elt hat überall in öffentliehen Versammlungen scharfen Protest gegen die terroristische Vorgangsweise unverantwortlicher Elemente in Jerusalem״ erhöben. So in Warschau, Kowno, Wien und Frankfurt, wo ׳grosse öffentliche Protestversammlungen stattfanden. Auch die Orthodoxe Presse erhob ihre warnende Stimme gegen den Zionistenterror. So schrieb die ״Jüdische Presse“ in ihrer Nummer vom 3. März 1923: ״Der Dolmetsch der orthodoxen Beschwerden war der bekannte holländische Schriftsteller und Misrachist Prof. Dr. de Haan. Er!konnte nicht mitansehen, wie die ״thoratreue“ Misrachi von der liebevollen Toleranz gegenüber den zionistischen Ausschweifungen in Palästina war, hingegen die ehrwürdigen eingesessenen Gaonim, die seit Jahrzehnten treue Wacht am Jordan halten, von den misrachistischen Häuptlingen tagtäglich herabgesetzt und gekränkt wurden. De Haan hat zum Schrecken der jetzigen zionistischen Machthaber, schon vor längerer Zeit, als aktiver Misrachist, in holländischen Tagesblättern, welche seine Beiträge gerne sehen, gegen die Entartung der Zionisten in Erez Jisroel gewettert. Sein Eintreten für die Aguda entspringt der reinsten Ueberzeugung und er ist sioh wohl bewusst, dass er sich den rücksichtslosesten Hetzen und Verfolgungen aussetzt.“ Die zionistische Hetzpress׳e hörte selbstverstündlich nicht auf, den Schritt der Delegation vor Lord Northcliff als Verrat gegen das jüdische Volk zu verleumden. Um dieser Irreführung entgegenzutreten, veröffentlichte der Sprecher der Delegation, Prof, de Haan, nachfolgenden Brief an Lord Northcliff in der Londoner ״Times“: ״Sehr geehrter Herr! Bei der Zusammenkunft, welche die Delegation des ״Waad Hoir Haaschkenasd“ mit Ihnen hatte, scheint ein Missverständnis in bezug auf die Forderungen der Delegation voitzuHegen, welches geeignet ist, den wahren Sinn ׳derselben völlig zu entstellen. Viele Zeitungen haben dieses Miss- Verständnis benützt und den Sachverhalt völlig falsch dargestellt. Die Delegation hat niemals daran gedacht, sich gegen den zionistischen Grundgedanken, die Rückkehr des jüdischen Volkes in sein Heimatsland, auszusprechen und selbstverständlieh auch nicht gegen die Balfour-Deklaration, welche dem ganzen jüdischen Volke ungemein wertvoll ist. haben w!ir es doch erst vor wenigen Monaten!aus allen Zeitungen erfahren, ׳dass sogar im Erez Jisroel lfm Heiligen Lande ׳eine Wiener Gruppe fussballspielender junger Leute mit wahrhaft fürstlichen Ehren empfangen worden ist. Es wurden diesen׳ jungen!Männern!im buchstäblichen Sinne des Wortes Triumphbogen ׳err׳chtet. Wie viele Menschen׳ ׳verbringen in Erez Jisroel ein Leben reinster Frömmigkeit, Selbstlosigkeit, voller Tugend, voller Verdienste um ihre!Mitmenschen — sie b'^uben unbeachtet, kein (Mensch schert sioh um sie. ■Da־ gegen unternehmen ein paar junge jüdische Burschen ׳©ine Vergnügungsreise nach Palästina, die absolut nichts geleistet haben, die nichts können, als flink springen und geschickt mit Fussbällen spielen, mit Lederbällen, die nicht nur so gross Sind wie ihre Köpfe, sondern meistenteils auch so hohl sind wie diese — und sie werden dort umjubelt und mit königlichen Ehren empfangen und bewirtet! Eie elauihceho jisroel? Sind das jetzt deine Götzen! Israel? Ist es bei solcher Verhimmelung der Sportler nun ein Wunder, wenn unseren unreifen Söhnen ein tüchtiger Fussballspieler als!nachahmenswertes Vorbild, |ja als Ideal vorschwebt? Ich höre selbst manchen reifen (Mann sagen, es sei doch besser, die ׳Jugend spiele Fussball Im Freien, als dass sie im!Wirtshaus beim Alkohol oder im rauchgefüllten Kaffeehause beim Kartenspiel sitze. Gewiss, wenn nur die Wahl zwischen Wirtshaus und Alkohol, bezw. Kaffeehaus und Kartenspiel einerseits und Sport im Freien andererseits bestünde, wäre letzteres sicherlich als ׳das kleinere Uebel vortzuziehen. Aber hat der junge Mann aus religiösem jüdischen ׳Hause keinen dritten Ausweg? Neulich war ioh!bei einem Wettstreite jüdischor.hodoxer Jünglinge anwesend. Es war dies auf keinem freien Spielplätze. In einem grösseren Saale der (Wiener Leopoidstadt, Ecke der Oberen Donaustrasse und Flossgasse spielte er sich ab. Eine Reihe von Jünglingen mit durchwegs intelligenten Gesiebtem sass hier versammelt. Jeder von ׳ihnen hatte ׳einen grossen Talmudfolianten vor sioh liegen. Mit lebhaften Gesten und blitzenden Augen disputierten sie laut. Es war ein Wettkampf;im Talmudlernen. Der Satz kam mir in den!Sinn: ״Reuh ma ben bni l’ben chomoh!“ Seht den Unterschied! Diese jungen ׳Männer, die tagsüber in Geschäften, Bureaus, Werkstätten oder Fabriken mitunter schwer arbeitend verbringen, versammeln sich ■hier ׳jeden Abend um zu lernen; Und mit welchem Eifer siie lernen! Wo findet man nocli solchen 1Idealismus? Ich vertrete durchaus nicht den Standpunkt, dass wir unsere Söhne zu hoohrüokigen, kurzsichtigen, schmalbrüstigen Stubenhockern und Bücherwürmern erziehen sollen. Schon der Talmud lehrt ja, dass wir unsere Kinder zum Beispiel in Schwimmen unterrichten! lassen sollen. Gegen vernünftige leichte körperliche Uebungen hat wohl niemand was einzuwenden. Aber fort mit dem üblichen, ebenso widersinnigen wie verrohenden und direkt g esu ndheiitsschädlichen Sport! Das Judentum braucht keine Fussballer, keine Boxkämpfer und keine Akrobaten. Aber das Judentum brauoht Riesen und Athleten. Es braucht Riesen dies (Geist16 und Athleten des Willens. Die Ursache des ׳Missverständnisses liegt meines Erachtens in dem Wort ״Zionismus44, welches manchmal als Ausdruck für die Rückkehr dos jüdischen Volkes in das Land seiner Väter gebraucht wird, manchmal aber auch als organisatorischer Begriff der Zionistischen Partei. In ersterem Sinne , welche die Hoffnung des jüdischen Volkes darstellt, sind fast alle Juden Zionisten und insbesondere ausnahmslos die orthodoxen Juden, welche täglich dreimal in ihrem Gebet den Wunsch der Rückkehr nach Zion aussprechen. Aber nach der zweiten Auffassung des Wortes ״Zionismus“ sind keineswegs alle Juden Mitglieder der zionistischen Organisation. Ein Teil der Orthodoxie ist im ״Misrachi“ organisiert, welche eine Föderation innerhalb der zionistischen Organlsation darstelt und ein anderer Teil der Orthodoxie, welcher auch der ״Waad Hoir Haaschkenasi“ angehört, ist in der ״Agudas Jisroel“ organisiert, deren Palästinaprogramm darin besteht, das jüdische Volk mit dem jüdischen Land durch ihre Unterstellung unter den Geist der Thora und der religiösen Tradition zu vereinen. Aus religiösen und kulturellen Gründen hat bis jetzt ״Agudas Jisroel“ noch nicht den Weg zu einer gemeinsamen Arbeit mit der zionistischen Organisation gefunden. ״Agudas Jisroel“ steht nicht im Gegensatz zu dem Gedanken des ״nationalen Heims“ für Juden. Es haben auch schon Verhandlungen zwischen der zionistischen Organisation und der ״Agudas Jisroel“ staügefunden, um eine gemeinsame Arbeit zu ermöglichen. ״Agudas Jisroel“ hat bereits für den Aufbau Palästinas g׳e־ arbeitet und wird weite* dafür wirken. Sie hat speziell für wirtschaftUchc Betätigung in Palästina senon mehrere Delegationen entsandt und einen eigenen Fonds für der! wutschaftlichen Aufbau Palästinas eingerichtet. Ich wäre sehr verbunden, wenn Sie gestatten würden, diesen Brief in allen Zeitungen, die Ihnen unterstehen, zu veröffentlichen und verbleibe mit Hochachtung I. I. de Haan.“ In einer anderen Erklärung präzisierte Prof. Dr, de Haan seinen Standpunkt dahin, dass er bloss für die Beseitigung eines ernsten Mangels der Balfour-Deklaration kämofe, der darin liegt, dass die Balfoui-Deklaration zwar für die religiösen Rechte anderer Konfessionen, nicht aber für die Rechte der Juden auf religiöse Betätigung Schutz bietet. Die Neugestaltung der innerjüdischen Verhältnisse vollziehe sich -unter nationalistischen Gesichtspunkten, worunter die von Alters her erworbenen Rechte der Orthodoxie leiden müssten. De Haan kämpfte trotz ständiger Bedrohung mit bewundernswertem Mut an der Seite der Orthodoxie. Vor einiger Zeit hat die Orthodoxie bei der Regelung der Jurisdiktion über die Sitftungen auoh Erfolge erizielt; es blieb aber noch die überaus wichtige Frage der Organiserung der Gemeinden, die das Lebensinteresse der palästiuensischen Orthodoxie berührt. Diese Frage sollte jetzt in London ׳endgültig entschieden werden, und damit stand die beabsichtigte Reise de Haans nach London vermutlich im Zusammenhang. Ausser dieser Stellungnahme Prof, de Haans zu den innerjüdischen Angelegenheiten der palästinensischen Judenheit war noch ein anderes Gebiet seines Wirkens ein Stein des Anstosses in den Augen der Zionisten: nämlich in der Frage der zionistischen Politik den Arabern gegenüber. De Haan vertrat den Standpunkt, dass man mit der Tatsche, dass zurzeit in Palästina eine arabische Majorität existiert, sich äbfinden müsse, dass die jüdische Siedlung in Palästina nur bei einer friedlichen Verständigung mit dieser vorhandenen arabischen Majorität sich vollziehen kann. Als Vertreter dieser araberfreundlichen Politik kam er in ein enges Freundschaftsverhältnis mit führenden ׳arabischen Persönlichkeiten, selbst König Hussein und dessen Familie haben ihn mit vielen Beweisen ihrer Freundschaft ausgezeichnet. Anlässlich der jüngsten Anwesenheit!König Husseins in Transjordanien haben die Vertreter ■der Orthodoxie es für nötig gehalten, eine Woche nach der zionistischen Delegation vor König Hussein ׳zu erscheinen, nachdem die zionistische Exekutive in Palästina es abgelehnt hatte, gemeinsam mit den Orthodoxen eine Delegation zu entsenden. Das Memorandum, an dessen Ausarbeitung auch ■die Grossrabbiner aus Polen teilgenommen haben, betont den Wunsch des jüdischen Volkes, mit allen Volksstämmen, die das heilige Land bewohnen, in friedlicher Zusammenarbeit beim Aufbau des heiligen Landes, das der zentrale Mittelpunkt der jüdischen Sehnsucht ist, mitzuarbeiten. Agudas Jisroel als Weltorganisation der selbständigen thoratreuen Brautausstattungen Billigste EinkaufsqueUe in Leinen- und Damastwaren, Chiffone, sowie in Tasehen- und Tischtttchern etc. Leopold Lederer atlege’ 6 (nächst Sabgries), Telephon 65-8-71

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